Welche Gewebe können gespendet und transplantiert werden?

Frau beim Augenarzt. Lässt sich das Auge untersuchen. Wird hinein geleuchtet.Fortschritte in der Medizin ermöglichen es, sehr unterschiedliche Gewebe zu transplantieren. So können Augenhornhaut, Knochen, Weichteilgewebe, Haut, Eihaut der Fruchtblase (Amnion) sowie Herzklappen und Blutgefäße übertragen werden.

Gewebe werden häufiger transplantiert als Organe. Gewebetransplantationen sind zudem seltener mit medizinischen Komplikationen verbunden als Organtransplantationen. Entnommenes und entsprechend aufbereitetes Gewebe kann je nach Gewebeart über Wochen bis hin zu Jahren in speziellen Gewebebanken gelagert werden.

Transplantierbare Gewebe im Überblick:

Augenhornhaut

Die Augenhornhaut (Cornea) ist der transparente Teil vor der Pupille und der Iris (Regenbogenhaut) und besteht aus mehreren Schichten. Sie ist die äußere Begrenzung des Auges und wird vor allem über die Tränenflüssigkeit mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Sie spielt für das Sehvermögen eine zentrale Rolle.

Aufgrund von Eintrübungen oder Verletzungen der Augenhornhaut verschlechtert sich das Sehvermögen. Betroffene können sogar erblinden, wenn das Licht die Netzhaut nicht mehr erreicht. Eine Behandlung besteht darin, die getrübte Hornhaut zu entfernen und durch eine klare Hornhaut zu ersetzen.

Die Transplantation der Augenhornhaut ist ein Routineeingriff. Schätzungen zufolge wird er weltweit ca. 100.000 Mal und in Deutschland etwa 6.000 Mal im Jahr durchgeführt.

Die Abstoßungsreaktion bei dieser Gewebetransplantation ist vergleichsweise selten, sodass Patienten in der Regel keine Medikamente (Immunsuppressiva) zur Verhinderung einer Abwehrreaktion einnehmen müssen.

Blutgefäße

Es gibt zwei Arten von Blutgefäßen: Arterien und Venen. Arterien transportieren sauerstoffreiches Blut zu den Organen, Venen sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen. Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit können dazu führen, dass die Blutgefäße stark verengt und verschlossen sind oder sich Blutgerinnsel bilden, die die Vene verstopfen. Dann ist eine Transplantation von Blutgefäßen notwendig.

Kunststoffprothesen sind nur bedingt eine Alternative und kommen bei großen Arterien oder im Bereich der Halsschlagader nur zum Teil infrage.

Haut

Die Haut stellt die Schutzbarriere des Körpers gegen die Außenwelt dar. Sie schützt unter anderem vor Kälte, mechanischen Einwirkungen und Infektionen. Ist die Haut beschädigt, können Erreger leichter eindringen und Infektionen auslösen. Diese können dann auf andere Organe übergreifen.

Die Haut kann sich grundsätzlich selbst regenerieren. Bei größeren Wunden ist der Selbstheilungsprozess allerdings langwierig, denn der Heilungsprozess beginnt an den Wundrändern oder anderen noch erhaltenen Hautarealen.

Können derartige Wunden nicht durch eine Naht verschlossen werden, kommt eine Hauttransplantation infrage. Mit der postmortal gespendeten Haut wird die Wunde des Patienten vorübergehend bedeckt. Der Selbstheilungsprozess der Haut beginnt dann am Gewebetransplantat. Darüber hinaus kommen Hauttransplantationen bei Gewebeverletzungen zum Einsatz, die durch Tumore oder chronischen Wunden, zum Beispiel Unterschenkelgeschwüren, bedingt sind. Bei großflächigen Verbrennungen kann die Hauttransplantation lebensrettend sein.

Herzklappen

Das menschliche Herz hat vier Herzklappen, die als Ventile den Ein- und Ausfluss des Blutes regulieren. Liegt eine Erkrankung der Herzklappen vor, kann eine Transplantation notwendig sein. Am häufigsten kommt es zu einer Transplantation, wenn die Herzklappen eines Patienten nicht mehr vollständig schließen (Klappeninsuffizienz) oder die Herzklappen nicht weit genug öffnen (Klappenstenose).

Neben postmortal gespendeten Herzklappen gibt es auch Prothesen aus Kunststoff oder biologischen Materialen, zum Beispiel Schweineherzklappen. Bei künstlichen Herzklappen oder Gefäßen besteht allerdings ein höheres Infektionsrisiko. Wenn das Implantat nicht richtig passt und den Druckverhältnissen nicht gewachsen ist, kann zudem eine vorzeitige Verkalkung folgen. Die Herzklappen müssen dann ausgetauscht werden.

Da künstliche Herzklappen nicht mitwachsen, müssen Kinder, die eine neue erhalten haben, mehrfach am offenen Herzen operiert werden. Menschliche Herzklappen werden auch zur Behandlung von Herzklappenfehlern bei (Klein-)Kindern und Jugendlichen transplantiert.

Sehnen und Bänder

Die Transplantation von Sehnen und Bändern kommt vor allem bei Achillessehnenverletzungen und in der Kniegelenkschirurgie zum Einsatz. Sehnentransplantationen ermöglichen es, die Gelenkbeweglichkeit wiederherzustellen und eine Versteifung des Gelenks zu verhindern.

Knochen

Neben den Zähnen sind die Knochen das härteste Körpergewebe. Trotzdem können sie brechen, zum Beispiel durch Unfälle oder Erkrankungen, wie Entzündungen oder Tumore.

Transplantationen ersetzen fehlende Knochenteile oder füllen Lücken auf. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 75.000 autolog gespendete Gewebe transplantiert. Dieses Gewebe stammt von dem Patienten selbst und wird auf ihn rückübertragen. Darüber hinaus werden etwa 30.000 allogene Knochentransplantationen durchgeführt. Das Gewebe hierfür hat eine andere Person gespendet.

Eihaut der Fruchtblase (Amnion)

Die Eihaut der Fruchtblase, das Amnion, umgibt den Embryo im Mutterleib. Nach der Geburt kann sie verwendet werden, um durch eine Transplantation oberflächliche Verletzungen der Augenbindehaut oder Hornhaut zu behandeln. Zudem kann die Eihaut auch für die Behandlung von Verbrennungswunden oder chronischen Wunden genutzt werden.

Links im Internet:

 

Welche Organe gespendet und transplantiert werden können, sehen Sie hier.