Wie kommt es zum Hirntod? Definition und Ursachen Inhalt Das Gehirn als Steuerungszentrale des Körpers Wenn das Gehirn nicht mehr durchblutet wird Ursachen für den Hirntod Was kann beim Hirntod noch wahrgenommen werden? Der Hirntod beschreibt den vollständigen und unumkehrbaren Ausfall aller Funktionen des Gehirns: von Großhirn über Kleinhirn bis hin zum Hirnstamm. Er gilt nach medizinisch-wissenschaftlichem Standard als sicheres Zeichen des Todes. Ursache ist meist eine schwere Schädigung oder Unterbrechung der Sauerstoffversorgung des Gehirns. Lesen Sie hier, wie der Hirntod entsteht und welche Prozesse im Körper dabei ablaufen. Kurz gefasst Das Gehirn wird über das Blut konstant mit Sauerstoff versorgt. Es reagiert sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel. Schon wenige Sekunden ohne Sauerstoff können zu Bewusstseinstrübungen (Ohnmacht) führen. Hält die Unterbrechung länger an, entstehen Schäden am Hirngewebe und Hirnzellen sterben unwiederbringlich ab. Fällt die gesamte Hirnfunktion aus, liegt der Hirntod vor. Mit dieser Diagnose ist der Tod des Menschen nach neurologischen Kriterien sicher festgestellt. BIÖG / Reinhard Rosendahl Das Gehirn als Steuerungszentrale des Körpers Das Gehirn ist nicht nur Sitz von Persönlichkeit und Bewusstsein, es steuert auch lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Bewegung. Die verschiedenen Hirnareale übernehmen dabei unterschiedliche Funktionen: Großhirn : oberste Instanz des Zentralen Nervensystems Kleinhirn : Koordination von Bewegungsabläufen Hirnstamm : Schnittstelle zum Rückenmark, Steuerung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der Atmung. Broschüre "Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod). Antworten auf wichtige Fragen." Der Aufbau des Gehirns Das Gehirn ist die Steuerungszentrale des Körpers und lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen: Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. BIÖG / Sonja Klebe Wenn das Gehirn nicht mehr durchblutet wird Das Gehirn muss kontinuierlich über das Blut mit Sauerstoff und Energie versorgt werden. Wird die Blutzufuhr unterbrochen, entstehen schwere Schäden: Nach wenigen Sekunden: Bewusstseinsverlust (Ohnmacht) Nach wenigen Minuten: Absterben von Gehirnzellen. Sie können sich nicht regenerieren. Dauerhafte Folge: Schreitet der Prozess fort, kommt es zum Unumkehrbarer Ausfall aller Hirnfunktionen, dem Hirntod. Wann gilt ein Mensch als tot? Lesen Sie hier mehr zu den unterschiedlichen Vorstellungen über den Zusammenhang von Tod und Persönlichkeit. Ist das Gehirn vollständig und unwiederbringlich ausgefallen, so ist der Tod zweifelsfrei eingetreten. Auf den Hirntod folgen unweigerlich Herzstillstand und Organversagen . Zwar können Kreislauf und Atmung vorübergehend maschinell aufrechterhalten werden, trotzdem zersetzen Enzyme das Gehirngewebe zunehmend. Eine Rückkehr ins Leben ist ausgeschlossen. BIÖG / Brigitta Petershagen Ursachen für den Hirntod Der Hirntod ist immer Folge einer schweren Hirnschädigung . Häufige Auslöser sind: Erkrankungen: Hirnblutungen, Hirntumoren, Schlaganfällen oder Hirnhautentzündungen Äußere Einwirkungen: Schädel-Hirn-Traumata nach Unfall Indirekte Ursachen: Herzstillstand, Herzinfarkt, schwere Herzrhythmusstörungen oder Sauerstoffmangel durch Atemstillstand. Die Gehirnzellen werden als Reaktion auf den dadurch entstandenen Sauerstoffmangel geschädigt und sterben ab. Dies führt wiederrum zu einer Hirnschwellung , die den Druck im Schädel erhöht: D er Schädelknochen kann dem steigenden Druck nicht nachgeben und die Durchblutung des Gehirns verschlechtert sich noch weiter. Dieser Prozess kann soweit fortschreiten , bis das Gehirn vollständig abstirbt. Wie kann es zum Hirntod kommen? Darstellung eines Fallbeispiels. Was kann beim Hirntod noch wahrgenommen werden? Ist der Hirntod eingetreten, sind die Rezeptoren im Gehirn funktionslos . Eine Wahrnehmung, wie zum Beispiel Schmerzempfinden , ist nicht mehr möglich, und auch Sinneseindrücke können nicht mehr verarbeitet werden. Die Persönlichkeit und das Bewusstsein sind somit erloschen. Einige Reflexe, wie Spontanbewegungen oder Blutdruckanstieg, können auch noch nach dem Hirntod auftreten. Hierbei handelt es sich um spinale Reflexe. Sie gehen von den Nerven im Rückenmark aus, nicht vom Gehirn, und sind somit kein Zeichen für das Weiterbestehen von Hirnfunktionen. Ein Ausnahmefall In äußerst seltenen Fällen kann auch trotz Eintreten des Hirntods bei einer Schwangeren ein ungeborenes Kind noch bis zur Lebensfähigkeit heranwachsen. Die Fortführung einer solchen Schwangerschaft erfordert maximale intensivmedizinische Maßnahmen und ist nur möglich, weil alle aktiven Stoffwechselleistungen vom Ungeborenen selbst erbracht werden. Die Schwangerschaft wird durch die hormonelle Steuerung des Mutterkuchens (Plazenta) aufrechterhalten und nicht vom Gehirn der Mutter. Voraussetzung hierfür ist eine Versorgung des Kindes über den mütterlichen Kreislauf.
