Ralph Messing

Ralph Messing sitzt am Küchentisch. * Geboren am 5. Februar 1974
* Lebertransplantation am
22. Oktober 1996

Ralph Messing lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Bad Homburg bei Frankfurt/Main.

Ralph Messing ist Organpate, weil seine Lebenslust gut fürs Geschäft ist.

Mit 22 soll es für den Einzelhandelskaufmann Ralph Messing zum ersten Mal in die weite Welt gehen. Vom ersten selbst verdienten Geld plant er zusammen mit seinem besten Freund Thorsten voller Vorfreude eine Reise in die Dominikanische Republik.

Neben vielen anderen Reisevorbereitungen gehen die beiden im April 1996 vorsorglich zum Hausarzt, um sich die empfohlene Hepatitis A-Impfung geben zu lassen. Der sorgfältige Mediziner macht zunächst einen Bluttest – mit einem folgenschweren Ergebnis für Ralph Messing: Seine Leberwerte sind erhöht. Auch die Ultraschalluntersuchung zeigt einen unklaren Befund.

Die Reisepläne müssen auf Eis gelegt werden – für Ralph Messing geht jetzt plötzlich alles ganz schnell. Im Mai 1996 muss er sich in der Frankfurter Universitätsklinik einer Computertomografie unterziehen. Resultat der direkt im Anschluss folgenden Gewebeentnahme: gutartiger Lebertumor mit bösartigem Kern.

Der Schock

Ganz eilig wird der Operationstermin anberaumt, dabei soll der befallene Teil der Leber entfernt werden – er kann wieder nachwachsen, beruhigen ihn die Ärzte. Direkt nach der schweren Operation geht es ihm zwar erstaunlich gut, doch die Botschaft der Mediziner ist ein Schock: Eine Teilentfernung der Leber war nicht möglich, da sich schon zwei bis drei weitere Herde des Tumors in der Leber gebildet hatten.

Und nun? Die Chirurgen können nichts mehr für Ralph Messing tun, doch er hat Glück im Unglück: der Lebertumor hat sich noch nicht in seinem Körper ausgebreitet, deshalb kommt eine Lebertransplantation für ihn in Frage.

"Gott sei Dank wusste ich damals nicht, was auf mich zukommt", beschreibt er seinen Gefühlzustand in dieser Zeit. "Meine Freunde, meine starke Familie standen hinter mir wie eine Wand, das hat mir wirklich geholfen. Außerdem hatte ich viel Vertrauen in die Ärzte, ich war jung und wollte ganz schnell wieder gesund werden."

Vom Mai bis Anfang September 1996 überlebt Ralph Messing mit Hilfe von Chemotherapie und eisernem Überlebenswillen. Er geht sogar wieder halbtags arbeiten. Dabei sein, wieder körperlich fit werden, sich nicht hängen lassen und gemeinsam mit den Ärzten die Krankheit bekämpfen – das sind seine Lebensziele in dieser Zeit. Er kann sie mit Hilfe von engen Freunden und der Familie durchhalten. Zwar besitzt er damals keinen Organspendeausweis, doch Organspende ist Thema in der Familie.

Die Rettung

Ralph Messing vor einer weißen Wand. Auf der Wand klebt ein Bild - ein grauer Buddha. Dann geht es wieder sehr schnell: Anfang September kommt er auf die Warteliste an der Universitätsklinik Frankfurt/Main. Ab jetzt trägt er ständig einen Piepser bei sich, um rasch in die Klink zu kommen, wenn ein Transplantat zur Verfügung steht. Mobilfunktelefone sind damals noch unbekannt. Am 22. Oktober 1996 um acht Uhr abends ist es endlich soweit: Ralph Messing wird in den Operationssaal gerufen, um 22.00 Uhr wird ihm eine neue Leber transplantiert. Die Operation verläuft gut, doch er muss noch zwei Monate in der Klinik bleiben. Komplikationen treten auf, die die Mediziner jedoch bald beherrschen.

Seit Januar 1997 geht es stetig bergauf – und das im wörtlichen Sinn: Der reiselustige Ralph Messing macht einen Winterurlaub mit seinen Eltern im Thüringer Wald. Und im Mai folgen die nächsten Schritte ins normale Leben – er geht wieder arbeiten und ist auch schon bald wieder voll erwerbstätig in seinem Beruf als Einzelhandelskaufmann. Mit Ausdauerlauf hält er sich fit. Er gehört zur Clique, er reist in ferne Länder nach Bali und nach Thailand, sogar auf eigene Faust und ganz allein. Die Wasserwelten dort ziehen ihn an, er macht den Tauchschein.

Das Geschenk

Aber er kooperiert auch weiter mit den Ärzten, hört auf sie und bespricht alle Veränderungen mit ihnen. "Das bin ich meinem Spender schuldig. Die Leber ist ein Geschenk, das ich wie ein rohes Ei behandeln muss – deshalb ist die Medikamenteneinnahme für mich selbstverständlich. Ich bin dankbar in einem Land zu leben, das mir diesen medizinischen Fortschritt ermöglicht", schildert er seine Lebenseinstellung.

