WEBVTT

00:00:03.022 --> 00:00:09.578
<v Hans Lippert>Die Prüfungen haben ergeben, dass keinem Patienten eine potenziell lebenserhaltende Behandlung vorenthalten wurde. 

00:00:09.897 --> 00:00:19.126
<v Hans Lippert>Und was die Prüfung in vielen Einzelfällen auch nochmal nachträglich ergeben haben: bei allen Organspendern ergab die Hirndruckdiagnostik den Nachweis, dass 

00:00:19.247 --> 00:00:31.264
<v Hans Lippert>die Hirnfunktion irreversibel erloschen war. Ich glaube, das ist vielleicht ganz wichtig mitzuteilen, dass es keine Manipulation bei der Hirntoddiagnostik in Deutschland jemals gegeben hat.

00:00:41.396 --> 00:00:52.801
<v Sandra Wahle 1>In der letzten Folge haben wir über die Führung der Wartelisten gesprochen und was damit verbunden ist. Sowohl aus medizinischer Sicht als auch für den Alltag der Patientinnen und Patienten. 

00:00:53.270 --> 00:00:58.347
<v Sandra Wahle 1>Heute soll es darum gehen, wie der Organspendeprozess in Deutschland kontrolliert wird. 

00:00:59.003 --> 00:01:08.316
<v Sandra Wahle 1>Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:01:08.575 --> 00:01:13.178
<v Sandra Wahle 1>Mein Name ist Sandra Wahle und ich begleite Sie auch durch diese Folge.

00:01:17.397 --> 00:01:23.351
<v Sandra Wahle 1>Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass in einer Klinik Patientendaten manipuliert worden waren. 

00:01:23.820 --> 00:01:31.830
<v Sandra Wahle 1>Dabei wurden Menschen auf dem Papier kränker gemacht, als sie eigentlich waren, damit sie auf der Warteliste weiter nach oben rutschten. 

00:01:32.233 --> 00:01:45.639
<v Sandra Wahle 1>Welche Lehren aus diesem Fall gezogen worden sind und wie Manipulation verhindert werden sollen, erklärt uns Oberstaatsanwalt Thomas Schwarz, der Vorsitzende der Prüfungskommission. Guten Tag, Herr Schwarz.

00:01:45.561 --> 00:01:46.690
<v Thomas Schwarz>Guten Tag, Frau Wahle.

00:01:46.631 --> 00:01:49.593
<v Sandra Wahle>Herr Schwarz, was ist da 2012 genau passiert?

00:01:49.737 --> 00:01:59.351
<v Thomas Schwarz>Aufgrund eines anonymen Hinweises wurden Verdachtsmomente bekannt, dass der damalige Leiter der Transplantationschirurgie Göttingen über mehrere Jahre gezielt 

00:01:59.544 --> 00:02:09.573
<v Thomas Schwarz>Manipulationen an der Wartelistenführung vorgenommen haben soll. Insbesondere sollen Dialysebehandlungen, die nie stattgefunden haben, vorgespiegelt worden sein. Es sollen 

00:02:09.832 --> 00:02:23.243
<v Thomas Schwarz>Patienten trotz fehlender Alkoholabstinenz gelistet worden sein. Dadurch wurde eine Vielzahl von Patienten des Universitätsklinikums auf der Wartliste für Spenderorgane von Eurotransplant nach oben manipuliert. 

00:02:23.442 --> 00:02:31.320
<v Thomas Schwarz>Das Transplantationsgesetz sah damals für derartige Fälle keine Sanktionen vor, dennoch hatte die zuständige Staatsanwaltschaft 

00:02:31.687 --> 00:02:37.491
<v Thomas Schwarz>Einzeltaten wegen versuchten Totschlages und Körperverletzungsdelikten zur Anklage gebracht. Das 

00:02:38.062 --> 00:02:51.504
<v Thomas Schwarz>Landgericht Göttingen hatte den Arzt dann 2015 freigesprochen, insbesondere weil kein Tötungsvorsatz festgestellt werden konnte, vor allen Dingen aus Rechtsgründen. Das Urteil wurde dann vom Bundesgerichtshof 2017 

