Gesetz zur Regelung der Entscheidungslösung

OrganspendeausweisIn Deutschland warten etwa 10.000 Menschen (Stand Januar 2015, Quelle Eurotransplant) auf ein Spenderorgan. Diese Zahl ist in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben, so dass viele Menschen an ihrer Grunderkrankung versterben, bevor sie ein lebensrettendes Organ erhalten.

Mit der Einführung der Entscheidungslösung soll die Organspendebereitschaft gefördert werden, um mehr Menschen die Chance zu geben, ein Spenderorgan zu erhalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll jeder Mensch in die Lage versetzt werden, sich mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinanderzusetzen und eine informierte und unabhängige Entscheidung zu treffen. Der Grundsatz der Freiwilligkeit der Organ- und Gewebespende bleibt erhalten. Niemand wird mit der Entscheidungslösung zu einer Erklärung gezwungen.

Viele Menschen haben für sich noch keine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende getroffen. Doch nur, wer sich selbst entscheidet und seinen Entschluss bekundet, erspart unter Umständen seinen Angehörigen eine große Belastung. Denn liegt weder eine schriftliche noch mündliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende vor, müssen die nächsten Angehörigen eine Entscheidung treffen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert zu den wichtigsten Fragen rund um das Thema Organ- und Gewebespende, um Menschen bei ihrer individuellen Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Was bedeutet die Umsetzung der Entscheidungslösung für die Bürgerinnen und Bürger?

Jede krankenversicherte Person, die bzw. der das 16. Lebensjahr vollendet hat, wird zukünftig von ihrer Krankenkasse bzw. seinem Versicherungsunternehmen wiederholt angeschrieben und zu einer freiwilligen Entscheidung zur Organ- und Gewebespende aufgefordert. Um diese Entscheidung dokumentieren zu können, stellen die Krankenkassen bzw. Versicherungsunternehmen kostenlos Organspendeausweise zur Verfügung.

Wird meine Entscheidung von den Krankenkassen registriert?

Nein. Zum jetzigen Zeitpunkt werden die Versicherten lediglich zu einer Entscheidung motiviert. Eine getroffene Entscheidung wird weder durch die Krankenkassen noch durch die Versicherungsunternehmen erfasst. Es gibt kein Register, in dem die Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger erfasst werden.

Langfristig ist eine Speicherung der Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende auf der elektronischen Gesundheitskarte geplant.

Muss ich mich entscheiden?

Nein. Es gibt keinen Zwang, eine Entscheidung zu treffen. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass das Nichttreffen einer Entscheidung dazu führt, dass im Fall der Fälle die Angehörigen mit dieser Frage belastet werden.

Was ist eine Patientenverfügung und wie kann darin die Entscheidung zur Organ- und Gewebespende festgehalten werden?

In einer Patientenverfügung können Sie schriftlich für den Fall Ihrer Entscheidungsunfähigkeit im Voraus festlegen, ob und wie Sie in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchten. Das Gesetz definiert die Patientenverfügung als schriftliche Festlegung einer volljährigen Person, ob sie in bestimmte, zum Zeitpunkt der Festlegung noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen ihres Gesundheitszustands, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt.

Eine Patientenverfügung sollte so verwahrt werden, dass insbesondere Ihre Ärztinnen und Ärzte, Bevollmächtigte, Betreuerin oder Betreuer, aber gegebenenfalls auch das Betreuungsgericht, möglichst schnell und unkompliziert Kenntnis von der Existenz und vom Hinterlegungsort einer Patientenverfügung erlangen können. Dazu kann es sinnvoll sein, einen Hinweis bei sich zu tragen, wo die Patientenverfügung aufbewahrt wird. Bei der Aufnahme in ein Krankenhaus oder Pflegeheim sollten Sie auf Ihre Patientenverfügung hinweisen. Wenn Sie eine Vertrauensperson bevollmächtigt haben, sollte auch diese informiert sein.

Sie können die Patientenverfügung auch dazu nutzen, um ihre Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende zu dokumentieren. Hierzu wird folgende Formulierung empfohlen:

Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu (ggf.: Ich habe einen Organspendeausweis ausgefüllt). Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann (Alternativen)

[ ] geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor.

