WEBVTT

00:00:03.094 --> 00:00:11.170
<v Katharina Willuweit>Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Patientinnen, die sind sehr gut darauf vorbereitet. Die wissen, dass ein Leben ohne Transplantation 

00:00:11.459 --> 00:00:16.350
<v Katharina Willuweit>nicht mehr lange möglich sein wird und sind da sehr klar und strukturiert, haben

00:00:16.669 --> 00:00:22.179
<v Katharina Willuweit>auch keine Angst und auf der anderen Seite haben wir natürlich Patientinnen jeden Alters, junge Patienten,

00:00:22.564 --> 00:00:33.950
<v Katharina Willuweit>lte Patienten - das sind manchmal verschiedene Phasen, die da durchlebt werden von wirklich Verzweiflung und auch großer Angst. Und auch auf der Liste zu sein ist eine sehr anstrengende Phase.

00:00:42.382 --> 00:00:50.313
<v Sandra Wahle>In der letzten Episode unseres Podcasts zur Organspende haben wir die Aufgaben der Organvermittlungsstelle Eurotransplant kennengelernt. 

00:00:51.077 --> 00:01:03.876
<v Sandra Wahle>Dabei haben wir gehört, nach welchen Kriterien Organe in den acht Ländern, die zum Verbund gehören, verteilt werden. Doch nur, wer auf eine Warteliste kommt, kann bei der Verteilung berücksichtigt werden. 

00:01:04.393 --> 00:01:11.621
<v Sandra Wahle>Im August 2021 standen knapp 8.700 Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten. Dem 

00:01:12.235 --> 00:01:19.463
<v Sandra Wahle>gegenüber wurden von Januar bis August im gleichen Jahr nur 1.490 Organe gespendet. 

00:01:20.575 --> 00:01:31.013
<v Sandra Wahle>Welcher Mensch auf der Warteliste ein Organ bekommt, ermittelt Eurotransplant vor allem anhand der Erfolgsaussicht und der Dringlichkeit einer Transplantation. 

00:01:31.800 --> 00:01:37.148
<v Sandra Wahle>Doch wie schwer muss ein Mensch erkrankt sein, um einen Platz auf der Warteliste zu bekommen? 

00:01:37.803 --> 00:01:45.579
<v Sandra Wahle>Wie wird eingeordnet, wie dringlich jemand ein Spenderorgan benötigt und wie viele Wartelisten gibt es überhaupt? 

00:01:46.456 --> 00:01:56.155
<v Sandra Wahle>Diese Fragen stehen im Zentrum der heutigen Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:01:56.708 --> 00:02:05.661
<v Sandra Wahle>Damit herzlich willkommen. Mein Name ist Sandra Wahle. Ich begleite Sie auch durch diese Podcast-Episode und freue mich, dass Sie mit dabei sind.

00:02:11.316 --> 00:02:20.377
<v Sandra Wahle>Als Expertin zum Thema Warteliste begrüße ich die Transplantationsmedizinerin Dr. Katharina Willuweit vom Universitätsklinikum Essen.

00:02:20.462 --> 00:02:22.414
<v Sandra Wahle>Guten Tag, Frau Dr. Willuweit.

00:02:22.150 --> 00:02:24.992
<v Katharina Willuweit>Schönen guten Tag, Frau Wahle, und herzlichen Dank für die Einladung.

00:02:25.017 --> 00:02:33.886
<v Sandra Wahle>Sehr gerne. Frau Willuweit, auf so eine Warteliste kommt man ja nicht ohne Grund. Wann genau kommt ein Mensch denn auf die Warteliste für ein Spenderorgan?

00:02:33.736 --> 00:02:39.101
<v Katharina Willuweit>Ja, das ist richtig. Man kommt nicht ohne Grund auf die Warteliste. Es kommen Menschen auf die Warteliste, bei 

00:02:39.396 --> 00:02:44.083
<v Katharina Willuweit>denen das jeweilige Organ nicht mehr funktioniert oder nicht funktionieren wird. 

