WEBVTT

00:00:02.614 --> 00:00:17.576
<v Martin Dietrich>Beim Thema Organspende sind alle Fragen erlaubt. Es gibt in diesem Sinne also keine Fragen, die unangemessen wären oder zu weit hergeholt sein könnten. Und alle Fragen, die sich im Rahmen der Organspende ergeben, sollen gestellt werden, werden gehört und werden auch 

00:00:17.877 --> 00:00:24.895
<v Martin Dietrich>beantwortet. Uns ist es eben ein großes Anliegen, dass wir diese persönliche Entscheidung zur Organspende respektieren 

00:00:25.148 --> 00:00:28.308
<v Martin Dietrich>und dass wir deswegen ergebnisoffen informieren.

00:00:28.723 --> 00:00:36.234
<v Martin Dietrich>Meine Botschaft ist: informieren Sie sich, sprechen, diskutieren Sie mit Familien und mit Freunden und treffen Sie auch uns in den Online-Formaten und 

00:00:36.583 --> 00:00:45.224
<v Martin Dietrich>treffen Sie auch ihre persönliche Entscheidung und da ist es nicht wichtig, ob's ein Ja oder Nein ist, sondern es ist wichtig, dass Sie sich damit beschäftigen und dass eine Entscheidung getroffen wird.

00:00:54.334 --> 00:01:03.954
<v Sandra Wahle>In den bisherigen Folgen unseres Podcasts haben uns Expertinnen und Experten vielfältige Einblicke in den ganzen Prozess der Organspende gegeben. 

00:01:04.753 --> 00:01:17.775
<v Sandra Wahle>Wir haben erfahren, dass eine Organspende nur nach Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls, oder auch Hirntods, und beim Vorliegen einer Zustimmung zulässig ist. 

00:01:18.358 --> 00:01:20.953
<v Sandra Wahle>Wir wissen, wie Organe verteilt werden, wie 

00:01:21.290 --> 00:01:30.117
<v Sandra Wahle>der Organspendeprozess kontrolliert wird und wir haben erfahren, wie wichtig eine dokumentierte, persönliche Entscheidung ist. 

00:01:31.506 --> 00:01:40.098
<v Sandra Wahle>Am "Tag der Organspende", der jedes Jahr am ersten Samstag im Juni stattfindet, gibt es in Deutschland viele Aktionen rund um das Thema.

00:01:40.568 --> 00:01:46.919
<v Sandra Wahle 1>Deshalb unterhalten wir uns heute mit Organisatorinnen und Organisatoren des "Tags der Organspende". 

00:01:47.520 --> 00:01:57.074
<v Sandra Wahle 1>Damit herzlich willkommen zur vorerst letzten Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:01:57.537 --> 00:02:03.143
<v Sandra Wahle 1>Mein Name ist Sandra Wahle und ich spreche heute mit Prof. Dr. Martin Dietrich, 

00:02:03.426 --> 00:02:15.203
<v Sandra Wahle 1>kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, mit Dr. Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, und mit Jutta Riemer. 

00:02:15.504 --> 00:02:22.348
<v Sandra Wahle 1>Sie war viele Jahre als Vorsitzende des "Patienten- und Selbsthilfeverbandes Lebertransplantierte Deutschlands" aktiv.

00:02:26.573 --> 00:02:37.821
<v Sandra Wahle>Frau Riemer, der Tag der Organspende wurde ja von Selbsthilfeverbänden ins Leben gerufen. Der Verein "Lebertransplantierte Deutschland" war maßgeblich daran beteiligt. Was wollten Sie damit bezwecken?

00:02:37.966 --> 00:02:44.149
<v Jutta Riemer>Ja, der Tag der Organspende ist für uns schon etwas Besonderes und 2021 eigentlich 

00:02:44.522 --> 00:02:49.323
<v Jutta Riemer>noch besonderer, denn er kommt zum 40. Mal zum Tragen. Er 

00:02:49.468 --> 00:03:01.870
<v Jutta Riemer>wurde damals tatsächlich von einem Patienten 1983, nämlich dem Herrn Siegfried Bäumel aus der Nähe von Regensburg, ins Leben gerufen und wird seitdem immer am ersten Samstag im Juni begangen. Und 

00:03:02.321 --> 00:03:15.390
<v Jutta Riemer>wir verfolgen als PatientInnen eigentlich zwei große Ziele mit dem Tag der Organspende. Wir möchten zum einen den vielen tausenden OrganspenderInnen und deren Angehörigen 

00:03:15.625 --> 00:03:21.117
<v Jutta Riemer>für ihre Entscheidung für die Organspende, also eigentlich für das Leben retten, danken

00:03:21.682 --> 00:03:30.070
<v Jutta Riemer>nseren Respekt auch noch ausdrücken vor diesem Ja zur Organspende in einer sehr schwierigen Lebenssituation für die Angehörigen. 

00:03:30.558 --> 00:03:32.444
<v Jutta Riemer>Also dieser Dank ist uns eigentlich das 

00:03:32.931 --> 00:03:43.429
<v Jutta Riemer>Allerwichtigste an diesem Tag, aber es gibt natürlich auch noch ein anderes Ziel. Wir möchten auf das Thema möglichst flächendeckend im ganzen Bundesgebiet aufmerksam machen und 

00:03:43.723 --> 00:03:52.232
<v Jutta Riemer>möglichst viele Menschen anregen, sich zu informieren, ihre Entscheidung zu treffen und diese dann auch wirklich zu dokumentieren. Die 

00:03:52.605 --> 00:03:54.581
<v Jutta Riemer>Dokumentation ist so wichtig, 

00:03:54.960 --> 00:04:03.547
<v Jutta Riemer>weil stellen Sie sich einfach mal vor: auf der Intensivstation muss jemand grade erst verstehen, dass sein Kind, seine Schwester, der Ehepartner verstorben ist und 

00:04:03.950 --> 00:04:15.944
<v Jutta Riemer>in dieser Situation soll auch noch die Entscheidung zur Organspende getroffen werden. Das ist also fast unmenschlich und das sollten wir doch unseren Familien nicht zumuten und rechtzeitig selbst entscheiden. 

00:04:16.178 --> 00:04:21.664
<v Jutta Riemer>Diese Botschaften wollen wir gerne am Tag der Organspende verbreiten.

00:04:21.821 --> 00:04:26.838
<v Sandra Wahle>Warum ist Ihnen das Engagement persönlich so wichtig? Also wieso engagieren Sie sich da so?

