Die Inselzellen­transplantation

Die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Langerhans-Inseln) steuern den Blutzuckerspiegel, indem sie die Hormone Insulin und Glukagon produzieren. Bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 greift das Immunsystem diese Zellen an und zerstört sie. Eine Transplantation von Inselzellen kann Betroffenen helfen, den Blutzucker zu regulieren und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.

Piktogramm Inselzellen Kurz gefasst
Piktogramm Inselzellen
  • Inselzellen produzieren den Botenstoff Insulin, welcher den Zuckergehalt im Blut reguliert.
  • Transplantationen von Inselzellen erfolgen bei Diabetes Typ 1 („Zuckerkrankheit“) oder nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse.
  • Bei einer Spende werden Inselzellen isoliert und in die Leber übertragen.

Was sind Inselzellen?

Die Langerhans’schen Inseln machen einen kleinen Teil der Bauchspeicheldrüse aus (ein bis zwei Prozent) und bestehen aus:

  • Beta-Zellen: Produzieren Insulin und senken den Blutzucker nach Mahlzeiten.
  • Alpha-Zellen: Produzieren Glukagon und erhöhen den Blutzucker zwischen Mahlzeiten.
  • Delta-Zellen: Produzieren Somatostatin und regulieren Insulin- und Glukagonfreisetzung.
  • PP-Zellen: Produzieren das Pankreatische Polypeptid und steuern die Verdauung und den Stoffwechsel.

Insgesamt regulieren Inselzellen den Blutzuckerspiegel und sichern einen stabilen Stoffwechsel.

Gründe für eine Inselzelltransplantation

Eine Inselzelltransplantation wird dann erwogen, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produziert. Hauptsächlich geschieht dies bei Typ-1-Diabetes oder in manchen Fällen bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes.

Unterschied zur Bauchspeicheldrüsentransplantation

  • Bauchspeicheldrüsentransplantation: Die komplette Spenderdrüse wird transplantiert, oft bei stark beeinträchtigtem Organ. Erfahren Sie hier mehr zur Transplantation von Bauchspeicheldrüsen.
  • Inselzelltransplantation: Nur die insulinproduzierenden Zellverbände (Beta-Zellen) werden isoliert und transplantiert. Sie eignet sich, wenn die restliche Bauchspeicheldrüse noch teilweise funktionstüchtig ist oder eine komplette Transplantation nicht möglich ist.

In Deutschland werden Inselzellen derzeit nur am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden transplantiert. Die Zellen stammen dabei aus einer postmortalen Spende oder einer Eigengewebespende. Bei der Eigengewebespende werden die Inselzellen aus der eigenen Bauchspeicheldrüse der betroffenen Person gewonnen, nachdem das Organ aus medizinischen Gründen entfernt werden musste – meist bei einer chronischen Entzündung. Um Inselzellen transplantieren zu können, werden sie in einem aufwändigen Verfahren aus der Bauchspeicheldrüse isoliert, weiterverarbeitet und gereinigt. Dieses Inselzell-Präparat wird mit einer Infusion in die Leber der Empfängerin oder des Empfängers übertragen. 

Forschung an Inselzellen

Nach einer Inselzelltransplantation muss die Patientin oder der Patient lebenslang Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems einnehmen – andernfalls würde das Immunsystem die transplantierten Zellen angreifen. Aktuell suchen Forscherinnen und Forscher nach einer Möglichkeit, diese Immunantwort zu umgehen, wodurch Betroffene keine Immunsuppressiva mehr einnehmen müssten. 

Eine künstliche Teflonmembran soll die Inselzellen umhüllen und so vor dem Kontakt mit körpereigenen Immunzellen schützen. Außerdem wird mit genetisch veränderten Beta-Zellen (hypoimmune Pseudo-Inselzellen) aus Schweinen, Mäusen und Affen geforscht, die nicht vom Immunsystem der Patientin oder des Patienten erkannt werden. Der Universitätsklinik Uppsala gelang Ende 2024 erstmals eine Übertragung solcher genveränderter Zellen am Menschen.