Die Stiftung Eurotransplant

Übersicht Länder von EurotransplantBild vergrößern[mit aktivem Javascript: Link überblendet Fenster mit einem modalen Dialogfeld]Die Mitgliedsstaaten von EurotransplantDie Stiftung Eurotransplant vermittelt die gespendeten Organe in acht europäischen Ländern mit einem Einzugsgebiet, in dem 134 Millionen Menschen leben. Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Slowenien und Ungarn haben sich zusammengeschlossen, um durch gemeinsame Vermittlung der gespendeten Organe eine möglichst effektive Versorgung der Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten zur Organtransplantation zu gewährleisten.

Das Logo von Eurotransplant. Die Stiftung Eurotransplant wurde 1967 gegründet und hat ihren Sitz im niederländischen Leiden. Bei Eurotransplant sind Patienten der Mitgliedsstaaten geführt, die auf Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas oder Dünndarm warten. Das sind derzeit etwa 15.000 Menschen. Jedes Jahr kann Eurotransplant ca. 7.000 Spenderorgane erfolgreich vermitteln. In Deutschland warten derzeit mehr als 10.000 Patienten auf eine Organtransplantation (Stand: Januar 2016).

Wie arbeitet Eurotransplant?

Bei Eurotransplant laufen die Daten aller Patientinnen und Patienten, die in einem der angeschlossenen Länder auf eine Transplantation warten und die Daten der gespendeten Organe zusammen. Die relevanten Daten der wartenden Menschen erhält Eurotransplant aus den Transplantationszentren. Die Informationen über die gespendeten Organe werden aus Deutschland von der Koordinierungsstelle, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), weitergeleitet.

Wird von der DSO eine Spenderin oder ein Spender gemeldet, so ermittelt Eurotransplant computergesteuert die passenden Emnpfängerinnen und Empfänger von der Warteliste.

Als Kriterien für die Organvermittlung werden die medizinische Dringlichkeit sowie die bisherige Wartezeit auf ein Spenderorgan berücksichtigt. Ferner gibt es noch je nach zu vermittelndem Organ unterschiedliche Kriterien wie Übereinstimmung der Blutgruppe und Gewebemerkmale von Spender und Empfänger, die bei der Entscheidung der Vergabe herangezogen werden.

Die Kriterien, nach denen Eurotransplant Organe vermittelt, werden für jedes Organ separat festgelegt. Die Bundesärztekammer hat hierzu die „Richtlinien für die Wartelistenführung und Organvermittlung“ festgelegt.

Sobald die Empfängerin oder der Empfänger computergesteuert ausgewählt wurde, wird das zuständige Transplantationszentrum durch Eurotransplant informiert. Die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt entscheidet darüber, ob das Organ tatsächlich transplantiert werden kann.

Der Faktor Zeit – warum Schnelligkeit entscheidet

Ein wichtiger Faktor, der über das Gelingen einer Transplantation entscheidet, ist die Zeitspanne zwischen der Organentnahme und der Transplantation. Daher sollten die Transportzeiten so kurz wie möglich sein. Nur wenige Stunden dürfen vergehen, sonst werden die Organe geschädigt und die Transplantation kann missglücken.

Darum halten ca. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unter ihnen Medizinerinnen und Mediziner, Computerspezialisten sowie speziell geschulte Medizinstudierende das Büro in Leiden rund um die Uhr in Gang. Die Entscheidung über die Vergabe fällt schnell, für den Transport der Organe wird unter Umständen auch ein Helikopter oder ein Flugzeug benutzt. Jedes fünfte Organ wird in ein anderes Mitgliedsland transportiert, wo eine passende Empfängerin bzw. ein passender Empfänger auf das gespendete Organ wartet.

Beschleunigtes Vermittlungsverfahren

Sollte eine Organvergabe nach dem Standardverfahren nicht möglich sein, oder droht aus anderen Gründen der Verlust des Spenderorgans, kann Eurotransplant zum sogenannten „beschleunigten Vermittlungsverfahren“ wechseln.

Die Vermittlungsstelle Eurotransplant stellt den Transplantationszentren einer Region über die Koordinierungsstelle der DSO eine Liste von potenziellen Empfängern aus der Region zur Verfügung. Die Zentren wählen daraus bis zu zwei geeignete Empfänger aus.

Diese Auswahl wird von der Koordinierungsstelle entsprechend der Verteilungsregeln bewertet und das Organ innerhalb der von den Zentren gemeldeten Patientengruppe vergeben.

Die Gründe für die Auswahlentscheidung muss das Zentrum gegenüber der Vermittlungsstelle dokumentieren, so dass die Entscheidung nachvollziehbar ist und geprüft werden kann.

Nach den Richtlinien zur Organtransplantation der Bundesärztekammer ist Eurotransplant zu diesem Verfahren berechtigt, wenn:

• eine Kreislaufinstabilität des Spenders oder
• aus logistischen oder organisatorischen Gründen oder
• aus spender- oder organbedingten Gründen

ein Organverlust droht.

In den letzten Jahren ist der Anteil der Spenderorgane, die über das beschleunigte Vermittlungsverfahren vergeben wurden, angestiegen. Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass vermehrt auch Organe von älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen transplantiert werden.


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