Ulind Berisha

Ulind Berisha* geboren am 3. Mai 1984
* Augenhornhauttransplantation am 3. Mai 2005 (rechtes Auge)
* Augenhornhauttransplantation am 30. Juli 2010 (linkes Auge)

Ulind Berisha lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Schloss Holte-Stukenbrock.

Ulind Berisha ist ORGANPATE, weil er sehen kann, wie seine Tochter heranwächst.

Ausgelassen tollt die einjährige Ramize durch das Wohnzimmer. Noch krabbelt sie nur, doch bald wird sie ihre ersten Schritte machen. Ulind Berisha wird seiner kleinen Tochter dabei zusehen und die Augenblicke vielleicht mit der Kamera festhalten. Was für viele Väter selbstverständlich sein mag, ist für Ulind Berisha ein besonderes Glück. Die wichtigen Etappen im Leben seiner Tochter zu sehen, war für ihn lange keine Selbstverständlichkeit.

Im Juni 1992 floh die Familie Berisha vor den Schrecken des Bürgerkrieges aus der Heimat im Kosovo nach Deutschland. Zunächst lebten die Berishas zwei Jahre in Schloss Holte, zogen dann in die Nähe von Bremen und kehrten 2003 wieder in die ostwestfälische Wahlheimat zurück. Hier fühlt sich Ulind besonders wohl. Die Mitglieder der Großfamilie – neben den Eltern und dem Bruder wohnen auch Onkel und Tanten in der Nachbarschaft – genießen den engen Zusammenhalt.

Enger Zusammenhalt in der Familie

Ulind Berisha„Die Nähe zur Familie hat mir während der kritischen Phasen meiner Krankheit besonders geholfen“, sagt Ulind Berisha. 2003 stellt er die ersten Sehbeschwerden fest. „Ich wurde plötzlich auf dem rechten Auge kurzsichtig. Das Lesen fiel mir immer schwerer“, erinnert er sich. Die Augenärztin verschreibt ihm spezielle Kontaktlinsen, die die Folgen einer Hornhautverkrümmung lindern sollen. Zunächst helfen die Linsen, doch in den folgenden zwei Jahren verschlechtert sich der Zustand des Auges weiter. Bald steht fest:  Eine Hornhauttransplantation ist der einzige Ausweg.

Ulinds Lebensqualität ist zu diesem Zeitpunkt stark eingeschränkt. Er kann zwar noch arbeiten, muss aber starke Medikamente einnehmen. Das Sehen fällt ihm schwer und er kann kein Auto mehr fahren.

In der Uniklinik Münster wird der damals 19-jährige eingehend untersucht und gilt anschließend als Anwärter auf eine Transplantation. Die Ärzte geben ihm zu verstehen, dass es bis zu ein Jahr dauern könne, bis eine Spenderhornhaut zur Verfügung steht. Doch Ulind hat Glück: Bereits nach drei Monaten ist ein passendes Gewebe gefunden. Die folgende Transplantation ist erfolgreich, denn das operierte Auge nimmt die transplantierte Hornhaut sehr gut an.

Endlich wieder lesen können

„Ich erinnere mich noch genau an den dritten Tag nach der Operation. Die Ärzte nahmen mir den Verband ab und spülten das Auge mit einer Kochsalzlösung. Dann haben wir einen kleinen Sehtest gemacht. Ich konnte die ersten drei Buchstabenreihen fehlerfrei lesen. Spätestens in diesem Augenblick wusste ich, dass sich die Operation gelohnt hatte“, berichtet Ulind.

Nach einer Woche wird er aus der Uniklinik entlassen. Zwei Monate darauf kann Ulind endlich wieder Urlaub machen und fliegt mit einem Cousin in die Türkei. Ein halbes Jahr später werden die Fäden gezogen. Anschließend verbessert sich die Sehkraft weiter.

Riss der Hornhaut

Ulind Berisha mit seiner Tochter„Von diesem Zeitpunkt an war alles super. Ich konnte wieder richtig gut sehen und hatte überhaupt keine Schmerzen.“ Doch im März 2010 tauchen neue Probleme auf. „Eines Morgens hatte ich nach dem Aufstehen das Gefühl, wie durch Milchglas zu sehen. Ich hatte große Angst und bin natürlich sofort zum Arzt“, erzählt Ulind Berisha.

Der Augenarzt erkennt einen Riss der Hornhaut auf dem linken Auge. Eigentlich schien das Auge stabil zu ein. Eine leichte Verkrümmung war bis zu diesem Zeitpunkt zwar bereits festgestellt worden, doch mit einem Riss konnte niemand rechnen. An diesem Tag beginnt das zweite Kapitel der Krankheitsgeschichte. Die Situation ist sogar schwieriger als fünf Jahre zuvor. Da die Hornhaut des linken Auges gerissen ist, muss Ulind sofort aufhören zu arbeiten.