00:04:26.929 --> 00:04:37.474
<v Jutta Riemer>Ja, das hat sicher ja mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Ich lebe jetzt seit fast einem Vierteljahrhundert mit einem geschenkten Spenderorgan. 

00:04:38.051 --> 00:04:47.107
<v Jutta Riemer>Mein Leben hing damals, das war 1997, wirklich wie man so schön sagt, am seidenen Faden durch eine chronische Lebererkrankung. 

00:04:47.504 --> 00:04:51.301
<v Jutta Riemer>Mir ging es damals immer schlechter und ich kann mich gut an die Zeit 

00:04:51.524 --> 00:05:02.784
<v Jutta Riemer>auf der Warteliste erinnern, die sich so zwischen Bangen und Hoffen abspielte und in der ich dem Tode sehr nahe war und auf der anderen Seite aber den Funken Hoffnung eigentlich nie aufgeben wollte. 

00:05:03.277 --> 00:05:08.998
<v Jutta Riemer>Das war auch für meine Familie eine wirklich schreckliche, belastende Zeit und für mich natürlich auch. 

00:05:09.701 --> 00:05:16.719
<v Jutta Riemer>Ich bekam dann im Juni 1997 die sehnlichst erwartende Spenderleber und durfte gesund werden. 

00:05:17.207 --> 00:05:24.471
<v Jutta Riemer>In ganz großer Dankbarkeit an meine SpenderIn, engagiere ich mich eben seitdem für die Bedeutung des 

00:05:24.886 --> 00:05:35.654
<v Jutta Riemer>Themas Organspende und möchte dieses Thema möglichst vielen Menschen nahebringen und, was mir ganz wichtig ist, sachlich korrekt darüber informieren. 

00:05:36.423 --> 00:05:41.843
<v Jutta Riemer>Diese ehrenamtliche Arbeit ist ja, so kann man's eigentlich sagen, meine Art Danke zu sagen.

00:05:42.042 --> 00:05:52.750
<v Sandra Wahle>Neben dem Organspendetag hier in Deutschland gibt es ja noch verschiedene internationale Organspendetage. Wieso hat Deutschland denn da nochmal einen eigenen Tag?

00:05:53.321 --> 00:06:00.051
<v Jutta Riemer>Also ich denke der europäische und auch der Welttag der Organspende sind sicher ganz gute Anlässe, um auf das Thema hinzuweisen, 

00:06:00.448 --> 00:06:08.596
<v Jutta Riemer>Auf der anderen Seite ist es aber so: je weiter ein Thema abrückt, ich denke auch geografisch, desto weniger identifiziert man sich damit. Wer in

00:06:08.909 --> 00:06:22.008
<v Jutta Riemer> Deutschland schwer organerkrankt und nur eine Transplantation ihn retten kann, der wird auch in Deutschland auf eine Warteliste aufgenommen und ist von der Zahl der in Deutschland gespendeten Organe direkt abhängig. 

00:06:22.243 --> 00:06:25.006
<v Jutta Riemer>Also die Bereitschaft zur Organspende ist nach

00:06:25.512 --> 00:06:40.492
<v Jutta Riemer> wie vor gelebte Solidarität mit Schwerkranken. Und niemand weiß, ob es ihn nicht vielleicht einmal selbst trifft und er nicht mal selbst ein Organ benötigt. Wichtig ist uns, dass das Thema im eigenen Lande wahrgenommen wird und alle wichtigen Akteure

00:06:40.913 --> 00:06:55.839
<v Jutta Riemer> sich dem Thema zuwenden. Das sind natürlich zum einen die Bürger mit der Entscheidung zur Organspende, aber auch die Politik mit der Umsetzung, zum Beispiel des neuen Gesetzes, oder die ÄrztInnen und PflegerInnen in allen Krankenhäusern mit dem Be

00:06:55.851 --> 00:07:00.688
<v Jutta Riemer>mühen um jedes einzelne Mögliche Organspendegeschehen.

00:07:00.893 --> 00:07:11.270
<v Jutta Riemer>Deshalb werden wir auch an diesem ersten Samstag im Juni alles daransetzen, dass das Thema auch in den letzten Winkeln Deutschlands ankommt und Beachtung findet.

00:07:11.361 --> 00:07:19.136
<v Sandra Wahle>Sie haben diesen Tag mitbegründet. Woran erinnern Sie sich denn besonders gern und was es Ihnen dabei besonders wichtig?

00:07:19.509 --> 00:07:30.175
<v Jutta Riemer>Es sind Organ- und Verbändeübergreifende Aktionen, die hier veranstaltet werden. Ein Kernstück war eigentlich immer der Dankgottesdienst dabei. 

00:07:30.704 --> 00:07:33.918
<v Jutta Riemer>Daran schloss sich eine Bühnenveranstaltung an mit 

00:07:34.225 --> 00:07:48.496
<v Jutta Riemer>Gesprächsgruppen zur Organspende und prominenten Künstlern und Politikern, also immer so ein bisschen abwechselnd Unterhaltung und Info zur Organspende. Und es gab immer noch so ein Zeltdorf rund um die Bühne, quasi auf einem großen Platz, 

00:07:48.707 --> 00:07:58.219
<v Jutta Riemer>dort konnten sich die Bürger über das Thema Organspende und Transplantation, aber auch über andere flankierende Themen bei verschiedenen Verbänden und Organisationen informieren. 

00:07:58.664 --> 00:08:09.138
<v Jutta Riemer>Was auch immer noch ganz schön war, es gab immer die großen begehbaren Organe. Dort konnten die Besucher viel Interessantes zum gesunden und aber auch zur kranken Organen erfahren. 

00:08:09.547 --> 00:08:15.105
<v Jutta Riemer>Und, ich glaube, eins ist noch erwähnenswert: ein Highlight war stets die Aktion "geschenkte Lebensjahre". Hier 

00:08:15.454 --> 00:08:25.050
<v Jutta Riemer>versammeln sich die anwesenden Transplantierten auf der Bühne und halten große Schilder mit der Anzahl ihrer geschenkten Jahre durch die Organspende nach oben.

00:08:26.084 --> 00:08:32.867
<v Jutta Riemer>Zwischen 600 und 900 Jahren kamen hier immer wieder zusammen. Nur mit den dort Anwesenden. Das war schon beeindruckend. 

00:08:33.511 --> 00:08:45.703
<v Jutta Riemer>Sehr wichtig ist uns natürlich auch die Öffentlichkeitsarbeit bundesweit und regional mit Pressemitteilung, Radio- und Fernsehinterviews, damit die Botschaft nicht nur in dem Veranstaltungsort, sondern in ganz Deutschland ankommt.

