Die Nierenlebendspende ist die am häufigsten durchgeführte Lebendorganspende

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Bei einer Nierenlebendspende spendet eine gesunde Person eine ihrer beiden Nieren an einen anderen Menschen. Diese Spende kommt dann infrage, wenn keine postmortale Spenderniere zur Verfügung steht. Sie ist die häufigste Art der Lebendorganspende in Deutschland und ermöglicht schwer nierenkranken Menschen ein neues Leben.

Kurz gefasst
  • Die Nierenlebendspende ist die häufigste Form der Lebendorganspende in Deutschland. 2024 wurden 632 Nieren lebend gespendet.
  • Nur gesunde Menschen mit zwei funktionierenden Nieren kommen für eine Spende infrage.
  • Nach der Entnahme bleibt eine Nierenleistung von rund 70 Prozent, ausreichend für ein normales Leben.
  • Der Eingriff birgt Risiken wie Infektionen oder Nachblutungen, verläuft jedoch meist komplikationsfrei.

Nierenlebendspende - Zahlen und Fakten

Die Niere ist das am häufigsten für eine Transplantation benötigte Organ. Ende 2024 standen in Deutschland 6.397 Menschen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Im selben Jahr wurden 2.075 Nieren transplantiert – 632 davon durch eine Lebendorganspende.

Moderne medizinische Verfahren sorgen für hohe Erfolgsaussichten:

  • Nach einem Jahr funktionieren etwa 96 Prozent der lebend gespendeten Nieren,
  • Nach fünf Jahren sind es noch 86 Prozent.

Zum Vergleich: Bei Nieren aus einer postmortalen Organspende sind es rund 75 Prozent nach fünf Jahren. Diese Daten wurden europaweit in einer Studie von 1990 bis 2023 erfasst.

Ablauf der Nierenlebendspende

Der Prozess der Lebendorganspende beginnt schon lange vor der eigentlichen Entnahmeoperation und verläuft in drei Phasen: Vorbereitung, Transplantation und Nachsorge.

Vor der Transplantation

  • Die empfangende Person muss auf der Warteliste für eine postmortal gespendete Niere stehen.
  • Die spendende Person muss alle Voraussetzungen für eine Lebendorganspende erfüllen.
  • Die Niere wird vorab medizinisch umfassend geprüft.
  • Psychologische Gespräche klären Motivation und Freiwilligkeit beider Seiten.
  • Eine Lebendspendekommission prüft und genehmigt die Spende.

Gesundheitliche Voraussetzungen der spendenden Person

Um als Spenderin oder Spender in Frage zu kommen, müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sein, welche in Voruntersuchungen durch Ärztinnen und Ärzte geprüft werden:

  • Zwei gesunde Nieren und ein stabiler allgemeiner Gesundheitszustand
  • Normal funktionierende Herz-Kreislauf- und Gefäßsysteme
  • Kein Bluthochdruck, keine Nierenerkrankung, keine auffälligen Blutzuckerwerte
  • In der Regel ein Mindestalter von 18 Jahren (nach oben keine feste Grenze)

Die Transplantation

  • Der spendenden Person wird eine ihrer beiden Nieren unter Vollnarkose entnommen.
  • Diese wird unmittelbar danach auf die Empfängerin oder den Empfänger übertragen.
  • Beide Operationen erfolgen zeitgleich und im selben Krankenhaus.

Nach der Transplantation

  • Die spendende Person bleibt in der Regel fünf bis sieben Tage im Krankenhaus.
  • Sowohl die spendende als auch die empfangende Person gehen in regelmäßigen Abständen zu medizinischen Nachsorgeuntersuchungen, um die Nierenfunktion und den Allgemeinzustand zu kontrollieren.

Risiken und Leben nach einer Nierenlebendspende

Wie bei jeder Operation können auch bei einer Nierenlebendspende unerwünschte Folgen auftreten. 

Die häufigsten sind:

  • Nachblutungen aus dem Wundgebiet,
  • Wundinfektionen, Venenentzündungen und andere Infekte,
  • Taubheitsgefühl an der Stelle der Operationsnarbe oder Narbenbruch.

Sehr seltene, aber schwerwiegende Folgen können sein:

  • Blutgerinnsel (Thrombose) in den Beinen oder der Lunge,
  • Notwendigkeit einer Blutwäsche (Dialysebehandlung).
  • Das Risiko, an einer Nierenentnahme zu versterben, ist äußerst gering.

Empfohlen sind regelmäßige Untersuchungen der Nierenleistung, um mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Kann man mit nur einer Niere leben?

Grundsätzlich kann ein Mensch auch mit nur einer Niere gut leben. Nach einer Nierenlebendspende übernimmt die verbleibende Niere dauerhaft die Funktion beider Organe. Sie passt sich an, wächst leicht und erreicht etwa 70 Prozent der vorherigen Gesamtleistung. Menschen mit nur einer Niere können in der Regel ein vollkommen normales Leben führen, sie müssen weder eine spezielle Diät einhalten noch die Trinkmenge einschränken.