Organspendebereitschaft der Bevölkerung steigt

13.02.2001
Trotz Defiziten an Organspenden in den Kliniken – Organspendebereitschaft der Bevölkerung steigt

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt wichtigste Ergebnisse der neuesten Repräsentativbefragung zur Organspendebereitschaft vor

Trotz bestehender Defizite bei der Organspende in deutschen Krankenhäusern - die Organspendebereitschaft der Deutschen steigt. Das zeigen die Ergebnisse der jüngsten Repräsentativbefragung (n=1000, ab 14 Jahre) zur Organspendebereitschaft der BürgerInnen in der Bundesrepublik Deutschland, die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von forsa im November 2000 durchgeführt wurde. Eine Vergleichserhebung fand bereits im November 1999 statt.

Akzeptanz der Organspende
Die große Mehrheit der Befragten äußert grundsätzlich eine positive Haltung zur Organspende. Mit 82 Prozent ist hier ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr (78 Prozent) zu verzeichnen (passive Akzeptanz). 72 Prozent der Bundesbürger sind damit einverstanden, dass man ihnen selbst nach ihrem Tod Organe entnimmt. Im Vergleich zum Vorjahr (63 Prozent) ist hier ein deutlicher Anstieg der aktiven Organspendeakzeptanz zu verzeichnen. Lediglich 8 Prozent der Befragten stehen der Organspende eher negativ gegenüber und 20 Prozent lehnen eine Organspende ab.

Informiertheit der Bevölkerung und Besitz des Organspendeausweises
47 Prozent der Befragten berichten, dass sie Bescheid wüssten, wo man einen Organspendeausweis erhält. Im Vergleich zum Vorjahr (41 Prozent) und zu 1993 (30 Prozent) zeigt sich eine deutliche Steigerung in der Informiertheit der Bevölkerung.

48 Prozent geben die Arztpraxis (44 Prozent in 1999) als die am häufigsten genannte Anlaufstelle an, bei der ein Organspendeausweis erhältlich ist, gefolgt vom Krankenhaus (36 Prozent vs. 35 Prozent 1999).

Verglichen zur aktiven Organspendebereitschaft ist der tatsächliche Besitz eines Organspendeausweises weiterhin gering. Dennoch ist auch hier ein Anstieg zu verzeichnen. 14 Prozent der befragten Bundesbürger haben einen Organspendeausweis ausgefüllt, 1999 waren es nur 11 Prozent. Dabei zählen in erster Linie diejenigen zu den Ausweisträgern, die sich bereits intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Das zeigt, dass die öffentliche Information und Diskussion zur Organtransplantation nicht nachlassen darf, um das Thema in der Bevölkerung wach zu halten.

Präferierte Ansprechpartner
Als potentieller Ansprechpartner liegt der Arzt nach wie vor in der Präferenz der Befragten an erster Stelle mit 59 Prozent. 37 Prozent würden am ehesten das Gespräch mit einem Angehörigen oder Partner suchen. 11 Prozent würden sich an Freunde wenden. Für 7 Prozent kämen am ehesten Experten in einer Beratungsstelle, für 2 Prozent Geistliche und für 1 Prozent Mitarbeiter des DRK als Ansprechpartner in Frage.

Ausblick
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wendet sich seit drei Jahren zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern im Rahmen der Kampagne "Organspende schenkt Leben" an die Bevölkerung. Ziel ist es, die Menschen zu motivieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen und noch zu Lebzeiten eine persönliche Entscheidung zu treffen und sie möglichst auch in einem Organspendeausweis zu dokumentieren. Die wachsende Bereitschaft der Deutschen zur Organspende ist sicherlich ein Ergebnis dieser zahlreichen Bemühungen. Gleichwohl reicht sie allein nicht aus.

Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bestätigt, besteht ein deutliches Defizit an Spenderorganen in deutschen Kliniken. Es wird angestrebt, diese Situation dadurch zu verbessern, dass die DSO in ihrer neuen Funktion als Koordinierungsstelle für einen zeitgerechten und effektiven Ablauf der Organspende Sorge tragen kann. So veranlassen die Transplantationskoordinatoren (Mitarbeiter der DSO) bei einer Organspende alle nötigen Schritte, damit die Organe sicher und möglichst rasch zum Empfänger gelangen können. Sie sorgen für Infektionsdiagnostik, Bestimmung von Blutgruppen und Gewebetyp, sie organisieren die Entnahme und Konservierung der Organe und übermitteln die Daten des Spenders an die Vermittlungsstelle Eurotransplant, damit passende Empfänger ermittelt werden können. Auch für den Transport der Organe ins In- und Ausland ist die DSO verantwortlich. Diese Dienste stellt sie flächendeckend und rund um die Uhr zur Verfügung.

Das Thema Organspende und Transplantation ruft bei vielen Menschen Fragen, Ängste und auch Unsicherheit hervor. Aus diesem Grund hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aktuell die Broschüre "Wie ein zweites Leben" herausgegeben. Sie gibt Antworten auf Fragen zum Ablauf einer Organspende, zum Transplantationsgesetz, zum Therapieverfahren oder auch zu der Frage "Wann ist ein Mensch tot" (Hirntoddiagnostik). Außerdem enthält sie zwei Organspendeausweise. Die Broschüre ist kostenlos und kann schriftlich bestellt werden bei:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
51101 Köln
Fax: 0221-8992257
e-mail: order@bzga.de
Infotelefon Organspende: 0800 90 40 400

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Deutsche Stiftung Organtransplantation geben mit dem "Infotelefon Organspende" allen Interessierten die Möglichkeit, mit Fachkräften über ihre persönlichen Fragen zu sprechen. Alle Bürgerinnen und Bürger und auch die KlinikmitarbeiterInnen sollten das Angebot nutzen, um sich mit Fragen, Zweifeln und Ängsten an die gebührenfreie Rufnummer 0800 90 40 400 zu wenden