WEBVTT

00:00:03.058 --> 00:00:04.518
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Das sind immer sehr 

00:00:04.807 --> 00:00:17.516
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>emotionale Momente, wenn so ein Brief bei einer Familie ankommt. Und aus meiner Sicht schließt sich dann auch der Kreis, weil das ist das Schönste, was wir dieser Familie zurückgeben können für ihr 

00:00:17.732 --> 00:00:27.803
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Geschenk - was natürlich der Spender gemacht hat - aber auch die Familie stand hinter der Organspende. Also etwas, was der Organempfänger zurückgeben kann.

00:00:35.796 --> 00:00:41.852
<v Sandra Wahle>Die Organspende ist ein streng geregelter Prozess mit klaren Abläufen und Zuständigkeiten. 

00:00:42.087 --> 00:00:49.196
<v Sandra Wahle>Dadurch wird sichergestellt, dass Organe nur dann entnommen werden, wenn der oder die Verstorbene dem zugestimmt hat.

00:00:49.352 --> 00:00:57.266
<v Sandra Wahle>Gleichzeitig ist es jedoch auch wichtig, dass die Spenderorgane dann möglichst unbeschadet entnommen werden und zu den Empfängern gelangen.

00:00:57.633 --> 00:01:11.826
<v Sandra Wahle>Das muss schnell gehen, damit die Organe ohne Durchblutung nicht geschädigt werden. Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:01:12.355 --> 00:01:16.447
<v Sandra Wahle>Ich bin Sandra Wahle und begleite Sie auch durch diese neue Folge.

00:01:18.556 --> 00:01:24.787
<v Sandra Wahle>In der heutigen Episode geht es um die Deutsche Stiftung Organtransplantation, kurz DSO. 

00:01:25.058 --> 00:01:39.023
<v Sandra Wahle>Sie ist die Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende in Deutschland und sorgt für einen reibungslosen Ablauf des Organspendeprozesses bis hin zum Transport der Spenderorgane in die Transplantationszentren. 

00:01:39.227 --> 00:01:47.544
<v Sandra Wahle>Dazu begrüßen wir Dr. Ingo Meisenburg, Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Guten Tag, Herr Dr. Meisenburg.

00:01:47.442 --> 00:01:49.046
<v Ingo Meisenburg>Frau Wahle, guten Tag, ich grüße Sie.

00:01:49.425 --> 00:01:55.716
<v Sandra Wahle> Meisenburg, was genau sind die Aufgaben der DSO in diesem ganzen Prozess der Transplantation?

00:01:56.756 --> 00:02:05.072
<v Ingo Meisenburg>Man muss den Transplantationsprozess als eine große Gemeinschaftsaufgabe von vielen Partnern erstmal sehen. Da 

00:02:05.253 --> 00:02:15.768
<v Ingo Meisenburg>gibt es einen großen Block, der in den Spenderkrankenhäusern selber stattfindet. Dann gibt es einen wichtigen Block, in dem die Organe vermittelt werden. Und 

00:02:15.660 --> 00:02:24.602
<v Ingo Meisenburg>dann gibt es einen wichtigen Block, in dem die Organe transportiert und in den Empfängerkrankenhäusern, wo die Patienten sind, die auf diese Organe warten, übertragen werden. Sie müssen 

00:02:25.059 --> 00:02:34.649
<v Ingo Meisenburg>letztens Endes zusammenarbeiten und die DSO ist die Schnittstelle zwischen all diesen Partnern und übernimmt nicht nur die 

00:02:34.745 --> 00:02:42.641
<v Ingo Meisenburg>Betreuung der einzelnen Partner während des Organspendeprozesses, sondern ganz wichtig auch die Kommunikation und die Planung der Zusammenarbeit.

00:02:43.188 --> 00:02:55.061
<v Sandra Wahle>Wir haben jetzt so ganz allgemein von der DSO gesprochen, aber Sie selbst sind ja auch Koordinator. Können Sie vielleicht mal beispielhaft erklären, wann genau Sie zum Einsatz kommen und vielleicht auch wie so ein Einsatz denn abläuft?

00:02:54.960 --> 00:03:00.428
<v Ingo Meisenburg>Ja, es gibt unterschiedliche Szenarien, in denen wir kontaktiert werden, 

00:03:00.464 --> 00:03:06.773
<v Ingo Meisenburg>Es gibt erst mal ein ganz allgemeines Szenario, in dem uns ein Krankenhaus kontaktiert, wenn es 

00:03:06.750 --> 00:03:17.632
<v Ingo Meisenburg>Fragen zur Organspende hat oder Fragen in einem ganz konkreten Fall, ob überhaupt eine Organspende möglich wäre und was dazu benötigt wird. Dann 

00:03:17.830 --> 00:03:21.646
<v Ingo Meisenburg>gibt es ein anderes Szenario, in dem ein Patient 

00:03:21.694 --> 00:03:28.304
<v Ingo Meisenburg>in einem Krankenhaus liegt, bei dem eine Hirnfunktionsdiagnostik vorgenommen werden soll. Diese Hirn

00:03:28.647 --> 00:03:37.852
<v Ingo Meisenburg>funktionsdiagnostik ist, wenn sie einen kompletten unwiederbringlichen Hirnfunktionsausfall zeigt, einer der Grundsteine einer Organspende. Die 

00:03:38.237 --> 00:03:46.752
<v Ingo Meisenburg>unterstützen wir darüber hinaus auch noch mit Bereitstellung von Ärzteteams, die das Krankenhaus in dieser Diagnostik unterstützen können, 

00:03:46.800 --> 00:03:52.196
<v Ingo Meisenburg>weil es einige Krankenhäuser gibt, die eben die personellen Voraussetzungen und Möglichkeiten einfach nicht haben.

