WEBVTT

00:00:03.058 --> 00:00:08.021
<v Marita Donauer>Und jetzt musste ich auf einmal - ich hatte ja seinen Tod noch gar nicht realisiert - für ihn 

00:00:07.998 --> 00:00:17.708
<v Marita Donauer>eine Entscheidung treffen, von der ich überhaupt nicht wusste, wie er dazu stand. Er hatte keinen Organspendeausweis. Ich konnte also auf nichts zurückgreifen und musste 

00:00:17.624 --> 00:00:26.337
<v Marita Donauer>deswegen nach seinem mutmaßlichen Willen beziehungsweise so, wie ich meinen Bruder zeitlebens wahrgenommen hatte, entscheiden.

00:00:34.900 --> 00:00:45.079
<v Sandra Wahle 1>In der letzten Episode haben wir gehört, was es heißt, auf ein Spenderorgan zu warten und wie sich das Leben durch das Geschenk eines Organs ändern kann. 

00:00:45.855 --> 00:00:54.952
<v Sandra Wahle 1>Heute sprechen wir mit Marita Donauer, die ich herzlich begrüße. Sie ist in eine Situation gekommen, in der auch viele andere Menschen schon waren. 

00:00:55.481 --> 00:01:04.260
<v Sandra Wahle 1>Sie musste für einen Angehörigen eine Entscheidung zur Organspende treffen, nämlich für ihren Bruder, weil er das zu Lebzeiten nicht getan hatte. 

00:01:04.940 --> 00:01:13.466
<v Sandra Wahle 1>Wie es ihr damals in der konkreten Situation ging und warum sie sich jetzt so für das Thema Organspende engagiert, erfahren wir heute. 

00:01:14.188 --> 00:01:23.177
<v Sandra Wahle 1>Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:01:23.574 --> 00:01:29.967
<v Sandra Wahle 1>Schön, dass Sie wieder dabei sind. Ich bin Sandra Wahle und begleite Sie auch durch diese Episode.

00:01:34.186 --> 00:01:40.315
<v Sandra Wahle>Frau Donauer, was ist mit Ihrem Bruder damals passiert? Und wie haben Sie davon erfahren?

00:01:40.778 --> 00:01:45.753
<v Marita Donauer>Mein Bruder ist von jetzt auf gleich an einer Gehirnblutung erkrankt. 

00:01:46.036 --> 00:01:56.599
<v Marita Donauer>Ich war gar nicht zu Hause. Ich war mit meinem Mann für ein paar Tage in Rom, als nachts ein Anruf der Lebensgefährtin meines Bruders kam mit der Botschaft: "Dein Bruder stirbt heute Nacht." Ich verfiel

00:01:57.387 --> 00:02:08.930
<v Marita Donauer> natürlich von einer Sekunde auf die andere in völlige Schockstarre, dachte aber "Naja, wegen seiner Raucherei hat er bestimmt einen Herzinfarkt erlitten und das muss er nicht gleich das Todesurteil bedeuten." 

00:02:09.375 --> 00:02:18.683
<v Marita Donauer>Als mir dann aber meine Schwägerin sagte, dass er aufgrund eines Gehirnaneurysmas eine Gehirnblutung erlitten hatte, wusste ich sofort, was die Stunde geschlagen hatte, 

00:02:18.587 --> 00:02:22.594
<v Marita Donauer>denn das war bereits das dritte Mal in unserer Familie, dass das passierte. 

00:02:22.745 --> 00:02:34.408
<v Marita Donauer>Sie hat mir dann kurz berichtet, dass man versucht habe, die Blutung zu stoppen, dass dies aber wohl erfolglos war und dass ihr eine junge Ärztin auf dem Krankenhausflur vor dem OP 

00:02:34.343 --> 00:02:42.454
<v Marita Donauer>die infauste die Diagnose überbracht hatte und im gleichen Satz die Frage gestellt hat: "Haben Sie sich schon einmal Gedanken über Organspende gemacht?"

00:02:42.581 --> 00:02:52.910
<v Sandra Wahle>Wie hat die Ihre Schwägerin das dann aufgenommen? Also das war ja dann zum ersten Mal, dass das Thema Organspende schon akut wurde. Wie hat sie das aufgenommen und wie haben Sie das denn empfunden?