00:02:44.480 --> 00:02:50.404
<v Katharina Willuweit>Das heißt, dass das Leben eingeschränkt sein kann durch die Dysfunktion des Organs 

00:02:50.621 --> 00:02:57.892
<v Katharina Willuweit>oder auch, dass das Überleben gefährdet sein kann und da kann eben die Transplantation oder sollte die Transplantation 

00:02:58.121 --> 00:03:03.228
<v Katharina Willuweit>zu einer Verbesserung der Lebensqualität oder auch zu einer Verlängerung des Lebens führen. 

00:03:03.529 --> 00:03:11.460
<v Katharina Willuweit>Diese PatientInnen, die können wir evaluieren - so nennt man das - und untersuchen, ob sie für eine Transplantation eben in Frage kommen. 

00:03:11.731 --> 00:03:20.552
<v Katharina Willuweit>Das ist ein sehr komplexer Prozess oder es ist eine schwierige Frage, wer auf die Liste kommt, die ich ein bisschen vereinfacht versuche zu beantworten.

00:03:20.871 --> 00:03:31.428
<v Katharina Willuweit>Es kann Umstände geben, die den Erfolg einer Transplantation in Frage stellen und das kann eben verhindern, dass man auch auf die Liste kommt. Das können zum Beispiel Probleme sein, 

00:03:31.651 --> 00:03:36.843
<v Katharina Willuweit>die dem Operateur bereitstehen, dass man einfach anatomisch bei der Operation 

00:03:36.999 --> 00:03:49.233
<v Katharina Willuweit>nicht die Möglichkeit hat die Transplantation durchzuführen. Das kann man oft im Vorhinein schon durch Untersuchungen herausfinden und wir müssen auch daran denken, dass PatientInnen die transplantiert werden, 

00:03:49.426 --> 00:03:53.860
<v Katharina Willuweit>danach kein, in Anführungsstrichen, normales Leben führen können, sondern 

00:03:54.065 --> 00:04:00.152
<v Katharina Willuweit>oft ein Leben lang Medikamente nehmen müssen, die das Immunsystem unterdrücken, damit 

00:04:00.393 --> 00:04:04.142
<v Katharina Willuweit>Körper das Spenderorgan nicht als fremd erkennt. 

00:04:04.449 --> 00:04:16.094
<v Katharina Willuweit>Diese Medikamente wiederum können Erkrankungen verschlimmern, die der Patient schon hat. Infektionskrankheiten oder auch bösartige Erkrankungen. Und das muss eben im Vorhinein ausgeschlossen werden. 

00:04:16.166 --> 00:04:19.639
<v Katharina Willuweit>Und ein weiterer wichtiger Faktor, den ich erwähnen möchte, der 

00:04:19.856 --> 00:04:28.503
<v Katharina Willuweit>wichtig ist für PatientInnen, um auf die Liste zu kommen, ist die sogenannte Compliance. Das ist die Mitarbeit des Patienten, ganz einfach gesagt. Diese 

00:04:28.912 --> 00:04:41.212
<v Katharina Willuweit>muss auch gegeben sein. Ein Patient, der nicht transplantiert werden möchte oder bei dem langfristig die Mitarbeit nicht gewährleistet ist, bei dem kann es Abhaltungen geben bezüglich einer Transplantation.

00:04:41.392 --> 00:04:48.771
<v Sandra Wahle>Also das heißt, dass es auch eine ganz zentrale Rolle spielt, wie erfolgreich eine Transplantation voraussichtlich sein kann.

00:04:48.784 --> 00:04:58.981
<v Katharina Willuweit>Das ist ein sehr wichtiger Faktor bei der Entscheidung, ob jemand auf die Warteliste kommt für ein Spenderorgan: ob es nach der Transplantation ganz einfach besser ist als vor der Transplantation.

00:04:59.426 --> 00:05:01.889
<v Sandra Wahle>Wer führt denn eigentlich diese Wartelisten?