00:03:52.635 --> 00:04:03.294
<v Ingo Meisenburg>Und wenn dann dieser Hirnfunktionsausfall festgestellt wird, dann wird es für uns akut arbeitsam, weil dann ist es für uns Zeit eben in die Kliniken zu fahren. 

00:04:03.409 --> 00:04:15.313
<v Ingo Meisenburg>Wenn es eine Zustimmung zur Organspende gibt, dann fahren wir in die Kliniken und unterstützen die Kollegen vor Ort in den Kliniken eben in all den Untersuchungen und 

00:04:15.211 --> 00:04:24.915
<v Ingo Meisenburg>Tests, die sie machen müssen, um zu gucken, welche Organe überhaupt einer Transplantation zugänglich wären. Da ist es einerseits notwendig, 

00:04:24.946 --> 00:04:31.381
<v Ingo Meisenburg>bestimmte Blutproben eben abzunehmen, die wir in speziellen Laboren untersuchen lassen, 

00:04:31.393 --> 00:04:44.475
<v Ingo Meisenburg>und auch spezielle Untersuchungen zu machen, um eben zu gucken, ob es eine mögliche Tumorerkrankung des Patienten gibt oder Infektionskrankheiten, die mit so einer Organspende eben auf keinen Fall mit transplantiert werden dürfen. 

00:04:44.619 --> 00:04:54.396
<v Ingo Meisenburg>Und dafür fahren wir in die Klinik, um die Kollegen eben da zu beraten. Denn was man nicht unterschätzen darf: es gibt viele Krankenhäuser, in denen eine Organspende 

00:04:54.606 --> 00:05:01.210
<v Ingo Meisenburg>äußerst selten vorkommt - so wie die Organspende allgemein ein seltenes Ereignis für viele Krankenhäuser ist.

00:05:01.709 --> 00:05:08.655
<v Sandra Wahle>Sie sind dann also im Krankenhaus. Sie beraten bei diesen Untersuchungen beziehungsweise veranlassen die Untersuchungen. 

00:05:08.950 --> 00:05:19.586
<v Sandra Wahle>Wie kann man sich das dann vorstellen? Also wie kommt das Organ, das in dem Krankenhaus, in dem sie sind, entnommen wird, zu einem Empfänger? Was ist da der nächste Schritt?

00:05:20.518 --> 00:05:30.053
<v Ingo Meisenburg>Wenn wir all diese Daten gesammelt haben, werden die in ein Computersystem, in ein Programm, eingegeben, das diese ganzen Daten dann an 

00:05:30.108 --> 00:05:35.450
<v Ingo Meisenburg>eine weitere Stelle, nämlich Eurotransplant, übermittelt. 

00:05:35.372 --> 00:05:44.776
<v Ingo Meisenburg>Eurotransplant führt die Wartelisten, wo alle potenziellen Organempfänger gelistet sind und gleicht mit diesen 

00:05:44.740 --> 00:05:53.236
<v Ingo Meisenburg>Daten, die wir übermitteln, eben ab, welcher ein möglicher Empfänger ist, der oben auf der Warteliste steht und das Organ-Angebot bekommen soll. Es

00:05:53.369 --> 00:05:57.154
<v Ingo Meisenburg> ist eine der Grundvoraussetzungen, dass wir wissen müssen, 

00:05:57.311 --> 00:06:08.067
<v Ingo Meisenburg>wo ein Organ hingeht. Denn dann können wir die Operation selber und die Entnahmeoperation planen und auch schon mal im Vorhinein die möglichen 

00:06:08.169 --> 00:06:10.969
<v Ingo Meisenburg>Transportmittel- und Transportwege planen.

00:06:11.180 --> 00:06:24.700
<v Sandra Wahle>Sie haben die Transportwege angesprochen. Wie, also ganz praktisch, kommt das Organ dann von dem Entnahmekrankenhaus zum Organempfänger in dem jeweiligen Transplantationszentrum? Also wie läuft dieser Transport konkret ab?

00:06:25.181 --> 00:06:30.979
<v Ingo Meisenburg>Das ist eigentlich ganz einfach. Es gibt Autos, mit denen wir die Organe transportieren. 