00:02:53.019 --> 00:03:00.380
<v Marita Donauer>Also meine Schwägerin war natürlich in der Situation völlig damit überfordert und sie hat mich dann angerufen und mich gebeten 

00:03:00.338 --> 00:03:08.167
<v Marita Donauer>umgehend nach Hause zu kommen. Es war aufgrund der familiären Situation so - mein Bruder war gerade geschieden und hatte zwei minderjährige Kinder - 

00:03:08.162 --> 00:03:20.534
<v Marita Donauer>dass ich die nächste Verwandte war, die jetzt irgendwelche Entscheidungen zu treffen hatte. Und dadurch, dass ich nicht zu Hause war und meine Schwägerin zuerst damit konfrontiert worden ist, hatte ich so ein bisschen Zeit, 

00:03:20.811 --> 00:03:26.255
<v Marita Donauer>mich an den Gedanken zu gewöhnen und das Thema Organspende überhaupt mal in mein Leben zu lassen.

00:03:26.291 --> 00:03:34.763
<v Sandra Wahle>Das heißt, Sie hatten vorher nie Berührungspunkte zu dem Thema oder hat das Thema Organspende vorher in Ihrem Leben schon mal irgendeine Rolle gespielt?

00:03:34.860 --> 00:03:42.587
<v Marita Donauer>Konkret hat das Thema keine Rolle gespielt. Ich habe das allerdings immer mal wieder so verfolgt in der Presse. Wie man so Dinge verfolgt, die einen nicht 

00:03:42.636 --> 00:03:57.207
<v Marita Donauer>persönlich betreffen. Ich habe mir meine Gedanken darüber gemacht, das auch mit meinem Mann besprochen und wir waren beide von vornherein dem Thema sehr positiv gegenüber eingestellt und haben gesagt: "Na ja, im Fall des Falles würden wir unsere Organe spenden." Aber das war's dann auch schon. 

00:03:57.202 --> 00:04:06.966
<v Marita Donauer>Wir haben das nicht weiter vertieft und haben uns auch nicht weiter damit auseinandergesetzt. Dass das Thema dann irgendwann mit brachialer Gewalt über einen einbricht, 

00:04:06.960 --> 00:04:13.444
<v Marita Donauer>ist natürlich dann wieder eine andere Sache und dann ist man in dem Moment zunächst einfach nur geschockt.

00:04:13.438 --> 00:04:30.383
<v Sandra Wahle>Bei Ihrem Bruder war er dann irgendwann klar, dass die Hirnfunktion unumkehrbar ausgefallen ist. Das heißt, Sie mussten dann entscheiden. Wie war das für Sie, dass Sie sich in so einer schwierigen Situation, nachdem sie gerade ihren Ihren Bruder verloren hatten, mit dem Thema auseinandersetzen mussten.

00:04:30.696 --> 00:04:35.936
<v Marita Donauer>Das war natürlich nicht einfach, weil man muss sich mal vorstellen: man ist Herr 

00:04:36.159 --> 00:04:49.234
<v Marita Donauer>seiner Sinne, man ist selbstbestimmt, man entscheidet alles im Leben selbst und so war mein Bruder auch. Da hat er großen Wert darauf gelegt und jetzt musste ich auf einmal - ich hatte ja seinen Tod noch gar nicht realisiert - für ihn 

00:04:49.204 --> 00:04:55.646
<v Marita Donauer>eine Entscheidung treffen, in der ich überhaupt nicht wusste, wie er dazu stand. Er hatte keinen Organspendeausweis. 

00:04:55.790 --> 00:05:07.561
<v Marita Donauer>Ich konnte also auf nichts zurückgreifen und musste deswegen nach seinem mutmaßlichen Willen beziehungsweise so, wie ich meinen Bruder zeitlebens wahrgenommen hatte, entscheiden.

00:05:07.538 --> 00:05:13.823
<v Sandra Wahle>Wonach haben Sie Ihre Entscheidung dann ausgerichtet oder was hat Ihnen konkret bei der Entscheidung selbst geholfen?