Die Gewebespende Inhalt Was zählt zur Gewebespende? Transplantierbare Gewebe im Überblick Gewebespende und Organspende im Vergleich Ablauf einer Gewebespende Warum Gewebespenden so wichtig sind Bei einer Gewebespende stellen Spenderinnen oder Spender Körpergewebe zur Transplantation für erkrankte Menschen zur Verfügung. Die Spende kann nach dem Tod oder zu Lebzeiten erfolgen. Entnommenes Gewebe wird sorgfältig aufbereitet, konserviert und anschließend transplantiert. Etliche Erkrankungen und Verletzungen können durch eine Gewebetransplantation erfolgreich behandelt werden. Viele Patientinnen und Patienten erleben so eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. In manchen Fällen kann eine Gewebetransplantation auch lebensrettend sein: Zum Beispiel, wenn gespendete Herzklappen oder Blutgefäße infizierte künstliche Prothesen ersetzen müssen. Kurz gefasst Bei einer Gewebespende werden Gewebe wie Augenhornhäute, Herzklappen oder Knochen übertragen. Gewebe lassen sich länger aufbewahren als Organe. Transplantationen sind daher besser planbar. Eine Gewebespende kann Leben retten sowie Sehkraft, Beweglichkeit und Lebensqualität wiederherstellen. Wenige Erkrankungen schließen eine Gewebespende aus, die Eignung einzelner Gewebe wird medizinisch geprüft. Auch Lebendgewebespenden sind möglich – etwa bei Operationen, bei denen Gewebe ohnehin entnommen wird. Was zählt zur Gewebespende? Transplantierbare Gewebe im Überblick Zu den transplantierbaren Geweben gehören unter anderem: Augenhornhaut Herzklappen Blutgefäße Knochen und Weichteilgewebe Haut und Eihaut der Fruchtblase (Amnion) Inselzellen Einige Gewebe werden ausschließlich postmortal gespendet, wie etwa die Augenhornhaut oder Hautspenden (mit Ausnahme einer Eigenhautspende). Andere Gewebe können auch von lebenden Spenderinnen oder Spendern stammen, zum Beispiel Knochengewebe oder die Eihaut der Fruchtblase (Amnion) bei einer Kaiserschnittgeburt. BIÖG / Birgitta Petershagen Transplantierbare Gewebe Mehr zu den einzelnen Gewebespenden und ihre Funktion erfahren Sie hier. Gewebespende und Organspende im Vergleich Die Gewebespende ist weniger bekannt als die Organspende, spielt jedoch auch eine bedeutende Rolle in der Transplantationsmedizin . Generell werden Gewebe sogar häufiger transplantiert als Organe. Gewebetransplantationen sind weniger mit medizinischen Komplikationen – wie beispielsweise Abstoßungsreaktionen – verbunden als Organtransplantationen. Gewebe sind in der Regel wenig durchblutet. Dies bedeutet, dass eine Gewebespende auch dann möglich ist, wenn das Herz-Kreislauf-System der Spenderin oder des Spenders zum Stillstand gekommen ist. Die wesentlichen Unterschiede zwischen der Gewebespende und der Organspende sind: Eine Organspende ist nur dann möglich, wenn der Tod zuvor über den vorliegenden Hirntod nachgewiesen worden ist. Eine postmortale Gewebespende kann auch nach Eintritt eines nicht behebbaren Stillstands von Herz und Kreislauf nach mehr als drei Stunden durchgeführt werden. Eine Organspende wäre in diesem Fall nicht mehr möglich. Einige Gewebearten, wie zum Beispiel die Augenhornhaut, können sogar noch bis zu 72 Stunden nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgreich entnommen werden. Gewebe lassen sich über lange Zeit konservieren . Dadurch ist der Ablauf einer Gewebetransplantation weniger zeitkritisch und kann medizinisch besser geplant werden. Bei Organtransplantationen muss eine hohe Übereinstimmung zwischen spendender und empfangender Person bestehen; bei Gewebespenden sind diese Anforderungen oft weniger streng. Das erhöht die Chancen, passende Spenderinnen und Spender zu finden. Gewebespenden verursachen seltener Abstoßungsreaktionen als Organspenden und sind somit mit weniger Komplikationen verbunden. Schon gewusst? Wenn bei einer verstorbenen Person sowohl eine Organ- als auch eine Gewebespende möglich ist, hat die Organspende immer Vorrang. Bei einer Organspende muss alles sehr schnell ablaufen, da Organe ohne eine ständige Durchblutung schnell Schaden nehmen können. Oft lassen sich jedoch beide Spendenarten kombinieren – so kann nach einer Organentnahme auch noch eine Gewebeentnahme erfolgen . Ablauf einer Gewebespende Die postmortale Gewebespende folgt einem streng geregelten medizinischen und organisatorischen Ablauf . Gewebe dürfen nur dann für eine Transplantation entnommen werden, wenn die Voraussetzungen klar erfüllt sind: Zum einen muss der Tod der spendenden Person zweifelsfrei nachgewiesen sein, zum anderen muss eine Zustimmung für die Gewebespende vorliegen - zum Beispiel im Organspende-Register. Ist dies erfüllt und ist die Gewebespende medizinisch möglich, werden die entsprechenden Gewebe fachgerecht entnommen. Im Unterschied zur Organspende werden Gewebe nicht direkt vermittelt. Nach der Entnahme werden sie in einer Gewebebank aufbereitet und konserviert . Dort werden die Gewebe und Gewebezubereitungen dann gelagert, bis sie an passende Empfängerinnen oder Empfänger vermittelt werden. BIÖG / Birgitta Petershagen Ablauf einer Gewebespende Erfahren Sie hier mehr zu den Voraussetzungen und dem Ablauf einer postmortalen Gewebespende. Lebendgewebespende Neben der postmortalen Gewebespende gibt es auch die Lebendgewebespende. Hierbei handelt es sich um Gewebe, dass bei einem ohnehin notwendigen medizinischen Eingriff entnommen werden musste. So kann zum Beispiel nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks der entfernte Hüftkopf (Femurkopf) als Knochengewebespende gespendet werden. Bei einer Kaiserschnittgeburt kann die Eihaut der Fruchblase (Amnion) gespendet werden. Warum Gewebespenden so wichtig sind Mit dem Einsatz von Gewebespenden kann die Lebensqualität von erkrankten Menschen enorm verbessert werden und so zum Beispiel: Erblindung verhindern (Augenhornhautspende), Herzfehler korrigieren (Herzklappen), Knochenbrüche stabilisieren und Heilung fördern sowie großflächige Wunden versorgen (Hautspenden).