00:08:46.430 --> 00:08:53.364
<v Jutta Riemer>Zusätzlich gab es immer wieder auch größere und kleinere Aktionen von Länderinitiativen und Selbsthilfegruppen vor Ort. 

00:08:53.647 --> 00:09:02.083
<v Jutta Riemer>2020 und 2021 hat uns das natürlich die Pandemie einen Strich gehörig durch die Rechnung gemacht, wie eben bei vielen anderen Veranstaltungen auch, und 

00:09:02.402 --> 00:09:07.570
<v Jutta Riemer>es konnten keine solchen Präsenzveranstaltungen mehr stattfinden. Aber das Planungsteam 

00:09:07.732 --> 00:09:21.565
<v Jutta Riemer>hat sich auf der virtuellen Ebene natürlich etwas einfallen lassen und so wurden in den beiden Jahren spezielle Homepages entwickelt, zum Beispiel tagderorganspende.de - einfach mal reinschauen, die gibt's das ganze Jahr über. 

00:09:22.040 --> 00:09:25.555
<v Jutta Riemer>Die Aktion "Geschenkte Lebensjahre" findet nun virtuell statt, 

00:09:25.970 --> 00:09:36.509
<v Jutta Riemer>auch auf dieser Homepage. Jeder Betroffene kann sein Foto mit Lebensjahren hochladen und dadurch, dass diese Aktion fortgeschrieben wird, sind wir inzwischen bei über 4.000 Lebensjahren. Die 

00:09:36.822 --> 00:09:46.376
<v Jutta Riemer>kann sich jeder auf dieser Homepage angucken. Am Tag selbst konnten dann Fachgespräche und Diskussionsrunden und auch Botschaften von Betroffenen und von einem Geistlichen, 

00:09:46.533 --> 00:09:58.773
<v Jutta Riemer>alles über die Homepage, gehört werden. Und auch soziale Medien haben wir mit eingebunden, sodass der Tag der Organspende einfach auf einer ganz anderen Ebene begangen werden musste.

00:09:59.368 --> 00:10:07.306
<v Sandra Wahle>Sie haben jetzt eine ganze Bandbreite an Aktionen genannt. Wie wird das denn in der Bevölkerung aufgenommen? Was ist da Ihr Eindruck oder Ihre Erfahrung?

00:10:07.457 --> 00:10:15.166
<v Jutta Riemer>Ich denke, dass die Bevölkerung da schon einen Draht dazu hat und sich des Themas Organspende inzwischen sehr bewusst wird. Auch im

00:10:15.431 --> 00:10:23.476
<v Jutta Riemer> Hinblick darauf, dass ja in den letzten Jahren von Seiten der Politik auch das Thema sehr in den Fokus genommen wurde. 

00:10:23.819 --> 00:10:28.879
<v Jutta Riemer>Es ist immer dann noch einen Schritt weiter sich dem Thema persönlich zu nähern, 

00:10:29.107 --> 00:10:40.626
<v Jutta Riemer>wirklich für sich selbst die Entscheidung zu treffen, ob ich Organe nach dem Todes spenden möchte oder nicht. Man muss immer dazu sehen, es ist ein Thema, das potenziell mit 

00:10:40.873 --> 00:10:43.529
<v Jutta Riemer>schwerer Erkrankung und  mit Tod zu tun hat. 

00:10:43.811 --> 00:10:57.410
<v Jutta Riemer>Das mag eigentlich keiner so richtig in den Alltag hineinlassen. Aber man sollte das irgendwo schaffen, dass das den Weg schafft dorthin. Ich glaube, das Thema Organspende hat inzwischen eine gute Aufmerksamkeit in Deutschland.

00:10:57.500 --> 00:11:08.298
<v Sandra Wahle>Kommen wir noch einmal zurück zum Tag der Organspende. Der ist ja nicht nur das einzige Anliegen Ihres Verbandes, sondern Sie haben auch eine andere ganz zentrale Aufgabe. Welche ist das?

00:11:08.593 --> 00:11:16.831
<v Jutta Riemer>Das sieht man eigentlich schon an unserem Namen "Lebertransplantierte Deutschland". Die eigentliche Aufgabe unseres Patientenverbandes liegt 

00:11:17.114 --> 00:11:27.004
<v Jutta Riemer>in der Patientenbetreuung und Verbesserung der Situation der Transplantierten, aber auch der Wartelisten-Patienten und der Angehörigen, weil die Angehörigen sind ja eigentlich auch immer Mitb

00:11:27.317 --> 00:11:33.656
<v Jutta Riemer>etroffene. In unserem Verband haben sich 1.400 Betroffene zusammengeschlossen 

00:11:33.951 --> 00:11:46.714
<v Jutta Riemer>und circa 100 von diesen Transplantierten engagieren sich ehrenamtlich und stehen als AnsprechpartnerInnen den Ratsuchenden für Gespräche am Telefon, am Krankenbett, 

00:11:46.931 --> 00:11:55.595
<v Jutta Riemer>auch in der Gruppe, in der Selbsthilfegruppe zur Verfügung. Wir möchten die Patienten in den ganz schwierigen Phasen der Erkrankung, 

00:11:55.872 --> 00:11:58.462
<v Jutta Riemer>vor und auch nach der Transplantation, in 

00:11:58.709 --> 00:12:10.155
<v Jutta Riemer>Ergänzung zur medizinischen Betreuung - man muss sagen: wir beraten ja nicht medizinisch, aber wir möchten viele ergänzende Informationen und Angebote machen. Wir möchten die Patienten stützen und ihnen Mut machen, We

00:12:10.162 --> 00:12:15.618
<v Jutta Riemer>ge aufzeigen für das Leben nach der Transplantation und in der Wartezeit.

00:12:16.237 --> 00:12:25.082
<v Jutta Riemer>Und ein zweiter Punkt ist natürlich: der informierte Patient ist immer auch der bessere Patient. Da liegt ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir 

00:12:25.293 --> 00:12:38.224
<v Jutta Riemer>setzen auf Patientenfortbildung oder wir bieten Patientenseminare an, geben informative Schriften raus rund um die Lebertransplantation. Da gehört zum Beispiel auch unsere Zeitschrift "Lebenslinie" dazu oder 

00:12:38.338 --> 00:12:41.799
<v Jutta Riemer>für unsere Mitglieder noch eine Zeitschrift "Lebenslinien Intern". Wir haben 

00:12:42.184 --> 00:12:49.983
<v Jutta Riemer>eine Homepage - lebertransplantation.eu - da kann man sich auch gut informieren und Hilfreiches sind Wissenswertes erfahren als Patient 

00:12:50.405 --> 00:12:53.601
<v Jutta Riemer>vor und auch nach Transplantation.