00:05:01.961 --> 00:05:14.310
<v Katharina Willuweit>Die Wartelisten für die Spenderorgane führt jedes Transplantationszentrum für jedes Organ. Und es wird dann komplizierter, weil es entscheidet nicht das Transplantationszentrum über eine Transplantation, sondern d

00:05:14.454 --> 00:05:23.263
<v Katharina Willuweit>as macht eine Stiftung. Das ist Eurotransplant, die in den Niederlanden, in Leiden, zentral die Wartelisten für jedes Organ wiederum führt und 

00:05:23.438 --> 00:05:27.548
<v Katharina Willuweit>eben die Organe auch in acht europäischen Ländern vermittelt.

00:05:27.632 --> 00:05:36.345
<v Sandra Wahle>Sie sind ja jetzt an der Uniklinik in Essen tätig. Können Sie vielleicht mal ganz einfach schildern, wie bei Ihnen entschieden wird, wer auf die Warteliste kommt?

00:05:36.255 --> 00:05:41.441
<v Katharina Willuweit>Die Entscheidung über die Aufnahme auf die Warteliste trifft eine Transplantationskonferenz. 

00:05:41.615 --> 00:05:47.690
<v Katharina Willuweit>Hier kommen einige Fachpersonen zusammen. Das sind mindestens zwei beteiligte Abteilungen, also 

00:05:47.684 --> 00:05:54.582
<v Katharina Willuweit>oft ist das die Allgemein- und Transplantationschirurgie und ich mach's jetzt mal konkret im Beispiel der Leber, weil das mein Spezialgebiet ist: eine 

00:05:54.589 --> 00:06:04.377
<v Katharina Willuweit>Kollegin oder Kollege aus der Gastroenterologie und Hepatologie und ein weiterer unabhängiger Vertreter. In der Realität sind dann noch Kollegen aus der Radiologie dabei, weil 

00:06:04.450 --> 00:06:09.557
<v Katharina Willuweit>man eben alles über den Patienten erfahren muss. Es werden CT oder MRT-Bilder gezeigt 

00:06:09.401 --> 00:06:20.560
<v Katharina Willuweit>und der Patient wird sehr ausführlich besprochen. Oft sind auch noch Kollegen aus der Psychosomatik dabei, weil eben die sogenannte Compliance, die ich schon angesprochen hatte, auch begutachtet wird. Dieses 

00:06:20.554 --> 00:06:31.436
<v Katharina Willuweit>Gremium entscheidet über die Indikation zur Transplantation, also ob die Transplantation notwendig ist und dafür gibt es Richtlinien anhand derer man die Entscheidung treffen kann.

00:06:31.683 --> 00:06:38.701
<v Sandra Wahle>Inwiefern ist bei diesem Prozess, also bei der konkreten Aufnahme auf die Warteliste, dann auch der Patient selbst beteiligt?

00:06:38.942 --> 00:06:44.662
<v Katharina Willuweit>tient selbst spielt eine zentrale Rolle. Er ist selber bei der Transplantationskonferenz 

00:06:44.741 --> 00:06:51.248
<v Katharina Willuweit>nicht dabei, aber wir sprechen natürlich im Vorhinein mit dem Patienten und man muss mehrere Gespräche führen. 

00:06:51.050 --> 00:07:08.127
<v Katharina Willuweit>Bei den Patienten die Gespräche über, sage ich mal, die Erkrankung des Organs bis dahin, ob der Patient den Weg einer Transplantation für sich als Möglichkeit sieht und ob wir Ärzte den Weg als Möglichkeit sehen. Das erfordert oft einige Gespräche und der Patient muss diesen Weg auch gehen wollen.

00:07:08.188 --> 00:07:13.596
<v Sandra Wahle>Und was passiert, wenn Sie merken in den Vorgesprächen, dass der Patient diesen Weg vielleicht nicht gehen möchte?

00:07:13.296 --> 00:07:17.123
<v Katharina Willuweit>Das ist schwierig, aber man kommt in diese Situation. Wir können 

00:07:16.895 --> 00:07:28.955
<v Katharina Willuweit>dem Patienten beratend zur Seite stehen. Wir können auch KollegInnen aus der psychosomatischen Klinik dazu bitten, um mit dem Patienten Gespräche zu führen, Aufklärung zu leisten und auch Perspektiven aufzumalen. 