Was ist der Hirntod? Definition, Diagnose und Bedeutung Inhalt Was ist der Hirntod? Wie wird der Hirntod festgestellt? Fallbeispiel Ethik und Sterben Der Hirntod ist der unumkehrbare Ausfall aller Hirnfunktionen. Er gehört zu den sicheren Todeszeichen, wie zum Beispiel die Leichenstarre oder Totenflecken. Der Hirntod wird medizinische mit Hilfe der Hirntoddiagnostik festgestellt. Erst mit seiner Feststellung ist eine Organspende möglich. Doch was passiert beim Hirntod im Körper, wie wird er festgestellt, und welche ethischen Fragen sind damit verbunden? Diese Seite bietet einen Überblick über medizinische Grundlagen, Diagnostik und die ethische Einordung zum Thema Hirntod. Kurz gefasst Der Hirntod ist der unumkehrbare Ausfall aller Hirnfunktionen und gilt als sicheres Todeszeichen. Nur bei festgestelltem Hirntod darf juristisch eine porstmortale Organspende Betracht gezogen werden. Der Zustand ist medizinisch eindeutig nachweisbar und wird von erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten streng nach einer Richtlinie diagnostiziert. Der Hirntod ist immer Folge einer schweren Hirnschädigung. Ursachen können zum Beispiel Hirnblutungen, Tumore oder eine Sauerstoffunterversorgung sein. Der Hirntod wirft neben medizinischen, auch ethische Fragen zum Sterben und zur Definition des Todes auf. Was ist der Hirntod? Der Hirntod bezeichnet den nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms . Er gehört medizinisch zu den sicheren Todeszeichen. Selbst wenn durch künstliche Beatmung Herz und Kreislauf noch eine Zeit lang aufrechterhalten werden können, ist der Hirntod nicht mehr rückgängig zu machen. Mit der Feststellung des Hirntods ist der Tod des Menschen sicher nachgewiesen. Eine Rückkehr ins Leben ist ausgeschlossen. Der Hirntod ist immer Folge einer schweren Hirnschädigung , die zum Beispiel durch eine Hirnblutung, ein Schädel-Hirn-Trauma oder einen Hirntumor verursacht werden kann. Mit dem Hirntod sind alle Funktionen des Gehirns unumkehrbar ausgefallen. Die Persönlichkeit und das Bewusstsein der Person sind erloschen. Sinneseindrücke können nicht mehr verarbeitet werden und Körperfunktionen nicht mehr gesteuert werden. BIÖG / Reinhard Rosendahl Definition und Ursachen Lesen Sie weiter, wie das Gehirn aufgebaut ist, welche Aufgaben es übernimmt und wie Gehirnzellen zerstört werden können. Wie wird der Hirntod festgestellt? Der Hirntod ist ein vergleichsweise seltenes Ereignis und kann nur auf der Intensivstation eines Krankenhauses nachgewiesen werden. Generell trifft er nur auf wenige Prozent aller Sterbefälle zu. Besteht bei einer Intensivstationspatientin oder einem -patienten der Verdacht auf Hirntod, wird ein mehrstufiges, streng geregeltes Diagnoseverfahren eingeleitet. Quailifizierte Fachärztinnen und -ärzte führen die Hirntoddiagnostik unabhängig voneinander durch. Mit Feststellung des Hirntods ist der Tod der betreffenden Person sicher nachgewiesen. Die Diagnostik umfasst immer diese drei Stufen: Prüfung der Voraussetzungen für die Durchführung der Diagnostik, Feststellung klinischer Symptome des Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen, Prüfung der Unumkehrbarkeit des Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen (Irreversibilitätsnachweis). BIÖG / Reinhard Rosendahl Hirntoddiagnostik Lesen Sie, welche Nachweise zur Hirntoddiagnostik gehören und wie Ärztinnen und Ärzte den Hirntod eindeutig von anderen Zuständen wie Koma oder Locked-in-Syndrom unterscheiden. Fallbeispiel Das Fallbeispiel "Maria Dahl" zeigt, wie eine Hirnblutung zu schwerwiegenden Folgen führen kann. Schritt für Schritt wird nachvollziehbar, wie erste Symptome auftreten, welche medizinischen Maßnahmen folgen und wie schließlich die finale Diagnose des Hirntods gestellt wird. BIÖG / Birgitta Petershagen Fallbeispiel Hier geht es zur ganzen Geschichte von Maria Dahl. Ethik und Sterben Der Hirntod ist medizinisch und rechtlich eindeutig. Er ist ein sicherer Nachweis für den Tod eines Menschen. Während andere sichere Todeszeichen, wie Leichenflecken oder Totenstarre, den Tod greif- und sichtbar machen, ist der Hirntod emotional nicht leicht greifbar . Ein hirntoter Mensch, der noch eine gewisse Zeit auf einer Intensivstation beatmet wird, erscheint uns äußerlich nicht als "tot". Der Körper ist warm, die Haut rosig. Das wirft Fragen auf: Wann endet das Leben? Und wann beginnt der Tod? Wichtig ist: Sterben ist ein Prozess, kein Moment . Während der Körper schrittweise seine Funktionen verliert, ist das Bewusstsein beim Hirntod bereits unwiederbringlich erloschen. Lesen Sie hier mehr zum Verständnis vom Tod und dem Zusammenhang mit Körper und Persönlichkeit. Schon gewusst? Früher galt der Herzstillstand als sicheres Todeszeichen . Kamen Herz und Atem zum erliegen, war damit auch der Tod des Menschen eingetreten. Durch Entwicklungen in der Intensivmedizin des 20. Jahrhunderts konnten beide Zustände jedoch überwunden werden. Herzreanimationen wurden möglich. Die künstliche Beatmung konnte einen Atemstillstand überbrücken. Der Herzstillstand wurde damit reversibel, also umkehrbar, und die Grenze zwischen Leben und Tod konnte verschoben werden. Carmen Martinez Torron / Getty Images Ethik und Sterben Lesen Sie hier mehr zum Verständnis vom Tod und dem Zusammenhang mit Körper und Persönlichkeit.
