Organspendebereitschaft höher als erwartet

24.02.2000
Organspendebereitschaft in der Bundesrepublik Deutschland höher als erwartet

Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung


Im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat forsa, Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, eine repräsentative Untersuchung zur Organspendebereitschaft der Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. Danach liegen folgende Ergebnisse vor:

Passive Akzeptanz der Organspende
Die große Mehrheit der Befragten - 78 Prozent - hat eine positive Haltung gegenüber der Organspende. Lediglich 10 Prozent stehen ihr eher negativ gegenüber. Vor allem die älteren Menschen ( 60 Jahre und älter) sowie die formal niedriger Gebildeten verhalten sich dem Thema Organspende gegenüber insgesamt etwas skeptischer als der Durchschnitt der Befragten. Dennoch überwiegt auch unter ihnen sehr deutlich eine positive Grundhaltung gegenüber der Organspende. Ebenfalls ist festzustellen, dass die Befragten, die sich schon intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben, im allgemeinen einer Organspende erheblich positiver gegenüberstehen als diejenigen, die sich nur wenig oder überhaupt noch nicht mit dem Thema befasst haben.

Aktive Akzeptanz der Organspende
Was die aktive Akzeptanz der Organspende betrifft, so wären 63 Prozent grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe entnimmt. 22 Prozent lehnen dies ab. Einen Vergleich lässt eine Befragung im Auftrag des privaten Fernsehsenders RTL im Mai 1997 zu: Damals waren 58 Prozent im Falle ihres Todes zur Organspende bereit und noch 32 Prozent lehnten sie für sich ab. Auch an dieser Stelle lässt sich wieder feststellen, dass diejenigen Befragten, die sich schon intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben, im Durchschnitt deutlich eher zur Organspende bereit sind als diejenigen, die sich bisher nur wenig oder gar nicht damit befasst haben.

Kenntnis der Stellen, an denen man einen Organspendeausweis erhält
Die Bekanntheit des Organspendeausweises und das Wissen über die Stellen, an denen man ihn erhalten kann, ist ein wichtiger Indikator dafür, wie intensiv man sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat und gegebenenfalls auch schon einen Ausweis für sich persönlich ausgefüllt hat. 41 Prozent der Befragten können die Stellen benennen, an denen es einen Organspendeausweis gibt. Dieser Wert liegt deutlich höher als 1993. Damals konnten bei einer Befragung im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur 30 Prozent der Befragten angeben, wo man sich einen solchen Ausweis besorgen kann.

Die Arztpraxis gilt mit 44 Prozent als die am häufigsten genannte Anlaufstelle, bei der ein Organspendeausweis erhältlich ist, gefolgt vom Krankenhaus (35 Prozent), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) mit 13 Prozent, den Krankenkasse mit 11 Prozent oder der Apotheke mit 10 Prozent.

Besitz des Organspendeausweises
11 Prozent der befragten Bundesbürger haben einen Organspendeausweis für sich ausgefüllt - die Westdeutschen dreimal so häufig wie die Bürger in Ostdeutschland. Vergleichsweise selten geben die älteren Befragten (60 Jahre und älter) sowie diejenigen mit einem formal niedrigeren Schulabschluss an, über einen solchen Ausweis zu verfügen. Auch bei dieser Frage ist eine positive Korrelation zwischen der Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Besitz eines Organspendeausweises festzustellen.

Präferierte Ansprechpartner
Als potentieller Ansprechpartner zu Fragen rund um das Thema Organspende liegt der Arzt in der Präferenz der Befragten an erster Stelle mit 61 Prozent. 33 Prozent würden am ehesten das Gespräch mit einem Angehörigen oder dem Partner suchen. 10 Prozent würden sich in diesem Fall an Freunde wenden. Für 5 Prozent kämen am ehesten Experten in einer Beratungsstelle, für 2 Prozent Geistliche, für 2 Prozent Mitarbeiter des DRK und für 1 Prozent ihr Apotheker als Ansprechpartner in Frage.
Interessante Unterschiede zeigen sich bei der Aufschlüsselung nach dem Alter der Befragten. So rangiert der Arzt als Ansprechpartner zwar auch bei den Jüngeren ganz oben, wird aber insgesamt von dieser Altersgruppe deutlich seltener genannt als von den über 30-jährigen.

Bei den jüngeren Befragten kommt dem Freundeskreis eine vergleichsweise hohe Bedeutung zu: 19 Prozent von ihnen würden am ehesten das Gespräch mit Freunden suchen, wenn sie mit jemandem über das Thema Organspende reden wollten.

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Die Bundeszentrale hat nach dem Transplantationsgesetz den Auftrag, gemeinsam mit anderen Partnern die Bevölkerung über die Organspende zu informieren. Hierzu hat sie die Kampagne "Organspende schenkt Leben" entwickelt. Über Plakate, Kino- und TV-Spots, Broschüren, Informationsmappen sowie das Angebot einer Ausstellung wendet sich die Bundeszentrale zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern an die Bevölkerung, um sich mit dem Thema zu beschäftigen und noch zu Lebzeiten eine persönliche Entscheidung zu treffen.

Das Medienangebot ist kostenlos und kann schriftlich bestellt werden bei:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
51101 Köln
Fax: 0221 - 8992-257
e-mail: order@bzga.de

Zuletzt eine Bitte in eigener Sache:
Liebe Redaktion, liebe Anzeigenleitung,

Organtransplantationen können heute vielen schwerkranken Menschen ein neues Leben schenken oder Leiden lindern und Lebensqualität entscheiden verbessern. Das ist aber nur möglich, wenn sich viele Menschen bereit erklären, im Falle ihres Todes als Organspender zur Verfügung zu stehen.

In Deutschland gibt es - trotz der positiven Entwicklung zur Bereitschaft zur Organspende - zu wenig Spenderorgane. Jährlich kann nur etwa die Hälfte der für Herz-, Nieren- und Lebertransplantationen benötigten Organe übertragen werden.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung möchte die Menschen ermutigen, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen und sich eine persönliche Meinung zu bilden. Jeder sollte seine persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentieren und mit seinen Angehörigen darüber sprechen.

Wir möchten Sie bitten, unser Anliegen mit einer kostenfreien Schaltung einer Anzeige in Ihrer Zeitung/Zeitschrift zu unterstützen. Hierzu liegt eine Auswahl an Anzeigenmotiven in unterschiedlichen Formaten vor, die Sie unter der Fax-Nummer 0221-8992-357 bestellen können.

Wir würden uns über Ihre Teilnahme freuen und bedanken uns schon heute für Ihre Mithilfe!