Die Organempfängerinnen und -empfänger

Durch eine Organverpflanzung können die Auswirkungen sehr unterschiedlicher Erkrankungen behoben werden: Dazu zählen erblich bedingte Defekte, Stoffwechselerkrankungen, einige bösartige Erkrankungen sowie Infektionen, die dazu geführt haben, dass ein Organ durch Krankheitserreger zerstört oder funktionsuntüchtig wurde.

Meist stehen lebensbedrohliche Portrait Mann und FrauKrankheiten im Vordergrund wie z.B. eine schwere Herz- oder Lebererkrankung. Doch nicht in jedem Fall sind die Dinge derart dramatisch. Immer ist jedoch der Verlust eines Organs oder eines Gewebes mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden.

 

Menschen mit "zwei Geburtstagen"

Daher gilt für Menschen nach einer Transplantation häufig nicht nur der im Pass vermerkte Geburtstag. Sie feiern jedes Jahr am Tag der Transplantation ihren "zweiten" Geburtstag.

  • Ein neues Herz, eine gespendete Leber oder Lunge ermöglichen nach einer schweren, unheilbaren Krankheit den Beginn eines neuen Lebens.
  • Viele Menschen, die eine Spenderniere erhalten haben, feiern diesen Tag als Erlösung von der Maschine - nach einer meist mehrjährigen leidvollen Dialysebehandlung.
  • Andere verdanken die wieder gewonnene Sehkraft der Augenhornhaut einer verstorbenen Spenderin oder einem verstorbenen Spender.

Warteliste, Gewebemerkmale, Vermittlung

Die Aufnahme auf die Warteliste für ein gespendetes Organ erfolgt entsprechend den Richtlinien der Bundesärztekammer.

Hierzu sind im Vorfeld zahlreiche Untersuchungen der Patientin oder des Patienten nötig, die die Erfolgsaussicht und die Dringlichkeit einer Transplantation klären. Daneben werden bei einer bevorstehenden Nierentransplantation die Gewebemerkmale bestimmt, die für die Vermittlung durch die Vermittlungsstelle, die Stiftung Eurotransplant, eine wichtige Rolle spielen.

Eine Warteliste nach Richtlinien

Es gibt ärztliche Richtlinien darüber, welche Patientinnen und Patienten auf die Warteliste für eine Transplantation gesetzt werden und welche medizinischen Gegenargumente (Kontraindikationen) gelten. Hierfür hat die Bundesärztekammer eine eigene Kommission eingerichtet, die diese Richtlinien immer wieder überprüft und aktualisiert.

Grundsätzlich kommt eine Patientin oder ein Patient für eine Organverpflanzung infrage, wenn:

  • eine andere Therapie keinen Erfolg mehr verspricht,
  • die Erkrankung des eigenen Organs mit Sicherheit in eine schwere, lebensbedrohliche Situation münden wird oder ein solches Krankheitsstadium bereits eingetreten ist und
  • wenn der erkrankte Mensch nach einer erfolgreichen Transplantation mit hoher Wahrscheinlichkeit länger und besser leben wird als ohne diesen Eingriff.

Der Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten muss allerdings stabil genug sein, damit  die Operation und die anschließende, dauerhafte erforderliche medikamentöse Behandlung erfolgreich durchgeführt werden können. Auch die allgemeinen Lebensumstände einer Transplantatempfängerin oder eines -empfängers sollten den Erfolg der Behandlung nicht gefährden.

Gewebemerkmale sind wichtige Kriterien

Bei Menschen, die für eine Transplantation infrage kommen, werden die Gewebemerkmale bestimmt. Das Ergebnis dieser Gewebetypisierung wird an die Vermittlungsstelle, die Stiftung Eurotransplant, gemeldet. Diese Typisierung wird auch bei der Organspenderin oder dem Organspender durchgeführt.

Je ähnlicher die Gewebemerkmale, die so genannten HLA-Merkmale (Human Leucocyt Antigen), der spendenden und der empfangenden Person ausfallen, desto schwächer wird voraussichtlich das Immunsystem des empfangenden Menschen auf das fremde Organ reagieren. Im Umkehrschluss gilt: Je unterschiedlicher die Gewebemerkmale sind, desto leichter wird der Organismus der Empfängerin oder des Empfängers später ein übertragenes Organ als Fremdkörper erkennen. Dadurch steigt die Gefahr einer Abstoßung. Deshalb wird angestrebt, Organe mit möglichst ähnlichen Gewebemerkmalen zu finden.