Die Organspende im Islam Inhalt Gutachterräte befürworten die Organ- und Gewebespende Organspende zum Schutz des Lebens Die Organspende als Akt der Nächstenliebe Voraussetzungen einer Organspende im Islam Die Organ- und Gewebespende ist grundsätzlich mit der islamischen Religion vereinbar. Zwar gibt es auch muslimische Gelehrte, die Bedenken äußern, doch viele anerkannte islamische Gutachterräte befürworten die Spende. Auch große muslimische Verbände in Deutschland sprechen sich dafür aus. Kurz gefasst Die Organ- und Gewebespende ist grundsätzlich mit der islamischen Religion vereinbar. Es gibt zwar Gegenstimmen, doch viele islamische Gutachterräte befürworten die Organspende. Auch in Deutschland sprechen sich Verbände wie der Zentralrat der Muslime für die Spende aus. Der Schutz des Lebens ist eines der zentralen religiösen Ziele im Islam. FatCamera / Getty Images Gutachterräte befürworten die Organ- und Gewebespende Generell ist die Organ- und Gewebespende mit der islamischen Lehre zu vereinbaren . Zu diesem Schluss kommen mehrere anerkannte internationale islamische Gutachterräte. In Deutschland stehen große Verbände, wie zum Beispiel der Zentralrat der Muslime in Deutschland e. V. (ZMD) oder die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB), der Organ- und Gewebespende ebenfalls positiv gegenüber. Es gibt jedoch auch einzelne muslimische Gelehrte, die Bedenken äußern oder die Spende von Organen und Geweben aufgrund religiöser Argumente ganz ablehnen. Es gibt jedoch auch einzelne muslimische Gelehrte, die Bedenken äußern oder die Spende von Organen und Geweben aufgrund religiöser Argumente ganz ablehnen. Organspende zum Schutz des Lebens Aus islamischer Sicht nimmt der Mensch innerhalb aller Geschöpfe Gottes eine herausragende Stellung ein. Aufgrund seiner Würde und seines besonderen Wertes ist die Verwertung des menschlichen Körpers oder von Teilen des Körpers deshalb in normalen Situationen nicht zulässig. In der Frage um die Organ- und Gewebespende ziehen die islamischen Gutachterräte das Prinzip der Darura (arabisch für Notwendigkeit) heran. Häufig wird dieses Prinzip beschrieben als: „ Not kennt kein Verbot “. Die Darura Das Prinzip der Darura rechtfertigt das Übertreten fast aller religiösen Regeln in Zwangslagen . Dem Schutz des Lebens kommt hierbei eine besonders starke Bedeutung zu. Er gehört zu den Hauptzielen des Islam, die gerade durch dessen Lehren erreicht werden sollen. So dürfen muslimische Menschen etwa an sich verbotene Lebensmittel – wie etwa Schweinefleisch – zu sich nehmen, um einen Hungertod abzuwenden. mustafagull / iStock Wie wirkt sich die Darura auf eine Organspende aus? Auf die Darura stützen sich auch die islamischen Gutachterräte in der ethischen Einschätzung einer Organspende. Nach Sicht der Gutachterräte stellt die Organ- und Gewebespende in dieser Situation eine Notwendigkeit dar und ist dann erlaubt, wenn alle anderen medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Organspende als Akt der Nächstenliebe Aus islamischer Sicht kann die Organ- und Gewebespende als ein wichtiges Zeichen der menschlichen Solidarität verstanden werden. Dabei sollte dieser Akt aus einem Gefühl der Nächstenliebe heraus entstehen. Die Gutachterräte sprechen sich hierbei strikt gegen eine Organspende zu Handelszwecken aus. Aus islamischer Sichtweise sollte die Spende von Organen und Geweben an weitere ethische Voraussetzungen geknüpft sein: Eine Spende von Organen oder Geweben muss absolut freiwillig geschehen. Bei einer postmortalen Organspende muss die Zustimmung der Spenderin oder des Spenders oder stellvertretend der Angehörigen vorliegen. Der Erfolg der Transplantation sollte nach ärztlichem Ermessen gesichert sein. Bei einer Lebendorganspende darf die spendende Person keinen gesundheitlichen Schaden nehmen, der das Leben verkürzt. Die postmortale Organspende ist der Lebendorganspende vorzuziehen. Nach einer postmortalen Organentnahme muss die Leiche unversehrt beerdigt werden. Eine Spende reproduktiver Organe, Gewebe oder Zellen (wie Ovar, Hoden, Eier oder Spermien) ist nicht gestattet. ozgurdonmaz / iStock Voraussetzungen einer Organspende im Islam Aus islamischer Sicht muss bei einer postmortalen Organspende die spendende Person eindeutig verstorben sein, da sie unter keinerlei Umständen ihr Leben für ein anderes opfern darf. Nach der internationalen Versammlung für islamisches Rechtswesen im Jahr 1986 gilt ein Mensch als verstorben, wenn: der irreversiblen und ärztlich festgestellten Herz- und Atemstillstand vorliegt und der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) ärztlich festgestellt wurde. In Deutschland gilt als rechtliche Voraussetzung der postmortalen Organspende das Vorliegen des Hirntods bei der spendenden Person. Auch innerhalb des Islams ist die Entnahme von Organen nur dann zulässig, wenn der Hirntod zweifelsfrei nachgewiesen wurde – auch wenn intensivmedizinische Maschinen Vitalfunktionen wie Atmung und Herzschlag noch aufrechterhalten. Das Gutachten der internationalen Versammlung für islamisches Rechtswesen fand dabei eine breite Akzeptanz in den islamischen Ländern und gilt vielfach als Grundsatz für dieses Thema. Mehr zu Definition und Ursachen des Hirntodes.
Die Leberlebendspende: Voraussetzungen und Ablauf Inhalt Leberlebendspende - Zahlen und Fakten Ablauf der Leberlebendspende Risiken einer Leberlebendspende für die spendende Person Wie viel Lebergewebe wird entnommen? Die Leberlebendspende ermöglicht schwer leberkranken Menschen eine Transplantation, wenn kein postmortales Spenderorgan zur Verfügung steht. Dabei wird ein Teilstück der Leber einer gesunden Person entnommen und transplantiert. Das Besondere: Die Leber wächst sowohl bei der spendenden als auch bei der empfangenden Person nahezu vollständig wieder nach. Diese Form der Organspende ist komplex, aber lebensrettend – und erfordert höchste medizinische Sorgfalt. Kurz gefasst Bei der Leberlebendspende wird ein Teil der Leber entnommen und transplantiert. Das Organ wächst in beiden Körpern nahezu vollständig wieder nach. Nur gesunde Erwachsene zwischen 18 und etwa 65 Jahren dürfen spenden. Der Eingriff birgt Risiken wie Wundheilungsstörungen oder Gallenwegsverletzungen, verläuft aber meist komplikationsfrei. Nachsorge und medizinische Betreuung sind für sowohl die empfangende als auch die spendende Person verpflichtend. FatCamera / Getty Images Leberlebendspende - Zahlen und Fakten Ende 2024 standen in Deutschland 904 Menschen auf der Warteliste für eine Lebertransplantation. Im selben Jahr wurden 890 Lebern transplantiert. 