Meine Fragen zur Organ- und Gewebespende (FAQ)

Hand hält eine Bild mit Fragezeichen hoch.

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Thema Organ- und Gewebespende. Warum ist es wichtig, sich für oder gegen Organ- und Gewebespende zu entscheiden? Werden Organ- und Gewebespender registriert? Wann kommt eine Lebendorganspende in Frage? Auf diese und mehr Fragen finden Sie hier eine Antwort.

Häufige Fragen zur Organspende

Warum ist es wichtig, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden?

In Deutschland wird man erst mit einer schriftlichen oder mündlichen Willenserklärung zum Organspender. Deswegen ist es wichtig, mit Angehörigen und engen Freunden über seine Entscheidung zu sprechen und einen Organspendeausweis bei sich zu tragen.
Hat man keine Entscheidung getroffen, werden im Todesfall die nächsten Angehörigen befragt. Diese sollen im Sinne des Verstorbenen entscheiden. Damit sie in der akuten Situation Bescheid wissen, ist es wichtig, dass Sie sich frühzeitig Gedanken über die Organ- und Gewebespende machen und mit Ihren Angehörigen darüber sprechen.

Werden mögliche Organspender offiziell registriert?

In Deutschland gibt es kein Organspenderegister. Ihre Entscheidung zur Organ-und Gewebespende wird an keiner Stelle gespeichert. Es genügt, wenn Sie einen Organspendeausweis ausfüllen und diesen stets bei sich tragen.

Gibt es eine Altersgrenze für die Organspende?

Nein, es gibt keine Altersgrenze. Entscheidend ist das biologische und nicht das kalendarische Alter. Auch die funktionstüchtige Niere eines 65-jährigen Verstorbenen kann einem Dialysepatienten wieder ein fast normales Leben schenken. Ob gespendete Organe für eine Transplantation geeignet sind, kann erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch geprüft werden.

Welche Vorerkrankungen schließen eine Organspende generell aus?

Eine Organentnahme kann z.B. bei bestimmten Infektionen oder bei Krebserkrankungen ausgeschlossen sein. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organspende infrage kommt.
Ist eine chronische Krankheit bereits bekannt, sollte sie auf dem Organspendeausweis unter „Platz für Anmerkungen/Besondere Hinweise“ notiert werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um nach dem Tod Organe spenden zu können?

Die Voraussetzungen für eine Organspende sind im Transplantationsgesetz streng geregelt: Erstens muss der unumkehrbare Hirnfunktionsausfall („Hirntod“) des möglichen Spenders nach der Richtlinie der Bundesärztekammer festgestellt worden sein. Zweitens muss der Verstorbene in eine Organspende eingewilligt haben oder die Angehörigen müssen unter Beachtung des mutmaßlichen Willens einer Organentnahme zustimmen.

Was bedeutet „unumkehrbarer Hirnfunktionsausfall („Hirntod“)“?

Der „Hirntod“ ist definiert als Zustand der unwiederbringlich erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Er kann beispielsweise als Folge einer Hirnblutung, einer schweren Hirnverletzung oder eines Hirntumors eintreten. Das Gehirn ist dann als übergeordnetes Steuerorgan der elementaren Lebensvorgänge unwiderruflich ausgefallen und der Tod des Menschen eingetreten. Weitere Informationen finden Sie hier.

Wenn ich einer Organspende zu Lebzeiten zugestimmt habe, wird dann in einer Notsituation alles getan, um mein Leben zu retten?

Die behandelnden Ärzte sind dem Wohl des Patienten verpflichtet; daher ist es das Ziel aller medizinischen Maßnahmen, das Leben des Patienten zu retten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie einer Organspende zugestimmt haben oder nicht.

Welche Rolle spielt mein Krankenversicherungsstatus bei der Vermittlung von Organen?

Ob ein Patient auf der Warteliste privat oder gesetzlich krankenversichert ist, spielt bei der Organvergabe keine Rolle. Die Verteilung von Organen erfolgt ausschließlich nach medizinischen Kriterien, wie der Dringlichkeit und Erfolgsaussicht der Transplantation.