00:02:51.817 --> 00:02:56.474
<v Thomas Schwarz>bestätigt. Ursachen für die damals in diesem Zentrum, vor allem aber auch 

00:02:56.654 --> 00:03:09.405
<v Thomas Schwarz>in anderen Zentren, vorgekommen Manipulationen waren natürlich neben der Sorge des behandelnden Arztes um das Wohl des Patienten auch persönliche Gründe, Renommee, Karriere, 

00:03:09.670 --> 00:03:19.524
<v Thomas Schwarz>aber auch mangelnde Spezialisierung, mangelndes Problembewusstsein, fehlende Struktur und Prozessqualitäten in den Zentren und letztlich auch eine unzureichende Kenntnis der Richtlinien.

00:03:19.609 --> 00:03:33.796
<v Sandra Wahle>Die juristischen Folgen haben Sie gerade angesprochen. Die sind ja das eine. Das andere sind ja auch die Spuren, die so ein Skandal in der Gesellschaft hinterlässt. Was glauben Sie persönlich, inwiefern haben die das ganze Vertrauen in dieses System der Organspende beschädigt?

00:03:33.941 --> 00:03:46.211
<v Thomas Schwarz>Aufgrund der Zahlen der Spendeprozesse muss man wohl feststellen, dass in der Tat in der Folgezeit ein deutlicher Rückgang der Spendenbereitschaften in der Bevölkerung eingetreten ist, der 

00:03:46.488 --> 00:03:53.109
<v Thomas Schwarz>sich dann letztlich ein wenig in den Folgejahren verbessert hat. Das Vorniveau ist glaube ich immer noch nicht ganz erreicht, 

00:03:53.302 --> 00:03:58.643
<v Thomas Schwarz>sodass in der Tat das Vertrauen der Öffentlichkeit in das gesamte System der 

00:03:58.770 --> 00:04:04.388
<v Thomas Schwarz>Organtransplantation in Deutschland durch diesen Skandal, insbesondere aber auch durch andere, gelitten hat.

00:04:04.761 --> 00:04:13.197
<v Sandra Wahle>Wegen dieser Vorfälle wurden ja die Befugnisse der Prüfungskommission gestärkt, deren Vorsitzender Sie sind. Was genau sind denn die Aufgaben der Kommission?

00:04:13.108 --> 00:04:18.786
<v Thomas Schwarz>Ja, unsere Hauptaufgabe ist die Überprüfung von Auffälligkeiten bei der Vermittlung von Organen. 

00:04:18.636 --> 00:04:32.102
<v Thomas Schwarz>Die Zentren führen jeweils Wartelisten, die der Vermittlungsentscheidung durch die niederländische Stiftung Eurotransplant zugrunde liegen, so dass wir dann in der Tat vordringlich die Wartelistenführung und Organvermittlung bei den 

00:04:32.024 --> 00:04:34.247
<v Thomas Schwarz>Zentren überprüfen. Es gibt 

00:04:34.458 --> 00:04:46.596
<v Thomas Schwarz>verdachtsunabhängige Prüfungen, das ist der Regelfall - jedenfalls bei den Organen Herz, Lunge und Leber. Die werden vor Ort geprüft. Die Nieren-Pankreas- und ganz selten Darmtransplantation werden, 

00:04:46.596 --> 00:04:56.222
<v Thomas Schwarz>weil in der Regel unproblematisch, in schriftlichen Verfahren geprüft. Wenn wir mal diese pandemiebedingten Einschränkungen der Vorortprüfung außenvor lassen, sind in einem Dreijahresrhythmus

00:04:56.145 --> 00:04:57.574
<v Thomas Schwarz> flächendeckend 

00:04:57.797 --> 00:05:07.568
<v Thomas Schwarz>knappe 140 Transportationsprogramme in über 40 Zentren deutschlandweit zu prüfen. Wir wählen die einzelnen zu prüfenden Fälle anhand 

00:05:07.760 --> 00:05:17.044
<v Thomas Schwarz>statistischer Kriterien, die auf wissenschaftlicher Grundlage gebildet wurden, aus. Darüber hinaus gibt's verdachtsabhängige Prüfungen im Einzelfall. 