56 dieser Spenderlebern stammten aus einer Lebendorganspende. Das heißt: von 100 transplantierten Lebern stammen etwa sechs aus einer Lebendorganspende. Für viele Betroffene mit akutem oder chronischem Leberversagen ist eine Transplantation die einzige lebensrettende Option . Erfahren Sie mehr über die Aufgaben der Leber und die postmortale Leberspende. Ablauf der Leberlebendspende Eine Leberlebendspende erfolgt in drei Phasen: Vorbereitung, Transplantation und Nachsorge. Vor der Transplantation: Die Empfängerin oder der Empfänger muss auf der Warteliste für eine postmortal gespendete Leber stehen. Die Spenderin oder der Spender muss alle Voraussetzungen für eine Lebendorganspende erfüllen. Das Leberteilstück ist medizinisch für eine Transplantation geeignet. Psychologische Gespräche klären Motivation und Freiwilligkeit beider Personen. Die Lebendspendekommission des Krankenhauses muss der Spende zustimmen. Erfahren Sie mehr über die Voraussetzungen einer Lebendorganspende. Gesundheitliche Voraussetzungen der spendenden Person Um als Spenderin oder Spender infrage zu kommen, müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sein: Die spendende Person muss körperlich und psychisch gesund sein. Leber, Herz und Gefäße sollten einwandfrei funktionieren. Bluthochdruck oder abweichende Blutzuckerwerte können gegen eine Spende sprechen. In der Regel liegt das Höchstalter für eine Spende bei etwa 60 bis 65 Jahren, abhängig vom Gesundheitszustand. Die Transplantation: Das Leberteilstück wird unter Vollnarkose entnommen. Unmittelbar nach der Entnahme wird das Teilstück auf die Empfängerin oder den Empfänger übertragen. Die Entnahmeoperation und die Transplantation finden etwa zeitgleich und im selben Krankenhaus statt. Nach der Transplantation: Die Spenderin oder der Spender bleibt ein bis zwei Wochen in stationärer Behandlung. Beide Seiten gehen in regelmäßigen Abständen zu medizinischen Nachsorgeuntersuchungen. Risiken einer Leberlebendspende für die spendende Person Wie bei jeder Operation können auch bei einer Leberlebendspende Komplikationen auftreten. Dazu zählen vor allem: Wundheilungsstörungen und Temperaturerhöhungen, vorübergehendes Leberversagen, Absterben (Nekrose) des Lebergewebes an der Schnittstelle, Entzündungen des Gallensystems, Verletzung der Gallengänge (Gallenleck). Wie viel Lebergewebe wird entnommen? Es wird nur so viel Lebergewebe entnommen, dass die Transplantation hohe Erfolgsaussichten hat. Gleichzeitig verbleibt so viel Lebergewebe bei der Spenderin oder beim Spender, dass keine dauerhafte Beeinträchtigung der Gesundheit zu erwarten ist. Der Schutz der spendenden Person steht immer im Vordergrund. Etwa 60 Prozent der Leber wird entnommen. Kinder erhalten häufig einen Teil des (etwas kleineren) linken Leberlappens. Auf Jugendliche wird der gesamte linke Leberlappen übertragen. auf Erwachsene wird der größere rechte Leberlappen übertragen. Wichtig ist das Verhältnis des zu transplantierenden Lebergewebes zum Körpergewicht der Empfängerin oder des Empfängers. Für eine Person mit einem Körpergewicht von 70 Kilogramm sollte das Transplantat beispielsweise mindestens ein Gewicht von 700 Gramm haben. Aus diesem Grund sollte die spendende Person nicht wesentlich kleiner und leichter sein als die empfangende Person. Schon gewusst? Die Leber ist das einzige menschliche Organ , das sich teilweise regenerieren kann . Durch Zellteilung wächst das transplantierte Leberteilstück fast auf die Ausgangsgröße heran.
Wann ist ein Mensch tot? Lesedauer: 2 Minuten Inhalt Wann ist ein Mensch tot? Wie sich das Verständnis von Leben und Tod verändert hat Der Hirntod als Grenze zwischen Leben und Tod Leben, Sterben und persönliche Entscheidungen Sterben ist ein Prozess, nicht ein einzelner Moment. Die menschlichen Organe stellen nach und nach ihre Funktion ein – zunächst weniger lebenswichtige, schließlich auch Herz, Lunge und Gehirn. Heute kann die Medizin in vielen Fällen eingreifen und hat den Sterbeprozess nachhaltig verändert. Mit den Fortschritten der modernen Medizin hat sich deshalb auch die Definition des Todes im Laufe der Zeit gewandelt. Kurz gefasst Die Medizin verschiebt mit ihren Errungenschaften immer wieder die Grenze zwischen Leben und Tod. Unser Verständnis über den Tod wird damit immer wieder hinterfragt. Der Tod ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstrecken kann. Mit dem Fortschreiten dieses Prozesses kommt es mehr und mehr zum Zerfall wichtiger Funktionssysteme des Körpers. Medizinisch und rechtlich ist der Eintritt des Todes klar definiert. Wann genau der Übergang zwischen Leben und Tod eintritt, ist jedoch auch eine ethische, weltanschauliche und religiöse Frage. Carmen Martinez Torron / Getty Images Wie sich das Verständnis von Leben und Tod verändert hat Bis Mitte des 20. Jahrhunderts galten Herz- und Atemstillstand als sichere Todeszeichen. Mit dem Fortschritt der Intensivmedizin in den 1950er Jahren änderte sich diese Sichtweise: Medizinische Geräte, wie die Herz-Lungen-Maschinen, konnten Herz- und Lungenfunktionen künstlich übernehmen. Menschen mit einem Herzstillstand konnten reanimiert werden. Manche Patientinnen und Patienten begannen danach wieder selbstständig zu atmen. Herz- und Atemstillstand waren somit kein sicheres Todeszeichen mehr. Heute können Geräte den Herz-Kreislauf über eine längere Zeit künstlich aufrechterhalten. In manchen Fällen können Patientinnen und Patienten wieder genesen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Gehirn keinen bleibenden Schaden erlitten hat. Ein Sauerstoffmangel kann das Gehirn schädigen. Im schlimmsten Fall kann es sogar unumkehrbar und komplett ausfallen . Dann spricht man medizinisch vom eingetretenen Hirntod : Er gilt nach international anerkanntem Stand der Medizin als sicheres Todeszeichen des Menschen. Mehr zu Definition und Ursachen des Hirntodes erfahren Sie hier. Der Hirntod als Grenze zwischen Leben und Tod Der Hirntod kennzeichnet den unwiederbringlichen Verlust der Steuerung elementarer Lebensfunktionen. Der Mensch kann nichts mehr wahrnehmen oder empfinden. Bewusstsein und Identität sind erloschen – und damit auch die Einheit von Körper und Persönlichkeit. Mit dem Verlust des Gehirns sterben in der Folge nach und nach auch alle anderen Körperteile und Körperzellen ab. Schon gewusst? Auch wenn Maschinen nach dem Hirntod noch Herzschlag oder Atmung aufrechterhalten können, ist der Mensch selbst bereits verstorben. Solche Maßnahmen sind aufwendig und nur auf einer Intensivstation zu leisten. Sie werden zum Beispiel angewandt, um die Organe bis zur Entnahmeoperation mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Nur dann können sie erfolgreich transplantiert werden. Leben, Sterben und persönliche Entscheidungen An welchem Punkt eine Person den Übergang vom Leben zum Tod sieht, ist nicht von der medizinischen oder rechtlichen Sicht geprägt. Das Verständnis von Tod und Sterben kann eine sehr individuelle und persönliche Einstellung sein. Dabei können die Weltanschauung, eigene Werte oder auch religiöse Vorstellungen eine wichtige Rolle spielen. Viele Menschen möchten deshalb selbst bestimmen, welche medizinischen Maßnahmen am Lebensende erfolgen sollen – und ob sie einer Organspende zustimmen möchten. Mehr zu den Dokumentationsmöglichkeiten Eine Entscheidung treffen Zur Würde des Menschen gehört das Recht auf Selbstbestimmung – auch dann, wenn man den eigenen Willen nicht mehr selbst äußern oder durchsetzen kann. Die Patientenverfügung sichert Ihr Recht. In der Patientenverfügung entscheiden Sie, welchen medizinischen Maßnahmen sie bei einer schweren Krankheit, infolge eines Unfalls oder am Lebensende zustimmen und welchen nicht. Sie ermöglicht es Ihnen, wichtige medizinische Entscheidungen im Voraus zu treffen. Auch Ihre Entscheidung für oder gegen die Organ- und Gewebespende können Sie in der Patientenverfügung dokumentieren. Lesen Sie hier mehr dazu .