00:06:31.220 --> 00:06:45.563
<v Ingo Meisenburg>Es gibt die Möglichkeit die mit dem Flugzeug zu fliegen - gerade die zeitkritischen Organen wie Lunge, Leber und Herz werden gerne mit dem Flugzeug transportiert, auch mit Linienflügen. Oder eben auch mit einem Kurier der Deutschen Bahn. Eine 

00:06:45.438 --> 00:06:49.950
<v Ingo Meisenburg>Direktverbindung ist ein gutes, eingespieltes, probates Transportmittel.

00:06:50.341 --> 00:07:03.284
<v Sandra Wahle>Also im Transplantationszentrum kommt es dann später also zur Transplantation. Aber bleiben wir nochmal kurz bei dem Krankenhaus, wo sie jetzt waren. Also wo dem Verstorbenen Organe entnommen wurden. Was passiert da dann mit dem Leichnam?

00:07:03.465 --> 00:07:05.393
<v Ingo Meisenburg>Man 

00:07:05.466 --> 00:07:17.129
<v Ingo Meisenburg>muss sich vorstellen, so eine Entnahmeoperation wird durchgeführt, wie eine ganz normale Operation in jedem Krankenhaus auch. Das heißt also, es werden unter wirklich sterilen Bedingungen von 

00:07:17.063 --> 00:07:23.763
<v Ingo Meisenburg>ausgebildeten und erfahrenen Chirurgen diese Organe im Operationssaal entnommen. Der 

00:07:24.262 --> 00:07:31.335
<v Ingo Meisenburg>Leichnam, nachdem die Organe entnommen worden sind, wird ganz normal verschlossen und verbunden und 

00:07:31.275 --> 00:07:44.536
<v Ingo Meisenburg>nach der Entnahme gesäubert. Das ist auch ganz wichtig, weil man muss unbedingt dieses große Geschenk, was dieser Mensch gegeben hat, mit höchster Priorität und höchstem Anstand behandeln. Und da achten wir auch alle drauf, dass das wirklich bis zuletzt gegeben 

00:07:44.477 --> 00:07:48.034
<v Ingo Meisenburg>ist, denn mitunter möchten die Angehörigen 

00:07:48.323 --> 00:07:54.968
<v Ingo Meisenburg>noch die Möglichkeit wahrnehmen, sich nach der Entnahme von ihrem verstorbenen Angehörigen zu verabschieden im Krankenhaus.

00:07:55.293 --> 00:08:02.155
<v Sandra Wahle>Das heißt, die Angst, dass der Leichnam dann entstellt ist oder entstellt sein könnte, ist unbegründet.

00:08:03.033 --> 00:08:14.426
<v Ingo Meisenburg>unbegründet. Uns ist ein wirklich pietätvoller Umgang mit dem Spenderleichnam äußerst wichtig und das sind wir dem Verstorbenen und den Angehörigen auch schuldig.

00:08:14.504 --> 00:08:23.163
<v Sandra Wahle>Sie haben ja jetzt eine ganze Reihe an Aufgaben beschrieben, die Sie übernehmen in diesem Prozess. Kann diese Aufgaben jeder Arzt oder jede Ärztin übernehmen?

00:08:23.842 --> 00:08:26.960
<v Ingo Meisenburg>Nein, jeder Arzt und jede Ärztin kann es nicht übernehmen. 

00:08:27.502 --> 00:08:38.660
<v Ingo Meisenburg>Es ist wichtig für die Arbeit bei der DSO, als Arzt, Ärztin oder auch als Pfleger und Krankenschwester ein fundiertes Wissen der Intensivtherapie eben zu haben.

00:08:39.328 --> 00:08:45.078
<v Ingo Meisenburg>Wir werden häufig konfrontiert mit Fragen über die Behandlung von Organspendern, die 

00:08:44.970 --> 00:08:55.900
<v Ingo Meisenburg>im Krankenhaus einfach nicht präsent sind, weil sie so selten sind. Und deswegen braucht man ein spezielles intensivmedizinisches Wissen und Erfahrung, um das dem Krankenhaus leisten zu können.

00:08:55.979 --> 00:09:03.147
<v Sandra Wahle>Inwiefern leistet denn auch die DSO die Qualifizierung von den Personen, die am Organspendeprozess beteiligt sind?

00:09:03.953 --> 00:09:09.384
<v Ingo Meisenburg>Das ist ein, wie ich finde, wunderbares, anderes Betätigungsfeld der DSO. 

00:09:09.319 --> 00:09:21.847
<v Ingo Meisenburg>Als Koordinatoren sind wir nicht nur im Akutprozess in die Organspende eingebunden, sondern leisten auch im Vorfeld und auch im Nachgang viel Engagement und viel Arbeitskraft in 

00:09:21.770 --> 00:09:23.025
<v Ingo Meisenburg>die 

00:09:22.971 --> 00:09:36.161
<v Ingo Meisenburg>Ausbildung der Krankenhäuser. Wir werden häufig zu Vorträgen in Krankenhäuser eingeladen und machen Informationsveranstaltungen eben für das Intensivpflegepersonal, für das OP-Personal und für die Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus, 

00:09:36.264 --> 00:09:45.884
<v Ingo Meisenburg>um sie schon im Vorhinein auf die Abläufe und auf die notwendigen Schritte und möglichen Behandlungsmöglichkeiten, die sie haben, eben 

00:09:45.908 --> 00:09:47.752
<v Ingo Meisenburg>zu unterweisen und zu unterrichten.