00:05:17.243 --> 00:05:26.346
<v Thomas Schwarz>Eurotransplant, natürlich die Zentren selbst und vor allen Dingen auch Institutionen und Einzelpersonen können Auffälligkeiten melden, die dann zu solchen Einzelfallüberprüfungen führen. 

00:05:26.328 --> 00:05:35.420
<v Thomas Schwarz>Vor allem die unabhängig arbeitende Vertrauensstelle der Transplantationsmedizin nimmt auf vertraulicher Basis auch anonym entsprechende Hinweise entgegen.

00:05:35.817 --> 00:05:42.823
<v Thomas Schwarz>Prüfgruppen, die sich dann sozusagen zu den Zentren begeben, die Vorortprüfungen vornehmen oder in schriftlichen Verfahren prüfen, 

00:05:43.172 --> 00:05:52.587
<v Thomas Schwarz>werden gebildet aus Medizinerinnen und Medizinern, juristischen Sachverständigen, fakultativ teilnehmen können auch Vertreter der jeweiligen Landesministerien. Darüber hinaus 

00:05:52.888 --> 00:06:01.156
<v Thomas Schwarz>wird die Stiftung Eurotransplant ebenfalls einmal im Jahr verdachtsunabhängig beziehungsweise im Einzelfall auch verdachtsabhängig geprüft.

00:06:01.361 --> 00:06:11.600
<v Sandra Wahle>Wenn Sie bei diesen Prüfungen, seien sie verdachtsabhängig oder verdachtsunabhängig, dann Unregelmäßigkeiten oder Fehler entdecken, was hat das dann für Konsequenzen? Also wie gehen Sie dann vor?

00:06:11.691 --> 00:06:21.834
<v Thomas Schwarz>Wenn ein Anlass besteht, dass gegebenenfalls systemische Fehler oder gar Manipulation auftreten, können die Prüfungen auch aufgrund von Entscheidungen im Einzelfall ausgedehnt werden, also über die 

00:06:21.780 --> 00:06:29.477
<v Thomas Schwarz>punktartig benannten Fälle hinaus. Vor allen Dingen werden dann im Weiteren Berichte verfasst, die auch dem 

00:06:29.369 --> 00:06:41.934
<v Thomas Schwarz>jeweiligen Landesministerium, der Landesärztekammer zur Verfügung gestellt werden. Wenn Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten bestehen, werden auch die Strafverfolgungsbehörden gegebenenfalls unterrichtet. Dieses 

00:06:42.049 --> 00:06:50.875
<v Thomas Schwarz>Prüfsystem hat sich in der Vergangenheit, jedenfalls in den letzten Prüfperioden, immer drei-Jahres-Prüfperioden, die in der Regel stehen, insgesamt bewährt.

00:06:50.858 --> 00:06:59.306
<v Sandra Wahle>Wie ist denn seit den Manipulationen von Patientendaten im Jahr 2012 die Sicherheit des Prozesses verbessert worden?

00:06:59.559 --> 00:07:04.564
<v Thomas Schwarz>Die Befugnisse wurden deutlich gestärkt und ein dezidiertes Prüfungssystem wurde implementiert. Die 

00:07:04.961 --> 00:07:13.103
<v Thomas Schwarz>Rechtsgrundlagen für die Prüfung wurden im Transplantationsgesetz 2012 geschaffen in Richtung verdachtsunabhängiger flächendeckender Prüfung. 

