Wie kommt es zum Hirntod? Definition und Ursachen

Der Hirntod beschreibt den vollständigen und unumkehrbaren Ausfall aller Funktionen des Gehirns: von Großhirn über Kleinhirn bis hin zum Hirnstamm. Er gilt nach medizinisch-wissenschaftlichem Standard als sicheres Zeichen des Todes. Ursache ist meist eine schwere Schädigung oder Unterbrechung der Sauerstoffversorgung des Gehirns. Lesen Sie hier, wie der Hirntod entsteht und welche Prozesse im Körper dabei ablaufen.

Kurz gefasst
  • Das Gehirn wird über das Blut konstant mit Sauerstoff versorgt. Es reagiert sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel.
  • Schon wenige Sekunden ohne Sauerstoff können zu Bewusstseinstrübungen (Ohnmacht) führen.
  • Hält die Unterbrechung länger an, entstehen Schäden am Hirngewebe und Hirnzellen sterben unwiederbringlich ab.
  • Fällt die gesamte Hirnfunktion aus, liegt der Hirntod vor.
  • Mit dieser Diagnose ist der Tod des Menschen nach neurologischen Kriterien sicher festgestellt.

Das Gehirn als Steuerungszentrale des Körpers

Das Gehirn ist nicht nur Sitz von Persönlichkeit und Bewusstsein, es steuert auch lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Bewegung. Die verschiedenen Hirnareale übernehmen dabei unterschiedliche Funktionen:

  • Großhirn: oberste Instanz des Zentralen Nervensystems
  • Kleinhirn: Koordination von Bewegungsabläufen
  • Hirnstamm: Schnittstelle zum Rückenmark, Steuerung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der Atmung.

Der Aufbau des Gehirns

Das Gehirn ist die Steuerungszentrale des Körpers und lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen:

  • Großhirn,
  • Kleinhirn und
  • Hirnstamm.

Wenn das Gehirn nicht mehr durchblutet wird

Das Gehirn muss kontinuierlich über das Blut mit Sauerstoff und Energie versorgt werden. Wird die Blutzufuhr unterbrochen, entstehen schwere Schäden:

  • Nach wenigen Sekunden: Bewusstseinsverlust (Ohnmacht)
  • Nach wenigen Minuten: Absterben von Gehirnzellen. Sie können sich nicht regenerieren.
  • Dauerhafte Folge: Schreitet der Prozess fort, kommt es zum Unumkehrbarer Ausfall aller Hirnfunktionen, dem Hirntod.

Ist das Gehirn vollständig und unwiederbringlich ausgefallen, so ist der Tod zweifelsfrei eingetreten. Auf den Hirntod folgen unweigerlich Herzstillstand und Organversagen. Zwar können Kreislauf und Atmung vorübergehend maschinell aufrechterhalten werden, trotzdem zersetzen Enzyme das Gehirngewebe zunehmend. Eine Rückkehr ins Leben ist ausgeschlossen.

Ursachen für den Hirntod

Der Hirntod ist immer Folge einer schweren Hirnschädigung. Häufige Auslöser sind:

  • Erkrankungen: Hirnblutungen, Hirntumoren, Schlaganfällen oder Hirnhautentzündungen
  • Äußere Einwirkungen: Schädel-Hirn-Traumata nach Unfall
  • Indirekte Ursachen: Herzstillstand, Herzinfarkt, schwere Herzrhythmusstörungen oder Sauerstoffmangel durch Atemstillstand.

Die Gehirnzellen werden als Reaktion auf den dadurch entstandenen Sauerstoffmangel geschädigt und sterben ab. Dies führt wiederrum zu einer Hirnschwellung, die den Druck im Schädel erhöht: Der Schädelknochen kann dem steigenden Druck nicht nachgeben und die Durchblutung des Gehirns verschlechtert sich noch weiter. Dieser Prozess kann soweit fortschreiten, bis das Gehirn vollständig abstirbt.

Was kann beim Hirntod noch wahrgenommen werden?

Ist der Hirntod eingetreten, sind die Rezeptoren im Gehirn funktionslos. Eine Wahrnehmung, wie zum Beispiel Schmerzempfinden, ist nicht mehr möglich, und auch Sinneseindrücke können nicht mehr verarbeitet werden. Die Persönlichkeit und das Bewusstsein sind somit erloschen.

Einige Reflexe, wie Spontanbewegungen oder Blutdruckanstieg, können auch noch nach dem Hirntod auftreten. Hierbei handelt es sich um spinale Reflexe. Sie gehen von den Nerven im Rückenmark aus, nicht vom Gehirn, und sind somit kein Zeichen für das Weiterbestehen von Hirnfunktionen.

Ein Ausnahmefall

In äußerst seltenen Fällen kann auch trotz Eintreten des Hirntods bei einer Schwangeren ein ungeborenes Kind noch bis zur Lebensfähigkeit heranwachsen. Die Fortführung einer solchen Schwangerschaft erfordert maximale intensivmedizinische Maßnahmen und ist nur möglich, weil alle aktiven Stoffwechselleistungen vom Ungeborenen selbst erbracht werden. Die Schwangerschaft wird durch die hormonelle Steuerung des Mutterkuchens (Plazenta) aufrechterhalten und nicht vom Gehirn der Mutter. Voraussetzung hierfür ist eine Versorgung des Kindes über den mütterlichen Kreislauf.