Die Gewebespende ist weniger bekannt als die Organspende, spielt jedoch auch eine bedeutende Rolle in der Transplantationsmedizin. Generell werden Gewebe sogar häufiger transplantiert als Organe. Gewebetransplantationen sind weniger mit medizinischen Komplikationen – wie beispielsweise Abstoßungsreaktionen – verbunden als Organtransplantationen.
Gewebe sind in der Regel wenig durchblutet. Dies bedeutet, dass eine Gewebespende auch dann möglich ist, wenn das Herz-Kreislauf-System der Spenderin oder des Spenders zum Stillstand gekommen ist.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen der Gewebespende und der Organspende sind:
- Eine Organspende ist nur dann möglich, wenn der Tod zuvor über den vorliegenden Hirntod nachgewiesen worden ist. Eine postmortale Gewebespende kann auch nach Eintritt eines nicht behebbaren Stillstands von Herz und Kreislauf nach mehr als drei Stunden durchgeführt werden. Eine Organspende wäre in diesem Fall nicht mehr möglich. Einige Gewebearten, wie zum Beispiel die Augenhornhaut, können sogar noch bis zu 72 Stunden nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgreich entnommen werden.
- Gewebe lassen sich über lange Zeit konservieren. Dadurch ist der Ablauf einer Gewebetransplantation weniger zeitkritisch und kann medizinisch besser geplant werden.
- Bei Organtransplantationen muss eine hohe Übereinstimmung zwischen spendender und empfangender Person bestehen; bei Gewebespenden sind diese Anforderungen oft weniger streng. Das erhöht die Chancen, passende Spenderinnen und Spender zu finden.
- Gewebespenden verursachen seltener Abstoßungsreaktionen als Organspenden und sind somit mit weniger Komplikationen verbunden.