[ ] gehen die Bestimmungen in meiner Patientenverfügung vor.

oder

[ ] Ich lehne eine Entnahme meiner Organe und Gewebe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken ab.

Weitere Informationen zur Patientenverfügung finden Sie in der vom Bundesministerium für Justiz herausgegebenen Broschüre: "Patientenverfügung. Leiden – Krankheit – Sterben. Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin?“ die unter oben stehendem Link auch als PDF-Datei zur Verfügung steht.

Wie viele Menschen in Deutschland sind zur Organ- und Gewebespende bereit?

Laut einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2012 sind 70 Prozent der 14- bis 75-Jährigen bereit, nach ihrem Tod zu spenden. Doch nur 22 Prozent der Befragten sind in Besitz eines Organspendeausweises; die Mehrheit von ihnen hat in diesem einer Organentnahme zugestimmt.

Wie viele Menschen in Deutschland warten auf eine Organtransplantation?

Aktuell warten rund 11.000 Patienten und Patientinnen auf eine Organspende. Pro Tag versterben drei von ihnen an ihrer Grunderkrankung, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten.

Wie ist die Organ- und Gewebespende in Deutschland geregelt?

Die Voraussetzungen und Abläufe der Organ- und Gewebespende sind durch das Transplantationsgesetz geregelt. Die Bereiche Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sind sowohl personell als auch organisatorisch voneinander getrennt.

Die Koordination der organisatorischen und medizinischen Maßnahmen der Organspende übernimmt die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Für die Vermittlung der Organe ist die Stiftung Eurotransplant mit Sitz in den Niederlanden zuständig. Die Übertragung von Organen findet in Transplantationszentren statt. Der gesamte Ablauf der Organentnahme, -vermittlung und –übertragung findet unter Aufsicht unabhängiger Transplantationsbeauftragter statt.

Organhandel sowie das Übertragen und Sich-Übertragenlassen von Organen und Geweben stehen unter Strafe.

Welche Voraussetzungen zur Organ- und Gewebespende müssen erfüllt sein?

Die zweifelsfreie Feststellung des Hirntodes bildet, neben der Zustimmung, die Voraussetzung für eine Spende. Erst wenn alle intensivmedizinischen Maßnahmen eine Lebensrettung nicht mehr möglich machen und der Hirntod festgestellt wurde, wird die Frage einer Organspende relevant.

Was ist der unumkehrbare Hirnfunktionsausfall (Hirntod)?

Der unumkehrbare Hirnfunktionsausfall (Hirntod) ist definiert als der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Die Hirntoddiagnostik erfolgt nach Richtlinien der Bundesärztekammer auf Grundlage der medizinischen Wissenschaft und muss von zwei voneinander unabhängigen Ärzten und Ärztinnen durchgeführt werden, die nicht am Transplantationsprozess beteiligt sind.

Gibt es eine Altersgrenze für Organspende?

Nein. Für eine Organspende besteht keine Altersgrenze. Entscheidend ist nicht das kalendarische, sondern das biologische Alter des Spenders bzw. der Spenderin. Ob die Organe und Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann erst im Falle einer tatsächlichen Spende medizinisch geprüft werden.

Benötigen Jugendliche die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten zur Organspende?

Ab dem 16. Lebensjahr können Jugendliche ohne Zustimmung eines Erziehungsberechtigten ihr Einverständnis zur Organ- und Gewebespende erklären. Ab dem 14. Lebensjahr ist es möglich, einer Spende zu widersprechen.

Was ist ein Organspendeausweis?

Der Organspendeausweis ist ein offizielles Dokument und rechtlich gültig. Er dient dazu, seine persönliche Entscheidung zur Organspende schriftlich zu dokumentieren, indem man einer Spende zustimmt oder widerspricht. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Einverständnis zur Entnahme auf bestimmte Organe oder Gewebe zu beschränken. Darüber hinaus kann im Organspendeausweis eine Person des Vertrauens namentlich bestimmt und mit der Entscheidung betraut werden.

Kann man seine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende ändern?

Ja. Wer seine Einstellung zur Organ- und Gewebespende ändert, muss lediglich den alten Organspendeausweis vernichten und sollte einen neuen Ausweis ausfüllen sowie die Angehörigen informieren.