00:09:47.843 --> 00:09:49.050
<v Sandra Wahle>Wie wird das dann angenommen?

00:09:49.135 --> 00:09:59.001
<v Ingo Meisenburg>Unterschiedlich. Es gibt Krankenhäuser, die sind so erfahren in der Organspende, dass dieses Teilen von dem Wissen problemlos im Krankenhaus möglich ist. 

00:09:58.882 --> 00:10:12.834
<v Ingo Meisenburg>Es gibt aber auch zahlreiche kleinere Krankenhäuser, die eben mit der Organspende nicht so viel Kontakt haben. Da wird es sehr gut angenommen, weil wir haben die Zeit dafür und es ist auch ein absolut schöner Teil unserer Aufgabe die Krankenhäuser auf diese 

00:10:12.733 --> 00:10:21.091
<v Ingo Meisenburg>Aufgabe vorzubereiten und sie mit ins Boot zu holen, wo wir ja auch später die Aufgabe mit ihnen zusammen dann auch bewältigen können und dürfen.

00:10:21.800 --> 00:10:30.952
<v Sandra Wahle>An diesem Prozess hängt ja wahnsinnig viel dran und vor allem unglaublich viel Verantwortung. Wie stressig ist das für Sie persönlich oder ist das inzwischen schon Routine?

00:10:32.064 --> 00:10:34.515
<v Ingo Meisenburg>Das ist ein bisschen von beidem. 

00:10:35.080 --> 00:10:46.359
<v Ingo Meisenburg>Untersuchungen für die Einschätzung der Transplantabilität von Organen - das ist Routine, muss man sagen. Man hat ein bestimmtes Kontingent an Möglichkeiten in einem Krankenhaus, die man ausschöpft, um 

00:10:46.443 --> 00:10:48.288
<v Ingo Meisenburg>eben dieses einzuschätzen. Was 

00:10:48.511 --> 00:10:59.723
<v Ingo Meisenburg>mitunter sehr belastend sein kann, ist der Umgang und den Kontakt mit Angehörigen, die in dieser Situation stehen, einen geliebten Menschen verloren zu haben und 

00:11:00.012 --> 00:11:02.349
<v Ingo Meisenburg>häufig dann in dieser Situation eben m

00:11:02.662 --> 00:11:10.918
<v Ingo Meisenburg>it der Frage konfrontiert werden nach Organspende. Und da haben wir nicht selten im Vorfeld Kontakt mit den Angehörigen, um eben 

00:11:11.069 --> 00:11:20.256
<v Ingo Meisenburg>herauszufinden, was der Patient und zu dem Zeitpunkt dann auch Verstorbene mitunter eben zu Lebzeiten sich zur Organspende gewünscht hätte für sich selber. 

00:11:20.593 --> 00:11:21.800
<v Ingo Meisenburg>Wenn das nicht klar 

00:11:22.119 --> 00:11:30.922
<v Ingo Meisenburg>ist, können die Angehörigen nach eigenen Vorstellungen entscheiden und auch da begleiten wir sie zu einer stabilen Entscheidung.

00:11:31.097 --> 00:11:34.329
<v Sandra Wahle>Dazu sprechen wir im zweiten Teil dieser Episode mit 

00:11:34.186 --> 00:11:41.913
<v Sandra Wahle>Anne-Bärbel Blaes-Eise, die bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation verantwortlich ist für die Angehörigenbetreuung. 

00:11:41.799 --> 00:11:53.979
<v Sandra Wahle>Die DSO sorgt also dafür - das haben wir bisher gelernt - dass der Organspendeprozess reibungslos abläuft. Genauer gesagt machen das die Koordinatorinnen und Koordinatoren der DSO vor Ort in den Krankenhäusern.

00:11:53.781 --> 00:12:01.118
<v Sandra Wahle>Wie genau das geschieht, hat uns Ingo Meisenburg von der DSO erklärt. Vielen Dank, Herr Dr. Meisenburg, für das Gespräch.

00:12:01.244 --> 00:12:03.455
<v Ingo Meisenburg>h habe zu danken für das Gespräch.

00:12:04.561 --> 00:12:19.337
<v Sandra Wahle>Die Deutsche Stiftung Organtransplantation organisiert und koordiniert nicht nur die postmortale Organspende und stellt im Internet umfangreiche Informationen zur Verfügung. Sie bietet auch eine persönliche Betreuung der Angehörigen an.

00:12:19.656 --> 00:12:28.753
<v Sandra Wahle>Anne-Bärbel Blaes-Eise ist bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation für die Betreuung der Angehörigen zuständig. Guten Tag, Frau Blaes-Eise.

00:12:28.550 --> 00:12:29.853
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Hallo, guten Tag.

