Die Geschichte der Organ- und Gewebespende: Wichtige Meilensteine Inhalt Reisen Sie durch die Chronik der Organ- und Gewebetransplantationen Alle Meilensteine der Organtransplantation im Überblick Die Geschichte der Organ- und Gewebespende reicht mehrere Jahrtausende zurück. Erste Berichte über Transplantationen finden sich bereits in antiken Kulturen, lange bevor moderne Chirurgie möglich war. Mit wissenschaftlichen Fortschritten, neuen Medikamenten und internationalen Kooperationen entwickelte sich daraus ein zentrales Feld der Medizin, das heute jährlich tausenden Menschen das Leben rettet. Kurz gefasst Die ersten überlieferten Transplantationen stammen aus dem alten Indien, wo Teile der Haut verpflanzt wurden. Die moderne Transplantationsmedizin beginnt im 19. Jahrhundert mit Fortschritten in Chirurgie und Anästhesie. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben Organtransplantationen durch Immunsuppressiva, Forschung und Strukturen wie Eurotransplant große Fortschritte gemacht. Heutzutage werden weltweit über 100.000 Organtransplantationen pro Jahr durchgeführt. Reisen Sie durch die Chronik der Organ- und Gewebetransplantationen Scrollen Sie durch die wichtigsten Meilensteine und Errungenschaften in der Geschichte der Organ- und Gewebespende. Finden Sie heraus, auf welchem Kontinent die erste erfolgreiche Herztransplantation stattfand und dank welchem Medikament die Überlebensrate deutlich anstieg. Hinweis: Einen Überblick über die gesamten Wendepunkte der Transplantationsgeschichte finden Sie weiter unten. Alle Meilensteine der Organtransplantation im Überblick 1597 Der italienische Chirurg Gasparo Tagliacozzi behandelt Verletzungen und Amputationen durch Hauttransplantationen und gilt mit seinen Nasenrekonstruktionen als Pionier der plastischen Chirurgie. 1846 Die schmerzausschaltende und betäubende Wirkung von Äther wird entdeckt und markiert den Anfang der modernen Anästhesie. Größere Operationen sind nun möglich. 1883 Der Schweizer Chirurg Theodor Kocher verpflanzt einem jungen Mann, dem zuvor die gesamte Schilddrüse entfernt wurde, Schilddrüsengewebe unter die Haut des Halses – das Transplantat überlebte nur kurz. 1902 Der österreichische Chirurg Emmerich Ullmann demonstriert vor der Wiener Gesellschaft für Chirurgie die erste technisch erfolgreiche Nierentransplantation bei einem Hund. 1933 Der ukrainische Arzt Yu Yu Vorony transplantiert erstmals eine postmortal gespendete menschliche Niere. Die Empfängerin überlebt damit vier Tage. 1944 Sir Peter Medawar, britischer Zoologe, entdeckt die Grundlagen der modernen Transplantationsimmunologie mit der Gewebekompatibilität, womit Abstoßungsreaktionen des Körpers erklärt werden können. 1954 Dem US-amerikanischen Chirurgen Joseph E. Murray gelingt die erste erfolgreiche Lebendorganspende einer Niere bei eineiigen Zwillingen. 1962 Durch Gabe von Immunsuppressiva, also Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, gelingt die Transplantation einer postmortal gespendeten Niere – der Empfänger lebt mit der Spenderniere acht Jahre. 1963 Die erste Lungentransplantation findet durch James Hardy in den USA statt. Wilhelm Brosig und Reinhold Nagel führen am Klinikum Steglitz in Berlin die erste erfolgreiche Nierentransplantation in Deutschland zwischen Mutter und Tochter durch. 1967 Jon van Rood gründet die erste internationale Stelle zur Organvermittlung in Leiden (Niederlande): Eurotransplant. Der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard führt die erste erfolgreiche Herztransplantation durch – der Patient überlebt 18 Tage. Dem US-amerikanischen Chirurgen Thomas Starzl gelingt die erste Lebertransplantation. 1971 Der Wirkstoff Ciclosporin wird durch Forschende des Schweizer Unternehmens Sandoz entdeckt, wodurch Abstoßreaktionen vermindert werden können. 1973 In der Schweiz führt Felix Largiadèr die erste Pankreastransplantation in Europa durch und leistet damit Pionierarbeit bei der Transplantation der Bauchspeicheldrüse. 1983 Das erste Medikament mit dem Wirkstoff Ciclosporin, ein Immunsuppressivum, wird zugelassen, was zu einer starken Zunahme von Transplantationen führt – die Überlebensraten steigen deutlich an. 1984 Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) wird gegründet. Das Arzneimittel Tacrolimus wird entdeckt, ein Immunsuppressivum, das bis heute eingesetzt wird, um die Abstoßung von transplantierten Organen zu verhindern. 1988 Dem Team um Eberhard Deltz gelingt die erste isolierte Dünndarmtransplantation in Kiel. 1997 Am 1. Dezember tritt in Deutschland das Transplantationsgesetz in Kraft, welches genau festlegt, wie Spende, Entnahme und Übertragung menschlicher Organe und Gewebe ablaufen müssen. 2012 Die Organspenderegelung in Deutschland wird reformiert: Krankenversicherte ab 16 Jahren sollen mindestens alle zwei Jahre mit Infomaterialien für die Entscheidungsfindung für oder gegen die Organspende versorgt werden. 2016 In einem neuen Transplantationsregister werden medizinisch relevante Daten von spendenden und empfangenden Personen zentral zusammengefasst und miteinander verknüpft. 2022 In den USA wird einem schwerkranken Mann als erstem Menschen weltweit ein genetisch verändertes Schweineherz implantiert – zwei Monate später starb er. 2024 In Deutschland geht am 18. März das Organspende-Register an den Start. Als zentrales elektronisches Verzeichnis ermöglicht es Menschen, ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende festzuhalten. Ziel ist es, dass Krankenhäuser die Erklärung abrufen können.