Erneut wird er in der Uniklinik Münster behandelt. Es wird schnell klar, dass wiederum nur eine Transplantation das Sehvermögen zurückgewinnen kann. Zunächst stabilisieren die Mediziner den Zustand, indem sie das Auge löten. Der Eingriff verbessert die Sehkraft leicht und ermöglicht Ulind, die Zeit bis zur Transplantation besser zu überbrücken. Doch er muss sich weiterhin schonen und kann nach wie vor nicht arbeiten. „Ich durfte mich auf keinen Fall anstrengen oder etwas Schweres heben“, sagt er.

In guten Händen

Ulind Berisha und seine FamilieUlind Berisha erhält wenige Monate nach dem Riss der Augenhornhaut den ersehnten Anruf der Uniklinik Münster. Eine Spenderhornhaut ist gefunden und derselbe Operateur, der ihn bereits fünf Jahre zuvor behandelt hat, transplantiert auch das linke Auge. „Vor der Transplantation fragte mich der Arzt, ob ich Angst habe“, berichtet der heute 27-jährige. „Natürlich hat man mich über die Risiken aufgeklärt. Man kann infolge dieser Operation auch erblinden oder das Transplantat wird abgestoßen. Aber ich war ganz ruhig, weil ich wusste, dass ich in guten Händen bin.“

Und tatsächlich gelingt auch die zweite Transplantation. Im März 2011 werden die Fäden gezogen. Der Augendruck ist inzwischen stabil – ein wichtiger Indikator dafür, dass das Transplantat angenommen wurde. Bald steht eine weitere gründliche Untersuchung bevor. Sollte auch dieses Ergebnis positiv ausfallen, darf Ulind Berisha in einigen Monaten endlich wieder arbeiten. Schon jetzt kann er wieder walken oder schwimmen. So gewinnt er allmählich seine frühere Bewegungsfreiheit zurück.

Zu seinem Arbeitgeber, bei dem er seit Anfang 2003 beschäftigt ist, existiert nach wie vor ein enger Kontakt. Den Arbeitsplatz hat man ihm dort freigehalten. „Ich kann es selber kaum erwarten, wieder zu arbeiten. Es ist natürlich sehr schön, so nah bei meiner Tochter zu sein und ihre Entwicklung intensiv zu verfolgen, aber allmählich wird es Zeit, morgens wieder aus dem Haus zu gehen und einen ganz normalen Tagesablauf zu haben. Mit Ramize kann ich dann immer noch genügend Zeit verbringen.“

Videoporträt Ulind Berisha

Videotranskription:

[Man sieht Ulind Berisha gemeinsam mit seiner Familie in einem Park laufen. Ulind Berisha berichtet in diesem Video von seiner Erkrankung an einer Hornhautverkrümmung. Und wie er dann im Jahre 2005 die erste Hornhauttransplantation erhalten hat. Man sieht immer wieder dazwischen Szenen von seiner Tochter auf dem Spielplatz, wie sie gemeinsam herumtollen und spazieren gehen. Man sieht, wie Ulind Berisha mit seinem Auto zur Arbeit fährt und abschließend sieht man ihn, seine Frau und seine Tochter spazieren.]

Ulind Berisha (Hornhauttransplantiert):

Ich heiße Ulind Berisha, bin 27 Jahre alt und hatte zweimal eine Hornhauttransplantation. Glück bedeutet für mich, zu sehen, wie meine Tochter aufwächst und spielt. Das bedeutet für mich Glück. Ich weiß, dass es den Leuten schwer fällt, die Hornhaut zu spenden. Aber ich bin froh, dass es jemand getan hat und ich dadurch wieder sehen kann. Also die Hornhautverkrümmung wurde festgestellt im Jahre 2003 von meinem Augenarzt. Wenn ich mein rechtes Auge zugemacht habe und durch das linke geguckt habe, konnte ich kaum was sehen. Konnte ich einen Schatten sehen, so als ob ich durch ein Milchglas sehe. Arbeiten ging ja gar nicht mehr. Ich durfte mich nicht mehr überanstrengen, nicht mehr Sport machen, nicht mehr schwimmen. Halt gar nichts. Hat mich sehr sehr beeinträchtigt. Die erste Hornhauttransplantation hat 2005 stattgefunden und die zweite 2010. Nach der OP war eine Verbesserung schon in Sicht, aber dadurch, dass es eine Gewebespende war, musste man das langsam angehen lassen. Fast ein Jahr lang. Seitdem geht’s mir gut. Die einzige Einschränkung ist, dass ich halt noch zwei Mal am Tag Augentropfen nehmen muss. Sonst gar keine Medikamente mehr. Meine Lebensqualität hat sich sehr verändert, weil ich halt wieder ein geregeltes Leben führen kann. Also ich arbeite in der Speditionsbranche als Staplerfahrer und bin sehr froh, dass ich da wieder arbeiten kann. Ich kann sehen, wie meine Tochter aufwächst. Wie die lacht, wie die weint. Meine Freizeit normal gestalten. Autofahren. Schön, alles. Ich weiß, dass das vielen Menschen schwerfällt, die Hornhaut zu spenden, aber ich bin dankbar, dass das jemand getan hat und ich dadurch wieder sehen kann.