WEBVTT

00:00:03.605 --> 00:00:10.894
<v Heiner Fangerau - Intro>Also die Menschen sollen nicht gedrängt werden. Es sollen ergebnisoffen Informationen gegeben werden. Das ist die Idee der Zustimmungslösung.

00:00:20.797 --> 00:00:29.870
<v Sandra Wahle>Organtransplantationen gehören heute zu den etablierten, medizinischen Behandlungen und ermöglichen schwerkranken Menschen ein neues Leben. 

00:00:31.121 --> 00:00:37.616
<v Sandra Wahle>Mehr als 9.000 Menschen haben im Jahr 2020 in Deutschland auf ein Spenderorgan gewartet,

00:00:38.452 --> 00:00:50.289
<v Sandra Wahle>allerdings gab es zugleich nur 913 Spenderinnen und Spender, die postmortal, also nach dem Tod, 2.941 Organe gespendet haben. 

00:00:50.963 --> 00:01:00.739
<v Sandra Wahle>Deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen dokumentieren, ob sie nach ihrem Tod ihre Organe und Gewebe kranken Menschen spenden wollen. 

00:01:01.082 --> 00:01:06.147
<v Sandra Wahle>Denn nur, wenn eine Zustimmung vorliegt, dürfen Organe und Gewebe entnommen werden. 

00:01:08.599 --> 00:01:15.041
<v Sandra Wahle>Grundsätzlich stehen rund 82 Prozent der Deutschen der Organspende positiv gegenüber, aber

00:01:15.438 --> 00:01:26.296
<v Sandra Wahle>erst rund 44 Prozent haben ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung festgehalten.

00:01:27.360 --> 00:01:34.864
<v Sandra Wahle>Warum sind das so wenige? Was hält Menschen davon ab, eine Entscheidung zu treffen und auch festzuhalten? 

00:01:35.941 --> 00:01:49.136
<v Sandra Wahle>Viele Menschen fühlen sich nicht ausreichend informiert, um eine Entscheidung treffen zu können. Sie fragen sich vielleicht: Bin ich nicht zu alt für eine Organspende? Wie wird der Tod eindeutig festgestellt? 

00:01:49.665 --> 00:01:56.203
<v Sandra Wahle>Wie läuft eine Organspende eigentlich ab? Wer entscheidet darüber, wer mein Organ erhält? 

00:01:57.116 --> 00:02:06.544
<v Sandra Wahle>Und damit herzlich willkommen zur ersten Folge des Podcasts "Organspende - verstehen und entscheiden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 

00:02:06.893 --> 00:02:16.682
<v Sandra Wahle>Mein Name ist Sandra Wahle und ich begleite Sie durch die einzelnen Episoden. Wir möchten mit dieser Podcast-Reihe Antworten auf die genannten Fragen geben. 

00:02:17.127 --> 00:02:25.587
<v Sandra Wahle>Dafür haben wir viele Expertinnen und Experten zu Gast. Ärztinnen und Ärzte, die auf verschiedene Weise mit der Organspende zu tun haben, 

00:02:26.291 --> 00:02:36.758
<v Sandra Wahle>Fachleute, die prüfen, ob der Organspendeprozess korrekt abläuft, sowie Menschen, die mit einem gespendeten Organ leben und Angehörige eines Organspenders.

00:02:37.552 --> 00:02:45.032
<v Sandra Wahle>Folgen Sie uns auf unserer Reise durch zwölf Podcast-Episoden und lernen Sie alle Aspekte der Organspende kennen. 

00:02:47.400 --> 00:02:51.865
<v Sandra Wahle>Die Organspende gehört heute zu den Standardverfahren der medizinischen Versorgung. 

00:02:52.460 --> 00:02:57.970
<v Sandra Wahle>Wie die Entwicklung der Organspende in Deutschland mit Blick auf die gesetzliche Regelung verlaufen ist und welche

00:02:58.301 --> 00:03:11.358
<v Sandra Wahle>Diskussionen in diesem Zusammenhang geführt wurden, erklärt uns Prof. Heiner Fangerau, Medizinhistoriker und Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Uniklinik Düsseldorf. 

00:03:12.050 --> 00:03:22.841
<v Sandra Wahle>1963 wurde erstmals in Deutschland das Organ eines Verstorbenen transplantiert, nämlich eine Niere. Herr Fangerau, gab es damals schon rechtliche Regelungen zur Organspende?

00:03:22.878 --> 00:03:27.054
<v Heiner Fangerau>Gesetze oder andere Normen gab es nicht. 

00:03:26.922 --> 00:03:38.267
<v Heiner Fangerau>Es gab aber einen Transplantationskodex, den sich die AG Deutscher Transplantationszentren selber gegeben hat. Das war eine Form von Selbstverpflichtung. Der ist dann

00:03:38.201 --> 00:03:46.181
<v Heiner Fangerau>auch immer wieder neu aufgesetzt worden - zum Beispiel durch die Deutsche Transplantationsgesellschaft, die sich eine Ethikkommission gegeben hat. 

00:03:46.199 --> 00:03:52.935
<v Heiner Fangerau>Es liegt ja auf der Hand, dass beim Thema Organtransplantation Fragen berührt werden, wie das Lebensende, die 

00:03:53.164 --> 00:04:03.565
<v Heiner Fangerau>moralisch höchst brisant sind, aber dass auch immer andere Fragen daran hängen: Haben die Menschen zugestimmt? Gibt es finanzielle Interessen? Auch 

00:04:03.469 --> 00:04:09.039
<v Heiner Fangerau>die Debatte "Sind die Menschen wirklich tot?" Der Hirntod war dort noch sehr in der Debatte. 

00:04:08.931 --> 00:04:16.094
<v Heiner Fangerau>Um das einzufangen, gab's diesen Kodex, die Selbstverpflichtung, und hinterher immer weitere Ethikkodizes.

00:04:16.214 --> 00:04:20.595
<v Sandra Wahle>Wie war das denn in der DDR? Weil die DDR hatte ja eine andere Lösung.

00:04:20.781 --> 00:04:28.995
<v Heiner Fangerau>In der DDR gab's seit 1975 eine Verordnung für die Durchführung von Organtransplantationen. Das ist dann wie ein 

00:04:28.912 --> 00:04:37.799
<v Heiner Fangerau>Gesetz und dort gab's die Widerspruchslösung. Das heißt, dort gab es die Regelung, dass wenn ein Mensch nicht widersprochen hat, dass

00:04:37.667 --> 00:04:42.197
<v Heiner Fangerau>ein/ihr Organ entnommen werden darf, dann dürfen Organe entnommen werden. Das 

00:04:42.077 --> 00:04:53.675
<v Heiner Fangerau>hat in der westdeutschen Debatte übrigens Folgen gehabt. Das Deutsche Ärzteblatt, das Westdeutsche zum Beispiel, hat das lange thematisiert unter dem Titel "Sogar die Leiche

00:04:53.531 --> 00:04:55.099
<v Heiner Fangerau>gehört dem Staat". Also 

00:04:54.961 --> 00:05:07.225
<v Heiner Fangerau>in Westdeutschland war eher die Sichtweise, dass diese Widerspruchslösung tatsächlich nur in so einem totalitären System durchgesetzt werden könne, in dem der Staat über Wohl und Wehe der Menschen bestimmt. Und

00:05:07.087 --> 00:05:12.062
<v Heiner Fangerau>das wurde sehr kritisiert von westdeutscher Seite, nämlich als Eingriff in die private Freiheit.

00:05:12.057 --> 00:05:20.349
<v Sandra Wahle>Können Sie vielleicht noch mal skizzieren - sie haben's jetzt grad in der ersten Frage schon angesprochen - wie es dann in Westdeutschland zu der Zustimmungslösung gekommen ist?

00:05:20.313 --> 00:05:29.747
<v Heiner Fangerau>Ja, es gab eben auch in Westdeutschland eine Debatte, wie man eine gesetzliche Regel schaffen kann für die Organtransplantation, die möglichst 

00:05:29.651 --> 00:05:35.960
<v Heiner Fangerau>allen Interessen gerecht wird. Also die berücksichtigt, dass Menschen bei ihrem Tod, 

00:05:35.865 --> 00:05:45.731
<v Heiner Fangerau>oder wenn sie an ihren Tod denken oder auch den von Angehörigen, unterschiedliche Vorstellungen haben. Und in dieser Debatte ist nach intensiver Diskussion die 

00:05:45.629 --> 00:05:57.046
<v Heiner Fangerau>Entscheidung gefallen, dass man voll auf die Zustimmungslösung setzt. Das heißt, dass Menschen aktiv einwilligen müssen, dass im Falle ihres Todes ihre Organe gespendet werden. 

00:05:56.969 --> 00:06:01.914
<v Heiner Fangerau>Spannend dabei ist, dass wenn Menschen nicht einwilligen oder nicht eingewilligt haben 

00:06:01.824 --> 00:06:07.081
<v Heiner Fangerau>vor ihrem Tod, dass dann die Angehörigen befragt werden können. 

00:06:07.340 --> 00:06:19.430
<v Heiner Fangerau>Jetzt ist aber da wichtig, dass nicht die Angehörigen dann entscheiden, was sie meinen, sondern dass die Angehörigen den mutmaßlichen Willen der verstorbenen Personen artikulieren und umsetzen müssen. Da ist

00:06:19.587 --> 00:06:27.867
<v Heiner Fangerau>immer von so einer Botenfunktion der Angehörigen in den frühen Kodizes die Rede. Also wirklich - ich wiederhol's nochmal - dass nicht 

00:06:27.831 --> 00:06:40.143
<v Heiner Fangerau>die Idee der Angehörigen umgesetzt wird, sondern die gefragt werden: was wäre denn der Wunsch des Verstorbenen/der Verstorbenen gewesen? Und das meint Zustimmungslösung. Also ich stimme jetzt zu, 

00:06:40.072 --> 00:06:49.337
<v Heiner Fangerau>stellvertretend für die verstorbene Person, oder schon als Lebender für den Fall, dass ich mal sterbe, dass Organe von mir benutzt werden können für die Transplantation.

00:06:50.990 --> 00:07:00.430
<v Sandra Wahle>Im Januar 2020 wurde das Transplantationsgesetz reformiert. Ein Diskussionspunkt stand dabei im Zentrum der Debatte im Bundestag:

00:07:00.779 --> 00:07:07.479
<v Sandra Wahle>ob die geltende Entscheidungslösung durch eine Widerspruchslösung ersetzt werden sollte. Hören wir kurz mal rein.

00:07:07.497 --> 00:07:15.182
<v O-Toene>Wir wollen aber nicht auf die Trägheit und den Unwillen von Menschen setzen, sich damit nicht zu befassen, denn

00:07:16.252 --> 00:07:24.298
<v O-Toene>das schafft kein Vertrauen." - "

00:07:16.252 --> 00:07:24.298
<v O-Toene>Und jenseits der Einzelfragen, die wichtig sind, ist mit

00:07:24.671 --> 00:07:34.561
<v O-Toene>der Widerspruchslösung - und das zeigen eben die 22 Länder in der europäischen Union, die eine Widerspruchslösung haben - eben auch eine Kultur der Organspende verbunden" - "

00:07:34.952 --> 00:07:44.308
<v O-Toene>Unsere Verfassungsgeschichte schreibt in Artikel 1 und 2 zu Recht aus unserer Geschichte besondere Verantwortung in unser Grundgesetz. 

00:07:44.429 --> 00:07:52.522
<v O-Toene>Und das gilt es bei allem zu respektieren: das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Einzelnen, meine sehr verehrten Damen und Herren."

00:07:52.222 --> 00:07:56.591
<v Sandra Wahle>Sie die Debatte, die es damals gab, vielleicht mal kurz für uns skizzieren?

00:07:56.849 --> 00:08:05.917
<v Heiner Fangerau>Die setzt eigentlich auf dieser Debatte auf, die schon angesetzt hat, als die DDR die Widerspruchslösung eingeführt hat. Es ist wirklich die Frage: 

00:08:06.121 --> 00:08:12.503
<v Heiner Fangerau>kann man es zu einer allgemeinen Regel machen, dass wenn jemand nicht widerspricht, einfach angenommen wird, 

00:08:12.593 --> 00:08:21.997
<v Heiner Fangerau>dass die Person auch nichts dagegen hat? So sage ich das mal. Ich sage das so allgemein, weil das wirklich in der Debatte eine Dimension oder eine Rolle spielt, ob 

00:08:22.364 --> 00:08:30.824
<v Heiner Fangerau>man sich so eine Widerspruchslösung für alle Bereiche des menschlichen Lebens vorstellen kann. Das ist eins der Kernargumente.

00:08:31.402 --> 00:08:34.135
<v Heiner Fangerau>Bezogen auf die Organtransplantation 

00:08:34.124 --> 00:08:46.268
<v Heiner Fangerau>ist es so, dass oft Vergleiche zu anderen Ländern herangezogen werden, in denen es die Widerspruchslösung gibt. Widerspruchslösung in dem Sinne heißt, dass man eben annehmen kann, man kann die Organe nehmen, solange niemand widerspricht.

00:08:46.809 --> 00:08:54.572
<v Heiner Fangerau>Mit Blick auf die DDR war ein Argumentationsstrang: das beeinträchtigt die individuelle Freiheit der Person.

00:08:54.512 --> 00:09:05.755
<v Heiner Fangerau>Ein zweiter Argumentationsstrang war genau der, dass man ja nicht für alle Lebensbereiche so eine Widerspruchslösung annehmen würde, sondern dass man in vielen Lebensbereichen genau auf die Zustimmung setzt und

00:09:05.936 --> 00:09:10.743
<v Heiner Fangerau>nur weil einer sich nicht wehrt, nimmt man ja nicht an, dass die Person irgendetwas will. 

00:09:10.731 --> 00:09:18.536
<v Heiner Fangerau>Und der dritte Argumentationsstrang war der, dass es vielleicht besonders vulnerable Gruppen gibt - vulnerable Gruppen heißt:

00:09:18.813 --> 00:09:23.926
<v Heiner Fangerau>Personen, die aus irgendwelchen Gründen nicht über die Möglichkeit verfügen, 

00:09:24.275 --> 00:09:33.114
<v Heiner Fangerau>sich gut zu informieren, aktiv ihren Willen zu artikulieren - und dass es diese Gruppen gibt, die vielleicht bei einer Widerspruchslösung 

00:09:33.355 --> 00:09:43.282
<v Heiner Fangerau>mehr oder weniger hinten rüber fallen, also dass eine Ungleichheit entsteht. Gut informierte Personen, die sich artikulieren können, die auch die Macht zu sprechen haben, 

00:09:43.360 --> 00:09:51.015
<v Heiner Fangerau>die können mit der Widerspruchslösung auch ihren eigenen Willen umsetzen und es gibt eben Gruppen von Menschen, denen bleibt das dann verwehrt. Und

00:09:51.178 --> 00:09:57.319
<v Heiner Fangerau>es gibt so ein bisschen die Sorge, dass da so eine Gruppe entsteht, die vielleicht - das ist jetzt etwas polemisch gesagt - 

00:09:57.211 --> 00:10:10.767
<v Heiner Fangerau>dann so ein Reservoir bildet und die als einzelne Gruppe dann im Sinne der Widerspruchslösung als Organreservoir fungiert. Das ist polemisch, aber das war eben auch einer der Argumentationsstränge.

00:10:10.738 --> 00:10:17.714
<v Sandra Wahle>Der Bundestag hat sich also für die Beibehaltung der Entscheidungslösung entschieden. Aber es gab ja auch Änderungen. Welche sind das?

00:10:17.636 --> 00:10:29.894
<v Heiner Fangerau>Das sind Änderungen, die vor allem auf vermehrte Informationen setzen und gleichzeitig die Idee verfolgen, dass jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben auch mit der Frage der Organtransplantation konfrontiert wird. 

00:10:30.297 --> 00:10:43.901
<v Heiner Fangerau>Eine Idee ist es, dass mit der Ausgabe des Personalausweises an 16-jährige Personen gleichzeitig Informationsmaterial abgegeben wird zur Organtransplantation und auch zum Organspendeausweis.

00:10:43.980 --> 00:10:49.015
<v Heiner Fangerau>So, dass jede Person wenigstens sich mal den Gedanken machen muss, ob er oder sie zustimmen möchte. Eine weitere

00:10:49.448 --> 00:10:59.140
<v Heiner Fangerau> Idee ist die Einführung eines Online-Registers, das niederschwellig dafür sorgen soll, dass, egal in welchem Zeitpunkt seines Lebens man sich mit der Frage befasst, man 

00:10:59.267 --> 00:11:04.675
<v Heiner Fangerau>sich hier auch registrieren lassen kann. Hausärzte und Hausärztinnen sollen 

00:11:04.591 --> 00:11:18.501
<v Heiner Fangerau>auch immer wieder regelmäßig ergebnisoffen beraten über die Möglichkeit der Organtransplantation und in Erste-Hilfe-Kursen soll das Thema auch angesprochen werden. Und Erste-Hilfe-Kurse muss ja auch jeder machen, der mal einen Führerschein machen möchte. 

00:11:18.736 --> 00:11:20.539
<v Heiner Fangerau>Man sieht an diesen Maßnahmen, dass 

00:11:20.491 --> 00:11:31.944
<v Heiner Fangerau>das Ziel insgesamt erstens eine bessere Aufklärung ist. Klar, dann kann man viel besser auch zustimmen oder eben auch ablehnen, wenn man informiert ist. Das ist eine ganz andere Grundlage.

00:11:32.425 --> 00:11:39.491
<v Heiner Fangerau>Und das Zweite: die Auseinandersetzung mit der Thematik wird massiv gefördert. Kein Mensch redet gerne über Tod, 

00:11:39.353 --> 00:11:44.923
<v Heiner Fangerau>weil es meistens Angehörige betrifft, die man nicht verlieren möchte oder man hat Angst vor dem eigenen Tod.

00:11:44.773 --> 00:11:54.910
<v Heiner Fangerau>Und dieses Tabu, das führt dazu, dass über Organtransplantation zu wenig gesprochen wurde und jetzt mit diesen neuen Regelungen soll das Thema breit verankert werden.

00:11:55.061 --> 00:12:01.160
<v Sandra Wahle>Okay, also Ziel der Gesetzesänderung ist es ausdrücklich nicht, die Menschen zu einer Organspende zu drängen.

00:12:01.280 --> 00:12:09.386
<v Heiner Fangerau>Genau, also die Menschen sollen nicht gedrängt werden. Es sollen ergebnisoffen Informationen gegeben werden. Das ist die Idee der Zustimmungslösung.

00:12:09.633 --> 00:12:17.048
<v Heiner Fangerau>Es gibt ja in der Aufklärung die Idee, dass man wirklich zu etwas zustimmen oder etwas ablehnen kann, wenn man auch weiß, worum es geht. Und

00:12:17.307 --> 00:12:24.811
<v Heiner Fangerau>genau das möchte man erreichen. Man möchte die Menschen befähigen, selbstbestimmt eine Entscheidung zu treffen 

00:12:24.764 --> 00:12:33.951
<v Heiner Fangerau>und eben nicht, wie bei der Widerspruchslösung, einfach anzunehmen: "solange sich keiner wehrt, ist alles okay", sondern man möchte aktiv die Menschen informieren, dass

00:12:33.940 --> 00:12:43.350
<v Heiner Fangerau>sie sich dann nach ihren persönlichen Werten und ihren persönlichen Wünschen entscheiden. Und diese Entscheidung wird dann auch uneingeschränkt akzeptiert.

00:12:43.356 --> 00:12:50.104
<v Heiner Fangerau>Wichtig dabei ist auch noch: man kann seine Entscheidung auch ändern. Das ist keine "einmal für immer Entscheidung".

00:12:50.314 --> 00:12:52.507
<v Sandra Wahle>Herzlichen Dank, Herr Fangerau, für das Gespräch.

00:12:52.484 --> 00:12:54.364
<v Heiner Fangerau>Gerne, vielen Dank für Ihr Interesse.

00:12:58.367 --> 00:13:12.866
<v Sandra Wahle>Heute hat uns Prof. Heiner Fangerau, Medizinhistoriker der Uniklinik Düsseldorf, einen Überblick über die rechtliche Entwicklung der Organspende in Deutschland gegeben. In den Shownotes finden Sie dazu weitere Informationen.

00:13:12.987 --> 00:13:22.396
<v Sandra Wahle>In unserer nächsten Folge geht es um das Beratungsangebot zur Organspende bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Hören Sie gern wieder rein.