Ralph Messing am Küchetisch. Im Vordergrund ist seine kleine Tochter zu sehen. Doch die Medikamente haben noch eine ganz andere Wirkung auf sein Leben. Dort in der Apotheke lernt er seine Frau kennen. Als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte bestellt sie ihm Monat für Monat seine lebenswichtigen Arzneien – bis sie irgendwann seine Einladung zu einem gemeinsames Abendessen annimmt. Die beiden feiern 2005 Hochzeit, bereisen ab jetzt gemeinsam die Welt bis sich 2009 Töchterchen Louisa ankündigt.

Ralph Messing heute

Ralph Messing fühlt sich wohl in seiner Rolle als Familienvater. Seine Lebertransplantation ist nun 14 Jahre her. Er sei seelisch wieder ganz gesund und wenn der Stress zu viel werde, helfen Gedanken an seine kleine gesunde Tochter. Zum 10 Kilometer-Ausdauerlauf kommt er nur noch sonntags.

Ralph Messing bei seinem Job als Einzelhandelskaufmann zwischen Gemüseregalen. "Willkommen in meinem zweiten Reich!" So empfängt er Besucher in seinem großen Lebensmittelgeschäft in Bergen-Enkheim einem nordöstlichen Stadtteil von Frankfurt/Main. Hier erfüllt er seine Aufgaben als Kaufmann perfekt. Kein Kundenwunsch bleibt unerfüllt, keine Frage von Mitarbeiterinnen unbeantwortet. Ralph Messing ist in seinem Element – seine gute Stimmung, seine Lebenslust, seine Dankbarkeit für seine wiedergewonnene Gesundheit überträgt sich auch aufs Geschäft und alle spüren es: Hier ist es freundlicher als anderswo.

Videoporträt Ralph Messing

Videotranskription:

[Man sieht Ralph Messing, wie er in seinem Lebensmittelfachgeschäft arbeitet und dabei von seiner Transplantationsgeschichte erzählt. Dazwischen sieht man Szenen seines Alltags. Wie er joggen oder mit Kinderwagen spazieren geht.]

Ralph Messing (lebertransplantiert):

Mein Name ist Ralph Messing, ich bin 36 Jahre alt. Bin seit 14 Jahren lebertransplantiert. Ich bin Marktleiter in einer großen Lebensmittelfirma in Deutschland. Die Arbeit ist in gewissermaßen eine Bestätigung, dass man wieder gesund ist. Dass man teilnehmen kann am Leben. Ich war mit 22 einer der jüngsten Marktleiter, wollte mit meinem Freund noch eine Reise machen in die Dominikanische Republik, so eine Spaßreise für wenig Geld. Und ja, durch halt einen Zufallsbefund beim Arzt, wo ich mich impfen wollte, gegen Hepatitis, ist halt die Krankengeschichte  ins Rollen gekommen und wir mussten die Reise dann absagen. Und die Ärzte haben gesagt, wir sehen da schon eine realistische Chance durch eine Transplantation, also einen Austausch der kompletten Leber, ihren Gesundheitszustand wiederherzustellen. Und das war dann auch gleich der Strohhalm, wo ich fest nach zugegriffen habe. Ich hab wieder gearbeitet und dann ging im Büro das Telefon los, ich hab ja alle Telefonnummern angegeben. Mein Mobiltelefon ging los und dieser City-Ruf ging auch los. Und es fängt innerlich an zu kribbeln und es wird heiß und es wird kalt und man ruft an bei dieser Vermittelstelle von der Uni-Klinik und die sagen, wir haben ein Organ für Sie. Wo sind Sie? Wie schnell können Sie da sein? Ich bin aufgewacht. Der Arzt hat gesagt „Alles in Ordnung. Wir haben Sie transplantiert. Die Leber funktioniert. Herzlichen Glückwunsch.“ Was Sie bekommen haben mit einer Transplantation ist ja ein Geschenk. Und Geschenke sollte man pfleglich behandeln. Also es wäre jetzt unangemessen, wenn ich mit einer solchen Gabe von einem Menschen, wenn ich da schlampig mit umgehe. Das heißt, Medikamente pünktlich einnehmen, Sport machen, so gut wie keinen Alkohol trinken. Halt verantwortungsvoll mit seinem Körper umgehen. Das beste Beispiel bin ich ja, warum man einen Organspendeausweis ausfüllen sollte. Wenns halt Kritiker gibt, dann sag ich halt „Leute, auch „Nein“  ist eine Willensbekundung, die ihr ankreuzen könnt. Ihr nehmt damit eine wichtige Entscheidung von euren Angehörigen ab, die im Zweifelsfalle entscheiden müssen, „Ja“ oder „Nein“. Deswegen ist es wichtig, eine Entscheidung zu treffen. Ich bin der Familie dankbar, dass sie die Entscheidung positiv getroffen haben, weil ohne diese Entscheidung wäre ich jetzt nicht mehr hier.

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