Die Leberlebendspende: Voraussetzungen und Ablauf

Die Leberlebendspende ermöglicht schwer leberkranken Menschen eine Transplantation, wenn kein postmortales Spenderorgan zur Verfügung steht. Dabei wird ein Teilstück der Leber einer gesunden Person entnommen und transplantiert. Das Besondere: Die Leber wächst sowohl bei der spendenden als auch bei der empfangenden Person nahezu vollständig wieder nach. Diese Form der Organspende ist komplex, aber lebensrettend – und erfordert höchste medizinische Sorgfalt.

Kurz gefasst
  • Bei der Leberlebendspende wird ein Teil der Leber entnommen und transplantiert. Das Organ wächst in beiden Körpern nahezu vollständig wieder nach.
  • Nur gesunde Erwachsene zwischen 18 und etwa 65 Jahren dürfen spenden.
  • Der Eingriff birgt Risiken wie Wundheilungsstörungen oder Gallenwegsverletzungen, verläuft aber meist komplikationsfrei.
  • Nachsorge und medizinische Betreuung sind für sowohl die empfangende als auch die spendende Person verpflichtend.

Leberlebendspende - Zahlen und Fakten

Ende 2024 standen in Deutschland 904 Menschen auf der Warteliste für eine Lebertransplantation. Im selben Jahr wurden 890 Lebern transplantiert. 56 dieser Spenderlebern stammten aus einer Lebendorganspende. Das heißt: von 100 transplantierten Lebern stammen etwa sechs aus einer Lebendorganspende.

Für viele Betroffene mit akutem oder chronischem Leberversagen ist eine Transplantation die einzige lebensrettende Option.

Ablauf der Leberlebendspende

Eine Leberlebendspende erfolgt in drei Phasen: Vorbereitung, Transplantation und Nachsorge.

Vor der Transplantation:

  • Die Empfängerin oder der Empfänger muss auf der Warteliste für eine postmortal gespendete Leber stehen.
  • Die Spenderin oder der Spender muss alle Voraussetzungen für eine Lebendorganspende erfüllen.
  • Das Leberteilstück ist medizinisch für eine Transplantation geeignet.
  • Psychologische Gespräche klären Motivation und Freiwilligkeit beider Personen.
  • Die Lebendspendekommission des Krankenhauses muss der Spende zustimmen.

Gesundheitliche Voraussetzungen der spendenden Person

Um als Spenderin oder Spender infrage zu kommen, müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sein:

  • Die spendende Person muss körperlich und psychisch gesund sein.
  • Leber, Herz und Gefäße sollten einwandfrei funktionieren.
  • Bluthochdruck oder abweichende Blutzuckerwerte können gegen eine Spende sprechen.

In der Regel liegt das Höchstalter für eine Spende bei etwa 60 bis 65 Jahren, abhängig vom Gesundheitszustand Ende Infobox

Die Transplantation:

  • Das Leberteilstück wird unter Vollnarkose entnommen.
  • Unmittelbar nach der Entnahme wird das Teilstück auf die Empfängerin oder den Empfänger übertragen.
  • Die Entnahmeoperation und die Transplantation finden etwa zeitgleich und im selben Krankenhaus statt.

Nach der Transplantation:

  • Die Spenderin oder der Spender bleibt ein bis zwei Wochen in stationärer Behandlung.
  • Beide Seiten gehen in regelmäßigen Abständen zu medizinischen Nachsorgeuntersuchungen.
     

Risiken einer Leberlebendspende für die spendende Person

Wie bei jeder Operation können auch bei einer Leberlebendspende Komplikationen auftreten. Dazu zählen vor allem:

  • Wundheilungsstörungen und Temperaturerhöhungen,
  • vorübergehendes Leberversagen,
  • Absterben (Nekrose) des Lebergewebes an der Schnittstelle,
  • Entzündungen des Gallensystems,
  • Verletzung der Gallengänge (Gallenleck).

Wie viel Lebergewebe wird entnommen?

Es wird nur so viel Lebergewebe entnommen, dass die Transplantation hohe Erfolgsaussichten hat. Gleichzeitig verbleibt so viel Lebergewebe bei der Spenderin oder beim Spender, dass keine dauerhafte Beeinträchtigung der Gesundheit zu erwarten ist. Der Schutz der spendenden Person steht immer im Vordergrund.

  • Etwa 60 Prozent der Leber wird entnommen.
  • Kinder erhalten häufig einen Teil des (etwas kleineren) linken Leberlappens.
  • Auf Jugendliche wird der gesamte linke Leberlappen übertragen.
  • auf Erwachsene wird der größere rechte Leberlappen übertragen.

Wichtig ist das Verhältnis des zu transplantierenden Lebergewebes zum Körpergewicht der Empfängerin oder des Empfängers. Für eine Person mit einem Körpergewicht von 70 Kilogramm sollte das Transplantat beispielsweise mindestens ein Gewicht von 700 Gramm haben. Aus diesem Grund sollte die spendende Person nicht wesentlich kleiner und leichter sein als die empfangende Person.

Schon gewusst?

Die Leber ist das einzige menschliche Organ, das sich teilweise regenerieren kann. Durch Zellteilung wächst das transplantierte Leberteilstück fast auf die Ausgangsgröße heran.