00:07:28.877 --> 00:07:31.527
<v Katharina Willuweit>Es gibt aber auch die Situation, dass 

00:07:31.497 --> 00:07:42.475
<v Katharina Willuweit>man eben keine Transplantation anbieten kann oder dass der Patient das einfach nicht für sich als Möglichkeit sieht und dann können wir im Zweifel nur Komplikationen der Erkrankung behandeln.

00:07:42.434 --> 00:07:46.543
<v Sandra Wahle>Wie erleben Sie die Patientinnen und Patienten in solchen Gesprächen?

00:07:46.412 --> 00:07:54.487
<v Katharina Willuweit>Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt PatientInnen, die sind sehr gut darauf vorbereitet. Die wissen, dass ein Leben ohne Transplantation 

00:07:54.776 --> 00:08:07.227
<v Katharina Willuweit>nicht mehr lange möglich sein wird und sind da sehr klar und strukturiert, haben auch keine Angst und auf der anderen Seite haben wir natürlich PatientInnen jeden Alters, junge Patienten alte Patienten. 

00:08:07.239 --> 00:08:16.421
<v Katharina Willuweit>Das sind manchmal verschiedene Phasen, die da durchlebt werden von wirklicher Verzweiflung und auch großer Angst und auch auf der Liste zu sein ist eine sehr anstrengende 

00:08:16.523 --> 00:08:24.935
<v Katharina Willuweit>Phase für Patienten, die ein Telefon mit sich tragen, was jederzeit klingeln kann. Und oft ist auch eine gewisse Angst natürlich vor dem Eingriff 

00:08:25.080 --> 00:08:29.929
<v Katharina Willuweit>an sich da: "Werde ich das schaffen? Werde ich das überleben und wie geht das Leben danach weiter?"

00:08:30.038 --> 00:08:37.098
<v Sandra Wahle>Gibt es für Patientinnen und Patienten denn auch irgendeine Möglichkeit, ein Organ zu bekommen, ohne auf dieser Liste zu stehen?

00:08:37.279 --> 00:08:49.549
<v Katharina Willuweit>Nein, also das gibt es nicht. Wir haben in Deutschland ein Transplantationsgesetz und Richtlinien der Bundesärztekammer und die Aufnahme auf die Warteliste. Die Vermittlung von Organen, die ist dadurch hoch reglementiert und wird auch 

00:08:49.597 --> 00:08:57.523
<v Katharina Willuweit>geprüft. Es gibt Überwachungskommissionen und dieser Prozess ist transparent und die Sicherheit ist da sehr gewährleistet.

00:08:57.475 --> 00:09:01.440
<v Sandra Wahle>Kann sich die Position von Wartenden auf der Liste denn verändern?

00:09:01.411 --> 00:09:14.769
<v Katharina Willuweit>Ja, die Position kann sich verändern. Das ist unterschiedlich von Organ zu Organ. Wir reden zwar immer von Wartelisten und im vereinfachten Sinne trifft das auch zu - für Organe zum Beispiel wie die Niere, 

00:09:15.021 --> 00:09:19.522
<v Katharina Willuweit>die Bauchspeicheldrüse. Ganz vereinfacht: man wartet und wartet und wartet, für 

00:09:19.684 --> 00:09:32.165
<v Katharina Willuweit>die Niere gibt es ein Ersatzverfahren - die Dialyse, die sogenannte Blutwäsche - und irgendwann rutscht man höher in der Liste und dann kommt es zu dem Zeitpunkt, dass ein Organ vermittelt wird. Das kann Jahre dauern. Für O

00:09:32.472 --> 00:09:42.849
<v Katharina Willuweit>rgane wie das Herz oder die Leber gibt es keine adäquaten Überbrückungssysteme, mit denen man jahrelang warten kann, weswegen die 

00:09:43.234 --> 00:09:48.486
<v Katharina Willuweit>Warteliste der Leber zum Beispiel eher eine sogenannte Dringlichkeitsliste ist. Hier rutscht 

00:09:48.744 --> 00:10:00.371
<v Katharina Willuweit>man hoch anhand bestimmter Scores, die aus Laborwerten berechnet werden, und man kann vereinfacht sagen: je schlechter es einem Patienten geht,

00:10:00.811 --> 00:10:07.540
<v Katharina Willuweit>as wird durch die Laborwette widergespiegelt, desto höher ist auch sein Score und desto höher kommt er in der Liste. 