Die Herzklappentransplantation Lesedauer: 3 Minuten Inhalt Aufgaben des Herzens Was sind Herzklappen? Gründe für eine Herzklappenoperation Ersatzmöglichkeiten für Herzklappen Das Herz ist das wichtigste Organ im Kreislaufsystem – ohne die konstante Pumpleistung wäre Leben nicht möglich. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Herzklappen, die wie Ventile dafür sorgen, dass das Blut in die richtige Richtung fließt. Doch was passiert, wenn diese Klappen nicht mehr richtig funktionieren? In solchen Fällen kann eine Herzklappentransplantation notwendig werden. Kurz gefasst Das Herz ist die zentrale Pumpe des Organismus. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört es, das Blut durch den Körper zu befördern. Das menschliche Herz hat vier Herzklappen, die als Ventile den Ein- und Ausfluss des Bluts regulieren. Ohne die Herzklappen kann das Herz nicht normal funktionieren. Geschädigte Herzklappen können in einer Operation durch mechanische oder biologische Herzklappen ersetzt werden. David Schneider / EyeEm / Getty Images Aufgaben des Herzens Das Herz ist das Zentrum des Blutkreislaufs und ein etwa faustgroßes, 300 Gramm schweres Organ und liegt zwischen den Lungenflügeln. Bei Erwachsenen schlägt es etwa 70-mal pro Minute und pumpt jährlich rund 2,5 Millionen Liter Blut in den Körper. Es erfüllt zwei zentrale Aufgaben : Sauerstoff- und nährstoffreiches Blut in den Körper pumpen, um die Zellen der Organe und Gewebe zu versorgen. Sauerstoffarmes, kohlenstoffdioxidhaltiges Blut zum Gasaustausch zur Lunge transportieren. Was sind Herzklappen? Herzklappen sind Ventile im Herzen , die den Blutfluss in die richtige Richtung lenken: Das menschliche Herz hat vier Herzklappen. Sie öffnen und schließen sich mit dem Herzschlag. Die Herzklappen steuern den Blutstrom zwischen den Herzvorhöfen und -kammern sowie in die großen Arterien. Sie verhindern einen Rückfluss des Bluts. Herzklappen bestehen aus flexiblem Bindegewebe, das den Druckunterschieden im Herzen standhält. Gründe für eine Herzklappenoperation Erkrankungen oder Schäden der Herzklappen können zu verschiedenen Funktionsstörungen führen: Klappeninsuffizienz : Herzklappen schließen nicht vollständig, Blut strömt zurück. Klappenstenose : Herzklappen öffnen sich nicht ausreichend, Blutfluss wird behindert. Sind Herzklappen beschädigt, kann das Herz das Blut nicht effizient pumpen, was zu Herzrhythmusstörung oder Herzschwäche führen kann. Ein Herzklappenersatz stellt die normale Herzfunktion wieder her und kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen verhindern. Erfahren Sie hier mehr zur Herztransplantation. Ersatzmöglichkeiten für Herzklappen Man unterscheidet grundsätzlich zwischen mechanischem und biologischem Herzklappenersatz. Biologische Herzklappen können sowohl menschlichen als auch tierischen Ursprungs sein. Mechanischer Herzklappenersatz Mechanische Herzklappen aus Kunststoff und Metall haben eine sehr hohe Lebensdauer und sind daher besonders für jüngere Patientinnen und Patienten geeignet, da wiederholte Operationen vermieden werden. Sie haben jedoch auch Nachteile: Das körperfremde Material erhöht die Blutgerinnung. Das Risiko eines Blutgerinnsels (Thrombose) steigt und eine lebenslange Einnahme von Gerinnungshemmern ist notwendig. Mechanische Herzklappen wachsen nicht mit, weshalb Kinder und Jugendliche bei Bedarf erneut operiert werden müssen. Menschlicher Herzklappenersatz Menschliche Herzklappen werden vor allem bei hoher Dringlichkeit transplantiert – zum Beispiel, wenn ein infizierter mechanischer Ersatz entfernt werden muss. Gespendete Herzklappen können in aufwendigen Laborverfahren von ihren Zellen befreit werden (Dezellularisierung), wodurch sie mit dem Körper mitwachsen können und seltener Abstoßungsreaktionen oder Verkalkungen verursachen. Herzklappen, die nicht von ihren Zellen befreit werden, lösen häufiger Abstoßungsreaktionen aus und neigen auch eher dazu, zu verkalken. Woher stammen Spenderherzklappen? Spenderherzklappen können sowohl aus einer postmortalen als auch aus einer Lebendgewebespende nach einer Herztransplantation stammen: Dabei spendet die Person, die ein neues Spenderherz bekommt, die Herzklappen des erkrankten Herzens. Diese sind nämliche häufig noch intakt und können bei Eignung an andere Patientinnen und Patienten transplantiert werden. Tierischer Herzklappenersatz Neben menschlichen Herzklappen werden auch tierische Herzklappen transplantiert, welche aus den Herzbeuteln von Rindern oder Schweinen hergestellt werden. Der Nachteil tierischer Herzklappen ist, dass sie schneller als das körpereigene Gewebe altern und verkalken und nach einigen Jahren ausgetauscht werden müssen.
