Daniela Kracht

Daniela Kracht auf dem Sofa ihrer Wohnung. * geboren am 27. Juni 1983
* Lebertransplantation am 13.
Oktober 1987

Daniela Kracht lebt mit ihrem Freund in Düsseldorf.

Daniela ist Organpatin, weil sie ein wenig von ihrem Glück weitergeben möchte.

Für Daniela Kracht war es schon später als fünf vor zwölf. Bereits wenige Tage nach der Geburt überbringen die Ärzte den Eltern eine deprimierende Diagnose: Gallengangatresie. Danielas Leber arbeitet nur vermindert. Da die Gallensäuren nicht abgeführt werden, entsteht eine Leberzirrhose. Die Ärzte versuchen, die fehlenden Gallenwege zu ersetzen. Die Operation bleibt erfolglos. Es folgen mehrere längere Krankenhausaufenthalte. Die Prognosen der Mediziner sind sehr pessimistisch. Danielas Leben ist akut gefährdet.

Die Rettung

Mitte der 1980er Jahre ist eine Lebertransplantation das Gegenteil eines Routineeingriffs. Für die kleine Patientin ist sie jedoch der einzige Ausweg. Durch einen Zufall erfahren die Eltern von einem Transplanteur, der bereits über Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügt. Er untersucht Daniela und nur wenige Wochen später gibt es tatsächlich ein geeignetes Organ. Mit viereinhalb Jahren erhält sie eine neue Leber. Die Operation verläuft ohne Komplikationen. Der erfolgreiche Eingriff ist für die gesamte Familie eine Erlösung.

Die 4-jährige Daniela besitzt nach der Transplantation wieder eine Perspektive. Ihr Zustand verbessert sich schlagartig. Zwar muss sie bis heute Medikamente einnehmen, die dafür sorgen, dass ihre neue Leber nicht abgestoßen wird, aber die Nebenwirkungen sind zu keiner Zeit besorgniserregend. "Ab und zu habe ich leichte Krämpfe und ich brauche unbedingt meinen regelmäßigen Schlaf, sonst bekomme ich Migräne, doch das ist alles nichts Dramatisches", sagt die inzwischen 27-jährige.

Eine Schüssel Sahne

Die Transplantation liegt mittlerweile 23 Jahre zurück. Die Erinnerungen, die Daniela daran hat, sind zwar verschwommen, doch einige Details bleiben lebendig: "Ich weiß, dass mir die Ärzte vor der Operation meinen Schnuller und mein Schnüffeltuch weggenommen haben. Als ich mich ein wenig erholt hatte, bekam ich riesige Lust auf Sahne. Bis zur Transplantation durfte ich nichts Fettiges essen. Der Arzt, der mich damals operiert hat, brachte mir selber einen Riesenpott Sahne aus der Küche ans Bett. Ich habe jeden einzelnen Löffel genossen."

Nach der erfolgreichen Transplantation verläuft Danielas Leben in ganz normalen Bahnen. Sie besucht die Maria-Montessori-Schule bis zur 10. Klasse und beginnt anschließend eine Ausbildung zur Krankenschwester. Daniela geht stets offen mit ihrer Lebensgeschichte um. Ihr beruflicher Einstieg ist dafür der beste Beweis, da sie ständig mit dem Thema Krankheit konfrontiert wird.

Krankenschwester und zahnmedizinische Fachangestellte

Die Arbeit im Krankenhaus Daniela Kracht auf dem Balkon ihrer Wohnung. bereitet ihr sehr viel Spaß, doch die Aufgabe ist auch stressig und trägt dazu bei, dass sie häufiger unter Migräne leidet. Daniela schließt ihre Ausbildung ab, entschließt sich jedoch anschließend, den Beruf nicht weiter auszuüben.

Doch es eröffnet sich rasch eine neue Perspektive. In der Zahnarztpraxis des Vaters wird eine Schwangerschaftsvertretung gesucht. Daniela zögert nicht lange und nimmt das Angebot an. Auch diese Aufgabe bereitet ihr so viel Freude, dass sie die Gelegenheit nutzt, um auch den Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten zu erlernen. Zunächst sammelt sie Erfahrung als Stuhlassistentin und später übernimmt Daniela den Empfang.

Geborgenheit im Schoß der Familie

Das berufliche Tandem der Familie Kracht funktioniert prima. "Mag sein, dass eine solch enge Zusammenarbeit zwischen Tochter und Vater in vielen Fällen problematisch wäre. Bei uns aber ist es das genaue Gegenteil. Die Bindung zwischen mir und meinen Eltern ist sehr eng, daher arbeite ich auch so gerne mit meinem Vater zusammen."

Daniela Kracht beim inlineskaten. Bis vor wenigen Monaten lebte Daniela noch bei den Eltern. Inzwischen ist sie mit ihrem Freund in eine große Wohnung zusammengezogen. Sie genießt zwar die neue Selbständigkeit, aber zu weit weg von den Eltern möchte sie nicht sein. "Mit dem Fahrrad sind es nur ein paar Minuten bis zu meinem Elternhaus. Das gibt mir Sicherheit."