00:10:07.865 --> 00:10:18.453
<v Katharina Willuweit>Es gibt hier von Ausnahmen, muss man sagen. Es gibt immer Patienten, Krankheitsbilder, Situationen, die sich nicht durch Laborwerte abbilden lassen. 

00:10:18.730 --> 00:10:26.126
<v Katharina Willuweit>Hier muss man individuell, und so ist die Medizin und so ist auch die Transplantationsmedizin, die Situation der Patienten einschätzen und 

00:10:26.367 --> 00:10:32.256
<v Katharina Willuweit>hier kann man auch mit Hilfe von Gremien oder auch Ausnahmeregelungen reagieren.

00:10:32.508 --> 00:10:40.530
<v Sandra Wahle>Kommt das auch schon mal vor, dass bei Ihnen vielleicht nicht ganz klar ist oder dass Sie sich unsicher sind, ob jemand auf die Warteliste kommen soll oder nicht?

00:10:40.699 --> 00:10:50.385
<v Katharina Willuweit>Ja, das kommt vor. Also ich habe Ihnen ja schon gesagt: es gibt diese Kriterien, es gibt Richtlinien der Bundesärztekammer, die sind sehr klar und da kann man sich dran entlanghangeln. Aber die 

00:10:50.944 --> 00:10:58.503
<v Katharina Willuweit>Medizin und die Patienten sind eben sehr individuell und so sind es auch die Krankheitsbilder und es gibt eben doch Fälle, die 

00:10:58.930 --> 00:11:04.861
<v Katharina Willuweit>man nicht einsortieren kann und es gibt auch manchmal soziale Probleme, ethische Probleme, 

00:11:04.789 --> 00:11:11.188
<v Katharina Willuweit>eben auch wie ich sagte mal Krankheitsbilder, die sich nicht so ganz abbilden lassen auf die Warteliste. Hier 

00:11:11.315 --> 00:11:20.268
<v Katharina Willuweit>kann man ein Expertenkonsil einholen. Es gibt beratende Ethikkommissionen. Alles von der Bundesärztekammer und die können hierzu Stellung nehmen.

00:11:20.479 --> 00:11:26.890
<v Sandra Wahle>Können Sie da vielleicht spontan mal ein Beispiel nennen, wann so eine oder wie so eine unklare Situation aussehen könnte?

00:11:26.879 --> 00:11:37.490
<v Katharina Willuweit>Es ist zum Beispiel so - das ist jetzt relativ einfach, weil dafür gibt es eine Regelung - dass wir Lebererkrankungen haben von autoimmuner Genese. Das heißt, wo der Körper gegen das 

00:11:37.833 --> 00:11:52.056
<v Katharina Willuweit>Organ kämpft und das Organ auch letztendlich zerstört. Patienten, die ganz oft Infektionen und Fieber bekommen, die können ja tatsächlich irgendwann lebensbedrohlich werden, wenn auch der Patient nicht mehr in einem guten Zustand ist. 

00:11:51.978 --> 00:11:57.969
<v Katharina Willuweit>Eine Erkrankung zum Beispiel, die nennt sich primär sklerosierende Cholangitis, eine autoimmune Lebererkrankung. Diese 

00:11:58.210 --> 00:12:09.981
<v Katharina Willuweit>Patienten sind schwer krank, oft auch über viele Jahre und auch gezeichnet durch diese Erkrankung. Die Laborwerte, und so funktioniert eben die Liste, der Leber spiegeln aber hier nicht die Erkrankung wider. 