00:12:54.365 --> 00:13:00.800
<v Jutta Riemer>Und, ich glaube, es ist auch nicht zu unterschätzen, dass wir die PatientInnen auch in verschiedenen Gremien und Institutionen 

00:13:01.035 --> 00:13:12.572
<v Jutta Riemer>vertreten mit ihren Interessen. Also zum Beispiel in der ständigen "Kommission Organtransplantation" der Bundesärztekammer oder im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Organtransplantation und weitere. 

00:13:12.879 --> 00:13:17.012
<v Jutta Riemer>Wir stehen auch mit den Länderministerien oder dem Bundesministerium für Gesundheit in Kontakt, wenn es 

00:13:17.355 --> 00:13:27.120
<v Jutta Riemer>zum Beispiel um Änderungen des Transplantationsgesetzes geht oder um andere Anliegen, die uns wichtig sind, die uns direkt betreffen. 

00:13:27.252 --> 00:13:39.799
<v Jutta Riemer>Man kann aber sagen: das gesamte ehrenamtliche Engagement, die gesamte Arbeit unserer AnsprechpartnerInnen, des Vorstands, der regionalen KoordinatorInnen, des Redaktionsteams und anderer Ehrenamtler

00:13:39.985 --> 00:13:43.669
<v Jutta Riemer>eschieht alles unter dem Motto "Betroffene helfen Betroffenen".

00:13:44.000 --> 00:13:47.310
<v Sandra Wahle>Frau Riemer, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.

00:13:53.109 --> 00:14:06.317
<v Sandra Wahle>Trotz aller Aktionen haben noch längst nicht alle Menschen eine Entscheidung getroffen. Viele haben auch eine falsche Vorstellung davon, wie der Tod eines Menschen festgestellt wird und wie eine Organspende abläuft. 

00:14:06.744 --> 00:14:12.296
<v Sandra Wahle>Fehlende Informationen, aber auch Ängste und Sorgen halten viele von einer Entscheidung ab. 

00:14:12.981 --> 00:14:17.127
<v Sandra Wahle>Aufklärung ist deshalb ein wichtiges Anliegen aller Akteure. 

00:14:17.861 --> 00:14:24.398
<v Sandra Wahle>Nur wer gut informiert ist, kann sich gut entscheiden - für oder gegen eine Organspende. 

00:14:25.035 --> 00:14:39.138
<v Sandra Wahle>Wie wir in einer der Podcast-Episoden gehört haben, spielt die Deutsche Stiftung Organtransplantation als Koordinierungsstelle eine zentrale Rolle im Ablauf der Organspende und besonders auch im Entnahmekrankenhaus. 

00:14:39.445 --> 00:14:42.894
<v Sandra Wahle>Die Angehörigen stehen dabei besonders im Fokus.

00:14:48.170 --> 00:15:02.526
<v Sandra Wahle>Herr Rahmel, die DSO führt manchmal auch gemeinsam mit den Transplantationsbeauftragten Gespräche mit den Angehörigen von möglichen Organspendern. Was ist Ihr Ziel dabei? Wollen Sie zu einer Organspende überreden?

00:15:02.766 --> 00:15:09.484
<v Axel Rahmel>m Gespräch mit den Angehörigen geht es in allererster Linie darum, den Willen des Verstorbenen herauszufinden. Wenn 

00:15:10.085 --> 00:15:16.875
<v Axel Rahmel>die Verstorbene oder der Verstorbene zu Lebzeiten entweder schriftlich oder mündlich seinen Willen zur Organspende geäußert hat, 

00:15:17.248 --> 00:15:21.532
<v Axel Rahmel>sind es ja häufig die Angehörigen, die uns entweder den Organspendeausweis, 

00:15:21.545 --> 00:15:35.948
<v Axel Rahmel>entsprechende Patientenverfügungen oder eine mündliche Äußerung des Verstorbenen zum Thema Organspende überbringen. Wenn dieser Wille allerdings nicht bekannt ist, dann begleiten wir natürlich die Angehörigen bei den Überlegungen zum mutmaßlichen Willen des Verstorbenen. 

00:15:36.267 --> 00:15:40.978
<v Axel Rahmel>Ziel ist es, zu einer stabilen Entscheidung im Sinne des verstorbenen Angehörigen zu kommen, hinter der da

00:15:41.399 --> 00:15:49.156
<v Axel Rahmel>nn die Angehörigen auch dauerhaft stehen können, denn die müssen ja auch über die Organspende hinaus mit dieser Entscheidung weiterleben. Wenn der

00:15:49.667 --> 00:15:59.017
<v Axel Rahmel> Wille zur Organspende bestand, dann klären wir die Angehörigen noch auf über das weitere Vorgehen. Dazu gehört die geplante Organannahme, aber auch natürlich Informationen 

00:15:59.270 --> 00:16:09.304
<v Axel Rahmel>über unsere weiteren Angebote zur Angehörigenbetreuung. Letztlich, und das ist mir ganz wichtig, ist das zentrale Ziel unseres Gespräches, den Wunsch des Patienten umzusetzen. 

00:16:09.888 --> 00:16:22.134
<v Axel Rahmel>Wenn also eine Spende gewünscht wurde, dann tun wir mit dem Krankenhaus zusammen alles dafür, dass dieser letzte Wunsch des Verstorbenen, anderen Menschen über seinen eigenen Tod hinaus zu helfen, dass wir diesen Wunsch umsetzen können.

00:16:22.657 --> 00:16:33.827
<v Sandra Wahle>Der Gesetzgeber hat die Aufgabe, die Angehörigen von Organspendern nach der Spende zu betreuen, der DSO zugewiesen. Warum ist diese Aufgabe so wichtig?

00:16:34.176 --> 00:16:41.633
<v Axel Rahmel>Unsere MitarbeiterInnen, aber auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Kliniken, die nehmen sich sehr viel Zeit für die Gespräche mit den Angehörigen. 

00:16:41.886 --> 00:16:47.252
<v Axel Rahmel>Und dennoch: man darf nicht vergessen, das ist eine sehr emotional belastende Situation für die Angehörigen. 