00:07:13.236 --> 00:07:21.077
<v Thomas Schwarz>2013 wurde die Manipulation von Patientendaten unter Strafe gestellt im Transplantationsgesetz. Die 

00:07:21.114 --> 00:07:31.467
<v Thomas Schwarz>Vertrauensstelle Transplantationsmedizin wurde eingerichtet und hat damals ihre Arbeit zum damaligen Zeitpunkt, denke ich, auch sehr erfolgreich aufgenommen. Vor allen Dingen 

00:07:31.653 --> 00:07:45.300
<v Thomas Schwarz>wurden aber auch Instrumente geschaffen, um Manipulationen auch im Zentrum intern weitgehend auszuschließen, indem nämlich interdisziplinäre Transplantationskonferenzen zur Vorbereitung der Listungsentscheidung den 

00:07:45.504 --> 00:07:56.206
<v Thomas Schwarz>Zentren vorgeschrieben werden. Insgesamt hat diese ständige Prüfung vor Ort und damit eine permanente Kontrolle der jeweiligen Wartelistenführung durch die Zentren

00:07:56.537 --> 00:08:01.386
<v Thomas Schwarz>eutlichen Verbesserungen insbesondere Hinsicht der Kenntnis und der Umsetzung der 

00:08:01.585 --> 00:08:15.038
<v Thomas Schwarz>Richtlinien für die Organtransplantation und Wartlistenführung geführt. Die Dokumentation der Zentren wurde deutlich verbessert. Die Verfahrensprozeduren konnten aufgrund der Erfahrung, die die Zentren in den Prüfungen gemacht haben, ebenso 

00:08:15.207 --> 00:08:24.220
<v Thomas Schwarz>eine deutliche Verbesserung erfahren. Das Problembewusstsein der Beteiligten wurde deutlich gestärkt und in der gegenwärtigen Prüffallperiode, die die Jahre 

00:08:24.263 --> 00:08:29.935
<v Thomas Schwarz>2016 bis 2018 umfasst, wurde bei keiner der Prüfung 

00:08:29.977 --> 00:08:36.839
<v Thomas Schwarz>Anhaltspunkte für systematische Richtlinienverstöße oder gar bewusste Manipulationen festgestellt. 

00:08:36.852 --> 00:08:47.644
<v Thomas Schwarz>Die Menge, die es immer mal wieder gibt, betrafen entweder individuelle Fehlbehandlungen oder eben organisatorische Unzulänglichkeiten, die dann in der Folgezeit von den Zentren abgestellt 

00:08:47.548 --> 00:08:48.942
<v Thomas Schwarz>werden konnten - 

00:08:48.894 --> 00:08:57.817
<v Thomas Schwarz>jedenfalls so die bisherigen Erfahrungen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre, die durchweg positiv gewesen ist, hat sich damit fortgesetzt und wir gehen davon aus, dass sie auch sich auch 

00:08:57.908 --> 00:09:07.654
<v Thomas Schwarz>weiter fortsetzen wird. Die Prüfungen führen eben zu deutlichen Verbesserungen im gesamten systemischen Ablauf bei den Zentren. 

00:09:07.714 --> 00:09:17.425
<v Thomas Schwarz>Nichts anderes gilt übrigens auch für die Prüfung von Eurotransplant. Mit der Institution wird eng und vertrauensvoll seitens der Prüfungskommission zusammengearbeitet. Die jährlichen Prüfungen 

00:09:17.828 --> 00:09:23.271
<v Thomas Schwarz>dort offenbarten ebenfalls keine gravierenden Mängel im Allokationsprozess.

00:09:23.440 --> 00:09:34.022
<v Sandra Wahle>Ich würde gerne noch einmal den Bogen zu Göttingen spannen. Wäre so eine Manipulation, wie sie 2012 vorgekommen ist, heute noch möglich?

00:09:34.064 --> 00:09:38.817
<v Thomas Schwarz>Manipulationen sind immer möglich. Sie würden nur relativ schnell dann eben entdeckt werden und 

00:09:38.691 --> 00:09:47.608
<v Thomas Schwarz>zu Konsequenzen führen, auch inzwischen ohne juristische Probleme, die damals zu dem Freispruch des Göttinger Arztes geführt hatten. In 

00:09:47.482 --> 00:09:54.374
<v Thomas Schwarz>Folge der Änderung des Transplantationsgesetzes, der Einführung der Strafbarkeit der Wartelistenmanipulation. 