00:05:13.890 --> 00:05:27.962
<v Marita Donauer>Na ja, also es war mir in der damaligen katastrophalen Situation doch eins klar: ich hatte die konnte auf nichts zurückgreifen, also musste ich eine Entscheidung treffen, mit der ich gut weiterleben kann. Das klingt zwar jetzt vielleicht ein bisschen 

00:05:27.897 --> 00:05:31.922
<v Marita Donauer>egoistisch, aber das ist schon so, weil ich 

00:05:32.259 --> 00:05:46.152
<v Marita Donauer>kann ja nur eine Entscheidung treffen, mit der ich dann selbst gut weiterleben kann und kann das dann auch seinen Kindern in unserem Fall, beziehungsweise auch nach außen hin, so auch vertreten. Das war mir sehr wichtig. Und 

00:05:46.393 --> 00:05:48.970
<v Marita Donauer>was halt bei uns noch ganz 

00:05:48.988 --> 00:05:57.881
<v Marita Donauer>konkret war, war einfach, dass wir gemerkt haben, dass man in einer schier sinnlosen Situation doch etwas sehr Sinnvolles noch tun kann.

00:05:58.002 --> 00:06:02.346
<v Sandra Wahle>Wer stand Ihnen in dieser Situation zur Seite? Hatten Sie Unterstützung?

00:06:02.293 --> 00:06:14.869
<v Marita Donauer>Ja, natürlich also in allererster Linie mein Mann. Der hat damals, als das Thema zur Sprache kam, sofort zu mir gesagt: "Du wirst dir doch da jetzt nicht groß Gedanken drüber machen. Es ist ja wohl klar. Der war so altruistisch und 

00:06:14.876 --> 00:06:17.459
<v Marita Donauer>empathisch eingestellt, dein Bruder. Also, 

00:06:17.483 --> 00:06:29.321
<v Marita Donauer>macht das. Dann hast du wenigstens noch was Sinnvolles getan." Und das haben wir auch dann so umgesetzt. Das hat mir sehr geholfen und natürlich auch die Lebensgefährtin, meine Schwägerin. Und 

00:06:29.219 --> 00:06:39.386
<v Marita Donauer>ich habe auch die Mutter seiner Kinder zu Rate gezogen beziehungsweise mit in die Entscheidung reingenommen, weil's mir ganz wichtig war, dass auch die Kinder später, wenn sie erwachsen sind, 

00:06:39.393 --> 00:06:42.481
<v Marita Donauer>das nachvollziehen können und auch verstehen.

00:06:42.589 --> 00:06:49.475
<v Sandra Wahle>Sie haben sich also dafür entschieden. Die war das dann nach der Organentnahme? Konnten Sie sich da noch von Ihrem Bruder verabschieden?

00:06:49.199 --> 00:06:54.072
<v Marita Donauer>Also ich muss schon sagen, wir hatten das große Glück, dass wir im Klinikum auf 

00:06:54.217 --> 00:07:05.363
<v Marita Donauer>ein Team gestoßen sind, das uns wahnsinnig unterstützt hat. Also die waren top. Ob das die Ärzte waren, das Pflegepersonal. Die haben alles mögliche gemacht vor der Organentnahme. 

00:07:05.268 --> 00:07:13.013
<v Marita Donauer>Haben zum Beispiel angeboten, dass wir eine Andacht am Bett des Patienten halten, dass wir Bilder aufhängen, dass wir 

00:07:13.025 --> 00:07:20.019
<v Marita Donauer>jederzeit kommen und Fragen stellen können, mit meinem Bruder reden können. Und nach der Organentnahme haben wir danach gefragt, 

00:07:19.984 --> 00:07:27.483
<v Marita Donauer>ob wir ihn noch mal sehen dürfen und da haben die uns selbstverständlich zugesagt, dass wir uns auf der Station auch noch von ihm verabschieden dürfen.

00:07:27.501 --> 00:07:30.277
<v Sandra Wahle>Haben Sie das als würdigen Abschied empfunden?

00:07:29.977 --> 00:07:35.475
<v Marita Donauer>Absolut. Wir konnten uns davon überzeugen, dass mit ihm sehr würdevoll umgegangen war. 