00:16:47.522 --> 00:16:56.506
<v Axel Rahmel>Das heißt, mitunter kommen dann erst im Nachgang zur Organspende Fragen darüber auf und es ist wichtig, dass die Angehörigen dann wirklich einen festen Ansprechpartner haben. 

00:16:56.764 --> 00:17:05.267
<v Axel Rahmel>Das können wir Ihnen halt bieten. Zu unser Angehörigenbetreuung gehört darüber hinaus zum Beispiel das Angebot über das Ergebnis der Transplantation zu informieren. 

00:17:05.760 --> 00:17:12.333
<v Axel Rahmel>Ein weiterer Aspekt ist, dass wir Dankesbriefe von Organempfängern an die Angehörigen weiterleiten können, sofern sie das wünschen. 

00:17:12.490 --> 00:17:21.509
<v Axel Rahmel>Und schließlich haben wir noch ein weiteres Element. Das sind regionale und bundesweite Treffen von Angehörigen, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen untereinander austauschen können und, das 

00:17:21.642 --> 00:17:31.629
<v Axel Rahmel>ist uns auch sehr wichtig, ins Gespräch mit transplantierten Patienten kommen können. Denn das zeigt ihnen natürlich unmittelbar, welche guten Dinge sie mit der Organspende bewegen konnten.

00:17:31.833 --> 00:17:38.359
<v Sandra Wahle>Sie haben oft betont, dass Deutschland eine andere Kultur der Organspende brauche. Was genau meinen Sie damit?

00:17:38.588 --> 00:17:51.795
<v Axel Rahmel>Wir brauchen insgesamt mehr gesellschaftliche Wertschätzung gegenüber der Organspende und auch eine höhere und größere Selbstverständlichkeit, sich mit der Frage Organspende überhaupt auseinanderzusetzen und schließlich dann hoffentlich auch eine Entscheidung zu treffen. 

00:17:52.126 --> 00:18:02.155
<v Axel Rahmel>Auch in den Kliniken muss das Denken an die Möglichkeit einer Organspende am Lebensende eine Selbstverständlichkeit werden. Dabei geht es darum, einen möglichen Wunsch zur Organspende des Verstorbenen ernst zu nehmen und diesen in 

00:18:02.287 --> 00:18:09.293
<v Axel Rahmel>der real eher seltenen Situation, dass eine Organspende überhaupt möglich ist, dann auch tatsächlich umzusetzen. 

00:18:09.637 --> 00:18:13.987
<v Axel Rahmel>In Deutschland herrscht vielfach die Meinung, dass die Frage nach einer Organspende belastend sei. 

00:18:14.197 --> 00:18:21.498
<v Axel Rahmel>In vielen anderen Ländern wird die Organspende hingegen als Chance begriffen. Nicht nur für die Menschen, die auf ein Organ warten, sondern natürlich auch für die Menschen, die 

00:18:21.799 --> 00:18:29.574
<v Axel Rahmel>nach ihrem Tod noch Positives für andere schwerkranke Menschen bewirken können. Für die Angehörigen kann so eine Möglichkeit einer Organspende 

00:18:29.689 --> 00:18:38.828
<v Axel Rahmel>ihres verstorbenen Angehörigen durchaus ein Hoffnungsschimmer in der Situation der Trauer und des Verlustes bedeuten. Dieser Wechsel des Blickwinkels von einer vermeintlichen Belastung zu 

00:18:39.201 --> 00:18:43.004
<v Axel Rahmel>einer lebensrettende Chance gehört auch zu einer Kultur der Organspende.

00:18:43.209 --> 00:18:46.502
<v Sandra Wahle>Wie trägt denn die DSO selber zu diesem Kulturwandel bei?

00:18:46.718 --> 00:18:48.599
<v Axel Rahmel>Da ist zunächst mal unsere tägliche Arbeit. Wir 

00:18:48.996 --> 00:19:03.922
<v Axel Rahmel>unterstützen natürlich die Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegenden in den Kliniken im Prozess der Organspende bei allen Schritten. Dabei ist unser Ziel, wie schon gesagt, den Willen des Verstorbenen umzusetzen und durch einen sorgfältigen und würdevollen Umgang mit dem Spender und den gespendeten Organ dafür zu sorgen, dass 

00:19:04.265 --> 00:19:10.634
<v Axel Rahmel>möglichst vielen Menschen auf den Wartelisten mit einer Transplantation geholfen werden kann. Denn jedes Organ rettet ja Menschenleben. Darüber hinaus leisten 

00:19:10.893 --> 00:19:20.489
<v Axel Rahmel>wir durch Aufklärungsarbeit und Bereitstellung von Informationen und Unterstützungsmaterial dazu unseren Beitrag, dass das Thema Organspende in den Kliniken ankommt 

00:19:20.844 --> 00:19:29.449
<v Axel Rahmel>und damit die Aufmerksamkeit der Ärztinnen und Ärzte und der Pflegenden auf der Intensivstation immer wieder auf das Thema Organspende gelenkt wird. Das geht so leicht im Alltag unter.

00:19:30.098 --> 00:19:36.611
<v Axel Rahmel>Es ist sehr wichtig, dass das Denken an die Organspende am Lebensende auf den Intensivstationen eine absolute Selbstverständlichkeit wird. 

00:19:37.092 --> 00:19:45.685
<v Axel Rahmel>Nicht zuletzt unterstützen wir aber auch die Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere im Hinblick auf die Wertschätzung gegenüber den Organspenderinnen und Organspendern und den Angehörigen, denn 

00:19:45.932 --> 00:19:50.366
<v Axel Rahmel>zur Kultur der Organspende gehört diese gesellschaftliche Wertschätzung. Zentral wichtige 

00:19:50.781 --> 00:20:02.216
<v Axel Rahmel>Bausteine sind hier zum einen der Tag der Organspende und zum anderen der bundesweite Tag des Dankens an die Organspender, der ein wichtiges Element des gemeinschaftlichen Initiativplans Organspende ist. 

00:20:02.403 --> 00:20:12.053
<v Axel Rahmel>Im Rahmen dieser beiden Tage wird den Transplantierten die Möglichkeit gegeben, ihren Dank auszusprechen und den Angehörigen an die Organspenderinnen und Organspender zu erinnern. 

00:20:12.474 --> 00:20:21.433
<v Axel Rahmel>Gemeinsam wird dann noch der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass man allen Patienten auf der Warteliste möglichst zeitnah mit einem lebensrettenden Organ wird helfen können.

00:20:21.710 --> 00:20:23.710
<v Sandra Wahle>Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rahmel.