00:12:29.986 --> 00:12:36.854
<v Sandra Wahle>Also, wann genau in diesem ganzen Organspendeprozess kommen Sie mit den Angehörigen von Organspendern eigentlich in Kontakt?

00:12:37.112 --> 00:12:43.494
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Das ist zum Teil sehr unterschiedlich. Es hängt ein bisschen davon ab, wann das Krankenhaus uns informiert. 

00:12:43.831 --> 00:12:52.772
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Spätestens wenn sozusagen der Hirntod feststeht und wir dann im Krankenhaus als Koordinierungsstelle tätig werden. 

00:12:52.995 --> 00:13:04.495
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Manchmal, wenn das Krankenhaus noch nicht so viel Erfahrung mit dem Thema Organspende hat, dann rufen die uns oft auch früher und der Unterstützungsbedarf ist dann höher.

00:13:04.826 --> 00:13:13.046
<v Sandra Wahle>abe jetzt ja gerade von Ihnen gesprochen sozusagen, die mit den Angehörigen in Kontakt kommt, aber das machen ja nicht Sie in Person. Wer macht das genau für die DSO?

00:13:13.335 --> 00:13:26.621
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Das sind die DSO-Koordinatoren, die sozusagen auch speziell ausgebildet sind für den Umgang mit Angehörigen. Das sind unsere Mitarbeiter, die dann in die Krankenhäuser fahren und 

00:13:26.693 --> 00:13:29.661
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>die Organspende vorbereiten und auch koordinieren.

00:13:29.944 --> 00:13:34.024
<v Sandra Wahle>Welche Rolle spielt die Betreuung der Angehörigen im Organspendeprozess denn?

00:13:34.175 --> 00:13:47.160
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Die Angehörigen sind natürlich ein sehr wichtiger Partner im Organspendeprozess und es ist sehr wichtig, dass sie zu einer stabilen Entscheidung, die für sie passt, begleitet werden. Ideal ist natürlich, 

00:13:47.268 --> 00:13:56.233
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>dann, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eine eigene Entscheidung getroffen hat und wir sie dann sozusagen durch den Organspendeprozess 

00:13:56.096 --> 00:14:03.625
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>begleiten können und sie sich sicher sind, dass sie damit den Willen des Verstorbenen zur Organspende umsetzen. Schwieriger wird es, 

00:14:03.673 --> 00:14:18.022
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>wenn sie den Willen des Verstorbenen nicht kennen und dann im mutmaßlichen Willen entscheiden müssen. Da ist dann auch die Begleitung der Angehörigen herausfordernder. Wichtig ist, es ist ein total sensibler Bereich. Die 

00:14:18.143 --> 00:14:26.477
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Angehörigen haben gerade ein sehr enges Familienmitglied verloren und hier ist eine sehr einfühlsame 

00:14:26.357 --> 00:14:34.794
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Begleitung nötig, zu der wir das Krankenhaus natürlich als DSO gerne unterstützen und den Angehörigen als 

00:14:34.668 --> 00:14:36.837
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

00:14:37.150 --> 00:14:41.326
<v Sandra Wahle>Das heißt, die DSO hilft dann aktiv bei dieser Entscheidung. Verstehe ich das richtig?

00:14:41.434 --> 00:14:46.463
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Also die DSO begleitet die Angehörigen ergebnisoffen. Also wir 

00:14:46.680 --> 00:14:52.965
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>versuchen die Familie, die vor uns sitzt zu unterstützen, ihre eigene Entscheidung zu 

00:14:53.164 --> 00:15:02.009
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>treffen und es kann unter Umständen sein, dass ein Nein zur Organspende für diesen Verstorbenen für diese Familie passender ist, 

00:15:02.111 --> 00:15:08.090
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>als ein Ja. Also es kommt auf die Familie an und das, was zu dem Verstorbenen passen würde.

00:15:08.349 --> 00:15:19.507
<v Sandra Wahle>Das ist ja für die Angehörigen eine höchst emotionale Situation, in der dann auch noch über so eine schwere Entscheidung gesprochen werden muss. Wie erleben Sie die Angehörigen da? Also sind die dann in der Lage darüber zu sprechen?

00:15:20.139 --> 00:15:26.886
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Also das Wichtigste ist eigentlich, dass wir im Krankenhaus das Setting so gestalten müssen, dass die Angehörigen 

00:15:26.851 --> 00:15:34.500
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>trotz der Ausnahmesituation gesprächsbereit oder auch gesprächsfähig sind. Da sind ein paar äußere Rahmenbedingungen 

00:15:34.476 --> 00:15:44.198
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>einfach sehr wichtig, die wir beachten müssen und ganz wichtig ist der Faktor Zeit. Also dass wir mehrere Gespräche führen und den Angehörigen

00:15:44.241 --> 00:15:53.777
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise> oder ihren Zeitrhythmus auch beachten, also wie viel Zeit sie brauchen, um zu verstehen, dass es für den Patienten - weil

00:15:54.390 --> 00:16:06.198
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise> er zu dem Zeitpunkt noch ein Patient ist - dass es für ihn keine Hoffnung mehr gibt, dass wir ihm nicht helfen können, dass es um Entscheidungen am Lebensende jetzt geht und dazu gehört eben auch die Frage, ob 

00:16:06.426 --> 00:16:20.932
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>der Patient oder Verstorbene, je nachdem in welcher Situation wir sind, sich zu dem Thema schon mal geäußert hat. Also das ist ist ein Prozess mit mehreren Gesprächen und die Zeit spielt eine unglaubliche Rolle für die Familie. Also Zeit heißt: 

00:16:21.167 --> 00:16:25.727
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Stunden, Pausen, noch mal drüber nachdenken und das Setting. 