00:07:35.577 --> 00:07:41.418
<v Marita Donauer>Er sah auch nicht anders aus, als irgendein lebender Patient, der gerade frisch operiert war. Und 

00:07:41.767 --> 00:07:56.086
<v Marita Donauer>man hatte sogar die Augäpfel ersetzt, also wir haben wirklich gespürt: da war eine große Würde dahinter und eine große Dankbarkeit und ein großer Respekt auch vor ihm als Organspender. 

00:07:56.152 --> 00:08:03.735
<v Sandra Wahle>Bei der Organspende gilt ja der Grundsatz der Anonymität, aber es gibt ja zum Beispiel trotzdem die Möglichkeit für Organempfänger 

00:08:03.622 --> 00:08:12.449
<v Sandra Wahle>anonymisierte Briefe an die Angehörigen der Spender zu schicken. Haben Sie so einen Brief jemals bekommen und wissen vielleicht sogar, wer die Organe ihres Bruders 

00:08:12.515 --> 00:08:13.662
<v Sandra Wahle>erhalten hat?

00:08:13.380 --> 00:08:21.504
<v Marita Donauer>Ja und zwar kam nach der Organentnahme die Koordinatorin der Deutschen Stiftung Organtransplantation, DSO 

00:08:21.481 --> 00:08:31.203
<v Marita Donauer>kurz genannt, auf uns zu und hat uns erstmal motiviert, Fragen zu stellen und hat uns auch in Aussicht gestellt, dass wir eventuell erfahren 

00:08:31.137 --> 00:08:39.904
<v Marita Donauer>könnten, wer die Organe entnommen hat. Ich habe das damals gar nicht so richtig wahrgenommen. Dann haben wir aber trotzdem zwei Monate nach dem 

00:08:39.832 --> 00:08:49.368
<v Marita Donauer>Tod meines Bruders einen Brief von der DSO bekommen und da stand in halb anonymer Form drin, wer die Organe erhalten hat, zum Beispiel

00:08:49.765 --> 00:08:57.336
<v Marita Donauer>tand da drin: einem 47-jährigen Mann konnte durch die sehr dringend notwendige Herztransplantation das Leben gerettet werden. Die 

00:08:57.589 --> 00:09:05.833
<v Marita Donauer>Transplantation verlief ohne Probleme mit sofortiger, guter Herzfunktion. Die Lungen wurden einem 40-jährigen Mann transplantiert 

00:09:05.852 --> 00:09:14.672
<v Marita Donauer>und so weiter. Also das waren so halbanonyme Informationen und da konnte man sich schon konkret vorstellen, wer da der glückliche 

00:09:14.661 --> 00:09:17.076
<v Marita Donauer>Organempfänger war und 

00:09:17.263 --> 00:09:31.564
<v Marita Donauer>das I-Tüpfelchen war, dass wir nach gut anderthalb Jahren vom Lungenempfänger meines Bruders ein Schreiben bekommen haben, in dem er sich für die Organspende bedankt und das war natürlich 

00:09:31.679 --> 00:09:39.760
<v Marita Donauer>ein Highlight und wir haben uns so darüber gefreut, zumal mein Bruder stark geraucht hatte über 30 Jahre lang, und wir 

00:09:39.713 --> 00:09:47.013
<v Marita Donauer>gar nicht damit gerechnet hatten, dass die Lunge überhaupt transplantiert werden kann und dass dann der Lungenempfänger sich 

00:09:46.972 --> 00:09:51.784
<v Marita Donauer>bedankt, das war für uns so wie  ein Zeichen des Himmels, dass alles gut ist.

00:09:51.923 --> 00:10:03.598
<v Sandra Wahle>Wie haben Sie sich da gefühlt? Sie haben's jetzt gerade schon angesprochen, aber wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das gelesen haben? Gerade als die Person, die die Organe des Bruders ja mehr oder minder freigegeben hat?

