Die Gewebespende

Bei einer Gewebespende stellen Spenderinnen oder Spender Körpergewebe zur Transplantation für erkrankte Menschen zur Verfügung. Die Spende kann nach dem Tod oder zu Lebzeiten erfolgen. Entnommenes Gewebe wird sorgfältig aufbereitet, konserviert und anschließend transplantiert. Etliche Erkrankungen und Verletzungen können durch eine Gewebetransplantation erfolgreich behandelt werden. Viele Patientinnen und Patienten erleben so eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. In manchen Fällen kann eine Gewebetransplantation auch lebensrettend sein: Zum Beispiel, wenn gespendete Herzklappen oder Blutgefäße infizierte künstliche Prothesen ersetzen müssen.

Kurz gefasst
  • Bei einer Gewebespende werden Gewebe wie Augenhornhäute, Herzklappen oder Knochen übertragen.
  • Gewebe lassen sich länger aufbewahren als Organe. Transplantationen sind daher besser planbar.
  • Eine Gewebespende kann Leben retten sowie Sehkraft, Beweglichkeit und Lebensqualität wiederherstellen.
  • Wenige Erkrankungen schließen eine Gewebespende aus, die Eignung einzelner Gewebe wird medizinisch geprüft.
  • Auch Lebendgewebespenden sind möglich – etwa bei Operationen, bei denen Gewebe ohnehin entnommen wird.

Was zählt zur Gewebespende? Transplantierbare Gewebe im Überblick

Zu den transplantierbaren Geweben gehören unter anderem:

  • Augenhornhaut
  • Herzklappen
  • Blutgefäße
  • Knochen und Weichteilgewebe
  • Haut und Eihaut der Fruchtblase (Amnion)
  • Inselzellen

Einige Gewebe werden ausschließlich postmortal gespendet, wie etwa die Augenhornhaut oder Hautspenden (mit Ausnahme einer Eigenhautspende). Andere Gewebe können auch von lebenden Spenderinnen oder Spendern stammen, zum Beispiel Knochengewebe oder die Eihaut der Fruchtblase (Amnion) bei einer Kaiserschnittgeburt.

Eine Ärztin schaut einer Patientin mit einem speziellen Untersuchungsgerät ins Auge.
BIÖG / Birgitta Petershagen

Transplantierbare Gewebe

Mehr zu den einzelnen Gewebespenden und ihre Funktion erfahren Sie hier.

Gewebespende und Organspende im Vergleich

Die Gewebespende ist weniger bekannt als die Organspende, spielt jedoch auch eine bedeutende Rolle in der Transplantationsmedizin. Generell werden Gewebe sogar häufiger transplantiert als Organe. Gewebetransplantationen sind weniger mit medizinischen Komplikationen – wie beispielsweise Abstoßungsreaktionen – verbunden als Organtransplantationen.

Gewebe sind in der Regel wenig durchblutet. Dies bedeutet, dass eine Gewebespende auch dann möglich ist, wenn das Herz-Kreislauf-System der Spenderin oder des Spenders zum Stillstand gekommen ist.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen der Gewebespende und der Organspende sind:

  1. Eine Organspende ist nur dann möglich, wenn der Tod zuvor über den vorliegenden Hirntod nachgewiesen worden ist. Eine postmortale Gewebespende kann auch nach Eintritt eines nicht behebbaren Stillstands von Herz und Kreislauf nach mehr als drei Stunden durchgeführt werden. Eine Organspende wäre in diesem Fall nicht mehr möglich. Einige Gewebearten, wie zum Beispiel die Augenhornhaut, können sogar noch bis zu 72 Stunden nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgreich entnommen werden.
  2. Gewebe lassen sich über lange Zeit konservieren. Dadurch ist der Ablauf einer Gewebetransplantation weniger zeitkritisch und kann medizinisch besser geplant werden.
  3. Bei Organtransplantationen muss eine hohe Übereinstimmung zwischen spendender und empfangender Person bestehen; bei Gewebespenden sind diese Anforderungen oft weniger streng. Das erhöht die Chancen, passende Spenderinnen und Spender zu finden.
  4. Gewebespenden verursachen seltener Abstoßungsreaktionen als Organspenden und sind somit mit weniger Komplikationen verbunden.

Schon gewusst?

Wenn bei einer verstorbenen Person sowohl eine Organ- als auch eine Gewebespende möglich ist, hat die Organspende immer Vorrang. Bei einer Organspende muss alles sehr schnell ablaufen, da Organe ohne eine ständige Durchblutung schnell Schaden nehmen können. Oft lassen sich jedoch beide Spendenarten kombinieren – so kann nach einer Organentnahme auch noch eine Gewebeentnahme erfolgen.

Ablauf einer Gewebespende

Die postmortale Gewebespende folgt einem streng geregelten medizinischen und organisatorischen Ablauf. Gewebe dürfen nur dann für eine Transplantation entnommen werden, wenn die Voraussetzungen klar erfüllt sind: Zum einen muss der Tod der spendenden Person zweifelsfrei nachgewiesen sein, zum anderen muss eine Zustimmung für die Gewebespende vorliegen - zum Beispiel im Organspende-Register. Ist dies erfüllt und ist die Gewebespende medizinisch möglich, werden die entsprechenden Gewebe fachgerecht entnommen.

Im Unterschied zur Organspende werden Gewebe nicht direkt vermittelt. Nach der Entnahme werden sie in einer Gewebebank aufbereitet und konserviert. Dort werden die Gewebe und Gewebezubereitungen dann gelagert, bis sie an passende Empfängerinnen oder Empfänger vermittelt werden.

Ein Beratungsgespräch zwischen einem Arzt und einer Patientin. Den Arzt sieht man von hinten, die Patientin von vorn.
BIÖG / Birgitta Petershagen

Ablauf einer Gewebespende

Erfahren Sie hier mehr zu den Voraussetzungen und dem Ablauf einer postmortalen Gewebespende.

Lebendgewebespende

Neben der postmortalen Gewebespende gibt es auch die Lebendgewebespende. Hierbei handelt es sich um Gewebe, dass bei einem ohnehin notwendigen medizinischen Eingriff entnommen werden musste. So kann zum Beispiel nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks der entfernte Hüftkopf (Femurkopf) als Knochengewebespende gespendet werden. Bei einer Kaiserschnittgeburt kann die Eihaut der Fruchblase (Amnion) gespendet werden.

Warum Gewebespenden so wichtig sind

Mit dem Einsatz von Gewebespenden kann die Lebensqualität von erkrankten Menschen enorm verbessert werden und so zum Beispiel:

  • Erblindung verhindern (Augenhornhautspende),
  • Herzfehler korrigieren (Herzklappen),
  • Knochenbrüche stabilisieren und Heilung fördern sowie
  • großflächige Wunden versorgen (Hautspenden).