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Aufklärung ist das A und O

Lesedauer: 4 Minuten
Barbara Kronfeldner arbeitet als Medizinische Fachangestellte (MFA) in einer Arztpraxis in Straubing in Bayern. Seit 2018 engagiert sie sich als Referatsleitung Medizinische Fachangestellte im Verband medizinischer Fachberufe e.V. In die Praxis in Straubing bringen die Patientinnen und Patienten ihre Fragen zum Thema Organspende mit.

Organspendeausweise und Informationsmaterialien

BZgA: „In Ihrer Praxis liegen Organspendeausweise und Informationsmaterialien aus. Warum?“

Barbara Kronfeldner: „Uns allen hier ist das Thema wichtig. Von meinen Kolleginnen und meiner Chefin weiß ich, dass sie im Fall der Fälle bereit wären, ihre Organe zu spenden.

Und wenn man sieht, wie es Menschen geht, die auf ein Spenderorgan warten, dann ist das für mich auch die richtige Entscheidung.“

Wichtig ist, dass die Menschen umfassend aufgeklärt werden

BZgA: „Empfinden Sie es als Herausforderung, ergebnisoffen zu informieren?“

Barbara Kronfeldner: „Auf keinen Fall. Aufklärung ist das A und O. Mir ist wichtig, dass jeder Mensch selbst seine persönliche Entscheidung trifft. Jeder soll für sich entscheiden, ob er Organspender werden möchte oder nicht. Ich finde Organspende unvermeidlich und habe meine Entscheidung getroffen.

Wichtig ist mir, dass die Menschen umfassend aufgeklärt werden und in die Lage versetzt werden, für sich selbst eine Entscheidung zu treffen, mit der sie leben können. Bei uns sagen einige Patienten zum Beispiel, dass sie gerne so, wie sie von der Welt gehen, beerdigt werden wollen. Das muss man genauso respektieren.“

Sorgen der Patientinnen und Patienten auffangen

BZgA: „Inwiefern unterscheidet sich Ihre Rolle als MFA bei der Beratung von der des Arztes?“

Barbara Kronfeldner: „Die medizinische Beratung nimmt natürlich der Arzt oder die Ärztin vor. Wenn Patienten dann aus dem Behandlungszimmer kommen, brauchen sie manchmal jemanden, um frei sprechen zu können. Wir haben da einen anderen Zugang zu den Patienten. Häufig trauen sich die Leute beim Arzt gar nicht die konkreten Fragen zu stellen, die sie interessieren. Zum Beispiel, ob man wirklich nichts spürt, wenn die Organe entnommen werden. Das sind die realen Sorgen der Patienten und Patientinnen.“

Präsenz des Themas Organspende

BZgA: „Wie präsent ist das Thema Organspende bei den Patienten?“

Barbara Kronfeldner: „Wir merken extrem, wenn in den Medien das Thema diskutiert wird. Dann kommen fast täglich Patientinnen und Patienten mit Fragen zu uns. Manchmal ist die Organspende aber auch wochenlang kein Thema.“

Ängste nehmen

BZgA: „Wie erleben Sie das im Gespräch mit Patienten? Was interessiert oder beunruhigt die Patienten?“

Barbara Kronfeldner: „Oft haben Patienten Angst, dass sie noch nicht endgültig tot sind. Hier können wir die Informationen zum Hirntod weitergeben. Viele befürchten auch, dass sie in der Rolle als Angehöriger dazu gedrängt werden, eine Entscheidung zu treffen. Auch hier hilft es, alle relevanten Informationen bereitstellen zu können. Und man kann im Organspendeausweis ja auch ein „Nein“ ankreuzen. Für mich ist ein wichtiges Argument, dass ich meinen Angehörigen nicht die Entscheidung aufbürden will. Gleiches gilt für mich übrigens auch für die Patientenverfügung. Jeder erwachsene Mensch sollte in einer Patientenverfügung seinen eigenen Willen dokumentieren. Diese Entscheidungen sollte man den Angehörigen abnehmen. Es kann ganz schnell gehen. Ein Autounfall zum Beispiel. Niemand ist davor geschützt. Eine Tante von mir ist frühzeitig an Alzheimer erkrankt und hatte keine Patientenverfügung. Das hätte aber allen Beteiligten in diesem Fall enorm geholfen. Wenn man als Angehöriger nicht weiß, wie man handeln soll, fühlt man sich hilflos. Diesen innerlichen Konflikt wünsche ich keinem.“