00:16:26.034 --> 00:16:32.241
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Also dass man's nicht auf dem Flur macht, sondern dass man sitzt, dass ja für den Fall, dass wir, ich 

00:16:32.301 --> 00:16:43.388
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>sage mal, weinende Angehörige vor uns haben, dann glaube ich ist nicht der richtige Zeitpunkt um über das Thema Organspende zu sprechen, sondern da muss man den Angehörigen einfach dann Zeit geben, 

00:16:43.472 --> 00:16:45.761
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>eine Gesprächssituation herzustellen.

00:16:46.182 --> 00:16:57.984
<v Sandra Wahle>Wenn es dann zu dem Entschluss kommt, dass eine Organentnahme bei den Angehörigen bewilligt wird, also man sich für eine Organspende entscheidet, wie ist das dann nach der Organentnahme? Endet der Kontakt dann zu DSO?

00:16:58.417 --> 00:17:10.411
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Also sehr wichtig für die Familie, und da begleitet auch die DSO, ist in jedem Fall noch die Abschiednahme nach der Organentnahme. Und zwar ist das deswegen so wichtig, weil wir zwei 

00:17:10.375 --> 00:17:14.791
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Faktoren haben, die hier eine große Rolle spielen. Einmal ist es 

00:17:14.834 --> 00:17:20.896
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>sehr wichtig für die Angehörigen ist, dass sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass durch die Organentnahme keine 

00:17:21.017 --> 00:17:33.996
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>äußere Entstellung eingetreten ist. Und das Zweite ist, dass jetzt der Tod mit seinen äußeren Zeichen, die wir ja als medizinische Laien mit dem Tod verbinden, dass die jetzt eingetreten sind und man 

00:17:33.846 --> 00:17:40.895
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>sozusagen jetzt den Tod besser begreifen und auch sehen kann. Das ist einfach sehr wichtig 

00:17:40.961 --> 00:17:48.334
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>für die Familie, dass sie nach der Organentnahme nochmal Abschied nehmen. Der nächste Schritt ist, dass wir für die Familie 

00:17:48.394 --> 00:17:56.506
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>als Ansprechpartner auch über die Spende hinaus zur Verfügung stehen und dass wir ihnen Informationen zuleiten können, 

00:17:56.362 --> 00:18:07.106
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>wenn sie das wollen - anonymisiert natürlich - was aus den Organen geworden ist und dass wir auch bei den Angehörigentreffen zum Beispiel nochmal in den Austausch mit der Familie kommen können.

00:18:07.185 --> 00:18:21.636
<v Sandra Wahle>Der Empfänger oder die Empfängerin des Organs oder der Organe bleibt ja unbekannt. Also das heißt, die Familien eines Organspenders oder einer Organspenderin wissen nicht, wer die Organe des Angehörigen bekommt. Warum ist es so wichtig, dass das alles anonym abläuft?

00:18:21.883 --> 00:18:28.547
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Gut, unser Transplantationsgesetz hat alle Mitspieler im Bereich der Transplantationsmedizin zur Anonymität 

00:18:28.625 --> 00:18:42.686
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>verpflichtet. Also es ist erstmal eine gesetzliche Vorgabe, der wir verpflichtet sind. Und andere Länder haben das ja anders geregelt, andere Kulturen. Aber für uns, denke ich, ist das die richtige 

00:18:42.800 --> 00:18:47.217
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Lösung und es dient einfach dem Schutz beider Seiten. 

00:18:47.307 --> 00:18:56.951
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Natürlich gibt es immer wieder Anfragen an dieses Thema von Seiten der Angehörigen, aber auch von Seiten der Transplantierten. Ich denke, dass man 

00:18:57.102 --> 00:19:11.722
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>natürlich gerne wissen möchte, wo kommt das Organ her oder wer hat das Organ meines Sohnes zum Beispiel bekommen. Aber ich glaube, da können Themen psychologischer Art und emotionaler Art auf eine Familie oder auf einen transplantierten Patienten zukommen, die i

00:19:11.992 --> 00:19:22.586
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>hn überfordern können. Es muss jetzt nicht in allen Fällen schiefgehen, aber ich denke, dass es so, wie es in Deutschland geregelt ist, ein guter Weg ist. Einfach zum Schutz beider Seiten.

