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Die Geschichte der Organ- und Gewebetransplantation beginnt vor vielen Jahrtausenden

Lesedauer: 2 Minuten
Kurz gefasst

Der Wunsch, verletzte oder verlorene Körperteile einfach auszutauschen, begleitet die Menschheit schon seit Jahrtausenden. So finden sich Transplantationen als Gegenstand von Mythen und Legenden. Die ältesten von ihnen sind wohl vor 5.000 Jahren in Indien entstanden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich Organtransplantationen zu einem medizinischen Routineverfahren entwickelt.

Im 19. Jahrhundert beginnt die Ära der modernen Transplantationsmedizin

Die ersten realen Transplantationen finden vor etwa 2.500 Jahren statt. Altindische Heiler transplantieren Haut von einer Stelle des Körpers an eine andere und helfen damit Menschen, deren Nasen oder Ohren verstümmelt wurden. Die indische Methode der Hauttransplantation erreicht Europa im 16. Jahrhundert und wurde immer weiter entwickelt. Die Ära der modernen Transplantationsmedizin als Wissenschaftsdisziplin bricht im 19. Jahrhundert an.

1883 verpflanzte der Schweizer Chirurg Theodor Kocher einem jungen Mann Schilddrüsengewebe unter die Haut des Halses. Dem Patienten musste zuvor die Schilddrüse entfernt werden. Mit der Transplantation linderte Kocher kurzzeitig Wachstums- und Entwicklungsstörungen. Lange überlebte das transplantierte Gewebe jedoch nicht. Trotzdem stellt Kochers Transplantation den Startschuss zu einer immer rasanteren Entwicklung der Transplantationsmedizin dar.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde zum ersten Mal eine Niere erfolgreich transplantiert

Anfang des 20. Jahrhunderts experimentierten Chirurgen mit ersten Nierentransplantationen. Zunächst blieben ihre Unterfangen erfolglos. Mit neuen Operationstechniken und Erkenntnissen über das Abwehrsystems des Körpers wurde 1954 in den USA erstmals erfolgreich eine Niere übertragen.

Seit diesen ersten Pionierleistungen hat sich die Organtransplantation zu einem medizinischen Routineverfahren entwickelt. Heute werden weltweit jedes Jahr mehr als 100.000 Organtransplantationen durchgeführt.

Eine Übersicht über die Geschichte der Organtransplantation

 

2016: Transplantationsregister wird eingeführt

Das Transplantationsregistersoll die transplantationsmedizinische Versorgung weiterentwickeln. Medizinisch relevante Daten von spendenden und empfangenden Personen werden zentral zusammengefasst und miteinander verknüpft.

1997: Das Transplantationsgesetz tritt in Deutschland in Kraft

Das Transplantationsgesetz legt genau fest, wie Spende, Entnahme und Übertragung menschlicher Organe und Gewebe ablaufen müssen.

1988: Erste Dünndarmtransplantation

 

1984: Gründung der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)

 

1967: Gründung der Stiftung Eurotransplant

Jon van Rood gründet Eurotransplant, eine internationale Stelle zur Organvermittlung, in Leiden (Niederlande).

1967: Erste Herztransplantation

Der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard führt die erste erfolgreiche Herztransplantation durch. Der Patient konnte 18 Tage überleben.

1967: Erste Pankreastransplantation

 

1963: Erste Lungentransplantation

 

1963: Erste Lebertransplantation

 

1962: Erste erfolgreiche postmortale Organspende

Durch Gabe von Immunsuppressiva, also Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, gelingt zum ersten Mal die Transplantation einer postmortal gespendete Niere. Der Empfänger lebt mit der Spenderniere acht Jahre.

1954: Erste erfolgreiche Lebendorganspende

Joseph E. Murray gelingt die erste erfolgreiche Organtransplantation am Menschen. Da der Spender der Niere der eineiige Zwillingsbruder des Patienten ist, können Abstoßungsreaktionen vermieden werden.

1944: Gewebekompatibilität und Immunreaktion

Sir Peter Medawar, ein britischer Zoologe, entdeckt die Grundlagen der modernen Transplantationsimmunologie mit der Gewebekompatibilität. Abstoßungsreaktionen des Körpers können so erklärt werden. 

1933: Erste menschliche Niere transplantiert

Der ukrainische Arzt Yu Yu Vorony transplantiert erstmals eine postmortal gespendete menschliche Niere. Die Empfängerin überlebt nur vier Tage. Der Mechanismus von Gewebekompatibilität und Abstoßungsreaktionen ist noch unbekannt.

1902: Experiment einer Nierentransplantation

Emmerich Ullmann demonstriert vor der Wiener Gesellschaft für Chirurgie die erste technisch erfolgreiche Nierentransplantation bei einem Hund.

1883: Verpflanzung von Schilddrüsengewebe

Der Schweizer Chirurg Theodor Kocher verpflanzt einem jungen Mann menschliches Schilddrüsengewebe. Das Transplantat kann nur kurzzeitig überleben.

1846: Moderne Anästhesie

Die schmerzausschaltende und betäubende Wirkung von Äther wird entdeckt und markiert den Anfang der modernen Anästhesie. Erst mit der Anästhesie sind größere Operationen möglich.

1597: Beginn der plastischen Chirurgie

Der italienische Chirurg Gasparo Tagliacozzi beschreibt die Behandlung von Verletzungen und Amputationen durch Hauttransplantationen. Tagliacozzi gilt als ein Stammvater der plastischen Chirurgie.

Ab 2.500 v. Chr.: Erste Eigenhauttransplantationen von altindischen Heilern

 

Ab 5.000 v. Chr.: Mythische Transplantationen

Mythen und Legenden umranken den Wunsch der Menschen, verletzte oder verlorene Körperteile einfach auszutauschen. Götter und Sagengestalten kommen dem Wunsch in Erzählungen nach.