Gibt es religiöse oder spirituelle Bedenken gegen die Organspende?

Keine der größeren religiösen Gemeinschaften in Deutschland hat sich gegen die Organspende ausgesprochen. Wenn Sie Zweifel oder Bedenken haben, wenden Sie sich am besten direkt an einen Vertreter Ihrer Religion. Hier erfahren Sie mehr.

Wer erhält meine Organe?

Das kann im Voraus nicht gesagt werden. Es gibt viele Faktoren, die entscheiden, wer ein bestimmtes Spenderorgan bekommt. Dazu gehören zum Beispiel Blutgruppe, Alter, Gewicht und die Gewebemerkmale. Je ähnlicher die Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass nur geringe Abstoßungsreaktionen auftreten. Bei sehr unterschiedlichen Gewebemerkmalen ist eine Abstoßung wahrscheinlicher. Die gemeinsame Warteliste des Verbundes von Eurotransplant, dem Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Slowenien und Ungarn angeschlossen sind, erleichtert es, die optimalen Empfänger zu ermitteln.

Erfährt der Organempfänger, wer das Organ gespendet hat?

Nein, eine Organspende ist anonym. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer der Empfänger des Organs ist. Auf Wunsch wird aber über die Deutsche Stiftung Organtransplantation mitgeteilt, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.

Wie wird mit dem Leichnam eines Spenders nach der Organentnahme umgegangen?

Das Transplantationsteam geht zu jedem Zeitpunkt pietätvoll mit dem Körper des Toten um. Der Leichnam wird durch eine Organspende nicht entstellt. Die Entnahme findet in einem normalen Operationssaal statt und die Ärzte verschließen die operativen Einschnitte nach der Entnahme wieder, um den Körper zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Die Angehörigen haben Gelegenheit, in einem würdigen Rahmen Abschied von dem Verstorbenen zu nehmen.

Welche Erfolgsaussichten haben Organübertragungen?

Sehr gute. So leben beispielsweise 95 Prozent der Menschen nach einer Nierentransplantation noch nach einem Jahr, nach drei Jahren sind es noch 91 Prozent. Nach einer Herztransplantation leben nach drei Jahren noch 75 Prozent der Menschen. Auch Augenhornhäute sind beispielsweise gut transplantierbar: 95 Prozent haben ihre volle Funktionstüchtigkeit noch nach einem Jahr, 80 Prozent nach fünf Jahren. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ist es möglich, Organe zu spenden, wenn man noch am Leben ist?

In einzelnen Fällen kommt eine Spende von Organen oder Organteilen zu Lebzeiten infrage. Das ist gilt für die Niere und – seltener – einen Teil der Leber. Eine gesunde Person kann mit nur einer Niere ein nahezu normales Leben führen. Dennoch muss eine Lebendorganspende sehr sorgfältig abgewogen werden. Wie jede andere Operation stellt eine Organentnahme für den Spender ein medizinisches Risiko dar. Hier erfahren Sie mehr.

Wann kommt eine Lebendorganspende infrage?

Die Lebendorganspende ist durch das Transplantationsgesetz geregelt. Es erlaubt die Lebendorganspende nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, zum Beispiel Eltern und Geschwistern, unter Ehepartnern, Verlobten oder unter Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen. Die Lebendspende ist der Organspende von verstorbenen Personen nachgeordnet. Damit ist eine Organentnahme bei einem lebenden Menschen nur dann zulässig, wenn zum Zeitpunkt der Transplantation kein Spenderorgan einer verstorbenen Person zur Verfügung steht. Hier erfahren Sie mehr.

Können Organe und Gewebe nur unverändert übertragen werden?

Organe werden in der Regel unverändert als Ganzes übertragen. Ist eine Transplantation auf Grund des Zustandes eines Spenderorgans aus medizinischen Gründen nicht möglich, können gegebenenfalls einzelne Teile, wie beispielsweise die Herzklappen, entnommen und übertragen werden. Darüber hinaus ermöglicht es der medizinische Fortschritt, bei einer Gewebespende aus menschlichem Gewebe oder Zellen in aufwändigen Verfahren Arzneimittel herzustellen, die zur Behandlung verschiedener Erkrankungen bedeutsam sind.