00:09:54.357 --> 00:10:02.156
<v Thomas Schwarz>Ich denke, man kann guten Gewissens zusammenfassend sagen, dass der ganze Prozess um die Organspende in Deutschland seitdem sicher ist und 

00:10:02.054 --> 00:10:07.486
<v Thomas Schwarz>in Folge auch unser ständigen Überprüfung dieses strengen Regimes der Prüfung sicher geworden ist.

00:10:07.523 --> 00:10:13.189
<v Sandra Wahle>Vielen Dank, Herr Schwarz, für diese Erläuterung zu den Aufgaben der Prüfungskommission.

00:10:21.680 --> 00:10:31.847
<v Sandra Wahle>Jetzt kommen wir zu einer weiteren Kommission, nämlich der Überwachungskommission. Auch sie prüft, ob es im Organspendeprozess zu Unregelmäßigkeiten kommt. 

00:10:32.052 --> 00:10:39.178
<v Sandra Wahle>Wir sprechen mit ihrem Vorsitzenden Prof. Dr. Dr.  Hans Lippert. Guten Tag, Herr Prof. Lippert.

00:10:39.034 --> 00:10:40.170
<v Hans Lippert>Ja, schönen guten Tag.

00:10:40.170 --> 00:10:46.888
<v Sandra Wahle>Herr Prof. Lippert, worin unterscheidet sich jetzt die Arbeit der Prüfungskommission von der Arbeit der Überwachungskommission?

00:10:46.714 --> 00:10:56.652
<v Hans Lippert>Ja, die Prüfungskommission kontrolliert, ob die Zuteilung der Organe gerecht erfolgt ist und prüft auch alle Schritte, die unmittelbar mit der Transplantation zu tun haben. Die 

00:10:57.158 --> 00:11:08.316
<v Hans Lippert>Überwachungskommission prüft den ordnungsgemäßen Ablauf der Organspende, der Organentnahme und der Koordinierung von der Entnahme bis zur Übergabe an das Transplantationszentrum.

00:11:09.182 --> 00:11:17.107
<v Hans Lippert>In Deutschland gibt es 1.200 Krankenhäuser, in denen eine Organspende stattfindet. Das ist oft ja ein seltenes Ereignis. 

00:11:17.114 --> 00:11:28.807
<v Hans Lippert>Und um den reibungslosen Ablauf dort zu gewähren, also die Organspende können sie dort meist nicht selber machen und um die Entnahme dann ordentlich zu organisieren, helfen qualifizierte Chirurgen 

00:11:28.898 --> 00:11:38.139
<v Hans Lippert>und die Deutsche Stiftung für Organtransplantation, das ist die Koordinierungsstelle, die die gesamte Organspende sozusagen begleitet und mit organisiert. Und 

00:11:38.284 --> 00:11:43.830
<v Hans Lippert>wir überprüfen die Einhaltung der, auf der Grundlage des Transformationsgesetzes, 

00:11:43.716 --> 00:11:54.682
<v Hans Lippert>vertraglich festgesetzten Verpflichtungen und Aufgaben, insbesondere diese Koordination der Organentnahme und natürlich auch die Qualität der Arbeitsabläufe bis hin zur Transplantation. 

00:11:55.019 --> 00:12:06.550
<v Hans Lippert>Es werden also alle Maßnahmen der Zusammenarbeit von Entnahmekrankenhaus und dem Transplantationszentrum geprüft, ob alles gesetzlich und entsprechend den vorgegebenen Regeln durchgeführt wird. Und 

00:12:06.815 --> 00:12:10.113
<v Hans Lippert>bei Hinweisen prüfen wir natürlich auch, ob 

00:12:10.276 --> 00:12:22.516
<v Hans Lippert>die Untersuchungen zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls korrekt gelaufen sind. Es wird kontrolliert, ob alle Voraussetzungen vorgelegen haben und ob Abweichungen von der Richtlinie da waren und 

00:12:22.679 --> 00:12:25.400
<v Hans Lippert>ob die Dokumentation in allen Bereichen korrekt war.

00:12:25.851 --> 00:12:28.729
<v Sandra Wahle>Wie läuft so eine Prüfung denn konkret ab?

