Stellungnahme zu den aktuellen Manipulationsvorwürfen am Deutschen Herzzentrum in Berlin

Antworten zu den wichtigsten Fragen der Bürgerinnen und Bürger  

Anlässlich der aktuellen Manipulationsvorwürfe am Deutschen Herzzentrum in Berlin erklärt  Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

„Erneut steht ein Klinikum in Verdacht, Patientendaten manipuliert zu haben. Angesichts vermehrter  Anfragen verunsicherter Bürgerinnen und Bürger weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung darauf hin, dass es sich bei den aktuellen Manipulationsvorwürfen um Vorfälle handelt, die in den Zeitraum vor der Neuerung des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012 fallen. Der Gesetzgeber hat als Konsequenz aus den damaligen Vorfällen das System der Organvergabe im Jahr 2012 in vielen Bereichen weitreichend verbessert, um die Organvergabe transparenter und sicherer zu gestalten. Die Aufdeckung der aktuellen Vorfälle bestätigt, dass Manipulationen nicht mehr unentdeckt bleiben.“

Sachliche Informationen bilden weiterhin die Grundlage, um eine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende treffen zu können. Hierzu veröffentlicht die BZgA die aktuell häufigsten Fragen aus der Bevölkerung und die dazugehörigen Antworten:

Warum sollte ich nach den Vorfällen in den Transplantationszentren noch in das System der Organspende vertrauen und einen Organspendeausweis ausfüllen?

Die aktuelle Verunsicherung ist sehr verständlich. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass mit der im Jahr 2012 in Kraft getretenen Novelle des Transplantationsgesetzes die Kontrollinstrumentarien gestärkt und die Grundlagen geschaffen wurden, um das System der Organtransplantation für die Bevölkerung transparenter zu gestalten. Mit der weiteren Gesetzesänderung zum 1. August 2013 sind bereits Konsequenzen aus den bekannt gewordenen Manipulationen an Patientendaten an einzelnen Transplantationszentren gezogen worden. Ziel ist es, dass durch ein transparentes und überprüfbares System der Organvergabe vergleichbare Fälle in Zukunft ausgeschlossen sind. Nur so kann verlorengegangenes Vertrauen wiederhergestellt werden.
Dennoch ist es auch jetzt wichtig, für sich das Für und Wider einer Organspende abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen. Mit einem Organspendeausweis ist es möglich, die persönliche Entscheidung nach reiflicher Überlegung, möglichst auch nach Gesprächen in der Familie oder mit Angehörigen, für oder gegen die Organ- und Gewebespende zum Ausdruck zu bringen. Zur Beratung steht auch das Infotelefon Organspende unter der gebührenfreien Rufnummer 0800-90 40 400 zur Verfügung.

Wie kann ich noch sicher sein, dass Organe gerecht vergeben werden?

Die Vergabe von Spenderorganen liegt in der Verantwortung der Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden. Eurotransplant sind Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Kroatien, Österreich, Slowenien, Ungarn und Deutschland angeschlossen, um mit einer gemeinsamen Liste von Patientinnen und Patienten, die auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten, die möglichst beste Vergabe zu gewährleisten. Bei Eurotransplant laufen die Daten aller Patientinnen und Patienten, die auf eine Transplantation warten und die Daten der gespendeten Organe zusammen. Computergesteuert wird dort nach sorgfältig festgelegten medizinischen Kriterien die passende Empfängerin bzw. der passende Empfänger für ein Spenderorgan ermittelt.

Diese Vergabe der Organe im so genannten Standardverfahren erfolgt nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei vor allem auf Erfolgsaussicht und Dringlichkeit geachtet wird. Diese Richtlinien entsprechen dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft und werden kontinuierlich überprüft und falls erforderlich angepasst.

Für eine Organspende kommen nur Menschen infrage, die am Hirntod verstorben sind. Was genau ist der Hirntod und wie wird dieser festgestellt?

Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer ist der Hirntod definiert als „Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstamms.“ Alle Funktionen des Gehirns sind unwiederbringlich erloschen, da eine Hirndurchblutung nicht mehr existiert. Der Hirntod ist nach weltweit anerkanntem, naturwissenschaftlich-medizinischem Erkenntnisstand ein sicheres Todeszeichen des Menschen.

Die Durchführung der Hirntodfeststellung erfolgt nach strengen Kriterien. Nach dem Transplantationsgesetz müssen zwei erfahrene Ärzte oder Ärztinnen unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Hierbei muss ein vorgegebenes Untersuchungsschema befolgt und die Ergebnisse müssen schriftlich festgehalten werden. Durch mehrstufige und wiederholte Untersuchungen kann der Hirntod zweifelsfrei festgestellt werden. Um einen Interessenskonflikt auszuschließen, dürfen die Ärzte oder Ärztinnen nicht selbst an der Organentnahme oder der Transplantation beteiligt sein. Außerdem dürfen sie nicht der Weisung eines an der Organentnahme oder Transplantation beteiligten Arztes bzw. einer beteiligten Ärztin unterstehen.

Werde ich zu früh für tot erklärt, nur damit meine Organe entnommen werden dürfen?

Nein. Die Befürchtung ist sachlich unbegründet. Wenn ein Patient mit schweren Hirnschädigungen aufgegeben würde, indem die Intensivtherapie reduziert oder abgebrochen wird, wäre auch eine potenzielle Organspende nicht mehr möglich, da in der Folge der Kreislauf zusammenbrechen würde. Außerdem ist ein Arzt immer vorrangig am Überleben und an der Genesung „seines“ Patienten interessiert. Dazu ist er aufgrund seines hippokratischen Eides verpflichtet.

Können sich die Angehörigen nach der Organspende noch einmal von der verstorbenen Person verabschieden?

Ja. Die Angehörigen können nach der Organentnahme in jeder gewünschten Weise von der verstorbenen Person Abschied nehmen. Der operative Eingriff der Organentnahme erfolgt mit der gleichen chirurgischen Sorgfalt wie jede andere Operation auch. Der Leichnam wird in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben.

Gibt es eine Altersgrenze für die Organ- und Gewebespende?

Eine feste, für alle Organe und Gewebe geltende Altersgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist nicht das kalendarische Alter, sondern das biologische Alter, also der Zustand der Organe und Gewebe. Einschränkungen gibt es bei der Haut sowie Weichteilgeweben (Sehnen, Bänder, Bindegewebe), deren Spende bis zum 75. bzw. 65. Lebensjahr möglich ist.

Ich habe eine persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende getroffen. Muss ich mich irgendwo registrieren lassen?

Nein. In Deutschland gibt es keine Institution und kein allgemeines Register, in denen alle Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger gesammelt werden. Es reicht aus, einen Organspendeausweis auszufüllen und diesen mit den Personalpapieren bei sich zu tragen. Dort wird er im Falle eines Falles am ehesten gefunden und es besteht Sicherheit, dass die Entscheidung bekannt ist und berücksichtigt wird. Außerdem ist es wichtig, die nächsten Angehörigen über die eigene Entscheidung zu informieren.

Kann ich meine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende ändern oder Einschränkungen vornehmen?

Ja. Wer die eigene Einstellung zur Organ- und Gewebespende geändert hat, muss lediglich den Organspendeausweis, in dem der erklärte Wille dokumentiert war, vernichten. Auf einem neuen Ausweis kann dann die geänderte Einstellung festgehalten werden. Es ist auch möglich, die Bereitschaft zur Spende auf bestimmte Organe oder Gewebe zu beschränken oder bestimmte Organe oder Gewebe von der Spende auszuschließen.
Umfangreiche Informationen und Antworten auf weitere Fragen zur Organ- und Gewebespende finden Sie auf der Internetseite www.organspende-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie beim gemeinsamen Infotelefon Organspende der BZgA und der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Das gebührenfreie Infotelefon erreichen Sie Montag bis Freitag von 9:00 – 18:00 Uhr unter der Rufnummer 0 800/90 40 400.