00:20:27.917 --> 00:20:40.181
<v Sandra Wahle>Gemäß Transplantationsgesetz hat auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA, die Aufgabe, die Bevölkerung über die Organ- und Gewebespende aufzuklären. 

00:20:41.456 --> 00:20:49.315
<v Sandra Wahle>Herr Prof. Dietrich, Sie sind kommissarischer Direktor der BZgA. Wie setzen Sie diesen gesetzlichen Auftrag um?

00:20:49.640 --> 00:21:03.238
<v Martin Dietrich>Die BZgA setzt im Auftrag mit der Kampagne "Organspende - die Entscheidung zählt" um und damit sprechen wir einerseits die Bevölkerung, andererseits aber auch die Fachkräfte und Ärzte an und bieten in allererster Linie Informationen zu der Organspende und b

00:21:03.485 --> 00:21:11.446
<v Martin Dietrich>ieten Antworten auf eine ganze Reihe von Fragen. Dabei nutzen wir natürlich Alters- und Zielgruppengerechte Zugangswege, nutzen unterschiedliche Formate und 

00:21:11.663 --> 00:21:19.366
<v Martin Dietrich>Medien und uns ist wichtig, dass wir in unserer Kampagnengestaltung natürlich dynamisch auch vorgehen. Das Feld entwickelt sich, die Fragen entwickeln sich 

00:21:19.547 --> 00:21:28.861
<v Martin Dietrich>und auch die Medienformate entwickeln sich und die passen wir dann an die entsprechenden Bedarfe in der Bevölkerung und auch bei den Fachkräften an 

00:21:29.186 --> 00:21:38.589
<v Martin Dietrich>und sorgen aber dafür, dass wir in unseren Kernbotschaften immer einheitlich sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben. Und dass wir die klassischen Medien benutzen und neuen Medien benutzen, 

00:21:38.848 --> 00:21:47.813
<v Martin Dietrich>ist für die allgemeinen Bevölkerung auch bekannt. Man kennt ja die Plakate zu dem Organspendeausweis, in denen's darum geht, dass es egal ist, wie man ihn trägt. Hauptsache ist, dass man ihn trägt. Wir haben 

00:21:48.174 --> 00:21:54.706
<v Martin Dietrich>eine Internetpräsenz, in der wir auf viele Fragen eingehen, viele Aspekte aufgreifen. 

00:21:54.995 --> 00:22:08.070
<v Martin Dietrich>Aber auch ganz klassisches Material wie Flyer und gedruckte Informationsmaterialien, wie das Wartezimmermagazin oder die Infokarten. Selbstverständlich ist eines unserer größten Produkte oder unserer bekanntesten Produkte der Organspendeausweis, 

00:22:08.329 --> 00:22:14.451
<v Martin Dietrich>aber wir sind inzwischen auch auf sozialen Medien unterwegs. Wir haben einen Facebook-Kanal und seit Neuestem auch einen Instagram-Kanal,

00:22:14.885 --> 00:22:22.708
<v Martin Dietrich>gestalten den Tag der Organspende und haben auch weitere digitale Formate. AV-Medien, Erlebnisschilderungen, auch Influencer sind mit dabei.

00:22:23.093 --> 00:22:36.685
<v Sandra Wahle>Sie haben verschiedene mediale Angebote für die Aufklärung erwähnt. Gibt es auch Elemente, die eine dialogische Kommunikation zulassen? Also können Bürgerinnen und Bürger direkt mit Ihnen ins Gespräch kommen?

00:22:36.998 --> 00:22:47.471
<v Martin Dietrich>Uns ist es wichtig, dass wir da in einen dialogischen Austausch treten und dialogisch meint, dass wir neben dem, was wir bisher gemacht haben - über Plakate, über eine Aufklärung - 

00:22:47.712 --> 00:22:56.172
<v Martin Dietrich>auch Gespräche fördern, Fragen generieren, die die Leute an uns stellen können und auch den Austausch der Betroffenen untereinander 

00:22:56.443 --> 00:23:04.381
<v Martin Dietrich>anregen, weil für uns ja wichtig ist, dass eine Entscheidung getroffen wird. Die Entscheidungslösung ist ja für Deutschland so bezeichnend und 

00:23:04.766 --> 00:23:13.437
<v Martin Dietrich>wir glauben, dass wir innerhalb des gesellschaftlichen und medialen Wandels einfach diesen Dialogbedarf bedienen müssen und wenn man sich unsere Produkte anguckt, 

00:23:13.671 --> 00:23:25.214
<v Martin Dietrich>sieht man, dass das Portfolio eben um diese dialogischen Elemente auch wirklich ergänzt und erweitert wird, um diesen Bedarf zu decken. Das machen wir auf einer ganz klassischen Art auch schon sehr lange mit dem Info-Telefon. Und das ist was, 

00:23:25.575 --> 00:23:33.068
<v Martin Dietrich>was bei uns eine klassische Dialogorientierung bedeutet, wo wir wirklich eins zu eins mit den Menschen sprechen können, die Fragen zum Thema Organspende haben.

00:23:33.628 --> 00:23:39.942
<v Sandra Wahle>Ihre Hauptzielgruppe ist also die Bevölkerung allgemein Oder gibt es auch besondere Zielgruppen?

00:23:40.562 --> 00:23:44.864
<v Martin Dietrich>Neben der allgemein Bevölkerung arbeiten wir auch mit den Hausärzten zusammen. 

00:23:45.303 --> 00:23:52.556
<v Martin Dietrich>Mit der Erneuerung des Transplantationsgesetzes können sich Patientinnen und Patienten bei den Hausärztinnen und Hausärzten informieren lassen 

00:23:52.808 --> 00:23:57.273
<v Martin Dietrich>und die Beratung kann alle zwei Jahre von den Ärzten auch abgerechnet werden. 

00:23:57.766 --> 00:24:04.153
<v Martin Dietrich>Die Ärzte sind angehalten aktiv die Beratung über die Organ- und Gewebespende anzubieten und 

00:24:04.394 --> 00:24:11.977
<v Martin Dietrich>das ist zum Beispiel verbunden damit, dass es keine Verpflichtung gibt zur Abgabe einer Erklärung durch die Patientinnen und Patienten. Und 

00:24:12.152 --> 00:24:20.276
<v Martin Dietrich>auch Hinweise, wo die Entscheidung für oder gegen eine Organspende abgegeben werden kann, kann mit dem Arzt dann auch besprochen werden.

