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Das Leben mit dem Spenderorgan und die Erfolgsaussichten einer Transplantation

Lesedauer: 2 Minuten
Kurz gefasst

Für viele Patientinnen und Patienten stellt die Transplantation eines Spenderorgans den Anfang eines neuen Lebensabschnitts dar. Das Leben mit dem Organ muss sich erst einspielen. Der langfristige Erfolg der Transplantation wird durch ärztliche Kontrollen unterstützt. Besonders wichtig ist es jetzt, den Verlust des Spenderorgans zu verhindern. Eine große Gefahr geht dabei vom eigenen Abwehrsystem (Immunsystem) der Empfängerin oder des Empfängers aus: Erkennt es das Spenderorgan als körperfremd, kommt es zu Abstoßungsreaktionen. Bestimmte Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva, helfen dabei, diese Abstoßungsreaktionen zu unterdrücken, und erhöhen so die Erfolgsaussichten der Transplantation.

Ein neuer Lebensabschnitt für die transplantierten Patientinnen und Patienten

Nach einer erfolgreichen Transplantation beginnt für die Patientinnen und Patienten ein neuer Lebensabschnitt: die Unabhängigkeit von der Dialyse, die Möglichkeit, tief durchzuatmen, sich frei zu bewegen oder auch Lebensmittel zu essen, die vor der Transplantation aufgrund der Krankheit verboten waren. Doch ein so besonderes Ereignis wie eine Organtransplantation kann auch zwiespältige Gefühle mit sich bringen:

Neben der neu gewonnenen Lebensfreude, die viele Transplantierte empfinden, steht das Wissen um die Trauer und den Schmerz der Angehörigen der Organspenderin oder des Organspenders. Oft besteht der Wunsch, Danke zu sagen und zu zeigen, wie viel die Organspende für einen selbst bedeutet hat.

Leben mit dem Spenderorgan

Der Alltag nach einer Transplantation muss sich meist erst einspielen. Gerade in der ersten Zeit nach einer Transplantation sind häufige ärztliche Kontrollen wichtig, um einen Organverlust zu verhindern. Grundsätzlich dauert die Nachsorge nach einer Organtransplantation jedoch ein Leben lang. Eine Anpassung des Lebensstils an die neue, veränderte Situation kann notwendig werden. Hier ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den Patientinnen oder Patienten und den behandelnden Ärztinnen oder Ärzten wichtig.

Das Immunsystem reagiert

Bei einer Organübertragung besteht immer die Gefahr, dass das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) der Empfängerin oder des Empfängers das Spenderorgan als Fremdkörper erkennt. In so einem Fall greift das Immunsystem das Spenderorgan an und es besteht die Gefahr einer Abstoßung des Organs. Um das Risiko einer Abstoßungsreaktion möglichst gering zu halten, ist es wichtig, dass das Spenderorgan möglichst gut zu der Empfängerin oder dem Empfänger passt. So werden besonders starke Abstoßungsreaktionen von vornherein vermieden. Je ähnlicher die erhobenen medizinischen Daten des Spenderorgans und der empfangenden Person sind, desto weniger wird das Immunsystem der Empfängerin oder des Empfängers auf das fremde Organ reagieren.

Immunsuppressiva

Entscheidend für das Anwachsen eines Spenderorgans im Körper der Empfängerin oder des Empfängers ist neben der Übereinstimmung der medizinischen Daten vor allem die medikamentöse Unterdrückung der Abstoßung. Einen enormen Fortschritt brachten hier die sogenannten Immunsuppressiva, mit denen seit vielen Jahren Transplantierte behandelt werden. Diese Medikamente schwächen die Reaktion des Immunsystems auf das neue Organ. Dank der Immunsuppressiva haben sich die Aussichten deutlich verbessert, dass ein Spenderorgan im Körper der Empfängerin oder des Empfängers über viele Jahre hinweg gut funktioniert.

Wie alle anderen Medikamente haben auch Immunsuppressiva Nebenwirkungen. Eine Person, die – etwa nach einer Nierentransplantation – ihr Leben lang Immunsuppressiva einnehmen muss, ist zum Beispiel einer erheblich größeren Infektionsgefahr ausgesetzt als andere Menschen.

Gewebemerkmale

Ein wesentliches Kriterium bei der Vermittlung von Spenderorganen sind die Gewebemerkmale. Fast alle Zellen des menschlichen Körpers haben sehr charakteristische Strukturen auf ihren Oberflächen. Das ist vergleichbar mit den AB0-Blutgruppen der roten Blutkörperchen. Anhand dieser Strukturen (auch humane Leukozyten-Antigene oder HLA genannt) kann das Immunsystem erkennen, ob eine Zelle körpereigen oder körperfremd ist. Die HLA-Strukturen werden zusammenfassend als Gewebemerkmale bezeichnet und sind für die Transplantationsmedizin von großer Bedeutung.

Langfristige Erfolgsaussicht einer Transplantation

Die erste erfolgreiche Organtransplantation ist über 60 Jahre her: 1954 verpflanzten Ärzte in Boston (USA) einem Menschen erfolgreich eine Niere. Waren Transplantationen zunächst eine Besonderheit in der Medizin, sind sie inzwischen anerkannte Verfahren der medizinischen Versorgung. In Deutschland gibt es rund 50 Transplantationszentren, die jedes Jahr tausende Organverpflanzungen vornehmen. Insgesamt wurden bis heute in Deutschland mehr als 120.000 Organe übertragen. Im Jahr sind es durchschnittlich etwa 3.000 Organe, die transplantiert werden.

Seit den ersten Organverpflanzungen Mitte des 20. Jahrhunderts sind die langfristigen Erfolgsaussichten einer Transplantation stark angestiegen.

Bei der Übertragung von Spendernieren etwa – sie machen mehr als die Hälfte aller transplantierten Organe aus – ist die Erfolgsquote heute besonders hoch: Von 100 transplantierten Nieren funktionieren ein Jahr nach der Operation noch 85, nach fünf Jahren arbeiten noch 75 der Spenderorgane.

Nach der ersten Herzverpflanzung im Jahr 1967 überlebte der transplantierte Patient 18 Tage mit dem neuen Herz. Heute arbeiten von 100 transplantierten Herzen noch etwa 75 ein Jahr nach der Operation. Nach fünf Jahren sind es noch 65.

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