Häufige Fragen zur Gewebespende

Gibt es eine Altersgrenze für die Gewebespende?

Ja. Während es bei der Organspende keine allgemeinen Festlegungen für das Alter von Spendern gibt, gilt bei Geweben: Knochen und Weichgewebe können bis zum 75. Lebensjahr, Herzklappen und Blutgefäße bis zum 65. Lebensjahr gespendet werden. Keine Altersobergrenze gibt es für die Spende der Augenhornhaut.

Welche Vorerkrankungen schließen eine Gewebespende generell aus?

Ausschlusskriterien für die Gewebeentnahme bei verstorbenen Personen sind in der Gewebeverordnung nach dem Transplantationsgesetz (TPG-Gewebeverordnung) aufgeführt. Dazu gehören unter anderem eine unbekannte, nicht zu klärende Todesursache, das Vorliegen einer bösartigen Krebserkrankung sowie bestimmte Infektionskrankheiten.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Gewebespende von Verstorbenen erfüllt sein?

Anders als bei der Organspende ist bei einer Gewebespende nicht die Feststellung des unumkehrbaren Hirnfunktionsausfalls („Hirntod“) Voraussetzung der Gewebeentnahme. Somit kommen für eine Gewebespende potentiell rund zwei Drittel aller Verstorbenen infrage. Nachdem der Arzt den Tod zweifelsfrei nachgewiesen hat, wird geprüft, ob eine Zustimmung des Verstorbenen zur Gewebespende vorliegt oder ob die Angehörigen den Willen des Verstorbenen angeben können. Eine Gewebespende ist in der Regel bis zu 72 Stunden nach dem Eintritt des Todes möglich.
Kommt eine verstorbene Person zugleich als Spender von Organen und Geweben in Betracht, so hat die Organspende laut Transplantationsgesetz Vorrang gegenüber der Gewebespende.

Können Gewebe nur unverändert übertragen werden?

Entnommene Gewebe müssen – anders als Organe zur Transplantation – in der Regel nicht direkt übertragen werden. Es besteht die Möglichkeit, die Gewebe zu konservieren und zwischenzulagern. Nach der Entnahme werden die Gewebe beispielsweise in einer Gewebebank untersucht, dort be- oder verarbeitet, verpackt und gelagert, bis ein geeigneter Empfänger gefunden wurde.

Welche Erfolgsaussichten haben Gewebeübertragungen?

Die Erfolgsaussichten einer Gewebeübertragung sind unterschiedlich je nach Art des Gewebes. Auch Grunderkrankungen des Empfängers können den Erfolg einer Gewebeübertragung beeinflussen. Bei Hornhauttransplantationen liegt die Erfolgsquote im Durchschnitt bei 95 Prozent. Diese Quote bezieht sich in erster Linie auf das Einwachsen der neuen Hornhaut ohne Komplikationen durch eine Abstoßungsreaktion.

Was passiert mit dem Leichnam nach einer Gewebespende?

Eine Gewebeentnahme wird mit der gleichen Sorgfalt wie eine chirurgische Operation durchgeführt. Nach dem Eingriff werden die durch die Gewebeentnahme entstandenen Wunden wieder verschlossen. Der Leichnam des verstorbenen Menschen wird den Angehörigen in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben. So können die Angehörigen nach dem Eingriff in jeder gewünschten Weise Abschied nehmen.

Weiß der Empfänger des Gewebes, wer es gespendet hat?

Nein. Bei einer Gewebetransplantation wird dem Empfänger der Name des Spenders nicht mitgeteilt. Umgekehrt gilt: Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer ein gespendetes Gewebe erhalten hat. Diese Anonymität verhindert, dass wechselseitige Abhängigkeiten auftreten, die für alle Beteiligten belastend sein könnten.