Tag der Organspende 2026 in Leipzig Der Tag der Organspende fällt jedes Jahr auf den ersten Samstag des Junis – 2026 somit auf den 6. Juni. Besonders in diesem Jahr ist, dass die zentrale Veranstaltung im Rahmen des Leipziger Stadtfests stattfindet und wir auch am Sonntag den 7. Juni vor Ort sein werden. Ziel des Tages ist es, auf das komplexe und gesellschaftlich relevante Thema der Organspende aufmerksam zu machen und all den Menschen zu danken, die mit ihrer Organspende Menschenleben gerettet haben. 2026 findet der Tag der Organspende in Leipzig statt Auch dieses Jahr gibt eine tolle Vor-Ort-Veranstaltung in einer Partnerstadt – und zwar in Leipzig in der Grimmaischen Straße. Zum Rahmenprogramm gehört auch ein ökumenischer Dankgottesdienst in der Thomaskirche , in welchem allen Organspenderinnen und Organspendern, deren Angehörigen und den Akteurinnen und Akteuren im Organspendeprozess gedankt wird. Im weiteren Tagesverlauf findet auf dem Augustusplatz die traditionsreiche Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ statt. Hierbei halten Organempfängerinnen und -empfänger Schilder mit der Anzahl an Lebensjahren hoch, die sie dank einer Transplantation gewonnen haben. Die Aktion macht deutlich, wie viele Personen betroffen sind und welche Veränderung eine Organspende für das Leben der Empfängerinnen und Empfänger bedeutet. #ZeitZeichenZuSetzen Zeichen können groß sein, auffällig oder bunt. Manche Zeichen sind aber auch klein und leise – und jeder kann sie für sich alleine setzen, zum Beispiel auf einem Organspendeausweis. Gemeinsam ist allen Zeichen der Wunsch, dass sie etwas bewirken – vielleicht sogar das Leben eines Menschen verändern. Die Organisatorinnen und Organisatoren des Tags der Organspende am 6. Und 7. Juni 2026 wollen in diesem Sinne viele verschiedene Zeichen setzen, hinter denen ein großes gemeinsames Ziel steht: Menschen überall in Deutschland dazu zu motivieren, eine Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen . Infostände in der Grimmaischen Straße Am Samstag und Sonntag gibt es in der Grimmaischen Straße Informationsstände und Aktionsflächen von insgesamt 14 teilnehmenden Akteuren, darunter das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. Alle Interessierten sind eingeladen, sich zu informieren und mit Betroffenen sowie Expertinnen und Experten ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich werden wir auf den Bühnen des Stadtfestes Fragen zum Thema Organ- und Gewebespende beantworten und mit Aktionen zeigen, was eine Organspende für Empfängerinnen und Empfänger bedeutet. Der Tag der Organspende auf Instagram Alle, die nicht vor Ort sein können, können den Tag der Organspende über Social Media miterleben. Auf unserem Instagram-Kanal wird live vom Neupfarrplatz berichtet werden. Folgen Sie unserem Instagram-Kanal , um nichts zu verpassen!
Newsletter „Organspende-Info“ Ob aktuelle Aktionen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Veröffentlichungen oder Veranstaltungen: Mit dem Newsletter „Organspende-Info“ bleiben Mitglieder aus Patienten- und Selbsthilfeverbänden und Fachkräfte stets auf dem Laufenden. Der Newsletter bietet regelmäßig kompakte und verlässliche Informationen rund um die Organ- und Gewebespende. Zero Creatives / Getty Images Der Newsletter richtet sich insbesondere an Mitglieder aus Patienten- und Selbsthilfeverbänden und Fachpersonal aus Medizin, Pflege, Beratung, Bildung und Verwaltung sowie an alle, die die Organ- und Gewebespende aktiv in ihrer (ehrenamtlichen) Arbeit begleiten und / oder darüber informieren. Bleiben Sie informiert – mit dem Newsletter „Organspende-Info“. Newsletter Anmeldung
Die Organspende aus Sicht des Judentums Inhalt Keine einheitliche Meinung zur Organspende Den eigenen Körper schützen Definition des Tods im Judentum Die Organspende aus konservativer Sicht Der Umgang mit dem Körper Verstorbener Das Judentum hat eine differenzierte Sicht auf die Organspende. Während die Spende von Organen zur Rettung von Menschenleben grundsätzlich als Akt der Nächstenliebe angesehen wird, gibt es bei der postmortalen Organspende unterschiedliche Positionen. Der Grund liegt vor allem in der Frage, wann ein Mensch nach jüdischem Verständnis wirklich gestorben ist – ein Punkt, indem sich die jüdische Definition vom deutschen Recht unterscheidet. Kurz gefasst Die Organspende wird im Judentum uneinheitlich bewertet, da liberale Strömungen sie meist befürworten, während konservative und orthodoxe Kreise sie oft ablehnen. Die Pflicht zur Unversehrtheit des Körpers und der Respekt vor Verstorbenen stehen einer Spende zwar entgegen, können aber durch das lebensrettende Prinzip Pikuach Nefesch aufgehoben werden. Ein zentraler Konfliktpunkt ist die Definition des Todes, da der in der Medizin entscheidende Hirntod von einigen jüdischen Gelehrten nicht als endgültiger Tod anerkannt wird. Montes-Bradley / Getty Images Keine einheitliche Meinung zur Organspende Aus jüdischer Sicht wird die Organ- und Gewebespende grundsätzlich anerkannt und als Akt der Nächstenliebe auf höchstem Niveau bezeichnet. Ein Sonderfall ist die postmortale Organspende. Hier sind sich die jüdischen Gelehrten uneinig. Innerhalb des konservativen und orthodoxen Judentums wird von einigen Vertretern die Spende von Organen nach dem Tod vielfach kritisch gesehen oder ganz abgelehnt. Viele liberale Juden hingegen befürworten die postmortale Organspende . Eine einheitlich anerkannte Akzeptanz oder Ablehnung der