Die postmortale Organspende Inhalt Voraussetzungen für eine Organspende Die postmortale Organspende Der Hirntod Transplantierbare Organe in Deutschland Ablauf einer postmortalen Organspende Schulmaterialien Bei einer postmortalen Organspende stellen verstorbene Spenderinnen oder Spender ihre Organe nach dem Tod für schwer erkrankte Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Diese Form der Organspende ist die wichtigste und häufigste in Deutschland. Damit eine Spende möglich ist, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – vor allem die zweifelsfreie Feststellung des Todes und eine Zustimmung zur Organspende. Kurz gefasst Bei der postmortalen Organspende werden Organe nach dem Tod gespendet. Voraussetzung ist der nachgewiesene Hirntod und die Zustimmung der Spenderin oder des Spenders. Gespendet werden können Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm. Alle Schritte – von der Todesfeststellung bis zur Transplantation – sind gesetzlich geregelt. Voraussetzungen für eine Organspende Damit eine Organspende nach dem Tod möglich ist, müssen zwei grundlegende Bedingungen erfüllt sein: Die Zustimmung zur Organspende muss vorliegen. Der Tod der spendenden Person muss zweifelsfrei nachgewiesen sein – medizinisch über die Feststellung des Hirntods. Nur wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, darf eine Organentnahme erfolgen. Caiaimage/Tom Merton/Getty Images Voraussetzungen Wichtige Voraussetzungen für eine Organspende sind Zustimmung zur Spende und Todesfeststellung Zustimmung zur Organspende In Deutschland gilt die sogenannte Entscheidungslösung: Organe dürfen nur dann entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat oder die Angehörigen dies nach dem Tod bejahen. Eine Zustimmung kann auf verschiedene Weise dokumentiert werden, wie etwa: im Organspendeausweis im Organspende-Register in einer Patientenverfügung . Der Hirntod Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen, kurz Hirntod , ist die zentrale medizinische Voraussetzung für eine Organspende. Er gehört, wie die Leichenstarre und Leichenflecken, zu den sicheren Todeszeichen. Liegt der Hirntod vor, so ist der Tod der Person nachgewiesen. Hirntod bedeutet: Das Gehirn hat alle seine Funktionen vollständig und dauerhaft verloren. Damit ist das Leben beendet. Organe können trotzdem weiterhin durchblutet bleiben, wenn das Herz-Kreislauf-System in einer Intensivstation künstlich aufrechterhalten wird. So können sie für eine begrenzte Zeit transplantiert werden. Erfahren Sie hier mehr über Ursachen, Diagnostik und Ethik rund um den Hirntod. Hero Images / Getty Images Hirntod Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) ist Voraussetzung zur Organspende Transplantierbare Organe in Deutschland Nicht alle Organe des Menschen können in Deutschland nach dem Tod gespendet werden. Möglich sind folgende Organe : Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Diese werden schwer erkrankten Menschen transplantiert, wenn keine andere Behandlung mehr hilft. Schon gewusst? Auch Gewebe wie Haut, Hornhaut, Herzklappen oder Blutgefäße können gespendet und transplantiert werden – oft noch Stunden nach Eintritt des Todes. Erfahren Sie hier mehr über die Gewebespende. Hero Images / Getty Images Transplantierbare Organe Welche Organe gespendet und transplantiert werden können, ist gesetzlich streng geregelt Ablauf einer postmortalen Organspende Eine Organspende ist ein medizinisch und organisatorisch hochkomplexer Prozess , bei dem viele Beteiligte eng zusammenarbeiten – von Ärztinnen und Ärzten über Pflegepersonal bis zu Transplantationszentren und Transportteams. Nachdem zunächst die Voraussetzungen für eine Organspende geklärt wurden, geht es zur Entnahme, der Vermittlung und schließlich der Transplantation eines Organs. krisanapong detraphiphat / Getty Images Ablauf Für den Ablauf einer Organspende arbeiten viele Akteure eng zusammen Schon gewusst? Zwischen Organentnahme und der Transplantation werden die Spenderorgane nicht mehr durchblutet. Jede Minute zählt, um die Funktion des Spenderorgans zu erhalten. Gekühlt und mit einer konservierenden Lösung durchspült werden die Organe so schnell wie möglich zu der Empfängerin oder dem Empfänger transportiert. Dabei sind die verschiedenen Organe unterschiedlich empfindlich: So muss ein Herz innerhalb von 4 Stunden transplantiert werden, während die Niere am unempfindlichsten ist. Sie muss innerhalb von 24 Stunden transplantiert werden. Schulmaterialien Die Aufklärung über Organspende bereits im Klassenzimmer. Unsere Unterrichtsmaterialien bieten Lehrerinnen und Lehrern fundierte, altersgerechte Inhalte zur Organspende – von medizinischen Grundlagen bis zu ethischen Fragestellungen. Besonders Lehrerinnen und Lehrer sind dazu eingeladen, unsere Materialien im Unterricht zu nutzen. Hier geht es zum Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II
Die Nierenlebendspende ist die am häufigsten durchgeführte Lebendorganspende Lesedauer: 2 Minuten Inhalt Nierenlebendspende - Zahlen und Fakten Ablauf der Nierenlebendspende Risiken und Leben nach einer Nierenlebendspende Bei einer Nierenlebendspende spendet eine gesunde Person eine ihrer beiden Nieren an einen anderen Menschen. Diese Spende kommt dann infrage, wenn keine postmortale Spenderniere zur Verfügung steht. Sie ist die häufigste Art der Lebendorganspende in Deutschland und ermöglicht schwer nierenkranken Menschen ein neues Leben. Kurz gefasst Die Nierenlebendspende ist die häufigste Form der Lebendorganspende in Deutschland. 