Auch mit ihrem Bruder Thilo versteht sie sich bestens. Das ist auch gut so, denn der 23-jährige steht schon in den Startlöchern. In zwei Jahren wird er die Praxis des Vaters übernehmen. Eine bessere Mitarbeiterin als seine Schwester kann er sich kaum vorstellen. So scheint neben der beruflichen Zukunft auch die weitere enge familiäre Bande gesichert.

Freund, Familie und Job nehmen natürlich viel Platz ein. Doch es gibt noch viele weitere Dinge, die Danielas Leben bestimmen. Sport gehört auf jeden Fall dazu. Daniela läuft gerne mit den Inlinern, schwimmt und besucht neuerdings auch ein Fitness-Studio. Außerdem zieht sie auf ihrem Balkon Tomaten und Kräuter. Hier wachsen im Sommer die entscheidenden Zutaten für so manches leckere Nudelgericht aus ihrer Küche.

Neben der beruflichen Tätigkeit ist es für Daniela selbstverständlich, sich sozial einzubringen. Seit dem 12. Lebensjahr arbeitet sie ehrenamtlich für das Deutsche Rote Kreuz. Auch in dem von ihrer Mutter mit gegründetem Bundesverband der Organtransplantierten ist sie aktiv. "Ich weiß, dass ich viel Glück gehabt habe. Daher bin ich froh über jeden Tag, den ich lebe. Auf diese Weise kann ich vielleicht ein wenig davon weitergeben."

Glückszahl 13

Daniela Kracht schaut lächelnd zu ihrem Freund auf.Sollte sich alles weiterhin so positiv entwickeln, kann sie sich vorstellen, in drei Jahren ihren Freund Jens zu heiraten "2013 wäre eigentlich das perfekte Jahr", sagt Daniela mit einem Augenzwinkern. Die Dreizehn ist schließlich ihre Glückszahl. Ihren Freund lernte sie an einem 13. kennen und am 13. Oktober wurde sie transplantiert. Selbstverständlich ist dieses Datum bis heute etwas ganz Besonderes. "Ich feiere zweimal im Jahr Geburtstag. Am 27. Juni den eigentlichen Geburtstag im Freundeskreis und am 13. Oktober meinen Lebergeburtstag im Familienkreis."

Videoporträt Daniela Kracht

Videotranskription:

[Man sieht Daniela Kracht in einem Freibad. Sie schwimmt und hält dann am Beckenrand, um ihre Geschichte zu erzählen. Während ihres Berichtes werden immer wieder Situationen aus ihrem heutigen Leben gezeigt. Wie sie Fahrrad fährt, wie sie in der Zahnarztpraxis ihres Vaters arbeitet. Man sieht sie zusammen mit ihrem Freund Tischfußball spielen und gemeinsam auf der Couch sitzen. Sie halten sich an den Händen und küssen sich.]

Daniela Kracht (lebertransplantiert):

Mein Name ist Daniela Kracht, ich bin 27 Jahre alt und vor 23 Jahren lebertransplantiert. Also ich treibe gern und viel Sport. Ich gehe viel Schwimmen, ich fahre Fahrrad, ich fahre Rollerblades und gehe ins Fitnessstudio. Es ist ein riesen Wunder, dass ich noch lebe, weil mich die Ärzte meinen Eltern mit nach Hause gegeben haben, um zu Hause zu sterben. Und dass da dann überhaupt noch der glückliche Anruf kam, dass ich ein neues Spenderorgan bekomme, das ist einfach das größte Wunder, das es gibt. Auf dem einen Bild bin ich vor der Transplantation, da ging es mir schon richtig schlecht. Da habe ich schon überall Herpes. Und beim zweiten Bild, das ist kurz nach der Transplantation, ein Tag später. Und da versuchen grad die Krankenschwestern mir, ja irgendwas zu wechseln, und mein Papa steht neben mir und hält mir das Händchen. Für mich ist es meine eigene Leber, also für mich ist das meins geworden. Ich bin Zahnarzthelferin, arbeite bei meinem Vater in der Zahnarztpraxis. Mach da den Empfang, die Abrechnung. Nehm Termine  an, habe da ganz viel Kontakt mit den Patienten und arbeite auch gern noch am Stuhl, als Assistenz. Ich genieße den Tag. Ich weiß, dass mir das Leben das zweite Mal geschenkt wurden ist. Und ich will den Körper einfach nicht kaputt machen. Ich trinke keinen Alkohol, ich versuche mich  gesund zu ernähren. Ja, ich denke jeden Tag an den Spender. Weil jeden Morgen wenn ich aufwache, ist das wieder ein neues Wunder und da weiß ich, dass das Wunder nur geklappt hat, weil es diesen Spender gab. Wenn es keinen Spender gegeben hätte, wäre ich gnadenlos gestorben. Die Leute, die darüber nachdenken, Organspender zu werden, müssen für sich selber wissen, was sie möchten. Durch das Ausfüllen dieser Karte können Sie Menschen einfach weiterleben lassen.

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