Wann kommt eine Lebendspende von Gewebe infrage?

Eine Lebendspende von Gewebe wird derzeit vor allem für autologe Transplantationen, das heißt für die Entnahme und Übertragung von Gewebe bei ein und derselben Person, durchgeführt. So werden beispielsweise zur Behandlung von Verbrennungen Hautlappen autolog transplantiert. Auch der Ersatz verengter Herzkranzgefäße durch andere körpereigene Gefäße bei einer Bypass-Operation ist eine autologe Lebendspende mit Transplantation.
Eine Übertragung einer Lebendgewebespende auf eine andere Person ist aber auch möglich. So kann bei einer Hüftgelenksoperation der entnommene Hüftkopf für eine Transplantation zur Verfügung gestellt werden. Außerdem kann das Amnion (Eihaut), welches das Ungeborene während der Entwicklung im Mutterleib umgibt, nach der Geburt gespendet werden. Die Membran der Eihaut wird zur Unterstützung von Wundheilungen eingesetzt (z.B. Behandlung von Verletzungen der Augenhornhaut).

Wie wird in Deutschland die Gewebespende finanziert?

Die Kosten für die Transplantation des Spendergewebes übernimmt in der Regel die Krankenversicherung des Empfängers. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen von Fallpauschalen.

Wie ist in Deutschland die Gewebespende gesetzlich geregelt?

Durch das am 1. August 2007 in Kraft getretene Gesetz über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben und Zellen (Gewebegesetz) wurden ergänzende Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Gewebe in das Transplantationsgesetz (TPG), das Arzneimittelgesetz (AMG) und das Transfusionsgesetz (TFG) aufgenommen. Das Gewebegesetz setzt eine entsprechende EU-Richtlinie für den Umgang mit menschlichen Zellen und Geweben wie Augenhornhäute, Herzklappen, Haut, Knochen oder Stammzellen um. Es betrifft die Spende, Beschaffung, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen.

Häufige Fragen zum Organspendeausweis

Wo erhält man einen Organspendeausweis?

Sie können einen Organspendeausweis bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestellen oder auf unseren Seiten online ausfüllen und ausdrucken. Weitere Informationen finden Sie hier.
Telefonisch können Sie einen Organspendeausweis beim Infotelefon Organspende unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 9040400 bestellen. Organspendeausweise sind zudem in vielen Arztpraxen und Apotheken erhältlich.

Kann man im Organspendeausweis bestimmte Organe und Gewebe von einer Spende ausschließen?

Ja, man hat fünf verschiedene Wahlmöglichkeiten im Organspendeausweis. So kann man der Organ- und Gewebespende generell zustimmen, einzelne Organe oder Gewebe von einer Spende ausschließen oder nur bestimmte Organe und Gewebe für eine Spende zur Verfügung stellen, die Organ- und Gewebespende generell ablehnen oder die Entscheidung auf eine Person seines Vertrauens übertragen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Können Personen unter 18 Jahren einen eigenen Organspendeausweis ausfüllen?

Ja, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist nicht notwendig.

Muss man sich ärztlich untersuchen lassen, bevor man einen Organspendeausweis ausfüllt?

Nein, eine Untersuchung ist nicht notwendig und wäre zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll, da sich der gesundheitliche Zustand eines Menschen fortwährend ändern kann.

Sollte man den Organspendeausweis ständig bei sich tragen?

Das ist sinnvoll, am besten beim Personalausweis. Wer das nicht möchte, sollte auf jeden Fall eine Person seines Vertrauens über seine Entscheidung informieren und sagen, wo der Organspendeausweis zu finden ist.

Was passiert, wenn man seine Meinung zur Organ- und Gewebespende ändert?

Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt und man kann seine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende jederzeit ändern. Dazu füllt man einfach einen neuen Organspendeausweis aus und vernichtet den alten. Sollte die Entscheidung in einer Patientenverfügung dokumentiert sein, sollte auch diese geändert werden. Zudem sollten die Angehörigen informiert werden.