00:19:22.869 --> 00:19:32.207
<v Sandra Wahle>Aber es gibt ja trotz der Anonymität eine Möglichkeit wie zum Beispiel die Angehörigen eines Organspenders oder eine Organspenderin vom Empfänger oder von der Empfängerin dann 

00:19:32.291 --> 00:19:40.493
<v Sandra Wahle>hören können beziehungsweise eine Mitteilung erhalten können. Nämlich in Form von anonymisierten Dankesbriefen. Können Sie vielleicht kurz erklären, was es damit auf sich hat?

00:19:40.710 --> 00:19:50.727
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Das ist eine jetzt gesetzlich neu geschaffene Möglichkeit, dass der Organempfänger sich in einem anonymen Dankesschreiben bei der Familie des 

00:19:50.643 --> 00:19:53.947
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Organspenders bedanken kann. Das ist 

00:19:53.876 --> 00:20:00.726
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>eine ganz wunderbare Sache. Das setzt natürlich die Initiative des Organempfängers voraus, dass er 

00:20:00.768 --> 00:20:03.964
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>in den Zustand kommt und die Initiative verspürt

00:20:04.344 --> 00:20:14.198
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>edanken zu wollen und zu Papier und Stift greift oder auch auf dem Computer schreibt. Es muss ein anonymer Brief sein. Der kann sehr persönlich sein, aber 

00:20:14.259 --> 00:20:20.273
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Organempfänger darf nichts darüber schreiben, wie er heißt und wo er wohnt und wo er transplantiert wurde. 

00:20:20.412 --> 00:20:32.844
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Er gibt diesen Brief dann in einem offenen Umschlag in seinem Transplantationszentrum ab, es wird dann mit einer Kennnummer versehen und an die DSO weitergeleitet, die ja Kontakt zu den Angehörigen hat. 

00:20:32.772 --> 00:20:46.587
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Und wir schauen dann noch mal in unseren Unterlagen nach, ob die Familie sozusagen auch zugestimmt hat, so einen Brief empfangen zu wollen und dann wird er sozusagen von uns als DSO an die Familie weitergeleitet. Das s

00:20:46.840 --> 00:20:48.300
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>ind immer sehr 

00:20:48.582 --> 00:21:01.315
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>emotionale Momente, wenn so ein Brief bei einer Familie ankommt und aus meiner Sicht schließt sich dann auch der Kreis, weil das ist das Schönste, was wir dieser Familie zurückgeben können für ihr 

00:21:01.508 --> 00:21:08.081
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Geschenk - was natürlich der Spender gemacht hat - aber auch die Familie stand hinter der Organspende. Also 

00:21:08.256 --> 00:21:13.490
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Etwas, was der Organempfänger zurückgeben kann, eine Kleinigkeit, ja.

00:21:13.875 --> 00:21:23.254
<v Sandra Wahle>Sie lesen die Briefe ja auch, um zu prüfen, ob diese eben anonym verfasst wurden. Können Sie vielleicht mal von einem Beispiel erzählen, dass Sie besonders berührt hat?

00:21:23.573 --> 00:21:29.011
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Die Briefe sind alle auf ihre Weise berührend und man spürt 

00:21:29.120 --> 00:21:44.430
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>sehr viel auch von der Persönlichkeit des Transplantierten, der sie schreibt, ohne ihn zu kennen. Also manche Briefe sind handschriftlich, andere sind mit Computer geschrieben. Also da kommt schon sehr viel ohne die Anonymität zu verletzen rüber. Also ich 

00:21:44.268 --> 00:21:50.019
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>erinnere mich an einen Brief, den wir bekommen haben von einem Nierenempfänger, der 

00:21:50.145 --> 00:21:57.674
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>schreibt, dass er nach der Transplantation Vater geworden ist und dass er sich dafür bedankt, dass dieses 

00:21:57.891 --> 00:22:02.638
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Geschenk ohne den Organspender nicht möglich gewesen wäre. 

00:22:02.584 --> 00:22:08.539
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Was jetzt für mich persönlich ein Highlight an diesem Brief war, dass ich die Spenderfamilie 

00:22:08.437 --> 00:22:16.549
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>kenne, weil sie aus unserer Region war und ich weiß, dass das ein älteres Ehepaar ist, die ihren einzigen Sohn 

00:22:16.399 --> 00:22:26.037
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>verloren haben. Und das meine ich mit "da schließt sich der Kreis." Das finde ich einfach eine unglaublich schöne Botschaft für diese Familie: ein 

00:22:26.056 --> 00:22:40.290
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>anderer junger Mann ist jetzt Vater geworden, unserem Sohn war es nicht vergönnt. Das ist einfach emotional, bewegend, genial. Natürlich bringt es den verstorbenen Sohn nicht zurück, aber es ist  eine 

00:22:40.489 --> 00:22:45.434
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>wunderbare Bestätigung dafür, mit der Organspende das Richtige getan zu haben.

00:22:45.465 --> 00:22:48.571
<v Sandra Wahle>asst glaube ich der Spruch sehr gut: "der Tod hat Leben geschenkt."

