Dünndarmtransplantation

Welche Funktion hat der Dünndarm?

Der Dünndarm ist Teil des Verdauungsapparates und übernimmt dort zwei wesentliche Aufgaben:

  • Verdauung und anschließende Aufnahme von Nährstoffen sowie Wasser mit Hilfe von Verdauungssäften der Leber und Bauchspeicheldrüse
  • Körperabwehr, da sich im Dünndarm zahlreiche Immunzellen befinden, die Infektionen verhindern

Wann ist die Dünndarmfunktion lebensbedrohlich beeinträchtigt?

Verschiedene Erkrankungen können den Dünndarm so stark schädigen, dass ein Großteil des Organs entfernt werden muss. Ursachen sind unter anderem Durchblutungsstörungen, entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn oder starke wässrige Durchfälle. Es gibt auch Menschen, denen der Dünndarm durch einen erblichen Defekt vollständig fehlt.

Verbleiben bei Erwachsenen weniger als ein Meter, bei Kindern weniger als 40 Zentimeter Dünndarm im Körper, kann der verbliebene Rest die Nahrung nicht mehr ausreichend verwerten. Auch die Immunabwehr ist dann beeinträchtigt.

Patientinnen und Patienten, denen ein Großteil des Dünndarms entnommen wurde, leiden am so genannten Kurzdarmsyndrom. Sie verlieren Gewicht und bekommen chronische Durchfälle sowie Krämpfe. Nachtblindheit, Knochenschmerzen oder Leberschäden sind weitere Folgen. Außerdem müssen sie ihr Leben lang künstlich ernährt werden. Nicht selten treten nach einer längeren künstlichen Ernährung lebensbedrohliche Folgeerkrankungen wie Gefäßverschlüsse, Infektionen, Nieren- oder Gallensteine und schwere Leberschäden auf.

Die Transplantation des Dünndarms

Weltweit wurden bisher etwa 2200 Dünndarmtransplantationen durchgeführt. In Deutschland waren es seit dem Jahr 2000 insgesamt 47 Eingriffe, elf davon 2008. Das mittlere Alter der Transplantierten lag dabei bei 25 Jahren. Die Ein-Jahres-Überlebensrate liegt durchschnittlich bei 80 bis 85 Prozent. Schon sechs bis 12 Monate nach dem Eingriff können die Patientinnen und Patienten meist ihr normales Leben wieder aufnehmen.

Dünndarmtransplantationen sind im Vergleich zu anderen Organverpflanzungen sehr selten und noch keine Routine. Der Eingriff dauert mehrere Stunden. Denn die Verbindung des Spenderdarms mit den Blutgefäßen ist besonders schwierig, da die Blutversorgung große individuelle Unterschiede aufweist und sich die Operatuere immer wieder auf die individuelle Situation einstellen müssen.

Viele Betroffene haben durch die lange künstliche Ernährung häufig zusätzliche Schädigungen anderer Organe wie der Leber, oder sind vielfach voroperiert. Auf Grund der dadurch entstandenen Vernarbungen im Bauchraum, ist es häufig erforderlich, mehrere Organe gleichzeitig zu übertragen, beispielsweise Leber, Magen, Zwölffingerdarm, Bauspeicheldrüse und Dünndarm.

Wenigen Wochen nach der Operation, sobald sich die Darmschleimhaut wieder aufgebaut hat, dürfen sich ca. 80% der Betroffenen wieder normal ernähren. Da es im Dünndarm viele Immunzellen gibt, gibt es allerdings häufigere und stärkere Abstoßungsreaktion gegen das gespendetet Organ als bei anderen Transplantationen.

Auch das Risiko einer lebensbedrohlichen Infektion durch Bakterien oder Pilze ist sehr hoch. Zur Kontrolle erhält die Patientin oder der Patient daher für die ersten sechs Monate ein so genanntes Stoma, einen künstlichen Darmausgang, durch den regelmäßig schmerzfrei Gewebeproben entnommen werden können. So lassen sich Abstoßungen und Infektionen frühzeitig feststellen.