00:12:10.360 --> 00:12:18.748
<v Katharina Willuweit>Diese PatientInnen können einen sogenannten Ausnahme-MELD, ein Exceptional-MELD, erhalten, indem sie Punkte sammeln. 

00:12:19.133 --> 00:12:29.426
<v Katharina Willuweit>Das trifft auch zu für Patienten mit bösartigen Lebertumoren. Auch bei diesen Patienten, unter bestimmten Umständen, das ein sehr komplexes Krankheitsbild, 

00:12:29.361 --> 00:12:36.601
<v Katharina Willuweit>sind hier die Laborwerte und damit die Höhe auf der Liste eben gering. Auch diese Patienten 

00:12:36.608 --> 00:12:42.622
<v Katharina Willuweit>können unter bestimmten Umständen einen höheren Score erhalten als der Laborwert widerspiegelt.

00:12:42.845 --> 00:12:53.024
<v Sandra Wahle>Viele Menschen, die stehen ja jahrelang auf der Warteliste und warten eben auf ein Organ. Mal ganz praktisch für den Alltag gefragt: kann so ein Mensch dann zum Beispiel in den Urlaub fahren?

00:12:53.295 --> 00:13:03.396
<v Katharina Willuweit>Ja und nein. Man kann in den Urlaub fahren, wenn man auf einer Warteliste ist und sich in einem Zustand befindet, in dem man in den Urlaub fahren möchte. 

00:13:03.396 --> 00:13:11.466
<v Katharina Willuweit>Wenn man Urlaub macht und sich von dem Transplantationszentrum wirklich kilometerweit entfernt und es nicht mehr erreichen kann, 

00:13:11.893 --> 00:13:13.455
<v Katharina Willuweit>muss man sich melden beim 

00:13:13.413 --> 00:13:27.492
<v Katharina Willuweit>Transplantationszentrum. Und die werden bei Eurotransplant einen auch melden, dass man grade nicht transplantiert werden kann. Die können vielleicht erreicht werden als Patient, aber können eben das Transplantationszentrum nicht in ausreichender Zeit erreichen. 

00:13:27.523 --> 00:13:33.934
<v Katharina Willuweit>Das müssen Sie melden und Sie melden sich auch wieder, wenn Sie eben wieder erreichbar sind. Wer auf der Warteliste steht, 

00:13:33.784 --> 00:13:43.464
<v Katharina Willuweit>muss prinzipiell 24 Stunden für das Transplantationszentrum erreichbar sein. Organe können nicht warten. Es kann passieren, dass wenn man nicht erreichbar ist,

00:13:43.350 --> 00:13:45.405
<v Katharina Willuweit>eben der Nächste angerufen wird.

00:13:45.646 --> 00:13:59.923
<v Sandra Wahle>Also das heißt ganz konkret: wenn ein Mensch, der auf der Warteliste steht, grade im Urlaub ist und es ist in der Zeit potenziell auf einmal ein Organ da für ihn, dann hat er im Prinzip Pech gehabt und die nächste Person auf der Warteliste wird dann angerufen?

00:13:59.996 --> 00:14:11.479
<v Katharina Willuweit>So kann man das sagen. Allerdings sprechen wir ja als Transplantationsmediziner mit unseren Patienten und würden in gewissen Situationen natürlich keine Entfernung vom Transplantationszentrum empfehlen.

00:14:11.521 --> 00:14:22.283
<v Sandra Wahle>Dr. Katharina Willuweit hat uns erklärt, wann ein Mensch auf eine Warteliste für eine Organspende kommen kann und wie diese Wartelisten geführt werden. Vielen Dank, Frau Dr. Willuweit.

00:14:32.054 --> 00:14:40.737
<v Sandra Wahle>Wir haben für Sie außerdem weitere Informationen in unseren Shownotes verlinkt. In unserer nächsten Podcast-Folge geht es weiter. 

00:14:41.056 --> 00:14:54.005
<v Sandra Wahle>Wir sprechen dann darüber, wie die Hirntoddiagnostik, der Prozess der Organspende und die Organverteilung geprüft und kontrolliert werden. Hören Sie gern wieder rein und bleiben Sie dran.

