Die Gewebetransplantation

Ablauf der Gewebespende

Im Gegensatz zur Organspende ist bei einer Gewebespende nicht die Feststellung des unumkehrbaren Hirnfunktionsausfalls (Hirntod) Voraussetzung für eine Gewebeentnahme. Da Gewebe nicht wie Organe für eine Transplantation weiterhin durchblutet werden müssen, können Gewebe auch bei Menschen entnommen werden, die an einem Herz-Kreislauf-Versagen („Klinischer Tod“) verstorben sind. Somit kommen rund zwei Drittel aller Verstorbenen für eine Gewebespende in Betracht.

Liegt eine Zustimmung zur Gewebespende vor, informieren die behandelnden Ärzte die zuständige Gewebebank. Es gibt für Deutschland kein einheitliches Geweberegister. Es handelt sich hier beispielsweise um eine krankenhauseigene Gewebebank oder um eine selbständige Gewebebank, mit der das Krankenhaus für die Gewebespende zusammenarbeitet. Die meisten in Deutschland tätigen Gewebe entnehmenden Einrichtungen arbeiten gemeinnützig.

Die Gewebeentnahme kann im Operationssaal, beispielsweise bei einer gleichzeitigen Organentnahme, oder im Sektionssaal eines pathologischen oder rechtsmedizinischen Institutes vorgenommen werden. Sie ist in der Regel bis zu 72 Stunden nach der Todesfeststellung möglich. Eine Gewebeentnahme darf nur durchgeführt werden, wenn von der zuständigen Landesbehörde eine Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe erteilt wurde. Dabei ist zu beachten, dass die Erlaubnis nicht nur für die „direkte“ Entnahme vom Spender, sondern auch im Falle einer „extrakorporalen“ Entnahme zu beantragen ist. Eine „extrakorporale Entnahme“ liegt beispielsweise vor, wenn ein Herz bei der ärztlichen Begutachtung nach der Entnahme als nicht-transplantierbar klassifiziert wird und dann aus dem Organ – extrakorporal – die Herzklappen entnommen werden.

Die Gewebeentnahme kann durch einen Arzt oder auch durch andere dafür qualifizierte Personen unter der Verantwortung und nach fachlicher Weisung eines Arztes vorgenommen werden. Sie wird mit der gleichen Sorgfalt wie jede andere Operation durchgeführt. Nach dem Eingriff wird die äußere Integrität wiederhergestellt, die durch die Gewebeentnahme entstandenen Wunden werden wie bei einem lebenden Patienten verschlossen. Der Leichnam des verstorbenen Menschen wird den Angehörigen in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben. So können die Angehörigen nach dem Eingriff in jeder gewünschten Weise von der verstorbenen Person Abschied nehmen.

Die entnommenen Gewebe müssen – anders als Organe zur Transplantation – in der Regel nicht direkt übertragen werden. Gewebe können konserviert und zwischengelagert werden, wenn die Gewebeeinrichtung über eine entsprechende Erlaubnis verfügt. Nach der Entnahme werden die Gewebe in der Gewebebank untersucht, ggf. be- oder verarbeitet, verpackt und gelagert, bis sie benötigt werden oder ein geeigneter Empfänger gefunden wird. Aus diesem Grund ist zum Zeitpunkt der Entnahmeoperation häufig noch nicht entschieden, wann und bei wem das gespendete Gewebe eingesetzt werden kann.

Im Falle einer Transplantation bleibt der Name des Spenders anonym. Umgekehrt gilt: Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer ein gespendetes Gewebe erhalten hat. Diese Anonymität verhindert, dass wechselseitige Abhängigkeiten auftreten, die für alle Beteiligten belastend sein könnten.