00:10:03.797 --> 00:10:06.537
<v Marita Donauer>Ich habe mich bestätigt gefühlt in meiner Entscheidung und 

00:10:06.483 --> 00:10:19.546
<v Marita Donauer>auch da drin bestätigt gefühlt, etwas Sinnvolles getan zu haben. Ich hab's nicht auf mich bezogen, ich hab's mehr so gesehen: ich habe das für meinen Bruder gemacht und ich habe in dem Moment genau gewusst: "Jawoll, die Entscheidung war absolut 

00:10:19.553 --> 00:10:23.278
<v Marita Donauer>richtig und ich kann sehr gut damit weiterleben" und 

00:10:23.513 --> 00:10:30.038
<v Marita Donauer>in dem Moment war das auch so, es war ja schon ein bisschen Zeit vergangen, dass so ein Gefühl war von "

00:10:30.399 --> 00:10:40.843
<v Marita Donauer>Jetzt kann ich endlich loslassen." Und die Trauer hat sich gewandelt. Also die war nach wie vor da, aber dieser intensive Schmerz hat dann nachgelassen. 

00:10:40.903 --> 00:10:42.171
<v Marita Donauer>Genau an dem Punkt.

00:10:42.285 --> 00:10:52.224
<v Sandra Wahle>Wenn Sie jetzt heutzutage zurückblicken mit noch mehr zeitlichem Abstand: wie stehen Sie dann heute zu der Entscheidung der Organentnahme bei Ihrem Bruder zugestimmt zu haben?

00:10:52.110 --> 00:11:00.270
<v Marita Donauer>Ich stehe absolut dahinter und ich habe im Laufe der Zeit sehr, sehr viele dankbare Organempfänger getroffen bei 

00:11:00.625 --> 00:11:11.507
<v Marita Donauer>allerlei Gelegenheiten und ich muss sagen: das ist immer eine Bereicherung und eine große Freude, wenn man sieht, was die Medizin doch möglich macht und dass mit 

00:11:11.670 --> 00:11:17.233
<v Marita Donauer>Organspende wirklich Leben gerettet werden kann. Und man muss sich's ja auch mal überlegen, ich 

00:11:17.366 --> 00:11:29.005
<v Marita Donauer>habe mich ja nicht selbst in die Situation gebracht für einen Organspender die Entscheidung zu treffen. Es könnte ja auch genauso gut sein, dass ich selbst mal auf ein Spenderorgan angewiesen bin. Und von daher ist 

00:11:29.589 --> 00:11:32.467
<v Marita Donauer>die Entscheidung die einzig Richtige gewesen.

00:11:32.455 --> 00:11:39.233
<v Sandra Wahle>Aufgrund Ihrer Erfahrung haben Sie ja auch das "Netzwerk Spenderfamilien" gegründet. Wie kam es dazu?

00:11:38.999 --> 00:11:42.970
<v Marita Donauer>Eigentlich hat das eine Lebertransplantierte 

00:11:43.181 --> 00:11:54.285
<v Marita Donauer>initiiert. Das war die Frau Jutta Riemer, die heute noch Vorstand von "Lebertransplantierte Deutschland" ist. Sie ist sehr engagiert, setzt sich auch überall für Organspende ein, Und die ist auf mich zugekommen und hat gemeint, 

00:11:54.334 --> 00:12:07.223
<v Marita Donauer>man bereichert sich ja gegenseitig in den verschiedenen Begegnungen, die man so hat und ob man nicht zusammen was auf die Beine stellen könnte. So einen Verein von Betroffenen und, weil's ja für die verschiedenen Organe

00:12:07.091 --> 00:12:11.153
<v Marita Donauer>mpfänger schon Vereine gibt, ob man denn nicht auch die Spenderfamilien 

00:12:11.111 --> 00:12:18.159
<v Marita Donauer>konkret ansprechen sollte, damit nochmal eine Gruppe da ist, die sich doch für Organspende stark macht.

00:12:18.280 --> 00:12:20.563
<v Sandra Wahle>Wie wird denn das Angebot angenommen?

00:12:20.798 --> 00:12:27.017
<v Marita Donauer>Ich habe mich mittlerweile ein bisschen zurückgezogen aus dem Verein, aber ich denke, dass das sehr gut läuft, weil 

00:12:26.873 --> 00:12:36.872
<v Marita Donauer>es doch immer wieder große Fragen und Unsicherheiten gibt. Man muss auch bedenken, ich hatte wirklich das große Glück, dass bei uns im Rahmen der Organentnahme da alles wie 

00:12:36.998 --> 00:12:51.348
<v Marita Donauer>im Lehrbuch abgelaufen ist. Also wir hatten großes Glück an allen Fronten, aber es gibt doch auch schon mal Fälle, wo das nicht so optimal läuft und da ist ganz viel Redebedarf und ganz viel Austausch auch nötig und von daher 

00:12:51.408 --> 00:12:53.427
<v Marita Donauer>wird das Angebot schon gut angenommen.

00:12:53.451 --> 00:12:59.628
<v Sandra Wahle>Wenn Menschen genau diesen Redebedarf haben, wie können sie dann mit dem Netzwerk in Kontakt treten?

00:12:59.917 --> 00:13:09.243
<v Marita Donauer>Am einfachsten würde das funktionieren über die Homepage des Vereins "Lebertransplantierte Deutschland e.V." und dort gibt's einen Link direkt zu 

00:13:09.213 --> 00:13:19.686
<v Marita Donauer>spenderfamilien@t-online.de und da kann man dann alle Fragen stellen und auf jeden Fall wird dann Kontakt aufgenommen seitens der Spenderfamilien.

00:13:20.131 --> 00:13:32.738
<v Sandra Wahle>Frau Donauer, abschließend noch einmal: Sie haben Ihre ganz persönliche Beziehung zum Thema Organspende. Was würden Sie anderen Menschen noch mit auf den Weg geben oder raten, die bisher noch keine Entscheidung getroffen haben?

00:13:33.135 --> 00:13:40.370
<v Marita Donauer>Naja, zunächst ist es mir mal ganz wichtig zu sagen und ins Bewusstsein zu rücken, dass Organspender Lebensretter sind. 

00:13:40.484 --> 00:13:43.999
<v Marita Donauer>Zwar posthum, aber sie sind es de facto. Und 

00:13:43.945 --> 00:13:54.827
<v Marita Donauer>was mir auch noch ganz wichtig ist, ist daran zu appellieren, sich mal darüber Gedanken zu machen, was man denn tun würde, wenn man selbst auf ein fremdes Organ angewiesen wäre. Wäre man 

00:13:55.393 --> 00:13:58.367
<v Marita Donauer>bereit ein fremdes Organ anzunehmen? 

00:13:58.644 --> 00:14:06.323
<v Marita Donauer>Wenn man diese Frage mit ja beantwortet für sich, dann sollte man meines Erachtens auch bereit sein zu geben.

00:14:06.630 --> 00:14:08.925
<v Marita Donauer>Das ist meine ganz persönliche Meinung dazu.

00:14:08.847 --> 00:14:18.149
<v Sandra Wahle>Frau Donauer, vielen, vielen Dank für das Gespräch, dass Sie sich die Zeit genommen haben und so offen Ihre Geschichte, aber auch die ihres Bruders, mit uns geteilt haben. Vielen Dank.

00:14:28.731 --> 00:14:41.205
<v Sandra Wahle>Durch die Schilderung von Marita Donauer haben wir einen guten Eindruck bekommen, was es für Angehörige bedeutet, unvorbereitet eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende treffen zu müssen. 

00:14:41.711 --> 00:14:49.408
<v Sandra Wahle>Deshalb können wir nur alle, die uns zuhören, bitten: informieren Sie sich. Das tun Sie ja auch grade mit diesem Podcast. 

00:14:49.961 --> 00:14:58.373
<v Sandra Wahle>Sprechen Sie mit Freunden und Familie über das Thema Organspende. Treffen Sie Ihre persönliche Entscheidung und dokumentieren Sie diese. 

00:14:59.558 --> 00:15:05.740
<v Sandra Wahle>In der nächsten und vorerst letzten Folge unseres Podcasts stellen wir Ihnen den Tag der Organspende vor. 

00:15:06.246 --> 00:15:16.268
<v Sandra Wahle>Drei ausrichtende Akteure kommen zu Wort und stellen sich, ihre Institutionen und vor allem auch ihre Ziele vor, die sie mit diesem Tag verfolgen. 

00:15:16.677 --> 00:15:21.664
<v Sandra Wahle>Hören Sie rein und erfahren Sie, was für Aktionen an diesem Tag geplant sind.