00:24:20.444 --> 00:24:26.994
<v Sandra Wahle>Nach dem Transplantationsgesetz muss die Aufklärung ja ergebnisoffen erfolgen. Was genau bedeutet das?

00:24:27.330 --> 00:24:35.304
<v Martin Dietrich>Ergebnisoffene Information bedeutet, dass es uns wichtig ist, dass die Leute sich mit der Frage beschäftigen. 

00:24:35.647 --> 00:24:45.490
<v Martin Dietrich>Und wir haben ja auch in Corona jetzt gesehen, dass Gesundheit und körperliche Fragen etwas sehr sehr Individuelles sind, aber gleichzeitig einen gesellschaftlichen Effekt haben. 

00:24:45.862 --> 00:24:55.020
<v Martin Dietrich>Und unsere Aufgabe als BZgA sehen wir darin diesen Gemeinschaftsbeitrag klar zu machen, den Beitrag, den die Organspende für 

00:24:55.339 --> 00:25:00.710
<v Martin Dietrich>andere Menschen leisten kann, die ihr Leben mit einem neuen Organ wieder besser führen können, 

00:25:00.993 --> 00:25:06.383
<v Martin Dietrich>mal deutlich gemacht wird und dass wir zu den Fragen, die dazu entstehen, auch Antworten liefern. 

00:25:06.804 --> 00:25:12.657
<v Martin Dietrich>Aber am Ende des Tages ist es eben eine persönliche, eine sehr individuelle Entscheidung, wo es kein Richtig und kein Falsch gibt. 

00:25:13.114 --> 00:25:23.329
<v Martin Dietrich>Ergebnisoffen bedeutet für uns, dass das Ziel nicht ist, dass wir jemanden überreden wollen, sich zur Organspende zu bekennen, sondern wir möchten, dass die Menschen sich 

00:25:23.641 --> 00:25:30.221
<v Martin Dietrich>gezielt informativ darüber Gedanken machen. Und das bedeutet, für uns ist es wichtig, dass überhaupt entschieden wird.

00:25:30.696 --> 00:25:43.225
<v Martin Dietrich>Weil wir auch sehen, dass wenn entschieden wird, ein Großteil derer, die sich entscheiden, sich für die Organspende entscheiden. Und dieses Potential, das glauben wir, das wir mit einer informierten Entscheidung am besten heben können, ohne eben Vorgaben zu machen. Auch 

00:25:43.508 --> 00:25:49.757
<v Martin Dietrich>wenn wir eine Bundesbehörde sind, so ist es für uns klar, dass es nicht "den" staatlich definierten Gesundheitsmenschen geben kann. 

00:25:49.961 --> 00:26:02.802
<v Martin Dietrich>Aber was unsere Aufgabe eben ist, ist die gesellschaftliche Relevanz in Einklang zu bringen mit den individuellen Wahrnehmungen, mit den individuellen Bedürfnissen, der Information und diesem Entscheidungsfindungsprozess.

00:26:03.235 --> 00:26:10.710
<v Sandra Wahle>Wir haben in dieser Folge mit der Frau Riemer ja auch schon über den Tag der Organspende gesprochen. Warum ist dieser Tag für Sie so wichtig?

00:26:11.179 --> 00:26:18.240
<v Martin Dietrich>Der Tag der Organspende erzeugt nochmal Aufmerksamkeit für dieses Thema und das wird auch durch die mediale Begleitung unterstützt. 

00:26:18.787 --> 00:26:27.055
<v Martin Dietrich>Es ist innerhalb unserer gesamten Kampagnenarbeit einfach ein wichtiger Tag, an dem wir gezielt auf das Thema Organspende hinweisen können und 

00:26:27.181 --> 00:26:36.868
<v Martin Dietrich>an dem nochmals mit Experten und mit Betroffenen Austauschformate auch geübt werden, die eben, wie vorhin angesprochen, den Dialog nochmal in den Vordergrund stellen. 

00:26:37.325 --> 00:26:42.534
<v Martin Dietrich>Und wir wissen, dass in unserer Informationswelt die Informationsflut so groß ist, dass 

00:26:42.811 --> 00:26:47.474
<v Martin Dietrich>wir um Aufmerksamkeit in diesem Aufmerksamkeitsmarkt ja auch kämpfen müssen. 

00:26:47.715 --> 00:26:58.470
<v Martin Dietrich>Und der Tag der Organspende ist einfach eine schöne Gelegenheit sich nochmal herauszuheben, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und Menschen dazu zu bringen, sich Gedanken zu machen über das Thema, vielleicht 

00:26:58.705 --> 00:27:12.922
<v Martin Dietrich>mit Freunden in den Austausch zu gehen, sich zu überlegen, wo bekomme ich den Organspendeausweis her? Möchte ich einen ausfüllen? Habe ich vielleicht etwas in meiner Patientenverfügung noch zu berücksichtigen? Schaue ich mal auf die Informationsseiten der BZgA? 

00:27:13.127 --> 00:27:19.274
<v Martin Dietrich>Ja und deswegen ist es für uns sehr sehr wichtig in diesem Aufmerksamkeitsmarkt auch mit einem solchen Tag 

00:27:19.557 --> 00:27:23.973
<v Martin Dietrich>nochmal die Bevölkerung darauf hinzuweisen, was es für Informationsangebote gibt.

00:27:24.568 --> 00:27:32.470
<v Sandra Wahle>Wenn ich dann eine Entscheidung getroffen habe für oder gegen eine Organspende, wie kann ich die dann möglichst sicher dokumentieren?

00:27:32.326 --> 00:27:41.898
<v Martin Dietrich>Das klassische Instrument ist natürlich der Organspendeausweis. Der Organspendeausweis, den kann man bei der BZgA bestellen, den bekommt man aber auch von den Krankenkassen regelmäßig zugeschickt. 

00:27:42.277 --> 00:27:47.492
<v Martin Dietrich>Das ist ja auch das Bezeichnende an unserer Entscheidungslösung, dass wir regelmäßig die Bevölkerung 

00:27:47.625 --> 00:28:01.601
<v Martin Dietrich>dazu bringen möchten, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir haben aber selbstverständlich auch die Patientenverfügung und dazu gibt's auch Angebote der BZgA, wo wir vorgefertigte Informationskarten und dergleichen bereitstellen, aber auch Formulierungshilfen, welche 

00:28:01.830 --> 00:28:10.850
<v Martin Dietrich>Textbausteine man in der Patientenverfügung dann verwenden kann, um für oder gegen die Organspende sich schriftlich geäußert zu haben. 