postmortalen Organspende gibt es im Judentum also nicht. Den eigenen Körper schützen Nach der jüdischen Religion wird der eigene, menschliche Körper als eine Leihgabe von Gott betrachtet. Demnach ist jeder Mensch dazu verpflichtet, diese den eigenen Körper zu schützen und für dessen Unversehrtheit zu sorgen. Dies bedeutet: ein Mensch darf sich nicht freiwillig in Gefahr bringen oder Verletzungen zufügen. Diese Sichtweise hat auch Auswirkungen auf die Perspektive zur Organ- und Gewebespende. Bei einer Lebendorganspende beispielsweise wird – trotz dessen, dass die Gesundheit der spendenden Person immer an höchster Stelle steht – die Unversehrtheit des Körpers während der Entnahmeoperation unterbrochen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet wäre das Recht der Spende der eigenen Organe oder Gewebe nicht gegeben. Hier kommt ein anderer Grundsatz des jüdischen Glaubens ins Spiel: Pikuach Nefesch . Folgt man ihm, kann eine Organ- oder Gewebespende dennoch zulässig sein. Erfahren Sie mehr zur Lebendorganspende. Pikuach Nefesch im Judentum Dieser Grundsatz innerhalb des Judentums besagt, dass beinahe jedes andere religiöse Gebot oder Verbot ignoriert werden darf, um menschliches Leben zu retten. Nur das eigene Leben darf die oder der Rettende dabei nicht aufs Spiel setzen. Dieser Grundsatz wird als Pikuach Nefesch bezeichnet, was wörtlich “ein Leben retten” bedeutet. Pikuach Nefesch im Sinne der Organspende Pikuach Nefesch heißt auch: Wenn jemand ein Leben retten kann, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen, dann muss diese Person es auch tun. Eine Organ- oder Gewebespende wäre damit zulässig, wenn sie einem anderen Menschen das Leben rettet. Corinna Kern / Getty Images Definition des Tods im Judentum Ob eine postmortale Organspende zulässig ist, ist in der halachischen (jüdisch-rechtlichen) Auslegung der Tora nicht eindeutig. Das größte Argument gegen eine Organspende nach dem Tod entsteht aus der Definition des Todes. Aus jüdischer Sicht ist ein Mensch erst dann tot, wenn Herzschlag und Atmung stillstehen . In Deutschland gilt jedoch als eine Voraussetzung für eine postmortale Organspende, dass die gesamten Hirnfunktionen unumkehrbar ausgefallen sind, also der Hirntod eingetreten ist. Mit ihm ist der Tod des Menschen nachgewiesen. Bei einem hirntoten Menschen stehen Atmung und Herzschlag jedoch nicht still, sondern werden künstlich aufrechterhalten. Dies weicht vom jüdischen Todesverständnis ab. Die Besonderheit bei Herztransplantationen Besonders deutlich zeigt sich dieser Konflikt bei Herztransplantationen . Während der Entnahmeoperation wird die Herztätigkeit so lange wie möglich aufrechterhalten, bevor das Organ entnommen werden kann. Aus jüdischer Sicht handelt es sich bei dem hirntoten Menschen nicht um einen verstorbenen Menschen. Es ist halachisch unzulässig, den Sterbeprozess zu beschleunigen – auch dann, wenn dadurch ein anderes Leben gerettet werden kann. Lange Zeit haben es halachische Autoritäten daher abgelehnt, bei hirntoten Menschen bereits vom Tod auszugehen. Lesen Sie mehr zum Hirntod. Die Organspende aus konservativer Sicht Die meisten liberalen und ein Teil der konservativen und orthodoxen jüdischen Autoritäten erkennen den unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) als endgültigen Tod des Menschen an. Eine Organentnahme ist damit zulässig. Im konservativen und orthodoxen Judentum hingegen akzeptieren einige der jüdischen Autoritäten diese Auffassung nicht. Die konservativen Autoritäten weisen darauf hin, dass auch der Körper hirntoter Menschen eine Reihe von Merkmalen des Lebens zeigt: Wundheilung, Verdauung oder Wachstum funktionieren auch während der künstlichen Aufrechterhaltung von Atmung und Herzstillstand. Für diese konservativen und orthodoxen Rabbinerinnen und Rabbiner sind hirntote Menschen Sterbende, deren Leben bis zum letzten Augenblick erhalten werden muss. Das schließt die Entnahme lebenswichtiger Organe vor dem Zeitpunkt des Herz- und Atemstillstands aus. Menschen jüdischen Glaubens stehen beim Thema Organspende daher zunächst vor der sehr persönlichen Aufgabe , die eigene Auffassung von Leben und Tod zu klären. Cavan Images / Getty Images Der Umgang mit dem Körper Verstorbener Aus jüdischer Sicht gehört ein jeder menschlicher Körper Gott. Dies gilt auch dann, wenn der Tod des Menschen bereits eingetreten ist. Der Körper soll nach dem Tod intakt und möglichst rasch beerdigt werden – ein Widerspruch zur Organspende. Vier Prinzipien im Umgang mit Verstorbenen Vier wichtige Prinzipien verbieten den Eingriff an einer Leiche und müssen bei einer postmortalen Organspende berücksichtigt werden: das Verbot, eine Leiche zu verstümmeln oder zu entweihen, das Verbot, Profit aus einer Leiche zu ziehen, das Gebot, Verstorbene möglichst rasch zu beerdigen, das Gebot, den Körper im Ganzen zu beerdigen. Hier kommt jedoch wieder das Prinzip Pikuach Nefesch zum Tragen. Das heißt, auch diese Gebote und Verbote dürfen beiseitegeschoben werden, wenn dadurch ein Menschenleben gerettet werden kann. Die Organentnahme ist dann unter bestimmten Voraussetzungen möglich: Erstens muss es eine konkrete Person geben, die mit genau diesem Organ gerettet werden kann. Zweitens muss die medizinische Wahrscheinlichkeit, dass diese Person durch den Eingriff gerettet werden kann, hoch sein. Drittens muss die spendende Person oder nach deren Versterben stellvertretend die nächsten Angehörigen ausdrücklich eingewilligt haben.
