Patientenverfügung und Organspende

Lesedauer: 2 Minuten

Eine Patientenverfügung ermöglicht es Ihnen, wichtige medizinische Entscheidungen im Voraus zu treffen – auch zur Organspende. So sind Ihre Wünsche klar, auch wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, diese zu äußern. Doch was muss eine solche Verfügung enthalten, damit Ihre Entscheidung für oder gegen die Organ- und Gewebespende verstanden wird? Und wie vermeiden Sie Widersprüche, die im Ernstfall zu Problemen führen können? Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Punkte und hilft Ihnen bei der Formulierung Ihrer Entscheidung in der Patientenverfügung.

Kurz gefasst
  • Eine Patientenverfügung ermöglicht es Ihnen, wichtige medizinische Entscheidungen im Voraus zu treffen. So sind Ihre Wünsche klar auch, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind diese zu äußern
  • Auch Ihre Entscheidung zur Organ- und Gewebespende kann in der Patientenverfügung dokumentiert werden.
  • Sie muss schriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben sein; eine notarielle Beglaubigung ist optional, aber möglich.
  • Bewahren Sie die Patientenverfügung an einem Ort auf, der für Ärztinnen, Angehörige und Bevollmächtigte leicht auffindbar ist.

Was ist eine Patientenverfügung?

Neben dem Organspendeausweis können Sie Ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende auch in einer Patientenverfügung festhalten. Diese schriftliche Willenserklärung regelt, ob und wie Sie ärztlich behandelt werden möchten, wenn Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind. Wichtig ist, dass Sie Ihren Willen eindeutig formulieren und das Dokument eigenhändig unterschreiben

Die Patientenverfügung kann jederzeit geändert werden. Vernichten Sie dafür die alte Version und informieren Sie wichtige Personen, zum Beispiel Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.

Bedingungen für eine gültige Patientenverfügung:

  • Sie sind volljährig
  • Das Dokument ist schriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben oder notariell beglaubigt
  • Die Angaben zu medizinischen Maßnahmen, Heilbehandlungen und ggf. zur Organspende sind klar formuliert

Der Organspendeausweis und die Patientenverfügung sind zwei gleichwertige, rechtlich verbindliche Dokumente, die im Fall der Fälle berücksichtigt werden müssen.

Schon gewusst?

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende sollte nicht im Testament festgehalten werden, da dieses erst einige Zeit nach dem Tod der Verfasserin oder des Verfassers eröffnet wird. Dann ist es für eine Organspende bereits zu spät. Dokumentieren Sie Ihre Entscheidung deswegen in einer Patientenverfügung, auf einem Organspendeausweis oder im Organspende-Register.

Widersprüche vermeiden

Es ist wichtig, dass Ihre Patientenverfügung keine Widersprüche beinhaltet. 

Beispiel: Sie lehnen in Ihrer Patientenverfügung intensivmedizinische Maßnahmen wie eine künstliche Beatmung ab, stimmen an einer anderen Stelle jedoch einer Organspende gleichzeitig zu. Dies ist ein Widerspruch. Eine Organentnahme kann nur erfolgen, wenn intensivmedizinische Maßnahmen, auch die künstliche Beatmung, zeitweise fortgeführt werden. 

Widersprüche führen in der Praxis dazu, dass Ärztinnen und Ärzte nicht eindeutig handeln können, was eine Organentnahme oft unmöglich macht.

Wo hinterlege ich eine Patientenverfügung?

Damit Ihre Patientenverfügung im Ernstfall schnell auffindbar ist, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Informieren Sie Angehörige, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Bevollmächtigte über den Aufbewahrungsort.
  • Ein Hinweis in der Geldbörse oder auf dem Kühlschrank kann hilfreich sein.
  • Sie können Ihre Patientenverfügung kostenpflichtig im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren. Zugriff haben ausschließlich Gerichte.

Formulierungshilfe für Ihre Patientenverfügung

Es gibt in Deutschland keine standardisierte Vorlage für eine Patientenverfügung. Den Text erstellen Sie individuell nach Ihren persönlichen Wünschen und Wertvorstellungen.

Die folgenden Textbausteine helfen Ihnen, Ihre Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende widerspruchsfrei und klar zu formulieren.

  • Textbaustein: Zustimmung zur Organ- und Gewebespende

    Es ist mir bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) bei aufrechterhaltenem Kreislauf-System und unter künstlicher Beatmung entnommen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch infrage kommt, die kurzfristige (ca. 72 Stunden) Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntods nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe.

    Außerdem stimme ich der Durchführung von intensivmedizinischen Maßnahmen zu, die zum Schutz der Organe bis zu ihrer Entnahme erforderlich sind.

    Entsprechendes soll auch für den Fall gelten, dass zu erwarten ist, dass der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) in wenigen Tagen eintreten wird.

    Falls Sie unter diesen Bedingungen eine zeitliche Begrenzung der intensivmedizinischen Maßnahmen wünschen, sollte dies festgehalten werden:
    Die intensivmedizinischen Maßnahmen sollen nicht länger als ______________________ Stunden fortgesetzt werden.

    Formulierung, falls Sie uneingeschränkt Organe und Gewebe spenden möchten:
    Ich stimme einer Entnahme meiner Organe und Gewebe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu. Ich habe einen Organspendeausweis ausgefüllt. Der Organspendeausweis befindet sich an folgendem Ort: ______________________

    Wenn kein Organspendeausweis vorhanden ist:
    Ich habe keinen Organspendeausweis ausgefüllt.

    Falls Sie bestimmte Organe und/oder Gewebe von der Entnahme ausschließen wollen, müssen Sie diese benennen:
    Ich gestatte eine Entnahme mit Ausnahme folgender Organe/Gewebe: ______________________

  • Textbaustein: Ablehnung einer Organ- und Gewebespende

    Formulierung für die Ablehnung einer Organ- und Gewebespende:
    Ich lehne eine Entnahme von meinen Organen und Geweben nach meinem Tod zu Transplantationszwecken ab. Ich habe einen Organspendeausweis ausgefüllt.

    Wenn kein Organspendeausweis vorhanden ist:
    Ich habe keinen Organspendeausweis ausgefüllt.

  • Textbaustein: Übertragung der Entscheidung auf eine andere Person

    Ich übertrage die Entscheidung über die Entnahme von Organen und Geweben auf die nachfolgend benannte Person:

    Name, Vorname:
    Straße, Hausnummer:
    PLZ, Ort:
    Telefonnummer (Festnetz):
    Telefonnummer (Mobil):
    E-Mail: