WEBVTT

00:00:03.166 --> 00:00:09.283
<v Kati Jordan>Diese Aufgabe Transplantationsbeauftragte ist für mich eine Herzensangelegenheit. Das ist ein Job, der ist kein Job, 

00:00:09.392 --> 00:00:18.201
<v Kati Jordan>sondern wenn wir einen Spendeprozess haben, dann bin ich 24 Stunden am Tag erreichbar und das möchte ich auch ganz unbedingt. Das wissen alle meine Assistenten auch. 

00:00:18.532 --> 00:00:22.635
<v Kati Jordan>Ob ich dann 14 oder 20 Stunden in der Klinik bin, ist völlig egal.

00:00:24.294 --> 00:00:28.681
<v Sandra Wahle 1>Eine Organspende bedeutet für viele Schwerkranke ein neues Leben. 

00:00:28.969 --> 00:00:43.385
<v Sandra Wahle 1>In der vorherigen Folge unseres Podcasts haben wir erfahren, wie der Wille der Patientinnen und Patienten zur Organspende in den Krankenhäusern ermittelt wird und wie wichtig es dem ärztlichen Personal ist, diesen Willen auch umzusetzen. 

00:00:43.686 --> 00:00:50.644
<v Sandra Wahle 1>Dabei wurde klar: Realität auf den Intensivstationen ist, dass in vielen Fällen keine Entscheidung vorliegt. 

00:00:51.509 --> 00:01:00.499
<v Sandra Wahle 1>Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:01:01.112 --> 00:01:05.306
<v Sandra Wahle 1>Ich bin Sandra Wahle und begleite Sie durch unsere neue Episode. 

00:01:08.731 --> 00:01:21.368
<v Sandra Wahle 1>Heute geht es um die sogenannten Entnahmekrankenhäuser. Wie arbeiten sie? Wie wird entschieden, ob ein Organ zur Transplantation entnommen wird? Und welche Rolle spielen die Transplantationsbeauftragten? 

00:01:21.879 --> 00:01:27.125
<v Sandra Wahle 1>In jedem Entnahmekrankenhaus muss es einen oder eine Transplantationsbeauftragte geben. 

00:01:27.618 --> 00:01:32.683
<v Sandra Wahle 1>Diese Ärztinnen und Ärzte oder Pflegekräfte haben eine spezielle Fortbildung. 

00:01:33.170 --> 00:01:43.433
<v Sandra Wahle 1>Sie identifizieren Menschen, bei denen der Hirntod unmittelbar bevorsteht oder bereits eingetreten ist und die damit als Organspender in Frage kommen. 

00:01:43.915 --> 00:01:51.648
<v Sandra Wahle 1>Gleichzeitig sind sie auch Anwalt von diesen Menschen, wenn es darum geht, ihren Willen hinsichtlich einer Organspende umzusetzen.

00:01:52.039 --> 00:02:05.925
<v Sandra Wahle>Dazu begrüße ich heute Dr. Kati Jordan, Leiterin der operativen Intensivmedizin und Transplantationsbeauftragte im Vivantes 

00:02:05.679 --> 00:02:06.761
<v Kati Jordan>Hallo, guten Tag.

00:02:06.989 --> 00:02:10.588
<v Sandra Wahle>Frau Jordan, was genau sind eigentlich Entnahmekrankenhäuser?

00:02:10.649 --> 00:02:12.680
<v Kati Jordan>Entnahmekrankenhäuser

00:02:12.866 --> 00:02:25.515
<v Kati Jordan>sind definierte Krankenhäuser in Deutschland. Wir haben ja insgesamt etwa 1.900 Kliniken in Deutschland und als Entnahmekrankenhäuser bezeichnen wir Kliniken, die aufgrund ihrer räumlichen, strukturellen und personellen 

00:02:25.455 --> 00:02:34.841
<v Kati Jordan>Ausstattung in der Lage sind, Organentnahmen stattfinden zu lassen. Das sind in Deutschland eine ganze Reihe von Kliniken, nämlich 1.250 Krankenhäuser.

00:02:35.196 --> 00:02:44.894
<v Sandra Wahle>Sie haben gerade gesagt, dass das Krankenhäuser sind, die Organe entnehmen können. Lassen Sie uns da mal genauer darauf eingehen. Welche Aufgaben haben diese Krankenhäuser dann?

00:02:45.279 --> 00:02:53.812
<v Kati Jordan>Ich denke, die primäre und wichtigste Aufgabe dieser Krankenhäuser ist es zu verhindern, dass potenzielle Organspender oder Organspenderinnen, also 

00:02:53.716 --> 00:03:01.780
<v Kati Jordan>Personen, die als Organspender in Frage kommen und die auch eine Organspende gewünscht haben, übersehen werden. 

00:03:02.117 --> 00:03:08.287
<v Kati Jordan>Wenn ich das kurz ausführen darf: als Organspender oder Organspenderin kommen per se nur sehr wenige 

00:03:08.396 --> 00:03:14.759
<v Kati Jordan>Patienten überhaupt in Frage. Das sind Patienten mit sehr speziellen Krankheitsbildern. 

00:03:14.838 --> 00:03:25.467
<v Kati Jordan>Die müssen schwere Hirnschäden haben und diese Hirnschäden müssen so schwer sein, dass sie dazu geführt haben, dass die Hirnfunktionen vollständig ausgefallen sind. 

00:03:25.528 --> 00:03:34.379
<v Kati Jordan>Also es liegt ein sogenannter, irreversibler Hirnfunktionsausfall vor. Früher wurde dafür der Begriff Hirntod verwendet.

00:03:34.806 --> 00:03:40.760
<v Kati Jordan>Auch ich verwende diesen Begriff durchaus noch, denn er scheint mir sehr viel klarer und verständlicher für viele Personen. 

00:03:41.091 --> 00:03:45.736
<v Kati Jordan>In Deutschland, um das nochmal zusammenzufassen, kann also nur jemand zum Spender werden, der

00:03:45.887 --> 00:03:54.635
<v Kati Jordan>einen so schweren Hirnschaden hat, dass der Hirntod eingetreten ist. Das ist in Deutschland eine Voraussetzung für die Organspende. 

00:03:55.038 --> 00:04:07.693
<v Kati Jordan>Da diese schweren Hirnschäden einfach per se sehr selten sind, ist es umso wichtiger, dass wir diese seltenen Krankheitsbilder identifizieren und diese potenziellen Organspender uns nicht verloren gehen und wir sie 

00:04:07.748 --> 00:04:12.861
<v Kati Jordan>eben in den Kliniken, als Hauptaufgabe der Entnahmekrankenhäuser, identifizieren. 

00:04:13.054 --> 00:04:19.249
<v Kati Jordan>Darüber hinaus ist es natürlich die Grundaufgabe in den Kliniken auch ganz unabhängig davon,

00:04:19.549 --> 00:04:28.304
<v Kati Jordan>b es um eine Organspende geht oder eben nicht, den Hirntod, also den irreversiblen Hirnfunktionsausfall, überhaupt erst mal festzustellen und diesen Patienten die 

00:04:28.497 --> 00:04:38.351
<v Kati Jordan>Diagnose zuzuführen. Ja, dafür braucht es ganz speziell ausgebildete Ärzte verschiedener definierter Fachrichtungen. Das ist ein 

00:04:38.484 --> 00:04:46.890
<v Kati Jordan>Prozess, der stattfindet. Dazu braucht es mehrere Untersuchungsgänge und mindestens zwei dafür sehr geschulte 

00:04:47.029 --> 00:05:00.170
<v Kati Jordan>Ärztinnen und Ärzte einer definierten Fachrichtung. Und, wie ich gesagt habe, oft werden dann diese Untersuchungen auch noch durch ganz definierte Untersuchungstechniken ergänzt. Dann ist es natürlich wichtig, überhaupt erst mal herauszufinden, ob 

00:05:00.369 --> 00:05:04.449
<v Kati Jordan>dieser Patient oder diese Patientin einer Organspende grundsätzlich zugestimmt hat. 

00:05:04.642 --> 00:05:12.351
<v Kati Jordan>Ja, das heißt, das ist die nächste Voraussetzung in Deutschland, dass eine Organspende überhaupt stattfinden kann. Wir müssen herausfinden: 

00:05:12.543 --> 00:05:23.089
<v Kati Jordan>hätte der Patient oder hätte die Patientin einer Organspende zugestimmt und hätten sie das überhaupt gewollt? Das ist die nächste Voraussetzung in Deutschland, dass das stattfinden darf. 

00:05:23.228 --> 00:05:31.430
<v Kati Jordan>Dann sind wir verpflichtet als Entnahmekrankenhaus mit der Koordinierungsstelle für die Organspende in Deutschland - das ist die

00:05:31.664 --> 00:05:40.671
<v Kati Jordan>Deutsche Stiftung Organtransplantation, kurz DSO - zusammenzuarbeiten und denen eben diese potenziellen Spender auch zu melden. 

00:05:40.900 --> 00:05:53.994
<v Kati Jordan>Zu guter Letzt ist es dann so, dass wir die eigentliche Organentnahme gewährleisten in den Kliniken. Das heißt, wir arbeiten in einer gewissen Weise mit den Transplantationszentren zusammen. Und zwar ermöglichen wir den

00:05:54.349 --> 00:06:03.740
<v Kati Jordan>Chirurgen, die dann im Falle einer Entnahme zu uns an die Klinik kommen, dass sie die Organe bei uns entnehmen können im OP-Saal. Das

00:06:03.885 --> 00:06:15.915
<v Kati Jordan>bedeutet, wir stellen den OP-Saal, die entsprechende Technik und auch ein Team zur Verfügung. Zum einen ein Team, was den Operateuren assistiert, zum anderen aber auch ein Team, was diesen Patienten, den 

00:06:16.330 --> 00:06:20.500
<v Kati Jordan>Spender der Organe, die ganze Zeit im Prozess begleitet.

00:06:20.566 --> 00:06:33.383
<v Kati Jordan> Organfunktionen müssen aufrecht erhalten werden - zum Beispiel muss Beatmung stattfinden - und dafür braucht es Personal, was dafür speziell geschult ist und was diesen Patienten eben begleitet für den gesamten Prozess. 

00:06:33.504 --> 00:06:36.490
<v Kati Jordan>Das ist die Aufgabe der Entnahmekrankenhäuser.

00:06:36.610 --> 00:06:42.373
<v Sandra Wahle>Vielen Dank, Frau Jordan, für diesen Einblick in die verschiedenen Aufgaben eines Entnahmekrankenhauses. 

00:06:42.938 --> 00:06:51.981
<v Sandra Wahle>Aber speziell Sie haben darin ja nochmal eine ganz besondere Rolle, nämlich die der Transplantationsbeauftragten. Was sind da Ihre Aufgaben?

00:06:51.946 --> 00:07:01.193
<v Kati Jordan>Richtig, das habe ich jetzt gar nicht erwähnt. Die Entnahmekrankenhäuser sind darüber hinaus auch eben verpflichtet, an jeder Klinik einen Transplantationsbeauftragten -

00:07:01.548 --> 00:07:11.276
<v Kati Jordan>as heißt in vielen Fällen auch nicht nur einen Transplantationsbeauftragten, sondern eben abhängig von der Bettenzahl, insbesondere von der Intensivbettenzahl der Klinik - einen 

00:07:11.493 --> 00:07:15.855
<v Kati Jordan>Transplantationsbeauftragten oder eine -beauftragte zu stellen. Das sind 

00:07:16.084 --> 00:07:29.880
<v Kati Jordan>in vielen Fällen Intensivmediziner, weil die sich eben auf den Intensivstationen befinden und weil die sich auch mit diesen schwerst erkrankten Patienten einfach gut auskennen. Die Aufgaben dieser Transplantationsbeauftragten sind jetzt 

00:07:30.115 --> 00:07:33.498
<v Kati Jordan>relativ vielfältig, denke ich. Zuallererst einmal werden 

00:07:33.648 --> 00:07:42.878
<v Kati Jordan>wir dafür abgestellt, dass wir unser Personal ausbilden und dass wir unser Personal schulen. Denn es ist nicht ganz selbstverständlich, dass die 

00:07:42.884 --> 00:07:55.311
<v Kati Jordan>Kollegen in den Krankenhäusern als erstes oder vielleicht auch als zweites oder drittes daran denken, dass dieser Patient vielleicht ein Organspender sein könnte. Sie sind ja beschäftigt mit der eigentlichen Diagnose und Erkrankung des Patienten. 

00:07:55.347 --> 00:08:04.913
<v Kati Jordan>Gerade an vielen Kliniken, die kein Transplantationszentrum sind, und das ist der Großteil der Kliniken in Deutschland, ist es eben vielleicht nicht ganz 

00:08:05.010 --> 00:08:10.760
<v Kati Jordan>am Anfang in den Gedanken der Kollegen. Deshalb braucht es Schulungen, dass die Kollegen daran denken und 

00:08:10.857 --> 00:08:20.657
<v Kati Jordan>diese Patienten dem Transplantationsbeauftragten dann auch vorstellen. Darüber hinaus ist natürlich eine der wichtigsten Aufgaben die Angehörigenbegleitung und -betreuung.

00:08:20.928 --> 00:08:22.502
<v Kati Jordan>Sie können sich vorstellen: die 

00:08:22.688 --> 00:08:36.407
<v Kati Jordan>Angehörigen und die Freunde dieser Patienten bei uns auf den Intensivstationen sind in dramatischen Situationen. Und diese Gespräche sind wichtig. Diese Gespräche sind entscheidend. Die brauchen Fingerspitzengefühl. Die brauchen Zeit.

00:08:36.726 --> 00:08:49.993
<v Kati Jordan>Die ganzen Fragen müssen beantwortet werden, Unsicherheiten müssen ausgeräumt werden. Die Angehörigenbetreuung ist eine durchaus schwierige, aber eben umso wichtigere Aufgabe. Manchmal sind's dann auch 

00:08:50.126 --> 00:08:53.839
<v Kati Jordan>nicht direkte Angehörige oder Freunde, sondern eben 

00:08:53.948 --> 00:09:05.292
<v Kati Jordan>sogenannte BetreuerInnen oder PatientenvertreterInnen, die nicht direkt verwandt oder bekannt sind mit den Angehörigen in einzelnen Fällen. Und die brauchen dann auch darüber hinaus noch Erklärung und Betreuung. 

00:09:05.852 --> 00:09:14.949
<v Kati Jordan>Als nächstes sind wir verpflichtet - also kommt ein Patient in Frage für eine Organspende - dies an die Koordinierungsstelle, also an die DSO in Deutschland, zu melden. 

00:09:15.118 --> 00:09:20.628
<v Kati Jordan>Wir stellen quasi die Schnittstelle dar zwischen der Klinik und der Koordinierungsstelle.

00:09:21.217 --> 00:09:29.611
<v Kati Jordan>Ein weiterer ganz wichtiger Punkt in den Aufgaben der Transplantationsbeauftragten ist sicher die Qualitätssicherung in den Kliniken. Das heißt, sie 

00:09:29.714 --> 00:09:37.158
<v Kati Jordan>sind verpflichtet Standards zu erstellen anhand derer in den Kliniken gearbeitet wird. Zum Beispiel Standards dazu, wie 

00:09:37.261 --> 00:09:41.755
<v Kati Jordan>der Ablauf der Feststellung des Hirntodes in den Kliniken aussieht 

00:09:41.906 --> 00:09:47.296
<v Kati Jordan>oder auch Standards, wie eine Organspende abläuft an der Klinik. An so einem 

00:09:47.525 --> 00:09:52.566
<v Kati Jordan>Spendeprozess sind ja eine ganze Reihe an Fachdisziplinen beteiligt. Das ist ja

00:09:52.933 --> 00:10:00.257
<v Kati Jordan>so, dass ganz viele verschiedene Spezialisten, die speziell in ihrem Bereich ausgebildet sind, eben 

00:10:00.396 --> 00:10:04.271
<v Kati Jordan>Anteil an diesem Prozess haben und all das muss zusammengeführt werden, 

00:10:04.302 --> 00:10:17.960
<v Kati Jordan>all das muss koordiniert werden. Alle müssen wissen, an welcher Stelle sie an welchem kleinen Rädchen etwas beitragen können und es muss abgestimmt und auch schriftlich hinterlegt werden, wer denn eigentlich an dieser Klinik überhaupt an diesem Prozess teilnehmen kann und auch

00:10:18.033 --> 00:10:22.178
<v Kati Jordan> entsprechend ausgebildet ist. Und diese definierten Qualifikationen werden 

00:10:22.311 --> 00:10:31.853
<v Kati Jordan>hinterlegt und in Standards festgehalten. Und zu guter Letzt ist es dann so, dass wir Berichte erstellen müssen. Wir sind verpflichtet an die Koordinierungsstelle

00:10:32.088 --> 00:10:40.356
<v Kati Jordan>zu berichten. Nämlich über alle Patienten mit speziellen Hirnschädigungen, ob die in Frage kamen für eine Organspende oder eben nicht. Und

00:10:40.945 --> 00:10:50.481
<v Kati Jordan>wenn eine Organspende nicht stattgefunden hat, warum sie denn nicht stattgefunden hat. Und ich bin auch verpflichtet an meine Klinikleitung zu berichten.

00:10:58.786 --> 00:11:09.145
<v Sandra Wahle>Sie sagen ja, dass Sie nicht nur mit Angehörigen, sondern auch mit Patientenvertreterinnen oder -vertretern sprechen. Was für eine Funktion haben die und wann kommt es dazu, dass Sie mit denen sprechen müssen?

00:11:09.518 --> 00:11:20.995
<v Kati Jordan>Also ganz unabhängig von dieser relativ seltenen und speziellen Situation beim Ausfall der Hirnfunktionen sind Patienten auf Intensivstationen ja oft nicht mehr in der Lage, 

00:11:21.176 --> 00:11:33.236
<v Kati Jordan>zumindest für einen vorübergehenden Zeitraum, für sich selbst zu sprechen und für sich selbst zu entscheiden. Dann ist es nötig, dass sogenannte PatientenvertreterInnen für diese Patienten 

00:11:33.338 --> 00:11:34.486
<v Kati Jordan>entscheiden und für 

00:11:34.600 --> 00:11:47.495
<v Kati Jordan>diese Patienten deren Willen zum Ausdruck bringen. Das sind meistens Angehörige oder gute enge Freunde, die das übernehmen. Aber in einzelnen Fällen gibt es auch eben keine Angehörigen oder Freunde. 

00:11:47.616 --> 00:11:56.731
<v Kati Jordan>Dann übernimmt es ein, vom Amtsgericht eingesetzter, gesetzlicher Betreuer oder eine Betreuerin. Diese kennen die Patienten unter Umständen eben nicht und

00:11:56.972 --> 00:12:06.917
<v Kati Jordan>deshalb sind diese Gespräche dann natürlich nochmal ganz anders zu führen. Ja, einige Leute stellen auch eine sogenannte Vorsorgevollmacht aus. Das heißt,

00:12:07.121 --> 00:12:18.989
<v Kati Jordan>sie entscheiden während ihres Lebens, wer in einer solchen Situation, wenn sie denn einmal eintritt, für sie entscheiden soll und darf. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir, 

00:12:19.037 --> 00:12:24.890
<v Kati Jordan>auch wenn wir gesund und jung sind vielleicht, mit unseren Freunden und Angehörigen darüber sprechen

00:12:24.980 --> 00:12:32.623
<v Kati Jordan>, wie wir uns das vorstellen, was wir uns eben nicht vorstellen können, was unsere Wünsche sind und was wir für uns ausschließen oder eben auch nicht, wenn es

00:12:32.774 --> 00:12:37.743
<v Kati Jordan> einmal so weit kommen sollte. Denn das kann ja jeden jeden jeden Tag betreffen.

00:12:38.332 --> 00:12:53.264
<v Sandra Wahle>mal zurück zu Ihrer Tätigkeit als solche. Mich würde da interessieren, wie sieht das zeitlich aus? Gibt es da sozusagen einen bestimmten Zeitpunkt, wo Sie in den Dienst starten und dann auch enden? Oder wann beginnt genau Ihre Tätigkeit?

00:12:53.409 --> 00:13:00.019
<v Kati Jordan>Ja, ich würde sagen, ehrlich gesagt, die Tätigkeit als Transplantationsbeauftragte findet ständig statt. 

00:13:00.265 --> 00:13:07.626
<v Kati Jordan>Weil es ist ja so: die Patienten, die kommen plötzlich und sind da und sie müssen erkannt werden. 

00:13:07.843 --> 00:13:13.960
<v Kati Jordan>Das heißt, das was wir ständig und täglich tun, ist, wir bilden unsere Weiterbildungsassistenten aus, wir 

00:13:14.026 --> 00:13:20.383
<v Kati Jordan>achten darauf, dass in der Rettungsstelle die Patienten den richtigen Weg im Klinikum finden und 

00:13:20.534 --> 00:13:30.785
<v Kati Jordan>diese Schulung und diese Ausbildung findet eigentlich täglich statt. Das heißt, wenn ein Patient ein bestimmtes Krankheitsbild hat auf der Intensivstation, dann integrieren wir das natürlich jeden Tag

00:13:30.792 --> 00:13:40.033
<v Kati Jordan>in die Ausbildung, damit die Leute lernen, wie stelle ich diesen Ausfall der Hirnfunktion überhaupt fest? Worauf muss ich achten etc. und

00:13:40.568 --> 00:13:49.239
<v Kati Jordan>dass sie lernen, daran zu denken, dass hinten vielleicht noch eine Organspende danach kommen könnte. Und natürlich ist es auch so, dass das

00:13:49.522 --> 00:14:00.308
<v Kati Jordan>Wichtigste ist, die Angehörigen zu begleiten, wenn so ein Organspendeprozess tatsächlich auf der Station ist. Dann ist man natürlich Transplantationsbeauftragter. Dann ist man total gefordert.

00:14:00.470 --> 00:14:07.849
<v Sandra Wahle>Wie mussten Sie sich denn weiterbilden, um als Transplantationsbeauftragte arbeiten zu können? Also ist da eine spezielle Qualifikation notwendig?

00:14:07.988 --> 00:14:13.299
<v Kati Jordan>Ja genau, die Transplantationsbeauftragten müssen einen definierten Kurs durchlaufen. Das ist

00:14:13.612 --> 00:14:26.333
<v Kati Jordan>ein Kurs, der aus drei Teilen besteht. Der ist definiert von der Bundesärztekammer und alle Bundesländer haben in ihren sogenannten Landesausführungsgesetzen des Transplantationsgesetzes

00:14:26.664 --> 00:14:31.182
<v Kati Jordan>festgelegt und definiert, wie diese Fortbildung in jedem Bundesland auszusehen hat. 

00:14:31.627 --> 00:14:45.213
<v Kati Jordan>Dann ist da natürlich noch die Tatsache, dass jeder Transplantationsbeauftragte Erfahrungen in der Versorgung dieser schwersthirngeschädigten Patienten hat und auch Erfahrungen in diesen ganzen Organspendeprozessen.

00:14:45.496 --> 00:14:57.051
<v Sandra Wahle>Wenn Sie jetzt mal an Ihren Arbeitsalltag denken und an die vielfältigen Situationen, in die Sie als Transplantationsbeauftragte kommen können: Was ist dann für Sie die größte Herausforderung in der Praxis?

00:14:57.629 --> 00:15:04.545
<v Kati Jordan>Also ich würde sagen, die größte Herausforderung ist es ganz klar, die Angehörigen zu begleiten. Sie können sich vorstellen, in diese

00:15:04.858 --> 00:15:09.779
<v Kati Jordan>Situationen, in denen die sich befinden - die Angehörigen verlieren 

00:15:10.007 --> 00:15:19.081
<v Kati Jordan>ihren Liebsten, ihre Mama, ihren Papa, ihre Tochter, den Sohn - was will man denen Tröstendes sagen? Das ist wirklich schwer. 

00:15:19.411 --> 00:15:25.967
<v Kati Jordan>Das ist ganz klar die größte Herausforderung, sich da zusammenzureißen, professionell zu bleiben. 

00:15:26.328 --> 00:15:35.990
<v Kati Jordan>Vielleicht auch nicht zu professionell zu sein. Das ist sicher die größte Herausforderung. Und dann muss man sich vorstellen, dass man in einer solchen Situation, wo wir über den Tod reden, das

00:15:36.387 --> 00:15:44.415
<v Kati Jordan>Thema Organspende ansprechen muss. Das ist sehr schwierig oft, aber es ist natürlich auch so, dass 

00:15:44.656 --> 00:15:55.003
<v Kati Jordan>wir dabei an die Menschen auf der Warteliste denken. Da sind Menschen, die sitzen über Monate mit gepackten Koffern und hoffen darauf, dass sie eine Chance bekommen. Eine

00:15:55.280 --> 00:15:57.815
<v Kati Jordan>Chance, dass ihnen das Leben gerettet wird. 

00:15:58.128 --> 00:16:11.311
<v Kati Jordan>Daher verstehe ich Organspende einfach als eine riesen Chance und ich möchte meinen Beitrag leisten und deshalb schaffe ich es auch, diese Gespräche zu führen. Weil ich denke, dass wir damit Lebenschancen geben können. 

00:16:11.829 --> 00:16:22.777
<v Kati Jordan>Oft sind sie es glücklicherweise dann aber auch in den Gesprächen selbst, diese Erfahrungen habe ich gemacht. Die haben Fragen und die sprechen Thema selbst an. Das macht's dann natürlich leichter. Das ist nicht selten so.

00:16:23.372 --> 00:16:32.085
<v Kati Jordan>Schwierig oder herausfordernd ist es aber insbesondere dann auch, wenn wir eben mit den Angehörigen oder Freunden im Gespräch sind

00:16:32.416 --> 00:16:43.917
<v Kati Jordan>und wir merken, dass einfach überhaupt nie über das Thema Tod oder Krankheit gesprochen wurde und wir dann gemeinsam mit den Angehörigen darüber sprechen müssen und diese dann 

00:16:44.157 --> 00:16:48.399
<v Kati Jordan>plötzlich überfordert oder auch allein gelassen sind. 

00:16:48.694 --> 00:16:56.620
<v Kati Jordan>Genau deshalb ist es so wichtig und kann ich's immer wieder nur betonen: wir müssen, egal wie alt wir sind, egal wie gesund wir sind, mit

00:16:56.951 --> 00:17:02.911
<v Kati Jordan>unseren Freunden und mit unseren Angehörigen über solche Themen sprechen. Wir können die nicht ausklammern. 

00:17:03.110 --> 00:17:14.335
<v Kati Jordan>Es geht darum, dass wir unseren Angehörigen etwas an die Hand geben, was sie für uns entscheiden sollen, dass sie nicht allein gelassen sind und dass sie es mit uns gemeinsam in den Kliniken dann 

00:17:14.485 --> 00:17:21.227
<v Kati Jordan>besprechen können, weil sie wissen: so hätte er oder so hätte sie das gewollt. Und es ist 

00:17:21.438 --> 00:17:32.169
<v Kati Jordan>noch besser, wenn man vielleicht sich überlegt hat, ich will das auch festlegen in einer schriftlichen Form - zum Beispiel in einer Patientenverfügung - oder ich trage eben den Organspendeausweis in meinem Portemonnaie. Das

00:17:32.326 --> 00:17:41.183
<v Kati Jordan>macht es natürlich noch besser. Ich habe das mit meinen Eltern und mit meiner Familie genauso gemacht. Die haben alle irgendwo hinterlegt in einer Vorsorgevollmacht, 

00:17:41.316 --> 00:17:47.613
<v Kati Jordan>wer da entscheiden soll und wir sprechen drüber, damit jeder weiß, was hätte Frau Jordan vielleicht nicht gewollt.

00:17:47.691 --> 00:17:54.481
<v Sandra Wahle>Glauben Sie, dass das einfach Nachlässigkeit ist in vielen Fällen, wenn Menschen keine Entscheidung zur Organspende getroffen haben?

00:17:55.077 --> 00:18:04.462
<v Kati Jordan>Na ja, ich würde es jetzt vielleicht nicht als Nachlässigkeit betrachten. Ich glaube, dass manche vielleicht einfach Angst haben. Angst vor dem Thema Krankheit, Angst vor dem Thema Tod. Das

00:18:04.625 --> 00:18:06.577
<v Kati Jordan>ist sicher kein einfaches Thema. 

00:18:06.932 --> 00:18:19.052
<v Kati Jordan>Ich könnte mir auch vorstellen, dass manche einfach denken: "Ich bin ja viel zu alt, um meine Organe zu spenden oder ich habe irgendeine Vorerkrankung und deshalb kann ich meine Organe sowieso nicht spenden." Das höre ich auch immer mal wieder und das

00:18:19.455 --> 00:18:23.264
<v Kati Jordan>ist glaube ich ganz wichtig, dass man das weiß, zum Beispiel in Deutschland ist es so, dass 

00:18:23.511 --> 00:18:34.646
<v Kati Jordan>ein Drittel der Organe, die gespendet werden, von Spendern über 65 Jahre sind. Das heißt, das Alter ist kein Thema. Ich kann mich da an ein Beispiel erinnern von einem Kollegen, das er mir kürzlich geschildert hat, wo eine

00:18:34.923 --> 00:18:41.730
<v Kati Jordan>94-jährige Dame, die unbedingt Spenderin sein wollte, das vorher festgelegt hat, auch immer wieder aktualisiert hat, vier

00:18:42.464 --> 00:18:53.761
<v Kati Jordan>Organe gespendet hat und vier Menschen auf der Warteliste mit 94 Jahren ein Leben geben konnte. Also das Thema Alter ist kein wirkliches Thema. Und auch das Thema Vorerkrankungen: das 

00:18:53.917 --> 00:19:00.605
<v Kati Jordan>sind die wenigsten Vorerkrankungen, die einen Ausschluss bedeuten von der Möglichkeit Organe zu spenden.

00:19:01.176 --> 00:19:15.664
<v Sandra Wahle>Jetzt ist ja die Aufgabe der Transplantationsbeauftragten keine, die Sie ausschließlich machen. Sie haben als Leiterin der Intensivmedizin darüber hinaus ja auch noch zu tun. Bleibt da im Alltag überhaupt genügend Zeit für die Arbeit als Transplantationsbeauftragte?

00:19:16.031 --> 00:19:24.269
<v Kati Jordan>Da hat der Gesetzgeber vor einer Weile einen ganz großen und wichtigen Schritt gemacht und zwar: mit der zweiten Änderung des

00:19:24.576 --> 00:19:37.873
<v Kati Jordan>Transplantationsgesetzes 2019 ist festgelegt worden, dass die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken auch die Zeit haben müssen, ihren Aufgaben entsprechend wirklich gut nachkommen zu können. 

00:19:38.120 --> 00:19:46.448
<v Kati Jordan>Das heißt, uns wurde in den Kliniken Zeit eingeräumt. Und zwar in der Form, dass pro zehn Intensivbetten bei 

00:19:46.509 --> 00:19:55.017
<v Kati Jordan>einer 100 Prozent Stelle 0,1 Prozent dieser Stelle für diesen Job als Transplantationsbeauftragte zur Verfügung stehen. 

00:19:55.120 --> 00:20:00.696
<v Kati Jordan>Das bedeutet, um das mal zu übersetzen in meinem konkreten Fall: wir haben 20 Intensivbetten in meiner Klinik 

00:20:00.846 --> 00:20:08.543
<v Kati Jordan>und ich werde also 20 Prozent meiner Arbeitszeit in der Woche freigestellt. Das heißt, ich habe pro Woche einen Tag, 

00:20:08.712 --> 00:20:16.145
<v Kati Jordan>den ich für meine Aufgaben als Transplantationsbeauftragte zur Verfügung habe. Und das Wichtige dabei ist, in

00:20:16.428 --> 00:20:23.596
<v Kati Jordan>dieser Zeit, in der ich ja fehle am Intensivbett, gibt's eine Kollegin oder einen Kollegen, die mich ersetzen. Und diese Stelle, die 

00:20:23.741 --> 00:20:35.692
<v Kati Jordan>ich fehle, ist voll finanziert von der DSO. Also das ist für die Kliniken kein Verlustgeschäft, dass Frau Jordan jetzt fehlt, sondern es wird voll ersetzt. Und das war ein ganz wesentlicher Schritt, 

00:20:35.825 --> 00:20:42.891
<v Kati Jordan>sodass wir unsere Aufgaben auch tatsächlich ernst nehmen können. Und dann, wenn ich das noch sagen darf, ist es natürlich so, diese

00:20:43.318 --> 00:20:49.405
<v Kati Jordan>Aufgabe Transplantationsbeauftragte ist für mich eine Herzensangelegenheit. Das ist ein Job, der ist kein Job, 

00:20:49.538 --> 00:20:58.329
<v Kati Jordan>sondern wenn wir einen Spendeprozess haben, dann bin ich 24 Stunden am Tag erreichbar und das möchte ich auch ganz unbedingt. Das wissen alle meine Assistenten auch. 

00:20:58.672 --> 00:21:04.157
<v Kati Jordan>Ob ich dann 14 oder 20 Stunden in der Klinik bin, ist völlig egal, denn es ist ja klar

00:21:04.380 --> 00:21:10.659
<v Kati Jordan>: da liegt jetzt nicht mehr nur ein Patient im Bett, sondern manchmal liegen da sechs Patienten im Bett. Da warten welche gepackt seit

00:21:11.110 --> 00:21:20.712
<v Kati Jordan>Monaten auf eine Chance, weil sie Angst haben zu versterben und wir können ihnen diese Chance geben und deshalb ist es eine Herzensangelegenheit und keine Zeit, 

00:21:20.941 --> 00:21:24.859
<v Kati Jordan>die ich im Job fehle oder die ich eben nicht zur Verfügung habe.

00:21:25.352 --> 00:21:39.190
<v Sandra Wahle>Lassen Sie uns noch mal zurückkommen auf die Person, deren Hirntod festgestellt wurde und für die die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ermittelt wurde. Wie geht es dann weiter? Also im einen wie im anderen Fall?

00:21:39.563 --> 00:21:52.374
<v Kati Jordan>Also wenn jetzt die Organspende abgelehnt wurde, weil der Patient das nicht gewünscht hätte oder weil die Angehörigen zu der Entscheidung gekommen sind: "so ein Mensch war er nicht, das hätte er nicht gewollt oder er hätte Sorge gehabt", dann 

00:21:52.597 --> 00:21:57.428
<v Kati Jordan>ist es letztendlich ja so, wenn der Hirntod festgestellt wurde, dann haben wir einen

00:21:57.639 --> 00:22:04.579
<v Kati Jordan>Toten, den wir künstlich am Leben erhalten mit unseren Maschinen, also zum Beispiel mit den Beatmungsgeräten. Und dann haben

00:22:05.036 --> 00:22:11.699
<v Kati Jordan>wir die einzigartige Möglichkeit, dass die Angehörigen Abschied nehmen können. Und wenn die Angehörigen sich verabschieden konnten, werden

00:22:12.012 --> 00:22:18.430
<v Kati Jordan>diese Therapien eingestellt, weil der Patient ist ja bereits tot.

00:22:19.157 --> 00:22:28.897
<v Kati Jordan>Die Angehörigen oder beziehungsweise wenn der Patient zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat, nehmen wir dann nach der Feststellung des Hirntods Kontakt mit der DSO auf. Die 

00:22:29.162 --> 00:22:42.015
<v Kati Jordan>DSO schickt uns dann einen Koordinator oder Koordinatorin, so heißen die bei der DSO, die eben diese Abläufe koordinieren, zu uns in die Klinik. Und gemeinsam mit den KoordinatorInnen werden 

00:22:42.250 --> 00:22:48.361
<v Kati Jordan>wir dann den ganzen Prozess strukturieren und begleiten als Transplantationsbeauftragte. Das heißt, wir

00:22:48.644 --> 00:22:58.095
<v Kati Jordan>nehmen Kontakt auf zu allen anderen Diagnostikern auf, die jetzt notwendig sind, und dann wird bei der Vermittlungsstelle - das ist Eurotransplant für Deutschland - 