Wartelistenführung und Vermittlung von Organen Lesedauer: 3 Minuten Inhalt Meldung von Patientinnen und Patienten an das Transplantationszentrum Kriterien für die Aufnahme in die Warteliste Eurotransplant und die Vermittlung von Organen Rangliste der geeigneten Empfängerinnen und Empfänger Transplantation Kurz gefasst Es werden weniger Organe gespendet als benötigt. Patientinnen und Patienten, bei denen aus medizinischen Gründen eine Transplantation erforderlich ist, werden daher auf Wartelisten aufgenommen. Ausschlaggebend für die Aufnahme auf die Warteliste sind: zu erwartender Erfolg einer Transplantation und die medizinische Notwendigkeit der Transplantation. Richtlinien der Bundesärztekammer legen die Kriterien für die Wartelistenführung fest, welche sich je nach Organ unterscheiden. Maskot / Getty Images Meldung von Patientinnen und Patienten an das Transplantationszentrum Behandelnde Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, Patientinnen und Patienten, bei denen eine Organtransplantation medizinisch notwendig ist, einem Transplantationszentrum zu melden . Die Warteliste führt das jeweilige Transplantationszentrum. Transplantationszentren Ein Transplantationszentrum ist eine medizinische Einrichtung, die auf die Übertragung von Spenderorganen spezialisiert ist. In Deutschland gibt es etwa 50 solcher Einrichtungen. Transplantationszentren sind verantwortlich für die Wartelistenführung, die Organübertragung, die Dokumentation der Organübertragung, die psychologische Betreuung vor und nach der Organtransplantation sowie die Nachbetreuung von Lebendorganspenderinnen und -spendern. Die Adressen der Transplantationszentren in Deutschland finden Sie hier . Kriterien für die Aufnahme in die Warteliste Die Richtlinien zur Wartelistenführung der Bundesärztekammer regeln streng, wer auf die Warteliste gesetzt wird. Ausschlaggebend sind die Erfolgsaussichten einer Transplantation und ihre Notwendigkeit : Wie wichtig ist eine Transplantation für das Überleben einer Patientin oder eines Patienten? Wie verbessert sich die Lebensqualität? Wird das transplantierte Organ auch längerfristig funktionstüchtig bleiben? Zudem wird die individuelle gesundheitliche und soziale Gesamtsituation der Patientin oder des Patienten berücksichtigt. Darüber hinaus muss die Nachsorge garantiert sein. Für jede transplantierbare Organart, wie Niere, Herz oder Leber, gibt es individuelle Bedingungen, die eine Patientin oder ein Patient erfüllen muss, um auf die jeweilige Warteliste aufgenommen zu werden. Dazu zählen: endgültiges Organversagen (bei Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge) und eine fortschreitende, das Leben gefährdende Erkrankung, wenn keine akzeptable Behandlungsalternative besteht (bei Leber). Ausschlussgründe für eine Transplantation können sein: nicht heilbare, bösartige Erkrankungen bestimmte Infektionskrankheiten Erkrankungen, die ein lebensbedrohliches Risiko bei der Transplantation darstellen oder den Transplantationserfolg infrage stellen. Erfahren Sie mehr über die transplantierbaren Organe. Eurotransplant und die Vermittlung von Organen Ob eine Patientin oder ein Patient auf die Warteliste für ein Spenderorgan aufgenommen wird, entscheiden die Transplantationszentrum anhand der Richtlinien. Die Daten der Wartelisten werden an die Stiftung Eurotransplant übermittelt. Diese gemeinnützige Organisation vermittelt und koordieniert den internationalen Austausch aller Spenderorgane in einem Verbund aus acht europäischen Ländern: Belgien Deutschland Kroatien Luxemburg Niederlande Österreich Slowenien Ungarn Durch die länderübergreifende Vermittlung wird eine möglichst effektive Versorgung der Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten gewährleistet. Die Patientendaten umfassen unter anderem die Krankengeschichte, die Blutgruppe und die Gewebemerkmale (HLA-Antigene). Eurotransplant speichert die Daten der Wartelistenpatientinnen und -patienten aller beteiligten Staaten des Eurotransplant-Verbunds zentral. Steht ein gespendetes Organ zur Verfügung, gleicht Eurotransplant die Patientendaten mit den Daten der gemeldeten Spenderinnen und Spender ab. Passen die Merkmale zusammen , leitet Eurotransplant den weiteren Transplantationsprozess ein. Lesen Sie hier mehr zur Stiftung Eurotransplant. Rangliste der geeigneten Empfängerinnen und Empfänger Für jedes einzelne Spenderorgan erstellt Eurotransplant eine Rangliste der jeweils geeigneten Empfängerinnen und Empfänger. Entscheidend für die Reihenfolge ist zum Beispiel die Übereinstimmung von Gewebemerkmalen zwischen spendender und empfangender Person. Teilweise spielen auch Größe, Alter und Körpergewicht eine Rolle. Auch die Dauer des Transports zwischen Entnahmekrankenhaus und Transplantationszentrum ist für die Vermittlung wichtig. Transplantationszentren melden zudem immer eine Dringlichkeitsstufe an Eurotransplant. Ist die gesundheitliche Situation einer Patientin oder eines Patienten akut lebensbedrohlich , erhält sie oder er die Stufe „hoch dringlich“ (HU - High Urgency) und wird bei der Vermittlung bevorzugt. Der Prozess zur Ermittlung der empfangenden Person muss sehr schnell verlaufen, damit Organentnahme, Transport und Transplantation zügig vorbereitet und durchgeführt werden können. Patientinnen und Patienten auf der Warteliste müssen ununterbrochen erreichbar sein. Sobald ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht, müssen sie sich umgehend in das zuständige Transplantationszentrum begeben. Ist die ermittelte Person nicht erreichbar oder erkrankt, wird die nächste geeignete Person auf der Warteliste informiert. Sascha Koch ist nach einer Vergiftung auf eine Lebertransplantation angewiesen. Besondere Vergaberegeln Neben dem Standardverfahren der Organvergabe gibt es besondere Vergaberegeln für bestimmte Personengruppen: Schwerkranke Kinder , die auf der Warteliste für eine Organtransplantation stehen, haben Vorrang. Nach dem Eurotransplant-Seniorenprogramm ( "Old for Old"-Programm ) werden Organe älterer Spenderinnen und Spender (über 65 Jahre) bevorzugt auch an ältere Patientinnen und Patienten vermittelt. Bei dieser Vermittlung spielen Gewebemerkmale eine untergeordnete Rolle. Der Fokus liegt auf kurzen Transportwegen, sodass gute Transplantationsergebnisse erreicht werden. Transplantation Hat Eurotransplant eine geeignete Empfängerin oder einen geeigneten Empfänger ermittelt, informiert die Stiftung das zuständige Transplantationszentrum . Nur zugelassene Transplantationszentren dürfen Organe übertragen. In Deutschland gibt es etwa 50 solcher Einrichtungen. Während im Entnahmekrankenhaus das Spenderorgan entnommen wird, beginnt bereits die Vorbereitung der Empfängerin oder des Empfängers auf die Transplantation.