2024 wurden 632 Nieren aus einer Lebendspende transplantiert. Nur gesunde Menschen mit zwei funktionierenden Nieren kommen für eine Spende infrage. Nach der Entnahme bleibt eine Nierenleistung von rund 70 Prozent, ausreichend für ein normales Leben. Der Eingriff birgt Risiken wie Infektionen oder Nachblutungen, verläuft jedoch meist komplikationsfrei. Eugenio Marongiu / Getty Images Nierenlebendspende - Zahlen und Fakten Die Niere ist das am häufigsten für eine Transplantation benötigte Organ. Ende 2024 standen in Deutschland 6.397 Menschen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Im selben Jahr wurden 2.075 Nieren transplantiert – 632 davon durch eine Lebendorganspende . Moderne medizinische Verfahren sorgen für hohe Erfolgsaussichten: Nach einem Jahr funktionieren etwa 96 Prozent der lebend gespendeten Nieren, Nach fünf Jahren sind es noch 86 Prozent . Zum Vergleich: Bei Nieren aus einer postmortalen Organspende sind es rund 75 Prozent nach fünf Jahren. Diese Daten wurden europaweit in einer Studie von 1990 bis 2023 erfasst. Häufige Ursache für Nierenschäden ist Diabetes mellitus – die sogenannte „Zuckerkrankheit“. Ablauf der Nierenlebendspende Der Prozess der Lebendorganspende beginnt schon lange vor der eigentlichen Entnahmeoperation und verläuft in drei Phasen: Vorbereitung, Transplantation und Nachsorge. Vor der Transplantation Die empfangende Person muss auf der Warteliste für eine postmortal gespendete Niere stehen. Die spendende Person muss alle Voraussetzungen für eine Lebendorganspende erfüllen. Die Niere wird vorab medizinisch umfassend geprüft. Psychologische Gespräche klären Motivation und Freiwilligkeit beider Seiten. Eine Lebendspendekommission prüft und genehmigt die Spende. Gesundheitliche Voraussetzungen der spendenden Person Um als Spenderin oder Spender in Frage zu kommen, müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sein, welche in Voruntersuchungen durch Ärztinnen und Ärzte geprüft werden: Zwei gesunde Nieren und ein stabiler allgemeiner Gesundheitszustand Normal funktionierende Herz-Kreislauf- und Gefäßsysteme Kein Bluthochdruck, keine Nierenerkrankung, keine auffälligen Blutzuckerwerte In der Regel ein Mindestalter von 18 Jahren (nach oben keine feste Grenze) Die Transplantation Der spendenden Person wird eine ihrer beiden Nieren unter Vollnarkose entnommen. Diese wird unmittelbar danach auf die Empfängerin oder den Empfänger übertragen. Beide Operationen erfolgen zeitgleich und im selben Krankenhaus. Nach der Transplantation Die spendende Person bleibt in der Regel fünf bis sieben Tage im Krankenhaus. Sowohl die spendende als auch die empfangende Person gehen in regelmäßigen Abständen zu medizinischen Nachsorgeuntersuchungen, um die Nierenfunktion und den Allgemeinzustand zu kontrollieren. Risiken und Leben nach einer Nierenlebendspende Wie bei jeder Operation können auch bei einer Nierenlebendspende unerwünschte Folgen auftreten. Die häufigsten sind: Nachblutungen aus dem Wundgebiet, Wundinfektionen, Venenentzündungen und andere Infekte, Taubheitsgefühl an der Stelle der Operationsnarbe oder Narbenbruch. Sehr seltene, aber schwerwiegende Folgen können sein: Blutgerinnsel (Thrombose) in den Beinen oder der Lunge, Notwendigkeit einer Blutwäsche (Dialysebehandlung). Das Risiko, an einer Nierenentnahme zu versterben, ist äußerst gering. Empfohlen sind regelmäßige Untersuchungen der Nierenleistung, um mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Kann man mit nur einer Niere leben? Grundsätzlich kann ein Mensch auch mit nur einer Niere gut leben. Nach einer Nierenlebendspende übernimmt die verbleibende Niere dauerhaft die Funktion beider Organe. Sie passt sich an, wächst leicht und erreicht etwa 70 Prozent der vorherigen Gesamtleistung. Menschen mit nur einer Niere können in der Regel ein vollkommen normales Leben führen, sie müssen weder eine spezielle Diät einhalten noch die Trinkmenge einschränken.
Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende Inhalt Organspende in Deutschland: Das gilt bisher Was änderte sich am 1. März 2022? Wann und wie kann ich eine Entscheidung treffen? Seit März 2022 gibt es wichtige Neuerungen rund um die Organspende in Deutschland. Das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft soll es Bürgerinnen und Bürgern erleichtern, eine informierte Entscheidung zu treffen und diese zu dokumentieren. Dieser Beitrag erklärt die neuen Regelungen, das Organspende-Register und Ihre Möglichkeiten, Ihre Entscheidung festzuhalten. Kurz gefasst In Deutschland gilt auch weiterhin die Entscheidungslösung. Eine Organ- oder Gewebeentnahme darf nur erfolgen, wenn die verstorbene Person – oder stellvertretend die nächsten Angehörigen – dem zugestimmt hat. Das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende sieht die Einrichtung und den Betrieb eines Registers für Erklärungen zur Organ- und Gewebespende online vor. Darüber hinaus soll die Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger über das Thema mittels fundierter Informationen von Arztpraxen sowie auch im Rahmen von Erste-Hilfe-Kursen verbessert werden. Monet / Adobe Stock Organspende in Deutschland: Das gilt bisher In Deutschland regelt das Transplantationsgesetz (TPG) Organ- und Gewebespenden über die Entscheidungslösung . Nach dieser darf eine Organ- oder Gewebeentnahme nur dann erfolgen, wenn die verstorbene Person der Entnahme zu Lebzeiten zugestimmt hat – oder, sofern keine Entscheidung getroffen wurde, stellvertretend die nächsten Angehörigen. Bürgerinnen und Bürger sollen regelmäßig über die Möglichkeit der Organ- und Gewebespende ergebnisoffener aufgeklärt werden. So kann die Entscheidungsfindung unterstützt werden. Lesen Sie hier mehr zu den gesetzlichen Regelungen in anderen europäischen Ländern. Was änderte sich am 1. März 2022? Am 1. März 2022 trat eine Gesetzesänderung des Transplantationsgesetzes in Kraft: Das GEsetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft . Eine wichtige Änderung dieses Gesetzes war die Erstellung eines Registers für Erklärungen zur Organ- und Gewebespende (Organspende-Register).Am 18. März 2024 ging das neue Register online und kann genutzt werden. Es ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, ihre Entscheidung zentral, freiwillig und jederzeit änderbar zu dokumentieren. Lesen Sie hier mehr zum Organspende-Register. Was ist das Organspende-Register? Das Organspende-Register ist ein zentrales elektronisches Verzeichnis, in dem die Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende festgehalten werden kann. Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus können im Ernstfall besonders schnell auf das Register zugreifen und Ihre Entscheidung einsehen. Der Eintrag in das Organspende-Register ist freiwillig und kostenlos und kann jederzeit geändert oder widerrufen werden. Der Organspendeausweis und die Patientenverfügung bleiben neben dem Organspende-Register weiterhin gültig. Die Gesetzesänderung sah eine Unterstützung der Hausärztinnen und Hausärzte bei der Aufklärung zur Organ- und Gewebespende vor. Diese haben nun die Möglichkeit, alle zwei Jahre ihre Patientinnen und Patienten ergebnisoffen zu beraten und diese Leistung auch abrechnen zu können. Eine langfristige Änderung ist die intensivere Einbindung von Organ- und Gewebespenden in die ärztliche Ausbildung. Der Organspendeauswies behält weiterhin seine Gültigkeit. Wann und wie kann ich eine Entscheidung treffen? Die Organ- und Gewebespende beruht auf Entscheidungsfreiheit und dem Selbstbestimmungsrecht . Niemand wird automatisch zur Spenderin oder zum Spender und es besteht kein Zwang, eine Entscheidung treffen zu müssen. Wenn Sie jedoch wissen, ob und welche Organe Sie spenden wollen, ist es jedoch sinnvoll, dies klar zu dokumentieren , um für Sie selbst und Angehörige Klarheit zu schaffen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Organspendeausweis: Diesen können Sie direkt online ausfüllen und ausdrucken oder als Plastikkarte kostenlos bestellen. Organspende-Register: Durch die Gesetzesänderung gibt es nun auch die Möglichkeit, die Entscheidung direkt online im Organspende-Register zu hinterlegen. Patientenverfügung: In einer Patientenverfügung können Sie Ihre Entscheidung schriftlich festhalten und an einem sicheren Ort aufbewahren. Lesen Sie hier zu den Voraussetzungen einer postmortalen Organspende. Tipp Beim Ausfüllen des Organspendeausweises oder Eintrags im Organspende-Register können Sie nicht nur einer vollständigen Spende zustimmen, Sie können auch: Organ- oder Gewebearten ausschließen Nur bestimmten Organen/Geweben zuzustimmen die Organ- und Gewebespende komplett ablehnen
Stammzellenspende: Hoffnung bei schweren Bluterkrankungen Lesedauer: 3 Minuten Inhalt Was ist eine Stammzellentransplantation? Erfolgsfaktoren einer Stammzellentransplantation Voraussetzungen für eine Stammzellenspende Das Zentrale Knochenmarkspender-Register Stammzellen im Knochenmark bilden die Grundlage für neue Blutzellen. Bei Erkrankungen wie Leukämie oder anderen schweren Störungen der Blutbildung kann eine Transplantation gesunder Stammzellen die Heilungschancen deutlich erhöhen. Lesen Sie hier alles zu den Voraussetzungen und dem Ablauf einer Stammzellenspende. Kurz gefasst Stammzellen befinden sich im Knochenmark und entwickeln sich zu verschiedenen Blutzellen. Bei schweren Erkrankungen wie Blutkrebs (Leukämie) kann die Transplantation von Blutstammzellen Leben retten. Gesunde, volljährige Personen bis 61 Jahre können sich typisieren und als Spenderin oder Spender registrieren lassen. Was ist eine Stammzellentransplantation? Stammzellen befinden sich im Knochenmark und entwickeln sich dort zu den verschiedenen Blutzellen weiter. Bei schwerwiegenden Erkrankungen des Blutes wie etwa Blutkrebs (Leukämie) ist diese normale Produktion der Blutzellen gestört. Hier kann eine Transplantation gesunder Stammzellen die Heilungschancen deutlich erhöhen. Vor der Transplantation werden Knochenmark und erkrankte Stammzellen der Patientin oder des Patienten zunächst durch eine Ganzkörperbestrahlung oder eine hochdosierte Chemotherapie zerstört. Anschließend erhält die Person gesunde Stammzellen einer Spenderin oder eines Spenders, aus denen sich im Idealfall ein neues blutbildendes System entwickelt. Andrew Aitchison/Kontributor Ablauf einer Stammzellenspende Eine Spende kann auf drei verschiedenen Wegen erfolgen: Periphere Stammzellenspende: Bei dieser Art der Spende werden die Stammzellen direkt aus der Blutbahn gewonnen. Zuvor erhält die spendende Person ein Medikament, das die Stammzellbildung im Knochenmark anregt, sodass diese in die Blutbahn übertreten. Anschließend werden die Zellen über ein spezielles Verfahren (Apherese) ähnlich wie bei einer Blutspende herausgefiltert. Knochenmarkspende: Hier werden die Stammzellen nicht aus dem Blut, sondern aus dem Knochenmark des Beckenbodens entnommen. Stammzellen aus Nabelschnurblut werden in Deutschland nur in Ausnahmefällen und bei besonders schwierigen Suchen nach einer passenden Stammzellspenderin oder -spender genutzt. Erfolgsfaktoren einer Stammzellentransplantation Für den Erfolg einer Stammzellentransplantation ist entscheidend, dass die Gewebemerkmale (sogenannte humane Leukozyten-Antigene = HLA) der spendenden und der empfangenden Person übereinstimmen. Unter Geschwistern ist die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung am höchsten. In vielen Fällen sind die Patientinnen und Patienten jedoch auf die Spende von außerhalb ihrer Verwandtschaft angewiesen. Hierfür werden internationale und nationale Spenderdatenbanken geführt. Lesen Sie mehr über die Bedeutung von Gewebemerkmalen bei einer Organspende. Voraussetzungen für eine Stammzellenspende Grundsätzlich kann jede gesunde, volljährige Person Blutstammzellen spenden. Anders als bei der Organspende gibt es bei der Stammzellenspende ein Höchstalter: dieses beträgt beträgt 61 Jahre . Vor der Aufnahme in ein Spenderregister wird geprüft, ob gesundheitliche Risiken bestehen. Die Kriterien ähneln denen einer Blutspende. Ausschlussgründe sind unter anderem: Bestimmte Herz-Kreislauf- oder Infektionskrankheiten Autoimmunerkrankungen Erkrankungen des zentralen Nervensystems Krebserkrankungen Das Zentrale Knochenmarkspender-Register Um passende Spenderinnen und Spender schneller zu finden, werden alle Daten aus den verschiedenen Spenderdateien in Deutschland im Zentralen Knochenmarkspender-Register (ZKRD) zusammengeführt. Die Stammzellenspende ist damit die einzige Spendenart, bei der mögliche Spenderinnen und Spender mit ihren Gewebemerkmalen zentral erfasst werden. Wer sich registrieren lassen möchte, kann sich bei den Spenderdatenbanken informieren und eine Typisierung der Gewebemerkmale vornehmen lassen – meist einfach über einen Mundschleimhautabstrich. Informationen zur Registrierung finden Sie bei der DKMS oder direkt beim ZKRD .
