Wer kann Organe und Gewebe spenden?

Voraussetzungen: Todesfeststellung und Zustimmung

Organe können nur Menschen spenden, bei denen der unumkehrbare Hirnfunktionsausfall (Hirntod) vorliegt (Ausnahme Lebendspende). Das heißt, die Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms ist unwiderruflich erloschen, das Herz-Kreislauf-System wird jedoch noch künstlich aufrechterhalten. Da in den meisten Sterbefällen der Herzstillstand vor dem sogenannten Hirntod eintritt, kommen nur wenige Verstorbene für eine Organspende in Betracht.

Die Spende von Gewebe ist im Gegensatz zur Organspende noch bis zu 72 Stunden nach dem Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems (Klinischer Tod) möglich. Somit kommen für eine Gewebespende potentiell rund zwei Drittel aller Verstorbenen infrage.

Eine weitere Voraussetzung ist das Vorliegen einer Zustimmung der oder des Verstorbenen in eine Organ- und Gewebespende. Liegt diese Zustimmung nicht vor, müssen die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person entscheiden.

Untersuchungen

Eine ärztliche Untersuchung zu Lebzeiten ist nicht erforderlich. Allerdings sollten bekannte Vorerkrankungen wie beispielsweise eine abgeheilte Tuberkulose oder eine Krebserkrankung in den Organspendeausweisen unter "Anmerkungen/Besondere Hinweise" eingetragen werden.

Ausschluss Organspende

Eine Organentnahme kann z. B. bei bestimmten Infektionen oder bei Krebserkrankungen ausgeschlossen sein. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organspende infrage kommt.

Für eine erfolgreiche Organspende ist entscheidend, ob die Organe gesund und funktionsfähig sind. Deshalb werden bei hirntoten Menschen im Falle eines Einverständnisses zur Organspende unmittelbar vor der Entnahme verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Funktionsfähigkeit der Organe zu überprüfen.

Altersbestimmungen

Bild einer älteren Frau Entscheidend für die Organ- und Gewebespende ist nicht wie alt eine Person ist, sondern ihr allgemeiner Gesundheitszustand und der Zustand der Organe, also das biologische Alter. Generell gilt, dass sich bei jüngeren Verstorbenen mehr Organe zur Transplantation eignen als bei älteren. Doch auch die funktionstüchtige Niere eines mit über 70 Jahren verstorbenen Menschen kann einem Menschen wieder ein fast normales Leben schenken. Die zentrale Vermittlungsstelle Eurotransplant hat ein spezielles Programm entwickelt, in dessen Rahmen Organe älterer Menschen an ältere Patienten der Warteliste vergeben werden.
Für Gewebe wie Augenhornhäute und Knochen gibt es keine Altersgrenze, Sehnen und Bänder können bis zum Alter von 65 Jahren gespendet werden. Für eine Hautspende gilt eine Obergrenze von 75 Jahren.

Nach unten gibt es keine Altersgrenze für eine Organ- und Gewebespende. Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Eltern über die Zustimmung oder Ablehnung zur Organ- und Gewebespende. Ab dem 14. Geburtstag können Jugendliche einer Organentnahme selbst widersprechen, ab 16 können sie entscheiden, ob sie zustimmen oder eine Entnahme ablehnen.

Lebendspende

In einzelnen Fällen kommt eine Spende von Organen oder Organteilen zu Lebzeiten in Frage. Das gilt für die Niere und – seltener – einen Teil der Leber. Eine gesunde Person kann mit nur einer Niere ein vollkommen normales Leben führen. Der Spender oder die Spenderin muss volljährig sein, über die Spende aufgeklärt worden sein und zugestimmt haben.

Regelungen zur Lebendspende

Das Transplantationsgesetz (PDF 212 KB) gestattet in Deutschland die Lebendspende von Niere und von einem Teil der Leber. Die Lebendspende von Organen ist streng geregelt und nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades erlaubt. In Betracht kommen z.B. Eltern oder Geschwister der empfangenden Person, sowie Ehepartnerinnen und Ehepartner, Verlobte oder andere Personen, die mit der Empfängerin oder dem Empfänger in besonderer Weise persönlich verbunden sind.

Eine Lebendspende kommt zudem nur dann infrage, wenn eine gutachterliche Stellungnahme einer Lebendspendekommission vorliegt. Diese prüft, ob die Einwilligung der Spenderin bzw. des Spenders in die Lebendspende freiwillig und ohne Zwang erfolgt und kein Organhandel vorliegt.

Die Kosten (Voruntersuchungen, Vorstellung bei der Lebendspendekommission, Transplantation, stationärer Aufenthalt, gesetzlich vorgeschriebene Nachsorge) werden von der Krankenkasse der Empfängerin bzw. des Empfängers übernommen. Deren oder dessen Krankenkasse sollte vor der Transplantation über den geplanten Eingriff informiert werden. Außerdem sollte eine Kostenübernahmeerklärung eingeholt werden. Darüber hinaus sollte die Anfrage folgende Punkte enthalten: Fahrkostenerstattung, Erstattung des Verdienstausfalls, Weiterversicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung.

Die Krankenkasse der spendenden Person sollte ebenfalls über die anstehende Organspende informiert werden.

Lebendorganspender sind in jedem Fall versicherungsrechtlich abgesichert. Das Krankenversicherungsrecht legt fest, dass die Lebendorganspender einen direkten Anspruch auf eine Krankenbehandlung haben, die von der Krankenkasse des Organempfängers bzw. der Organempfängerin getragen wird. Zudem beinhaltet die gesetzliche Unfallversicherung den Schutz bei Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit einer Organspende.

Bild einer Broschüre mit bunten Kacheln und bunter Aufschrift.Im Flyer "Lebendorganspende - Voraussetzungen und Rahmenbedingungen" (PDF 272 KB) finden Sie weitere Informationen.