00:12:28.706 --> 00:12:38.608
<v Hans Lippert>rüfung verläuft in verschiedene Richtungen. Das heißt, wir prüfen sämtliche Hinweise, die möglicherweise auf Unregelmäßigkeiten hindeuten. 

00:12:38.819 --> 00:12:45.272
<v Hans Lippert>Da werden entsprechende Dokumentationen angefordert beziehungsweise im Einzelfall besuchen wir auch das jeweilige Zentrum.

00:12:46.102 --> 00:12:57.669
<v Hans Lippert>Andererseits, was vielleicht den größeren Umfang betrifft, wir prüfen die Koordinierungsstelle selbst und konzentrieren uns dabei auf die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen dieser Koordinierungsstelle. 

00:12:58.427 --> 00:13:04.616
<v Hans Lippert>Und das stellen wir mit einem, auch unter Pandemiebedingungen, ausführlichen Fragenkatalog, der 

00:13:04.730 --> 00:13:08.972
<v Hans Lippert>alle einzelnen Aufgabenbereiche der Koordinierungsstelle betrifft. 

00:13:09.495 --> 00:13:15.696
<v Hans Lippert>Und diese schriftlichen Antworten werden dann von der Überwachungskommission geprüft und beraten, 

00:13:16.196 --> 00:13:26.266
<v Hans Lippert>bei offenen Fragen oder Unklarheiten werden die Vertreter der Koordinierungsstelle dann im Rahmen von diesen gemeinsamen Sitzungen der Prüfungs- und Überwachungskommission nochmal befragt. 

00:13:26.916 --> 00:13:31.554
<v Hans Lippert>Über diese Ergebnisse informiert die Überwachungskommission dann in ihrem Jahresbericht und 

00:13:32.065 --> 00:13:38.146
<v Hans Lippert>unter den Nicht-Pandemiebedingungen findet die Visitation vor Ort statt. Das ist natürlich wesentlich leichter. Die 

00:13:38.730 --> 00:13:43.080
<v Hans Lippert>Prüfungen werden dann mit dem selben Fragenkatalog durchgeführt 

00:13:43.194 --> 00:13:49.503
<v Hans Lippert>und mit den Vorständen, den geschäftsführenden Ärzten, aber auch den Mitarbeitern der Koordinierungsstelle dann durchgegangen und 

00:13:49.492 --> 00:13:59.154
<v Hans Lippert>die Vor-Ort-Prüfung hat natürlich den Vorteil, dass man bei Nachfragen, Unklarheiten schneller klären kann, aber im Wesentlichen ging es unter Pandemiebedingungen eigentlich auch ganz gut. Wir 

00:13:59.028 --> 00:14:06.888
<v Hans Lippert>haben also alle diese Fragen gut beantwortet bekommen und, glaube ich, auch sehr umfänglich damit eine Prüfung durchgeführt.

00:14:07.225 --> 00:14:11.731
<v Sandra Wahle>Was für Auffälligkeiten sind Ihnen denn bei ihren Prüfungen schon begegnet?

00:14:11.479 --> 00:14:25.504
<v Hans Lippert>In erster Linie ist es glücklicherweise nichts Schlimmes, sondern es sind meist Dokumentationsprobleme, die wir im Nachgang dann beheben und dort, wo Unregelmäßigkeiten speziell bei den Abläufen entstanden sind, dort prüfen wir natürlich dann, 

00:14:25.390 --> 00:14:35.112
<v Hans Lippert>ob ein spezieller Fehler vorgelegen hat oder ob es einfach nur Organisationsprobleme sind. In der Regel sind es Organisationsprobleme oder Dokumentationsschwierigkeiten.

00:14:35.371 --> 00:14:52.424
<v Sandra Wahle>Sie haben eben erwähnt, dass Sie auch Unregelmäßigkeiten bei der Hirntoddiagnostik prüfen. Das ist ja ein ganz zentraler Punkt bei der Organspende, der ja auch Ängste auslöst bei Menschen. Gab es in den letzten Jahren Fälle, bei denen die Hirntoddiagnostik nicht korrekt durchgeführt wurde?