00:28:11.048 --> 00:28:19.701
<v Martin Dietrich>Ganz wichtig ist und bleibt auch das Gespräch mit Angehörigen und Freunden, weil im Falle des Falles, wenn wir keine anderen Informationen zur Organspende finden, 

00:28:20.236 --> 00:28:26.563
<v Martin Dietrich>wird auf Angehörige und Freunde zurückgegriffen. Und sich dort geäußert zu haben und eine klare Haltung kommuniziert zu haben, 

00:28:26.924 --> 00:28:32.458
<v Martin Dietrich>das ist auch sehr viel wert und es ist wichtig. Und dazu wollen unsere Informationsangebote beitragen.

00:28:32.729 --> 00:28:33.948
<v Sandra Wahle>Vielen Dank, Herr Dietrich. 

00:28:36.028 --> 00:28:46.579
<v Sandra Wahle>Und an dieser Stelle auch nochmals ganz herzlichen Dank an alle anderen Expertinnen und Experten, die uns in unserer Podcastreihe "Organspende - verstehen und entscheiden" 

00:28:46.844 --> 00:28:51.537
<v Sandra Wahle>einen guten Überblick über alle Facetten der Organspende gegeben haben. 

00:28:52.078 --> 00:29:00.899
<v Sandra Wahle>Ganz besonders möchte ich mich bedanken bei Frau Donauer und Herrn Knicker, die als Betroffene ihre persönliche Geschichte mit uns geteilt haben. 

00:29:01.530 --> 00:29:07.984
<v Sandra Wahle>Wir hoffen, dass wir unseren Hörerinnen und Hörern eine gute Grundlage für ihre Entscheidung geben konnten. 

00:29:08.639 --> 00:29:16.054
<v Sandra Wahle>Wenn noch Fragen offen sind, schreiben Sie uns an unter organspende@bzga.de und 

00:29:16.439 --> 00:29:25.813
<v Sandra Wahle>zögern Sie nicht das kostenlose Infotelefon Organspende unter 0800 90 40 400 anzurufen. 

00:29:26.588 --> 00:29:38.029
<v Sandra Wahle>Links zu weiteren Informationsquellen finden Sie in unseren Shownotes und selbstverständlich stehen Ihnen auch alle anderen Episoden unserer Podcastreihe zum Nachhören zur Verfügung. 

00:29:38.889 --> 00:29:43.636
<v Sandra Wahle>Das Schlusswort geben wir Frau Riemer, Herrn Dietrich und Herrn Rahmel.

00:29:49.405 --> 00:30:00.725
<v Jutta Riemer>Ich fange eigentlich wieder mit der Transplantation an, gar nicht mit der Organspende, denn 30 Jahre, 25 Jahre, zehn Jahre Leben mit einem Spenderorgan in guter Lebensqualität: das ist inzwischen für zuvor sch

00:30:00.954 --> 00:30:10.628
<v Jutta Riemer>werstkranke Menschen gar keine Seltenheit mehr nach der Transplantation. Und wir erleben, dass bei vielen unseren Mitgliedern live. Ins

00:30:10.929 --> 00:30:16.770
<v Jutta Riemer>gesamt ist die Transplantation eine großartige, etablierte Therapie für schwerst organerkrankte Menschen, 

00:30:17.167 --> 00:30:22.436
<v Jutta Riemer>aber jeder muss sich auch klar drüber sein: ohne Organspende gibt es keine Transplantation. 

00:30:22.887 --> 00:30:32.820
<v Jutta Riemer>Und nur rund einem Drittel der Wartelistenpatienten in Deutschland kann wirklich auch ein Organ-Angebot gemacht werden und das ist tragisch. Und das muss sich ändern, 

00:30:33.175 --> 00:30:43.348
<v Jutta Riemer>Es soll niemand zur Organspende gedrängt werden. Aber ich würde mir einfach wünschen, dass die vielen Unentschlossenen, die letztendlich im Krankheitsfall vermutlich auch ein Organ annehmen würden, 

00:30:43.691 --> 00:30:47.037
<v Jutta Riemer>sich mit dem Thema befassen und eine Entscheidung treffen. 

00:30:47.410 --> 00:30:55.979
<v Jutta Riemer>Deshalb ist ein früheres Motto meines Erachtens immer noch hochaktuell: Organspende - informieren, entscheiden und darüber reden.

00:30:59.434 --> 00:31:14.397
<v Martin Dietrich>Beim Thema Organspende sind alle Fragen erlaubt. Es gibt in diesem Sinne also keine Fragen, die unangemessen wären oder zu weit hergeholt sein könnten. Und alle Fragen, die sich im Rahmen der Organspende ergeben, sollen gestellt werden, werden gehört und werden auch 

00:31:14.697 --> 00:31:21.716
<v Martin Dietrich>beantwortet. Uns ist es eben ein großes Anliegen, dass wir diese persönliche Entscheidung zu Organspende respektieren 

00:31:21.968 --> 00:31:25.129
<v Martin Dietrich>und dass wir deswegen ergebnisoffen informieren.

00:31:25.544 --> 00:31:33.061
<v Martin Dietrich>Meine Botschaft ist: informieren Sie sich, sprechen, diskutieren Sie mit Familien und mit Freunden und treffen Sie auch uns in den Online-Formaten. Und 

00:31:33.404 --> 00:31:42.062
<v Martin Dietrich>treffen Sie auch ihre persönliche Entscheidung und da ist es nicht wichtig, ob's ein Ja oder Nein ist, sondern es ist wichtig, dass sie sich damit beschäftigen und dass eine Entscheidung getroffen wird.

00:31:43.944 --> 00:31:54.699
<v Axel Rahmel>Informieren Sie sich. Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Organspende. Sprechen Sie innerhalb Ihrer Familie darüber und treffen Sie idealerweise eine selbstbestimmte Entscheidung. Das ist wichtig, 

00:31:55.024 --> 00:32:06.663
<v Axel Rahmel>um Ihre Angehörigen zu entlasten, die ansonsten im Akutfall um eine Entscheidung gebeten werden. Und es ist wichtig auch den Ärztinnen und Ärzten auf den Intensivstationen gegenüber. Denn so eine Entscheidung gibt ja Handlungssicherheit. Und 

00:32:07.866 --> 00:32:17.462
<v Axel Rahmel>nicht zuletzt: diese Entscheidung ist lebenswichtig für die Patienten auf den Wartelisten, für die die Organspende die letzte Chance auf ein besseres beziehungsweise längeres Leben ist.

