Die Dünndarmtransplantation

Menschliche Silhouette – in dieser ist der Dünndarm gekennzeichnet.Der Dünndarm bildet den längsten Teil des Verdauungstrakts. Wenn ein Kurzdarmsyndrom oder Darmversagen vorliegt, ist die Transplantation eines gespendeten Dünndarms die einzige heilende Therapie.

Transplantation des Dünndarms – Zahlen und Fakten

Dünndarmtransplantationen sind im Vergleich zu anderen Organverpflanzungen sehr selten. In Deutschland finden jährlich ungefähr fünf Dünndarmtransplantationen statt. Weitere Statistiken zur Organ- und Gewebespende finden Sie in der Infothek.

Dank des medizinischen Fortschritts verbessern sich die Ergebnisse von Dünndarmtransplantation stetig. Da es im Dünndarm viele Immunzellen gibt, treten jedoch häufiger Abstoßungsreaktion gegen das gespendete Organ auf als bei anderen Transplantationen.

Nach der Transplantation eines Dünndarms können lebensbedrohliche Infektionen auftreten. Zur Kontrolle erhält die Patientin oder der Patient für die ersten Monate nach der Transplantation einen künstlichen Darmausgang (Stoma), durch den regelmäßig schmerzfrei Gewebeproben entnommen werden können.

Personen, die auf der Warteliste für eine Dünndarmtransplantation stehen, sind in vielen Fällen auf die Transplantation weiterer Organe angewiesen. Denn viele Patientinnen und Patienten waren aufgrund ihrer Krankheit auf künstliche Ernährung angewiesen. Diese schädigt häufig auch andere Organe.

Gründe für eine Dünndarmtransplantation

Um auf die Warteliste für eine Dünndarmtransplantation aufgenommen zu werden, müssen Patientinnen und Patienten lebenslang auf eine Ernährung durch Dauerinfusion (parenterale Ernährung) angewiesen sein. Benötigte Nährstoffe werden dabei direkt dem Blutkreislauf zugeführt. Verschiedene Erkrankungen können eine solche künstliche Ernährung erforderlich machen. Dazu zählen Durchblutungsstörungen, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder starke wässrige Durchfälle. Der Dünndarm kann auch aufgrund eines erblichen Defekts teilweise oder vollständig fehlen.

Verbleiben bei Erwachsenen weniger als ein Meter, bei Kindern weniger als 40 Zentimeter Dünndarm im Körper, kann das restliche Organ die Nahrung nicht mehr ausreichend verwerten. Auch die Immunabwehr ist dann beeinträchtigt. Personen mit einem so genannten Kurzdarmsyndrom verlieren Gewicht, bekommen chronische Durchfälle und Krämpfe. Nachtblindheit, Knochenschmerzen oder Leberschäden sind weitere mögliche Folgen. Außerdem müssen sie ihr Leben lang künstlich ernährt werden. Nicht selten treten nach einer längeren künstlichen Ernährung lebensbedrohliche Folgeerkrankungen wie Gefäßverschlüsse, Infektionen, Nieren- oder Gallensteine und schwere Leberschäden auf. Die Transplantation eines gespendeten Dünndarms stellt dann die einzig verbleibende Therapie dar.

Erfahren Sie mehr zu den Richtlinien der Bundesärztekammer für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Dünndarmtransplantation.

Aufgaben des Dünndarms

Ein gesunder Dünndarm ist drei bis fünf Meter lang. Er grenzt direkt an den Magen und endet am Dickdarm. Der Dünndarm ist Teil des Verdauungsapparates und übernimmt dort zwei wesentliche Aufgaben:

  • Verdauung und anschließende Aufnahme von Nährstoffen sowie Wasser mit Hilfe von Verdauungssäften der Leber und Bauchspeicheldrüse,
  • Körperabwehr, da sich im Dünndarm zahlreiche Immunzellen befinden, die Infektionen verhindern.

Links im Internet:

Stiftung Eurotransplant, Hintergrundinformationen und Statistiken zur Organtransplantation im Eurotransplant-Verbund.
Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), Hintergrundinformationen und Statistiken zur Organtransplantation in Deutschland.
Bundesärztekammer, Richtlinien für Wartelistenführung und Organvermittlung.
KDS – Selbsthilfe Kurzdarmsyndrom, umfassende Informationen zum Kurzdarmsyndrom.