Organspende: Wie funktioniert sie und wer darf spenden? Lesedauer: 2 Minuten Inhalt Was sind die Voraussetzungen für eine Organspende? Altersgrenzen für eine Organspende Was schließt eine Organspende aus? Eine Organspende ist nur möglich, wenn bestimmte rechtliche und medizinische Voraussetzungen erfüllt sind. Wichtig sind die Zustimmung der verstorbenen Person und die Feststellung des Hirntods. Das Alter oder bestimmte Erkrankungen schließen eine Organspende in den meisten Fällen nicht aus. Kurz gefasst Voraussetzung für eine Organspende ist, dass die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat und dass bei der verstorbenen Person der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) festgestellt worden ist. Ein Höchstalter, bis zu dem eine Organspende möglich ist, gibt es nicht. Nur wenige Erkrankungen schließen eine Organspende aus. Ärztinnen und Ärzte prüfen im Einzelfall, ob der Gesundheitszustand eine Organspende zulässt. Caiaimage/Tom Merton/Getty Images Was sind die Voraussetzungen für eine Organspende? Organe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat – zum Beispiel auf einem Organspendeausweis , im Organspende-Register oder in einer Patientenverfügung . Ist der Wille nicht bekannt, entscheiden die Angehörigen im Sinne der oder des Verstorbenen. Organe können nur Verstorbene spenden, bei denen der Tod unter bestimmten Bedingungen eingetreten ist. Voraussetzung für eine Organspende ist, dass die gesamten Hirnfunktionen unumkehrbar ausgefallen sind ( Hirntod ). Er ist die Folge einer schweren Hirnschädigung, die zum Beispiel durch eine Hirnblutung oder einen Hirntumor auftreten kann. Auf einer Intensivstation kann das Herz-Kreislauf-System für eine kurze Zeit mit Hilfe intensivmedizinischer Maßnahmen stabil gehalten werden kann – so werden die Organe weiterhin durchblutet und bleiben transplantierbar . Da der Hirntod selten auftritt, kommen nur wenige Verstorbene für eine Organspende infrage. Erfahren Sie hier mehr über den Hirntod. Voraussetzungen für eine Gewebespende Anders als Organe sind Gewebe in der Regel wenig durchblutet. Dies bedeutet, dass eine Gewebespende auch dann möglich ist, wenn das Herz-Kreislauf-System der Spenderin oder des Spenders zum Stillstand gekommen ist. Abhängig von der Art des Gewebes ist eine Spende bis zu 72 Stunden nach Eintritt des Herz-Kreislauf-Stillstands möglich. Hier erfahren Sie mehr zu Ablauf und Voraussetzungen für eine Gewebespende. Altersgrenzen für eine Organspende Entscheidend für eine Organspende sind der Gesundheitszustand der verstorbenen Person und der Zustand ihrer Organe. Deswegen gibt es kein allgemeines Höchstalter für eine Organspende. Ob sich Organe für eine Transplantation eignen, entscheiden die Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall. Häufig erhalten ältere Patientinnen und Patienten auch die Organe älterer Spenderinnen und Spender. Mehr dazu, wie Spenderorgane vermittelt werden. Dürfen auch Kinder spenden? Auch Kinder können Organspenderinnen und -spender sein. Bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Eltern über eine Organspende, selbst widersprechen darf man ab dem 14. Lebensjahr. Ab dem 16. Lebensjahr kann man einer Organspende offiziell zustimmen – beispielsweise auf einem Organspendeausweis oder im Organspende-Register. Was schließt eine Organspende aus? Nur bestimmte Erkrankungen , wie akute Infektionen oder aktive Krebserkrankungen, schließen eine Organspende aus. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall, ob eine Organspende infrage kommt und welche Organe gespendet werden können. Die medizinische Untersuchung der Spenderin oder des Spenders erfolgt unmittelbar vor der Organentnahme . Eine Untersuchung zu Lebzeiten ist nicht erforderlich. Bekannte Erkrankungen können jedoch im Organspendeausweis oder der Patientenverfügung vermerkt werden. Lesen Sie hier mehr zu den Ausschlussgründen.
