Nierentransplantationen weiterhin rückläufig

01.10.2001
Nierentransplantationen weiterhin rückläufig
Deutsche Nierenwoche appelliert gegen das Vergessen

Heute findet in Münster die Auftaktveranstaltung zur Deutschen Nierenwoche statt, die vom 7. bis 14. Oktober bundesweit durchgeführt wird. Die diesjährige Nierenwoche steht als Gemeinschaftsaktion der Deutschen Nierenstiftung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter dem Motto "Organspende und Transplantation". Der Verein‚ Sportler für Organspende‘ unterstützt beide Organisationen in ihrer Arbeit. Seine Mitglieder sind prominente Sportler und Sportmoderatoren, die mit ihrem Engagement ein positives Beispiel geben wollen.

Bundesweit werden in dieser Woche zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, um die Bürgerinnen und Bürger über das Thema Organspende und Transplantation zu informieren. Rund 125 Dialysezentren, Transplantationszentren, Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte sowie Betroffenenverbände haben sich inzwischen zu einer Teilnahme angemeldet. An Infoständen, bei Vorträgen oder Telefonberatungen wollen sie den Menschen die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch und zur Information geben.

Rund 45.000 Dialysepatienten leben in der Bundesrepublik Deutschland. Viele davon warten auf eine Spenderniere. Die Situation in Deutschland sieht für sie jedoch keineswegs optimistisch aus: Von den rund 4500 benötigten Nieren im Jahr 2000 standen lediglich 2219 Spenderorgane für eine Transplantation zur Verfügung. Die Zahl der transplantierten Nieren hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen (1. Halbjahr 2000: 1034, 1. Halbjahr 2001: 989 Nierentransplantationen ohne Lebendspende). Diese Negativentwicklung trifft neuerdings auch auf die Lebend-Nierenspenden zu. Während die Lebendspenden in den neunziger Jahren kontinuierlich zunahmen, ist hier im Jahr 2000 ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen.

Die von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) veröffentlichten Transplantationszahlen setzen - was die Hoffnung auf eine Nierentransplantation für Dialysepatienten betrifft - deshalb ein eher verhaltenes Signal. Dies liegt jedoch weniger an einer mangelnden Akzeptanz der Organspende in der Bevölkerung. Nach der jüngsten Repräsentativerhebung zur Organspendebereitschaft in der Bundesrepublik Deutschland, die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von forsa im August 2001 durchgeführt wurde, ist die Haltung der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gegenüber der Organspende mit 82 Prozent deutlich positiv. Dennoch zeigt sich, dass nur 32 Prozent der Befragten sich intensiv und 43 Prozent nur wenig mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt haben. Nur 12 Prozent haben einen Organspendeausweis ausgefüllt. Daher ist es besonders wichtig, das Interesse an diesem Thema in der Bevölkerung wach zu halten.

"Trotz zahlreicher vorhandener Informationsangebote fällt es vielen Menschen schwer, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und zu einer persönlichen Entscheidung zu kommen", sagt Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Umso wichtiger ist das Engagement der verschiedenen Veranstalter an der diesjährigen Nierenwoche, über das ich mich sehr freue. Aus unseren Untersuchungen wissen wir, dass nach wie vor ein hoher Aufklärungs- und Informationsbedarf in der Bevölkerung herrscht. Bei diesem sensiblen Thema, das mit vielen Unsicherheiten und Ängsten verbunden ist, dürfen wir die Menschen nicht allein lassen. Wir alle, die wir in diesem Bereich tätig sind, müssen uns den Fragen und auch den Zweifeln der Menschen stellen. Wir müssen die verschiedensten Informationswege nutzen, um somit die Menschen zu erreichen. Das sind wir vor allem denjenigen schuldig, die schon seit Jahren auf ein Spenderorgan warten."

In diese Richtung arbeitet auch der Verein Sportler für Organspende, in dem die Grossen des Sports sich für die Organspende als eine Idee der Kameradschaft einsetzen. Mitglieder sind dort u.a. Franz Beckenbauer, Rosi Mittermaier, Jan Ullrich, Boris Becker, Franziska van Almsick und Fernsehmoderatoren wie Günther Jauch und Johannes B. Kerner. Vereinsgründer Hans Wilhelm Gäb, vormals deutscher Tennis-Meister und Aufsichtsratschef der Adam Opel AG, der selbst seit sieben Jahren lebertransplantiert ist, zählt zu den Mitgliedern der mehr als vierzig Weltmeister und Olympiasieger. Gäb: "Unsere Helfer im Verein demonstrieren, dass Hilfsbereitschaft und Solidarität nach wie vor zu den wichtigen Prinzipien des Sports gehören."

"Die Nierentransplantation ist eine Behandlung, die man sehr positiv beurteilen muss, weil sie die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert und die Lebenserwartung verlängert", sagt Prof. Dr. med. Fokko J. van der Woude, Ordinarius für Nephrologie an der Universität Heidelberg und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nierenstiftung. "Leider hat es in den Medien in den letzten Jahren immer wieder einmal Sensationsberichte über die Organentnahme gegeben, die mit der Praxis in der Bundesrepublik Deutschland nichts zu tun haben. Die Organentnahme in Deutschland wird überall gesetzesgemäß durchgeführt und entspricht den höchsten ethischen Bedingungen. Einzelfälle unseriöser Berichterstattung tragen zur Verunsicherung der Menschen bei und können dazu führen, dass letztlich die Patienten aufgrund fehlender Spenderorgane länger als notwendig auf eine Transplantation warten müssen."

Die Deutsche Nierenwoche will mit ihren bundesweiten Aktionen zu einer umfassenden Information in der Bevölkerung beitragen. Zusätzlich besteht für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, mit Fachkräften telefonisch über ihre persönlichen Fragen zu sprechen.

Die gebührenfreie Rufnummer lautet: 0800 90 40 400