Häufig gestellte Fragen zur Gewebespende

Gibt es eine Altersgrenze für die Gewebespende?

Bei den Geweben gibt es bezüglich des Alters einige Ausnahmen: Haut kann bis zum 75. Lebensjahr und Weichteilgewebe (Sehnen, Bindegewebe) sowie Herzklappen und Gefäße können bis zum 65. Lebensjahr gespendet werden.

Welche Vorerkrankungen schließen eine Gewebespende generell aus?

Ausschlusskriterien für die Gewebeentnahme insbesondere bei verstorbenen Personen sind in der Gewebeverordnung des Transplantationsgesetzes aufgeführt. Zu diesen Ausschlusskriterien für eine Gewebespende gehören u. a. unbekannte, nicht zu klärende Todesursachen, das Vorliegen einer bösartigen Krebserkrankung, eine nachgewiesene HIV-Infektion sowie medizinisch nicht zu verantwortende Risikofaktoren für Infektionskrankheiten.

Warum ist es wichtig, sich für oder gegen die Gewebespende zu entscheiden?

Jeder sollte über seine Haltung zur Organ- und Gewebespende nachdenken, zu einer Entscheidung kommen und diese in einem Organspendeausweis dokumentieren. Der Organspendeausweis sollte bei sich getragen oder an einem Ort aufbewahrt werden, der Angehörigen oder nahestehenden Personen bekannt ist. Denn jeder kann sich vorstellen, wie schwierig es für Angehörige ist, sich für oder gegen die Einwilligung zur Organ- und Gewebespende zu entscheiden, wenn sie nicht genau wissen, welche Einstellungen der oder die Verstorbene zur Spende gehabt hat. Das Wissen um den Willen des Verstorbenen gibt den Angehörigen Sicherheit, tatsächlich in seinem Sinne zu handeln. Es erspart ihnen spätere Schuldgefühle oder Zweifel.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Gewebespende von Verstorbenen erfüllt sein?

Im Transplantationsgesetz wurde festgeschrieben, dass eine Gewebeentnahme nur zulässig ist, wenn zuvor der Hirntod des Spenders bzw. der Spenderin nachgewiesen wurde. Zwei erfahrene Ärztinnen bzw. Ärzte müssen unabhängig voneinander den potentiellen Organ- und Gewebespender untersuchen und den Gesamthirntod feststellen. Wurde bei einem verstorbenen Menschen der Hirntod nachgewiesen, ist zu prüfen, ob eine Erklärung des Verstorbenen zur Organ- und Gewebespende vorliegt oder ob die Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen angeben können. Kommt eine verstorbene Person als Spender bzw. Spenderin von Organen und Geweben in Betracht, so ist der im Transplantationsgesetz festgeschriebene Vorrang der Organspende gegenüber der Gewebespende zu beachten. Die Gewebeentnahme kann im Operationssaal oder im Sektionssaal eines pathologischen oder rechtsmedizinischen Instituts vorgenommen werden. Sie ist in der Regel bis zu 72 Stunden nach der Todesfeststellung möglich.

Können Gewebe nur unverändert übertragen werden?

Gewebe können weitgehend unverändert als „klassische Gewebetransplantate“ wie Augenhornhäute und Herzklappen übertragen werden. Anders als Organe können Gewebe nach der Entnahme in Gewebebanken zwischengelagert und später ggf. be- und verarbeitet werden.

Welche Erfolgsaussichten haben Gewebeübertragungen?

Die Erfolgsaussichten einer Gewebeübertragung variieren je nach Art des Gewebes. Weitere Einflussfaktoren sind u.a. Grunderkrankungen des Empfängers bzw. der Empfängerin. Bei Hornhauttransplantationen liegt die Erfolgsquote im Durchschnitt im Bereich von 90 bis 95%. Diese "medizinische" Prozentangabe bezieht sich in erster Linie auf das Einwachsen der neuen Hornhaut ohne Komplikationen durch Abstoßungsreaktionen.

Was passiert mit dem Leichnam nach einer Gewebespende?

Die Gewebeentnahme wird mit der gleichen Sorgfalt wie eine chirurgische Operation durchgeführt. Nach dem Eingriff wird die äußere Integrität wiederhergestellt, die durch die Gewebeentnahme entstandenen Wunden werden wie bei einem lebenden Patienten bzw. einer lebenden Patientin verschlossen. Der Leichnam des verstorbenen Menschen wird den Angehörigen in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben. So können die Angehörigen nach dem Eingriff in jeder gewünschten Weise von der verstorbenen Person Abschied nehmen.

Wer bekommt meine Gewebe, wenn ich Spender bin?

Die entnommenen Gewebe müssen – anders als Organe zur Transplantation – in der Regel nicht direkt übertragen werden. Es besteht die Möglichkeit, die Gewebe zu konservieren und zwischenzulagern. Nach der Entnahme werden die Gewebe beispielsweise in einer Gewebebank untersucht, ggf. be- oder verarbeitet, verpackt und gelagert, bis sie benötigt werden oder ggf. eine geeignete Empfängerin oder ein geeigneter Empfänger gefunden wurde. Aus diesem Grund ist zum Zeitpunkt der Entnahmeoperation ggf. noch nicht entschieden, wann und bei welchem Empfänger bzw. welcher Empfängerin das gespendete Gewebe eingesetzt wird.

Weiß der Empfänger des Gewebes, wer es gespendet hat?

Im Falle einer Transplantation wird der Name des Spenders bzw. der Spenderin dem Empfänger bzw. der Empfängerin nicht mitgeteilt. Umgekehrt gilt: Auch die Angehörigen des Spenders bzw. der Spenderin erfahren nicht, wer ein gespendetes Gewebe erhalten hat. Diese Anonymität verhindert, dass wechselseitige Abhängigkeiten auftreten, die für alle Beteiligten belastend sein könnten.

Wann kommt eine Lebendspende von Gewebe infrage?

Eine Lebendspende von Gewebe wird derzeit vor allem für autologe Transplantationen, d.h. für die Entnahme und Übertragung der Gewebe bei einer und derselben Person, durchgeführt. So werden beispielsweise zur Behandlung von Verbrennungen Hautlappen autolog transplantiert. Auch der Ersatz verengter Herzkrankgefäße durch andere körpereigene Gefäße im Rahmen einer Bypass-Operation ist eine autologe Lebendspende mit Transplantation. Eine Übertragung einer Lebendgewebespende auf eine andere Person ist aber auch möglich. So kann bei einer Hüftgelenksoperation der entnommene Hüftkopf für Gewebeübertragungen zur Verfügung gestellt werden. Außerdem kann das Amnion (Eihaut), das das Ungeborene während der Entwicklung im Mutterleib umgibt, nach der Geburt gespendet werden. Die Membran der Eihaut wird zur Unterstützung von Wundheilungen eingesetzt (z.B. Behandlung von Verletzungen der Augenhornhaut).

Wie wird in Deutschland die Gewebespende finanziert?

Gewebe werden in Deutschland an vielen Orten der stationären und der ambulanten Krankenversorgung entnommen und verwendet. Der Gesetzgeber hat im Transplantationsgesetz und im Arzneimittelgesetz für alle Gewebe einheitliche Vorgaben für die Qualität und Sicherheit der Gewebeentnahme und der Gewebeverwendung festgeschrieben. Die Kosten für die Transplantation des Spendergewebes übernimmt in der Regel die Krankenversicherung der Empfängerin oder des Empfängers. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen von Fallpauschalen.