Radiobeiträge zum Thema Organ- und Gewebespende Inhalt Radiomitschnitte zum Thema Organspende Podcasts zum Thema Organspende (2016) Entdecken Sie kostenlose Radiobeiträge und Podcasts rund um das Thema Organ- und Gewebespende. Es berichten Expertinnen und Experten, Betroffene und Angehörige über persönliche Erfahrungen, medizinische Hintergründe und aktuelle Entwicklungen in Deutschland. Alle Beiträge können Sie direkt anhören oder auch herunterladen, wenn Sie sie für Informationszwecke oder Veranstaltungen verwenden möchten. Radiomitschnitte zum Thema Organspende Hören Sie unter anderem Radiomitschnitte zum Tag der Organspende aus den Jahren 2018 und 2019, erfahren Sie mehr über das Infotelefon Organspende oder vertiefen Sie Ihr grundlegendes Wissen zur Organ- und Gewebespende. Radiobeitrag zum Tag der Organspende (2019) Es ist keine leichte, aber sehr wichtige Entscheidung: Mit dem Organspendeausweis bestimmen Sie selbst, was mit Ihrem Körper und Ihren Organen nach dem Tod geschehen soll. Ein kleines Dokument, das lebensrettend sein kann. Eine Audiomitschrift als PDF herunterladen (nicht barrierefrei) Radiobeitrag zum Tag der Organspende (2018) Richtig. Wichtig. Lebenswichtig . So lautet das Motto zum Tag der Organspende. Seit 36 Jahren ist der erste Samstag im Juni ein Tag des Dankes gegenüber allen Organspendern und ihren Angehörigen und gleichzeitig auch ein Tag der Aufklärung und des Anstoßes für jeden Einzelnen, sich mit der Organspende auseinanderzusetzen. Eine Audiomitschrift als PDF herunterladen (nicht barrierefrei) Radiobeitrag zum Infotelefon Organspende (2016) Wenn es um wichtige Entscheidungen geht, sind sie da eher ein Kopf- oder ein Bauchtyp? Meist ist es wohl das Beste, sich erstmal gründlich zu informieren - aber auch auf sein Gefühl zu hören. Ein Beispiel, bei dem vielen die Entscheidung schwerfällt, ist das Thema Organspende: Denn obwohl eine Entscheidung hier im Ernstfall Leben retten kann, hat bislang nur jeder Dritte einen Organspendeausweis ausgefüllt. Entscheiden: Ja oder Nein zur Organspende. Eine Audiomitschrift als PDF herunterladen (nicht barrierefrei) Podcasts zum Thema Organspende (2016) Manche Entscheidungen sind alltäglich, andere wiederum können das eigene Leben oder das von anderen Menschen ändern. Eine Entscheidung, die Leben retten kann, ist die Organspende. Derzeit warten in Deutschland über 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Viele Menschen sind dem Thema Organspende gegenüber offen, aber nur etwa jeder Dritte hat einen Organspendeausweis ausgefüllt. Eine gut informierte Auseinandersetzung hilft bei der Entscheidung. Lesen Sie weitere Statistiken zur Organspende. Organspende, eine wichtige Entscheidung Ob man sich dazu bereits erklärt, Organe oder Gewebe zu spenden, ist eine Entscheidung, die Leben retten kann. In diesem Podcast erzählen Passantinnen und Passanten , wie sie zur Organspende stehen und ob sie einen Organspendeausweis besitzen oder dies vorhaben. Eine Audiomitschrift als PDF herunterladen (nicht barrierefrei) Organspende, dafür oder dagegen Eine informierte Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende ist für eine Entscheidung wichtig. In diesem Mitschnitt sprechen Menschen über ihre Haltung zur Organspende und Expertinnen sowie Experten geben Tipps für eine informierte Entscheidung . Eine Audiomitschrift als PDF herunterladen (nicht barrierefrei) Warum der Organspendeausweis wichtig ist Ob dafür oder dagegen, der Organspendeausweis dokumentiert die verbindliche Entscheidung zur Organspende und entlastet die Angehörigen im Ernstfall. Hier sprechen Menschen über ihre Ansichten zur Organspende und den Organspendeausweis. So füllen Sie einen Organspendeausweis aus. Eine Audiomitschrift als PDF herunterladen (nicht barrierefrei)
Kontrolle und Transparenz durch das Transplantationsgesetz Lesedauer: 4 Minuten Inhalt Maßnahmen zur Sicherheit der Organ- und Gewebespende Kontrolle der Transplantationszentren Weitere Maßnahmen und Kontrollinstanzen Das Transplantationsregister Kosten einer Organtransplantation Kosten einer Gewebetransplantation Das Transplantationsgesetz (TPG) bildet seit 1997 den rechtlichen Rahmen der Organ- und Gewebespende in Deutschland. Es schafft Transparenz, schützt Spenderinnen und Spender und verhindert Missbrauch. Neben gesetzlichen Vorschriften sorgen Prüfungen, Transplantationsbeauftragte und das Transplantationsregister dafür, dass Abläufe kontrolliert und nachvollziehbar sind. Kurz gefasst Das Transplantationsgesetz benennt Maßnahmen und Instanzen, um den Prozess der Organ- und Gewebespende zu kontrollieren. Handel, Manipulation und Datenfälschung sind verboten und strafbar. Das Gesetzt benennt die Prüfungskommission und die Überwachungskommission (PÜK), um, Entnahmekrankenhäuser und Transplantationszentren zu kontrollieren. Die Kosten der Organ- und Gewebespende sind über Fallpauschalen festgeschrieben. Utamaru Kido / Getty Images Maßnahmen zur Sicherheit der Organ- und Gewebespende Das Transplantationsgesetz (TPG) sowie ergänzende Richtlinien benennen Instanzen, Abläufe und Verbote, die gemeinsam ein transparentes und sicheres System gewährleisten. Die wichtigsten gesetzlichen Bausteine sind: Kontrolle der Transplantationszentren Meldestelle für Auffälligkeiten Interdisziplinäre Transplantationskonferenzen Bestellung von Transplantationsbeauftragten Verbote und Straftatbestände Das Transplantationsregister Erfahren Sie mehr über das Transplantationsgesetz. Kontrolle der Transplantationszentren Das Transplantationsgesetz setzt eine sogenannte Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) in Kraft. Die Überwachungskommission überprüft die Transplantationszentren (also die Krankenhäuser, in denen Organe transplantiert werden) und Entnahmekrankenhäusern sowie die Koordinierungsstelle für die Organ- und Gewebespende: die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Prüfungskommission überprüft, neben den Transplantationszentren, zusätzlich die Vermittlungsstelle für Organspenden: die Stiftung Eurotransplant. Verstöße werden an die zuständigen Behörden der Länder gemeldet. Die Prüfberichte der PÜK sind öffentlich einsehbar und werden regelmäßig auf der Website der Bundesärztekammer veröffentlicht. Mehr über die DSO erfahren. Weitere Maßnahmen und Kontrollinstanzen Neben den Prüfungen der Transplantationszentren sorgen weitere Instanzen und Maßnahmen für einen sicheren und fairen Ablauf der Organ- und Gewebespende in Deutschland: Die Meldestelle für Auffälligkeiten Die Vertrauensstelle Transplantationsmedizin nimmt Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten im Bereich der Organ- und Gewebespende, auch anonym, entgegen. Zusammen mit der PÜK sorgt die Vertrauensstelle für Aufklärung der Unregelmäßigkeiten. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann sich an die Vertrauensstelle wenden. Die Vertrauensstelle Transplantationsmedizin ist postalisch zu erreichen unter: Vertrauensstelle Transplantationsmedizin Bundesärztekammer Herbert-Lewin-Platz 1 10623 Berlin und per E-Mail über vertrauensstelle_transplantationsmedizin (at) baek.de . Interdisziplinäre Transplantationskonferenzen Innerhalb der Transplantationszentren finden regelmäßig interdisziplinäre und organspezifische Transplantationskonferenzen statt. Sie setzen sich aus mindestens drei Personen zusammen (Sechs-Augen-Prinzip), stellen sicher, dass es zu keinen Manipulationen kommt und entscheiden über: die Aufnahme von Patientinnen und Patienten auf die Warteliste, die Führung von Wartelisten, die Abmeldung einer Patientin oder eines Patienten von der Warteliste. Bestellung von Transplantationsbeauftragten Alle Entnahmekrankenhäuser sind dazu verpflichtet, sogenannte Transplantationsbeauftragte zu stellen. Sie sind ausschließlich im Bereich der Organ- und Gewebespende tätig und nicht mit der Vermittlung der gespendeten Organe und Gewebe befasst. Innerhalb der Krankenhäuser nehmen Transplantationsbeauftragte eine wichtige Rolle ein und erfüllen folgende Aufgaben: Erkennung potenzieller Spenderinnen und Spender sowie Begleitung von Angehörigen Belehrung des ärztlichen und pflegerischen Personals über die Organ- und Gewebespende Festlegen von Zuständigkeiten und Handlungsabläufen. Dr. Frank Logemann erzählt hier über seine Erfahrungen als Transplantationsbeauftragter. Verbote und Straftatbestände Der Handel mit Organen oder Geweben zur Transplantation ist durch das Transplantationsgesetz verboten und steht unter Strafe. Ebenfalls strafbar sind Erhebung, Dokumentation und Übermittlung gefälschter Patientendaten , um Patientinnen oder Patienten auf der Warteliste zu bevorzugen. Ein Verstoß gegen diese Verbote wird, je nach Schwere, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet. Das Transplantationsregister 2016 wurde das nationale Transplantationsregister (nicht zu verwechseln mit dem Organspende-Register ) vom Bundestag beschlossen. Es verbessert die medizinische Versorgung und Forschung im Bereich der Transplantationsmedizin und sorgt für mehr Transparenz in den Prozessen. Es sammelt medizinische Daten aus Spende, Transplantation und Nachsorge, welche unter anderem genutzt werden, um Wartelistenkriterien, die Nachsorge von Transplantierten, die Verteilung von Spenderorganen sowie die Forschung zu Transplantationsmedizin weiterzuentwickeln. Im Juli 2021 hat das Transplantationsregister seinen Regelbetrieb aufgenommen. Seit Dezember 2023 stehen die Daten ab dem Erfassungsjahr 2017 zur Verfügung. Danach werden jährlich die Daten aller spendenden und empfangenden Personen in Deutschland zu dem Register hinzugefügt. Das Transplantationsregister dient nicht dazu, die persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zu dokumentieren. Dasas ist im Organspende-Register möglich. Hier erfahren Sie mehr über das Organspende-Register. Kosten einer Organtransplantation Grundsätzlich darf die Organspende in Deutschland keinen Gewinn erwirtschaften. Wie jede Operation und Heilbehandlung ist jedoch auch eine Transplantation mit Kosten verbunden. Alle Krankenhäuser, in denen eine Organentnahme für eine Transplantation durchgeführt wird, werden durch eine Pauschale der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) finanziell entschädigt . Die DSO wiederrum stellt die Kosten der Entnahme der Krankenkassen der Organempfängerin oder -empfängers in Rechnung. Für die eigentliche Organtransplantation sowie für die stationäre Behandlung vor der Transplantation erhält das jeweilige Transplantationszentrum eine Fallpauschale von der Krankenkasse der Empfängerin oder Empfängers. Die jährlich durch das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) festgelegten Fallpauschalen sind öffentlich einsehbar . Kosten einer Gewebetransplantation Im Gegensatz zu Spenderorganen müssen gespendete Gewebe vor der Transplantation in aufwendigen industriellen Verfahren zu Gewebezubereitungen verarbeitet werden. Danach durchlaufen sie eine arzneimittelrechtliche Prüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut. Daher gelten für Spendergewebe andere Bestimmungen als für Spenderorgane. Zum Teil dürfen Gewebezubereitungen sogar wie andere Arzneimittel auch kommerziell vertrieben werden. In Deutschland arbeiten die meisten Gewebebanken jedoch gemeinnützig : Sie geben die Transplantate ohne Gewinninteressen an Kliniken und Arztpraxen weiter. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG), die größte bundesweit tätige Koordinierungsstelle für Gewebe- und Gewebezubereitungen, erwirtschaftet keinen Gewinn. Mehr zu transplantierbaren Geweben erfahren Sie hier. Gewebebanken In Gewebebanken werden gespendete Gewebe zu Gewebezubereitungen verarbeitet, konserviert und gelagert. Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist die größte Gewebeeinrichtung in Deutschland. Sie koordiniert und unterstützt den Ablauf der Gewebespende bundesweit in einem Netzwerk aus unter anderem Krankenhäusern, Universitätskliniken und Gewebebanken und betreibt darüber hinaus drei eigene Gewebebanken.