Wie lange nach dem Tod ist eine Gewebespende möglich?
Gewebe sind in der Regel wenig durchblutet. Dies bedeutet, dass eine Gewebespende auch dann möglich ist, wenn das Herz-Kreislauf-System der Spenderin oder des Spenders zum Stillstand gekommen ist. Je nach Art des Gewebes kann die Entnahme bis zu 72 Stunden nach Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems erfolgen, wie zum Beispiel bei der Augenhornhaut. Damit unterscheidet sich die Gewebespende deutlich von der Organspende.
Welche Vorerkrankungen schließeneine Gewebespende aus?
Die Ausschlussgründe für eine Gewebespende hängen vom jeweiligen Gewebe ab. Darüber hinaus gibt es die sogenannten absoluten Ausschlusskriterien. Sie gelten für alle postmortalen Gewebespenden:
- unbekannte, nicht zu klärende Todesursache
- virale Infektionen (zum Beispiel HIV, Masern, Röteln)
- aktive systemische Infektionen (wie Typhus, Borreliose oder Malaria)
- Pilzsepsis
- Krebserkrankung des blutbildenden Systems (wie Leukämie, bösartige Lymphome)
- einige zentralnervöse Erkrankungen.
Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärztinnen und Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Gewebespende infrage kommt.
Gibt es ein Höchstalter für Gewebespenden?
Bei der Gewebespende gibt es kein fest vorgeschriebenes Höchstalter. Das heißt: Eine Gewebespende ist auch bis ins hohe Alter möglich. Es gibt für einzelne Gewebe ungefähre Richtwerte, aber grundsätzlich entscheiden die Ärztinnen oder Ärzte individuell, ob eine Spende möglich ist oder nicht. Für eine Spende von Knochen und Weichteile, wie Sehnen und Bänder, gibt die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ein ungefähres Höchstalter von 90 Jahren an, für Herzklappen etwa bis zum 70sten Lebensjahr. Für die Sp[A1] ende der Augenhornhaut gibt es keine Altersobergrenze.
Was passiert mit dem gespendeten Gewebe?
Nach der Entnahme werden die Gewebe in einer Gewebebank untersucht, aufbereitet und konserviert. Sie können dort über einen längeren Zeitraum, manchmal über Jahre hinweg, bis zu einer Vermittlung gelagert werden.
Welche Gewebe werden am häufigsten übertragen?
Die Augenhornhaut ist das am meisten gespendete Gewebe. Augenhornhäute werden in rund 30 Hornhautbanken im bundesweiten Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) zu Hornhauttransplantaten aufbereitet. Sie verhelfen Patientinnen und Patienten zu mehr Sehleistung oder bewahren sie im schlimmsten Fall vor Erblindung.
Was passiert nach einer postmortalen Gewebespende mit dem Leichnam?
Eine Gewebeentnahme wird mit der gleichen Sorgfalt wie jede andere Operation durchgeführt. Nach dem Eingriff werden die durch die Gewebeentnahme entstandenen operativen Einschnitte wieder verschlossen. Der Leichnam des verstorbenen Menschen wird den Angehörigen in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben. So können die Angehörigen nach dem Eingriff in jeder gewünschten Weise Abschied nehmen.