00:22:58.270 --> 00:23:07.295
<v Kati Jordan>auf der Warteliste eben dieser Empfänger oder diese Empfängerin, meistens sind es ja sogar mehrere Patienten, gesucht und aus diesen 

00:23:07.428 --> 00:23:12.313
<v Kati Jordan>Transplantationszentren, wo dieser Patient angebunden ist, der das Organ empfangen wird, kommen 

00:23:12.433 --> 00:23:20.347
<v Kati Jordan>dann die Entnahmechirurgen zu uns an die Klinik. Und dann setzt sich sozusagen der Organentnahmeprozess im Verlauf fort und 

00:23:20.624 --> 00:23:30.208
<v Kati Jordan>die Patienten in den Zielzentren, wo die Organe hingehen, werden benachrichtigt. Es ist ein ganz komplexes Geschehen, was dann sich in Gang setzt bei der 

00:23:30.317 --> 00:23:36.415
<v Kati Jordan>DSO, um dann den Patienten diese Organe zu vermitteln und sie zu transplantieren.

00:23:36.830 --> 00:23:47.201
<v Sandra Wahle>Um da abschließend nochmal nachzufragen: also kann man sagen, wenn das Organ oder die Organe das Entnahmekrankenhaus verlassen, dann ist sozusagen Ihre Aufgabe abgeschlossen, 

00:23:47.328 --> 00:23:52.532
<v Sandra Wahle>aber der Prozess der Organspende geht natürlich noch weiter. Aber Sie haben dann erst mal nichts mehr damit zu tun.

00:23:52.820 --> 00:23:56.750
<v Kati Jordan>Jein, also bei uns ist es so, dass der 

00:23:56.949 --> 00:24:05.944
<v Kati Jordan>Leichnam auf jeden Fall auf die Intensivstation zurückkommt. Das habe ich so festgelegt. Das möchten wir so, weil wir auch dann den Angehörigen noch mal die Möglichkeit geben, sich

00:24:06.197 --> 00:24:13.575
<v Kati Jordan>zu verabschieden. Das ist ja eine sehr besondere Situation. Die Angehörigen verlassen ja ihren 

00:24:13.684 --> 00:24:21.429
<v Kati Jordan>Angehörigen in einer Situation, wo das manchmal so wirkt, als würde er noch leben. Ja, das heißt, der wird ja beatmet, der 

00:24:21.652 --> 00:24:30.779
<v Kati Jordan>Brustkorb hebt und senkt sich. Man sieht am Monitor, da ist ein EKG, der Körper ist warm. Und deshalb ist es eine sehr spezielle Situation. 

00:24:31.158 --> 00:24:34.289
<v Kati Jordan>Ich halte es für sehr wichtig, dass die Angehörigen 

00:24:34.415 --> 00:24:46.523
<v Kati Jordan>auch nochmal, wenn Sie die Möglichkeit nutzen möchten - sie müssen das nicht tun - aber wenn Sie das möchten, sich eben von dem Leichnam verabschieden können. Das heißt, die Angehörigen kommen durchaus noch mal zu uns nach dem Prozess 

00:24:46.680 --> 00:24:56.126
<v Kati Jordan>auf die Station und auch dann ist es meistens so, dass wir nochmal miteinander sprechen. Und es gibt auch einzelne Fälle - zum Beispiel die letzte Spende, die ich begleitet habe - da habe 

00:24:56.318 --> 00:25:07.597
<v Kati Jordan>ich noch über Wochen hinterher mit der Mutter der Patientin telefoniert und Telefonkontakt gehalten. Sie hat mich immer wieder angerufen und Gesprächsbedarf gehabt und dafür stehe ich auch und das möchte ich auch. Das ist nichts, was plötzlich endet.

00:25:07.832 --> 00:25:20.540
<v Kati Jordan>Und auch manchmal, wenn die nach einem Jahr anrufen, sehe ich das als unsere Aufgabe, dass wir weiter diese Angehörigen - vor denen ich höchsten Respekt habe, dass sie sich dazu entschieden haben, genauso wie die SpenderInnen - weiter begleiten.

00:25:21.046 --> 00:25:25.251
<v Sandra Wahle>Herzlichen Dank, Frau Dr. Jordan, für die spannenden Einblicke in ihre Arbeit.

00:25:32.210 --> 00:25:38.862
<v Sandra Wahle>Wir haben gehört, wie entscheidend die Entnahmekrankenhäuser und die Transplantationsbeauftragten

00:25:39.145 --> 00:25:43.375
<v Sandra Wahle>bei der Erkennung von möglichen Organspenderinnen und Organspendern sind. 

00:25:43.712 --> 00:25:57.346
<v Sandra Wahle>Und auch, dass die Transplantationsbeauftragten sehr wichtige Ansprechpersonen für die Angehörigen sind. Bitte schauen Sie gern auch in die Shownotes dieser Folge. Dort finden Sie dazu weitere Informationen. 

00:25:58.272 --> 00:26:08.186
<v Sandra Wahle>In der nächsten Folge unseres Podcasts lassen wir uns erklären, was ein Ausfall der Hirnfunktion genau bedeutet und wie dieser festgestellt wird. 

00:26:09.088 --> 00:26:13.108
<v Sandra Wahle>Hören Sie wieder rein und bleiben Sie dran am Thema Organspende.