00:22:48.728 --> 00:22:57.885
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Ja, also auf jeden Fall. Vielleicht darf ich noch aus einem anderen Brief vorlesen, den ich auch sehr besonders fand. Ein, zwei 

00:22:58.150 --> 00:23:06.700
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Zeilen. Hier schreibt eine Organempfängerin: "Es ist schwierig, sich ein Bild von dem mir unbekannten Geber zu schaffen. Ich 

00:23:06.617 --> 00:23:15.239
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>hoffe immer wieder auf ein Zeichen meines neuen Organs - ist es männlich oder weiblich, jung oder alt, lustig oder melancholisch? Ich kann es nicht fühlen. 

00:23:15.312 --> 00:23:18.658
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Ich höre in ihn hinein und bekomme keine Antworten. 

00:23:18.875 --> 00:23:28.730
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Dieser Brief erzählt die Geschichte von Gegensätzen, die wir aushalten müssen und die nicht größer sein könnten. Auf der einen Seite der Tod, auf der anderen Seite das Leben. 

00:23:28.940 --> 00:23:36.277
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Der eine hat einfach Pech und stirbt, lässt seine Familie traurig und alleine zurück. Der andere hat Glück und lebt weiter. 

00:23:36.482 --> 00:23:49.833
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Eigentlich denkt man, dass diese Lebenspole weit auseinanderliegen. Inzwischen habe ich gelernt, dass durch die Organspende dieser Widerspruch sich auflöst. Anfang und Ende ist gleichzeitig Ende und wieder Anfang." 

00:23:50.098 --> 00:24:00.307
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Also das sind natürlich sehr poetische und wunderschöne Worte und das ist auch ein Geschenk, dass ich neben meiner Arbeit als DSO-Koordinatorin diese Briefe 

00:24:00.638 --> 00:24:01.852
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>lesen darf.

00:24:02.074 --> 00:24:08.690
<v Sandra Wahle>Was glauben Sie, um das nochmal zusammenzufassen, haben gerade solche Worte für eine Wirkung auf die Angehörigen?

00:24:09.021 --> 00:24:18.401
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>atürlich sehr bewegend und da werden auch viele Tränen vergossen. Das ist natürlich klar. Es tut einerseits weh, weil 

00:24:18.623 --> 00:24:23.640
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>ich vermisse meinen Sohn oder meine Tochter und das schmerzt mich, 

00:24:23.887 --> 00:24:37.930
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>aber andererseits ist es trotz dieses Schmerzes schön. Also es sind, so wie die Briefschreiberin hier schreibt, zwei Gegensätze, die sich hier verbinden. Beides ist da und beides gehört zusammen. 

00:24:38.303 --> 00:24:47.623
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>Aber es ist in dem Moment einfach etwas Kleines, was wir der Familie zurückgeben können. Also klein im Sinne von ein einfacher Brief mit einer

00:24:47.972 --> 00:24:52.178
<v Anne-Bärbel Blaes-Eise>roßen emotionalen Wucht und einfach einem Dank.

00:24:53.416 --> 00:25:05.211
<v Sandra Wahle>Angehörige werden also im gesamten Organspendeprozess intensiv durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation betreut und können vielleicht durch solche Dankesbriefe nochmal ein bisschen besser

00:25:05.013 --> 00:25:08.552
<v Sandra Wahle>Abschied nehmen. Vielen Dank, Frau Blaes-Eise, für das Gespräch.

00:25:18.979 --> 00:25:23.725
<v Sandra Wahle>Die DSO ist also ganz zentral für den gesamten Prozess der Organspende. 

00:25:24.170 --> 00:25:37.564
<v Sandra Wahle>So wacht sie darüber, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Ein gut geregelter, koordinierter Ablauf ist entscheidend, um die Qualität der Organe zu sichern, die außerhalb des Körpers schnell Schaden nehmen. 

00:25:38.238 --> 00:25:47.191
<v Sandra Wahle>Die Betreuung der Angehörigen ist ganz entscheidend dafür, dass die Familie mit der getroffenen Entscheidung gut und stabil leben kann. 

00:25:47.696 --> 00:25:52.779
<v Sandra Wahle>Wichtig ist außerdem, dass die Abläufe im Entnahmekrankenhaus dokumentiert werden. 

00:25:53.218 --> 00:26:06.972
<v Sandra Wahle>So kann jederzeit sichergestellt werden, dass nur Organe von Menschen entnommen werden, die dem auch zugestimmt haben. Oder falls die Patienten keine Entscheidung getroffen hatten, deren Angehörige zugestimmt haben. 

00:26:07.424 --> 00:26:12.002
<v Sandra Wahle>Wie immer haben wir für Sie weitere Informationen in unseren Shownotes verlinkt. 

00:26:12.814 --> 00:26:19.213
<v Sandra Wahle>Welcher Empfänger dann das gespendete Organ bekommt, bestimmt die Vermittlungsstelle Eurotransplant. 

00:26:19.712 --> 00:26:26.580
<v Sandra Wahle>Welche Kriterien sie dabei ansetzt, das erfahren wir in der nächsten Folge. Hören Sie gern wieder rein.