00:14:52.148 --> 00:15:05.512
<v Hans Lippert>Also wir haben seit 2012 das alles sehr umfänglich überprüft und konnten eigentlich gar keine gravierenden Verstöße feststellen. Wie gesagt, es waren oft Dokumentationsprobleme, die wir im Nachgang dann klären konnten, aber 

00:15:05.765 --> 00:15:14.610
<v Hans Lippert>was vielleicht ganz wichtig ist: die Prüfungen haben ergeben, dass keinem Patienten eine potentiell lebenserhaltende Behandlung vorenthalten wurde. 

00:15:14.935 --> 00:15:24.164
<v Hans Lippert>Was die Prüfung in vielen Einzelfällen auch nochmal nachträglich ergeben haben: bei allen Organspendern ergab die Hirntoddiagnostik den Nachweis, dass 

00:15:24.279 --> 00:15:26.676
<v Hans Lippert>die Hirnfunktion irreversibel 

00:15:26.779 --> 00:15:40.401
<v Hans Lippert>erloschen war. Ich glaube, das ist vielleicht ganz wichtig mitzuteilen, dass es keine Manipulation bei der Hirntoddiagnostik in Deutschland jemals gegeben hat. Jedenfalls für unseren Prüfungszeitraum können wir das definitiv so sagen.

00:15:40.527 --> 00:15:48.465
<v Sandra Wahle>Wie schaffen Sie denn Transparenz für Ihre Arbeit? Also können sich Menschen frei informieren, wenn Sie möchten, dazu was Ihre Prüfung ergeben haben?

00:15:48.273 --> 00:15:57.334
<v Hans Lippert>Alle unsere Prüfungsergebnisse, nur nicht in direkter Form, sondern auch in anonymisierter Form, werden in dem Jahresbericht natürlich aufgeführt.

00:15:57.966 --> 00:16:07.610
<v Hans Lippert>Und wir haben ja jedes Jahr auch eine Konferenz dazu gemacht. Beziehungsweise haben Informationen auf Anfrage auch beantwortet. Also es ist 

00:16:07.712 --> 00:16:10.458
<v Hans Lippert>eine absolute Transparenz gegeben.

00:16:10.260 --> 00:16:18.721
<v Sandra Wahle>Vielen Dank Herr Prof. Lippert für diese Ausführung. Und auch noch mal danke an Herrn Schwarz. Unsere beiden heutigen Gesprächsgäste.

00:16:27.819 --> 00:16:33.906
<v Sandra Wahle>Wir haben gehört, dass der gesamte Organspendeprozess mit den beteiligten Institutionen 

00:16:34.080 --> 00:16:42.228
<v Sandra Wahle>regelmäßig durch die Prüfungs- und die Überwachungskommission kontrolliert wird. Wir hoffen, dass wir Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, 

00:16:42.403 --> 00:16:48.459
<v Sandra Wahle>damit weitere wichtige Informationen für Ihre persönliche Entscheidungsfindung vermitteln konnten. 

00:16:48.832 --> 00:16:55.370
<v Sandra Wahle>Bitte schauen Sie gern auch in die Shownotes dieser Folge. Dort finden Sie dazu weitere Informationen.

00:16:55.875 --> 00:17:08.632
<v Sandra Wahle>In unserer nächsten Episode kommt dann ein Organempfänger zu Wort, der lange auf der Warteliste für ein Spenderherz stand. Er berichtet, was die Wartezeit für ihn und seine Familie bedeutet hat, 

00:17:08.945 --> 00:17:12.940
<v Sandra Wahle>wie heute sein Leben nach der Transplantation aussieht. 

00:17:13.193 --> 00:17:19.995
<v Sandra Wahle>Hören Sie wieder rein. Bekommen Sie einen Einblick, was eine Organspende für Menschen auf der Warteliste bedeutet, 

00:17:20.356 --> 00:17:24.189
<v Sandra Wahle>und finden auch Sie so zu einer Entscheidung für sich selbst.

