Im Judentum gilt die Organ- und Gewebespende grundsätzlich als Akt der Nächstenliebe. Sie hat das Ziel, Leben zu retten, und nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein. Zentral ist hierbei das Prinzip Pikuach Nefesch: Das Retten eines Menschenlebens steht hiernach über fast allen anderen religiösen Geboten. Die postmortale Organspende ist im Judentum jedoch umstritten. Vor allem die Todesvorstellung wird hierbei diskutiert. Aus jüdischer Sicht ist ein Mensch erst dann tot, wenn Herzschlag und Atmung stillstehen. In Deutschland gilt hingegen der Hirntod als rechtlicher Nachweis des Tods. Bei einem hirntoten Menschen stehen Atmung und Herzschlag jedoch nicht still, sondern werden künstlich aufrechterhalten.
Die meisten liberalen und ein Teil der konservativen und orthodoxen jüdischen Autoritäten erkennen den Hirntod als endgültigen Tod des Menschen an: Eine Organentnahme ist damit zulässig. Im konservativen und orthodoxen Judentum hingegen akzeptieren einige der jüdischen Autoritäten diese Auffassung nicht.